Migräne und Kopfschmerzen während der Schwangerschaft: Ursachen, Behandlung und Prävention

Kopfschmerzen in der Schwangerschaft sind ein weit verbreitetes Phänomen, das viele werdende Mütter beunruhigt. Glücklicherweise gibt es Strategien zur Linderung und Vorbeugung.

Einführung

Viele Frauen erleben während der Schwangerschaft Kopfschmerzen, insbesondere im ersten Trimester. Diese können von leichten Spannungskopfschmerzen bis hin zu Migräne reichen. Die Ursachen sind vielfältig und reichen von hormonellen Veränderungen bis hin zu Stress und veränderter Lebensweise. Es ist wichtig, die verschiedenen Arten von Kopfschmerzen zu verstehen, um geeignete Behandlungs- und Vorbeugungsmaßnahmen ergreifen zu können.

Ursachen von Kopfschmerzen in der Schwangerschaft

Kopfschmerzen in der Schwangerschaft können verschiedene Ursachen haben, die oft miteinander zusammenhängen. Es ist wichtig, diese Faktoren zu berücksichtigen, um die besten Behandlungs- und Vorbeugungsstrategien zu entwickeln.

Hormonelle Veränderungen

Massive hormonelle Veränderungen, insbesondere der starke Anstieg des Östrogenspiegels, können in den ersten Wochen der Schwangerschaft Kopfschmerzen auslösen. Diese Schwankungen beeinflussen das Schmerzempfinden und können bestehende Kopfschmerzen verstärken oder neue auslösen.

Flüssigkeitsmangel

Morgenübelkeit und veränderte Trinkgewohnheiten führen oft zu Flüssigkeitsmangel, was wiederum Kopfschmerzen verursachen kann. Ausreichende Flüssigkeitszufuhr ist daher entscheidend, um Kopfschmerzen vorzubeugen.

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Kreislaufanpassung

Die Anpassung des Kreislaufsystems an die Schwangerschaft kann zu Blutdruckschwankungen führen, die ebenfalls Kopfschmerzen auslösen können.

Stress und Anspannung

Die neue Lebenssituation und die damit verbundenen Veränderungen können Stress und Anspannung verursachen, was sich in Kopfschmerzen äußern kann. Der Körper reagiert in dieser Zeit besonders empfindlich auf äußere Einflüsse.

Weitere Faktoren

Niedriger Blutzucker und Verspannungen können ebenfalls zu Kopfschmerzen beitragen. Es ist wichtig, auf eine ausgewogene Ernährung und Entspannungstechniken zu achten.

Arten von Kopfschmerzen in der Schwangerschaft

Während der Schwangerschaft können verschiedene Arten von Kopfschmerzen auftreten, wobei Spannungskopfschmerzen und Migräne besonders häufig sind. Es ist wichtig, die Unterschiede zwischen diesen Arten zu kennen, um die richtige Behandlung zu wählen.

Spannungskopfschmerzen

Spannungskopfschmerzen äußern sich meist durch einen dumpfen, beidseitigen Schmerz, der sich wie ein enges Band um den Kopf legt. In der Schwangerschaft verstärken sich diese Beschwerden häufig durch die veränderte Körperhaltung und das zusätzliche Gewicht. Besonders betroffen ist der Nacken- und Schulterbereich, von wo aus sich die Kopfschmerzen bis in den Hinterkopf ausbreiten können.

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Migräne

Bei Frauen mit vorbestehender Migräne kann sich das Muster während der Schwangerschaft verändern. Bei einigen Schwangeren bessert sich die Migräne deutlich, während sich bei anderen die Beschwerden verschlimmern - vor allem im ersten Trimester. Typische Migräneanfälle sind meist einseitig und werden von Übelkeit sowie Licht- und Lärmempfindlichkeit begleitet.

