Wadenkrämpfe bei Morbus Parkinson: Ursachen und Behandlung

Wadenkrämpfe sind ein häufiges und oft schmerzhaftes Problem, das viele Menschen betrifft. Besonders bei Morbus Parkinson können Wadenkrämpfe eine zusätzliche Belastung darstellen. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen von Wadenkrämpfen bei Parkinson-Patienten und gibt einen Überblick über verschiedene Behandlungsmöglichkeiten.

Was sind Wadenkrämpfe?

Wadenkrämpfe sind plötzliche, unwillkürliche und schmerzhafte Muskelkontraktionen in der Wade. Sie treten oft nachts oder im Ruhezustand auf und können von wenigen Sekunden bis zu mehreren Minuten dauern. In den meisten Fällen sind sie harmlos, aber wiederholte oder sehr schmerzhafte Krämpfe können die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen.

Ursachen von Wadenkrämpfen

Wadenkrämpfe können verschiedene Ursachen haben, die oft ineinandergreifen:

Elektrolytstörungen

Eine Störung des Elektrolythaushaltes, insbesondere ein Mangel an Magnesium, Kalium und Kalzium, kann Muskelkrämpfe begünstigen. Ein Mangel kann durch unzureichende Zufuhr, vermehrte Ausscheidung (z. B. durch Schwitzen, Durchfall oder Diuretika) oder gestörte Aufnahme im Darm entstehen.

Dehydration

Eine Dehydration, also eine Austrocknung des Körpers, kann ebenfalls zu Wadenkrämpfen führen. Dies kann durch starkes Schwitzen, Erbrechen, Durchfall oder unzureichende Flüssigkeitszufuhr verursacht werden.

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Durchblutungsstörungen

Durchblutungsstörungen in den Beinen können die Sauerstoff- und Nährstoffversorgung der Muskulatur beeinträchtigen und so Krämpfe auslösen. Risikofaktoren wie Rauchen, Bluthochdruck und Bewegungsmangel begünstigen die Entwicklung von Gefäßerkrankungen.

Neurologische Erkrankungen

Neurologische Erkrankungen wie Morbus Parkinson können die Signalübertragung zwischen Nerven und Muskulatur stören und so Krämpfe verursachen.

Muskelüberlastung und Fehlbelastung

Eine Überlastung oder Fehlbelastung der Muskulatur, insbesondere nach intensiver körperlicher Aktivität oder ungewohnten Bewegungen, kann zu Krämpfen führen. Fehlstellungen der Füße können ebenfalls eine Rolle spielen.

Medikamente

Bestimmte Medikamente, wie Diuretika, Cholesterinsenker (Statine) oder Asthma-Medikamente, können als Nebenwirkung Wadenkrämpfe verursachen. Auch einige Parkinson-Medikamente wie Tolcapon können Krämpfe auslösen.

Weitere Ursachen

Weitere mögliche Ursachen sind hormonelle Störungen, Nierenerkrankungen, Schilddrüsenunterfunktion, Krampfadern und das Restless-Legs-Syndrom.

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Wadenkrämpfe bei Morbus Parkinson

Morbus Parkinson ist eine neurodegenerative Erkrankung, die vor allem das zentrale Nervensystem betrifft. Die Erkrankung führt zu einem Mangel an Dopamin, einem wichtigen Botenstoff im Gehirn, was Bewegungsstörungen und andere Symptome verursacht.

Zusammenhang zwischen Parkinson und Wadenkrämpfen

Bei Parkinson-Patienten können Wadenkrämpfe verschiedene Ursachen haben:

  • Direkte Auswirkungen der Erkrankung: Morbus Parkinson kann das autonome Nervensystem beeinträchtigen, was zu Muskelkrämpfen führen kann.
  • Medikamentöse Therapie: Einige Parkinson-Medikamente können als Nebenwirkung Muskelkrämpfe verursachen. Insbesondere bei Wirkungsschwankungen der Medikamente (sogenannte „Off“-Phasen) können Krämpfe auftreten.
  • Dystonie: Starke Muskelkrämpfe bei Parkinson können auch dyston sein. Dystonie ist die Bezeichnung für unkontrollierbare und manchmal schmerzhafte Muskelkrämpfe, die durch falsche Signale aus dem Gehirn verursacht werden.
  • Weitere Faktoren: Elektrolytstörungen, Dehydration, Durchblutungsstörungen und andere oben genannte Ursachen können auch bei Parkinson-Patienten zu Wadenkrämpfen beitragen.