Der Verlauf während der Schwangerschaft ist individuell:

  • Erstes Trimester: Häufig verstärkte Beschwerden durch hormonelle Umstellung.
  • Zweites Trimester: Bei vielen Frauen deutliche Besserung.
  • Drittes Trimester: Meist seltenere und schwächere Migräneanfälle. In den letzten Wochen vor der Geburt kann die Migräne jedoch erneut heftig und häufig auftreten, möglicherweise aufgrund des Anstiegs der Östrogenausschüttung.

Wann ist ärztlicher Rat erforderlich?

Bei starken oder ungewöhnlichen Kopfschmerzen in der Schwangerschaft sollten werdende Mütter besonders aufmerksam sein. Vor allem nach der 20. Schwangerschaftswoche können starke Kopfschmerzen auf eine Präeklampsie hinweisen.

Präeklampsie

Die Präeklampsie ist eine schwangerschaftsbedingte Erkrankung, die sich meist schleichend entwickelt. Der Blutdruck steigt stark an und im Urin findet sich vermehrt Eiweiß. Unbehandelt kann eine Präeklampsie sowohl für die Mutter als auch für das ungeborene Kind gefährlich werden, da sie die Durchblutung der Plazenta beeinträchtigt. Betroffene Frauen sollten in diesem Fall unbedingt einen Arzt aufsuchen.

Anzeichen einer Präeklampsie:

  • Sehstörungen wie verschwommenes Sehen oder Lichtblitze.
  • Starke Schwellungen, vor allem im Gesicht und an den Händen.
  • Plötzlich auftretende starke Übelkeit mit heftigem Erbrechen nach der 20. Schwangerschaftswoche.
  • Deutlich erhöhter Blutdruck.
  • Stark schäumender Urin.

Weitere bedenkliche Situationen

Während der Schwangerschaft sollten Frauen auch dann einen Arzt konsultieren, wenn:

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  • Die Kopfschmerzen plötzlich und ungewöhnlich stark auftreten.
  • Die Schmerzen trotz Ruhe nicht nachlassen.
  • Die üblichen Maßnahmen zur Linderung nicht mehr helfen.
  • Sich das Allgemeinbefinden deutlich verschlechtert.

Je früher eine Präeklampsie oder andere Komplikationen erkannt werden, desto besser sind die Behandlungsmöglichkeiten. Deshalb ist es ratsam, auch leichte, aber ungewöhnliche Kopfschmerzen von einem Arzt abklären zu lassen.

Behandlung von Kopfschmerzen und Migräne in der Schwangerschaft

Frauen sollten in der Schwangerschaft Schmerzmittel ausschließlich nach ärztlicher Rücksprache einnehmen, da einige Wirkstoffe ein Risiko für das ungeborene Kind darstellen können. Es gibt jedoch verschiedene schonende Alternativen, die zur Linderung der Beschwerden beitragen können.

Nicht-medikamentöse Behandlungsmethoden

Oft lassen sich die Beschwerden auch ohne Medikamente lindern:

  • Ausreichend Schlaf und regelmäßige Ruhepausen.
  • Leichte Bewegung an der frischen Luft.
  • Kalte oder warme Umschläge auf Stirn und Nacken.
  • Progressive Muskelentspannung.
  • Akupressur der Schläfen.
  • Pfefferminzöl zur äußerlichen Anwendung.

Medikamentöse Behandlung

Wenn nicht-medikamentöse Maßnahmen nicht ausreichen, können bestimmte Medikamente in Absprache mit dem Arzt eingenommen werden. Paracetamol gilt als Mittel der Wahl, sollte aber nicht täglich eingenommen werden. Ibuprofen und Acetylsalicylsäure sind in den ersten beiden Trimestern nur in Ausnahmefällen erlaubt und sollten nach der 28. Woche vermieden werden. Bei starken Migräneanfällen können Triptane unter ärztlicher Aufsicht eingenommen werden, wobei Sumatriptan bevorzugt wird, da hierzu die meisten Daten vorliegen. Bei Übelkeit und Erbrechen kann Metoclopramid eingesetzt werden.