Symptome im "Off"

Muskelkrämpfe und Schmerzen bei Parkinson können ein Hinweis auf Symptome im „Off“ sein. Diese treten auf, wenn die Wirkung der Medikamente nachlässt. Typisch sind starke Symptome am Morgen nach dem Erwachen, die nach der Medikamenteneinnahme nachlassen.

Diagnose von Wadenkrämpfen

Die Diagnose von Wadenkrämpfen beginnt mit einer ausführlichen Anamnese und klinischen Untersuchung. Der Arzt wird nach der Häufigkeit, Dauer und Intensität der Krämpfe fragen, sowie nach Begleitsymptomen und möglichen Auslösern.

Anamnese

Wichtige Fragen in der Anamnese sind:

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  • Wann treten die Krämpfe auf (nachts, tagsüber, nach Belastung)?
  • Wo treten die Krämpfe auf (Wade, Oberschenkel, Fuß)?
  • Wie lange dauern die Krämpfe?
  • Gibt es Begleitsymptome wie Taubheitsgefühle, Kribbeln oder Schmerzen?
  • Welche Medikamente nehmen Sie ein?
  • Gibt es Vorerkrankungen wie Diabetes, Nierenerkrankungen oder Schilddrüsenprobleme?

Körperliche Untersuchung

Bei der körperlichen Untersuchung wird der Arzt die Muskulatur abtasten, die Durchblutung der Beine überprüfen und neurologische Tests durchführen.

Weitere Untersuchungen

Je nach Verdacht können weitere Untersuchungen erforderlich sein:

  • Blutbild: Ein Blutbild kann Hinweise auf Elektrolytstörungen, Nierenerkrankungen oder andere zugrunde liegende Ursachen liefern.
  • Elektromyographie (EMG): Eine EMG kann Muskelaktivität messen und so neurologische Ursachen aufdecken.
  • Laufbandanalyse: Eine Laufbandanalyse kann muskuläre Dysbalancen und Fehlbelastungen erkennen, die Krämpfe begünstigen.
  • Doppler-Sonographie: Eine Doppler-Sonographie kann Durchblutungsstörungen in den Beinen aufdecken.

Behandlung von Wadenkrämpfen

Die Behandlung von Wadenkrämpfen richtet sich nach der Ursache. In vielen Fällen können einfache Maßnahmen helfen, die Beschwerden zu lindern.

Akutbehandlung

Bei einem akuten Krampf können folgende Maßnahmen helfen:

  • Dehnen: Strecken Sie das betroffene Bein und ziehen Sie die Zehen sanft zu sich heran.
  • Massieren: Massieren Sie die verkrampfte Muskulatur vorsichtig mit den Händen.
  • Wärme: Eine warme Dusche oder eine Wärmflasche können helfen, die Muskulatur zu entspannen.
  • Bewegung: Stehen Sie auf und laufen Sie ein paar Schritte.
  • Flüssigkeitszufuhr: Trinken Sie ausreichend Wasser oder isotonische Getränke, um den Elektrolythaushalt auszugleichen.