Alternative Behandlungsmethoden

Glücklicherweise gibt es ja noch diverse, nicht-medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten bei Migräne. Im Akutfall können beispielsweise Entspannung, Imaginationsübungen, Magnesiumgabe, Ingwer gegen Übelkeit oder Akupunktur helfen. Weitere natürliche Behandlungsmethoden findest du in unserem Artikel „Was hilft gegen Migräne im Akutfall?“.

Wie du Migräne auf natürlichem Wege vorbeugen kannst, haben wir in dem Artikel (Migräne vorbeugen) zusammengefasst. Eine weitere tolle und einfach durchzuführende Option ist die Einführung einer niedrig-glykämischen Ernährung, also einer Ernährung, die deinen Blutzucker eher niedrig-stabil hält und so nachweislich Migräneattacken vorbeugen kann5-7.

Vorbeugung von Kopfschmerzen in der Schwangerschaft

Mit diesen Maßnahmen können werdende Mütter die Häufigkeit von Kopfschmerzen in der Schwangerschaft verringern:

  • Täglich mindestens zwei Liter Wasser trinken.
  • Auf regelmäßige Mahlzeiten achten.
  • Bekannte Auslöser wie Stress oder grelles Licht vermeiden.
  • Sich ausreichend bewegen, aber nicht überanstrengen.
  • Regelmäßig lüften für eine gute Sauerstoffversorgung.
  • Schwangerschaftskissen für eine bessere Schlafposition verwenden.
  • Vermeidung von starken Blutzuckerschwankungen

Die richtige Balance zwischen Aktivität und Entspannung ist dabei entscheidend. Bei einer Erkrankung wie Kopfschmerzen sollten Frauen in der Schwangerschaft auf die Signale ihres Körpers hören und sich die nötigen Ruhepausen gönnen.

Neuere Studien haben Zusammenhänge zwischen Insulinresistenz, hohen Blutzucker- und Insulinspiegeln und Migräne festgestellt. Besonders stark schwankende Blutzuckerreaktionen nach dem Essen können auf mehreren Ebenen Migräneanfälle fördern1-4 Erste wissenschaftliche Studien konnten belegen, dass eine niedrig-glykämische Ernährung, die den Blutzucker eher niedrig und stabil hält, eine effektive Migräneprophylaxe sein kann5-7. Die digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) sinCephalea Migräneprophylaxe möchte dir bei dieser Form der nicht-medikamentösen Migränevorbeugung helfen. In der zweiwöchigen Testphase kannst du mittels App und Blutzuckersensor herausfinden, wie dein Blutzucker auf verschiedene Mahlzeiten und Lebensmittel reagiert und im Anschluß die Lebensmittel weglassen oder so kombinieren, dass dein Blutzucker niedrig-stabil bleibt. Damit das empfindliche Migränegehirn regelmässig und ausgeglichen mit Energie versorgt wird sind auch regelmässige Mahlzeiten von Vorteil. Diese kannst du in dem Ernährungstagebuch der Migräne-App sinCephalea tracken - genauso wie deine tägliche Trinkmenge. Denn es ist nachgewiesen, dass Flüssigkeitsmangel ebenfalls Migräneanfälle begünstigt.

Vermeidung von Triggern

Es ist wichtig, individuelle Auslöser für Kopfschmerzen zu identifizieren und zu vermeiden. Dies kann Stress, bestimmte Lebensmittel, grelles Licht oder Schlafmangel umfassen. Ein regelmäßiger Tagesablauf mit Ruhepausen und ausreichend Nachtschlaf kann ebenfalls helfen.

Migräne während der Geburt

Die Vorstellung, während der Geburt unter Migräne zu leiden, kann beängstigend sein. Es gibt jedoch Strategien, um damit umzugehen.