Vorbeugende Maßnahmen

Um Wadenkrämpfen vorzubeugen, können folgende Maßnahmen hilfreich sein:

  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr: Trinken Sie ausreichend Wasser über den Tag verteilt, besonders bei körperlicher Anstrengung.
  • Elektrolytzufuhr: Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung mit ausreichend Magnesium, Kalium und Kalzium. Bei Bedarf können Sie Elektrolytpräparate einnehmen.
  • Regelmäßige Bewegung: Regelmäßige Bewegung fördert die Durchblutung und stärkt die Muskulatur.
  • Dehnübungen: Dehnen Sie regelmäßig Ihre Wadenmuskulatur, besonders vor dem Schlafengehen.
  • Vermeidung von Risikofaktoren: Vermeiden Sie Risikofaktoren wie Rauchen, Übergewicht und Bewegungsmangel.
  • Geeignetes Schuhwerk: Tragen Sie bequeme Schuhe mit guter Unterstützung.
  • Hochlagern der Beine: Lagern Sie Ihre Beine im Sitzen und Liegen hoch, um die Durchblutung zu fördern.
  • Kalte Wadenwickel: Kalte Wadenwickel oder Wechselduschen können bei venös bedingten Wadenkrämpfen helfen.

Medikamentöse Therapie

In einigen Fällen kann eine medikamentöse Therapie erforderlich sein:

  • Magnesium: Bei Magnesiummangel kann die Einnahme von Magnesiumpräparaten helfen.
  • Chinin: Chininsulfat (z. B. in Limptar N) kann bei nächtlichen Wadenkrämpfen eingesetzt werden, wenn andere Maßnahmen nicht ausreichen. Das Medikament ist verschreibungspflichtig, da es Nebenwirkungen wie Herzrhythmusstörungen, Sehstörungen oder Magen-Darm-Beschwerden verursachen kann.
  • Muskelrelaxantien: Muskelrelaxantien können helfen, die Muskelspannung zu reduzieren.
  • Durchblutungsfördernde Medikamente: Bei Durchblutungsstörungen können durchblutungsfördernde Medikamente eingesetzt werden.
  • Botulinumtoxin (Botox): Bei Dystonie kann Botulinumtoxin in die betroffenen Muskeln injiziert werden, um die Muskelspannung zu reduzieren.

Behandlung von Grunderkrankungen

Wenn die Wadenkrämpfe durch eine Grunderkrankung verursacht werden, sollte diese entsprechend behandelt werden. Bei Parkinson-Patienten kann eine Anpassung der Parkinson-Medikation helfen, die Krämpfe zu reduzieren.

Physiotherapie

Physiotherapie kann helfen, muskuläre Dysbalancen zu korrigieren und die Muskulatur zu stärken. Spezielle Übungen wie exzentrisches Wadentraining oder Tibialis-anterior-Training können helfen, Krämpfen vorzubeugen.

Spezielle Behandlungen bei Morbus Parkinson

Bei Parkinson-Patienten mit Wadenkrämpfen können folgende spezielle Behandlungen in Betracht gezogen werden:

  • Anpassung der Parkinson-Medikation: Die Parkinson-Medikation sollte optimal eingestellt sein, um Wirkungsschwankungen zu vermeiden. In einigen Fällen kann die Einnahme von schnell wirkenden oder länger wirkenden Medikamenten hilfreich sein.
  • Tiefe Hirnstimulation (THS): Bei Dystonie, die durch Parkinson verursacht wird, kann eine THS in Betracht gezogen werden.
  • Transkranielle Magnetstimulation (TMS) und transkranielle Gleichstromstimulation (tDCS): Diese nicht-invasiven Hirnstimulationsverfahren werden derzeit für die Behandlung von Dystonie erforscht.

Was Lumedis einzigartig bei der Behandlung macht

Lumedis setzt auf eine ganzheitliche und ursachenorientierte Behandlung von Krämpfen in den Beinen im Ruhezustand. Eine präzise Muskelfunktionsdiagnostik wird durchgeführt, um muskuläre Dysbalancen als Ursache für Krämpfe in den Beinen zu erkennen. Basierend auf den Ergebnissen der Muskeldiagnostik wird eine individuelle Trainingstherapie entwickelt, um muskuläre Dysbalancen gezielt zu korrigieren. Zusätzlich werden manualtherapeutische Techniken, Dehnprogramme und funktionelle Übungen eingesetzt. Die Behandlung wird individuell an die Ergebnisse der Laufbandanalyse und Elektromyographie (EMG) angepasst.

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