Umgang mit Migräne während der Geburt

Viele Frauen empfinden die Wehenschmerzen als erträglicher als Migräne-Schmerzen, da die Wehen in Intervallen auftreten und ein positives Ergebnis haben. Imaginationsübungen und Entspannungstechniken können helfen, die Schmerzen zu lindern. In Absprache mit dem Arzt können auch Akutmedikamente oder eine Periduralanästhesie (PDA) in Betracht gezogen werden.

Was hilft akut bei Migräne während der Geburt?

Gedankenimagination als Akuthilfe bei MigräneIch sah die Wehen eher als Wellen an. Ein Boot auf einem Ozean, das durch die Wellen seinem Ziel immer näher kommt. Die Wellen, die durch meine Atmung das Boot an den Strand spülen.Unbeschreiblich diese Naturgewalt, die unter der Geburt zum Ausdruck kommt. Ich habe bisher nichts Faszinierenderes und Beeindruckenderes erlebt.Auch bei Migräne können Imaginationsübungen helfen. Anhand der eigenen Vorstellungskraft wird der Schmerz verdrängt oder moduliert. Man kann sich z.B. in Gedanken an einen schönen Ort begeben, die Schmerzen abfließen lassen, oder wie ein Wissenschaftler den Schmerz untersuchen und schließlich verkleinern.

Medikamente in der Schwangerschaft - was ist erlaubt?

Ich habe in meiner gesamten Schwangerschaft auf Medikamente verzichtet. Zu groß waren mir mögliche Risiken für das Leben meines ungeborenen Kindes. Blutdrucksenker wie Beta-Blocker, Triptane, Schmerzmittel wie Novalgin, sämtliche Schlafmittel, Aspirin und eine lange Liste verschiedener Antibiotika sind tabu. Jedoch sind einige wenige Medikamente aus ärztlicher Sicht unbedenklich.Zum Beispiel dürfen Ibuprofen oder Diclofenac im ersten und zweiten Trimenon, also vor der 28. Schwangerschaftswoche eingenommen werden, jedoch gilt hierfür im letzten Drittel absolutes Tabu. Grund dafür ist die Auswirkung von nichtsteroidalen Antirheumatika (NSAR) - zu denen auch Ibuprofen und Diclofenac zählen - auf die Gefäßverbindung zwischen der Hauptschlagader und der Lungenarterie im fetalen Blutkreislauf, dem sogenannten Ductus arteriosus: Ibuprofen oder Diclofenac können diesen vorzeitig verschließen und damit den Blutkreislauf des Babys unterbrechen. Ebenso diskutiert wird der Zusammenhang zwischen NSAR und Lungenhochdruck beim Neugeborenen (persistierender pulmonaler Hypertonus), sowie Störungen der Nierenfunktionen.Zur Behandlung der Übelkeit kann in der Schwangerschaft Vomex eingesetzt werden, jedoch ab dem dritten Trimenon nur in äußersten Notfällen und nur nach Rücksprache mit dem Gynäkologen.

Migräne nach der Geburt

Nach der Entbindung kommt es erneut zu Hormonumstellungen, die dazu führen können, dass Migräne wieder häufiger auftritt. Stillende Mütter müssen besonders aufpassen, welche Medikamente sie einnehmen können, ohne ihrem Säugling zu schaden. Es ist wichtig, die medikamentöse Behandlung immer mit dem Arzt abzusprechen und mögliche Migräne-Auslöser zu vermeiden.

Kinderwunsch und Migräne

Migräne ist kein Grund, auf eine Schwangerschaft zu verzichten. Auch eine Kinderwunschbehandlung ist für Migränepatientinnen möglich. Es ist jedoch ratsam, den Gebrauch von Schmerzmitteln in der Schwangerschaft nach Möglichkeit zu vermeiden oder auf ein Minimum zu reduzieren. Jede Therapie und jede Medikamenteneinnahme oder auch das Absetzen eines Medikaments sollte zuvor mit den behandelnden Ärzten besprochen werden.

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