Pamela Spitz, eine Fotojournalistin und Globetrotterin, erhielt im Alter von 41 Jahren die niederschmetternde Diagnose Morbus Parkinson. Anstatt sich von der Krankheit unterkriegen zu lassen, stürzte sie sich in ein Abenteuer, das sie um die Welt und zu sich selbst führte. Ihre Erfahrungen und Erkenntnisse hat sie in dem Buch "Wanderlust mit Mister Parkinson" festgehalten, das von einem Leben mit Parkinson, Reisen und der Suche nach Glück und Lebensfreude erzählt.
Die Diagnose und der erste Schock
Pamela Spitz war gerade frisch geschieden und als freiberufliche Fotoredakteurin tätig, als sie 2016 die Diagnose Morbus Parkinson erhielt. "Noch zehn gute Jahre, dann ist Schluss", war ihr erster Gedanke. Die Diagnose warf sie aus der Bahn, und zunächst stürzte sie sich exzessiv ins Berliner Nachtleben, um sich abzulenken. Sie wollte alles ausprobieren, was sie nicht kannte, und ihren Lebensstil nicht von der Diagnose verändern lassen.
Die Flucht in die Natur und die Suche nach Antworten
Doch das exzessive Leben brachte nicht die erhofften Antworten. Pamela Spitz erkannte, dass sie sich auf die Dinge konzentrieren sollte, die sie wirklich glücklich machen: das Reisen und das Schreiben. Sie packte ihren Rucksack und flüchtete in die Natur, um sich mit sich selbst und ihrer Krankheit auseinanderzusetzen.
Eine ihrer ersten Reisen führte sie nach Portugal, wo sie alleine wanderte und die Ruhe der Natur genoss. "In der Natur kommt man sehr gut zu sich selbst", sagt sie. Dort konnte sie sich mit "Mister Parkinson" und der Trennung von ihrem Ex-Mann auseinandersetzen. Das Wandern wurde zu einer Art Therapie für sie. "Ich bin sehr, sehr gerne allein. In der Natur fühlte ich mich schon immer sehr wohl und aufgehoben und vor allem autark. Dort habe ich absolut die Kontrolle über mich selbst."
Reisen als Therapie und Lebenselixier
Nach Portugal folgten zahlreiche weitere Reisen rund um den Globus. Pamela Spitz lernte Surfen im Atlantik, wanderte durch die Wüste Negev in Israel, machte eine Ayurveda-Kur in Indien und lernte Arabisch in Ramallah. Sie besuchte ihre Schwester in Brasilien und begab sich auf die Spuren ihrer Kindheit in Ecuador und auf Formentera.
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Jede Reise war eine neue Erfahrung und eine neue Herausforderung. Das Surfen half ihr, die Kontrolle über ihren Körper zurückzugewinnen und "Mister Parkinson" am Strand stehen zu lassen. Die Ayurveda-Kur und andere alternative Heilmethoden sollten helfen, die Symptome der Krankheit zu lindern. Und die Begegnung mit anderen Kulturen und Lebensweisen erweiterte ihren Horizont und schenkte ihr neue Perspektiven.
Die Beziehung zu "Mister Parkinson"
Pamela Spitz bezeichnet ihren Parkinson als "Mister P." und hat eine ganz eigene Art gefunden, mit der Krankheit umzugehen. Sie hat sich an ihren täglichen Begleiter gewöhnt und versucht, das Beste aus der Situation zu machen. "Wir haben uns mittlerweile aneinander gewöhnt. Dadurch, dass alles sehr langsam vorangeht, habe ich Zeit, mich vorzubereiten."
Sie ist sich bewusst, dass die Krankheit fortschreiten wird und dass sie irgendwann nicht mehr alles machen kann, was sie möchte. Aber sie will sich nicht von der Angst vor der Zukunft lähmen lassen. Stattdessen konzentriert sie sich auf das Hier und Jetzt und genießt jeden Moment.
Veränderungen und Erkenntnisse
Durch die Krankheit hat sich Pamela Spitz verändert. Sie ist dankbarer geworden und erwartet nicht mehr so viel vom Leben. Sie hat gelernt, sich auf die wichtigen Dinge zu konzentrieren: ihre Familie, ihre Freunde und ihre Leidenschaften.
"Ich wüsste nicht, wo ich jetzt ohne ihn wäre, weil ich immer sehr schnell und intensiv gelebt habe. Mein Gott, ich war eine Partygöre und habe, gerade nachdem ich mich getrennt hatte, alles gemacht, was ich wollte und habe bei mir auch körperlichen Schaden angerichtet - durch übermäßiges Feiern mit Alkohol, Drogen und Schlafmangel. Ich hatte mich ein bisschen verloren - und so hatte ich eine Bremse und musste mich um die wichtigen Dinge kümmern."
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Ihre Symptome haben sich im Laufe der Zeit verändert. Anfangs war da der fehlende Geruchssinn, dann das Zittern in der linken Hand und später Schwierigkeiten beim Abrollen des Fußes. Inzwischen humpelt sie und muss wöchentlich zur Osteopathie. Eine Mehr-Tageswanderung ist im Moment nicht mehr möglich.
Neue Träume und Perspektiven
Obwohl Pamela Spitz einige Träume begraben musste, wie den geplanten Motorradführerschein und die lange europäische Fernwanderung, hat sie neue Perspektiven gefunden. Sie hat sich eine kleine Automatik-Maschine gekauft und genießt es, damit herumzufahren. Und sie träumt davon, den Pilotenschein zu machen.
"Es gibt immer Möglichkeiten. Es gibt so viele Menschen, die körperlich behindert sind und trotzdem das machen, was sie wollen - mit einem Bein oder ohne Arme surfen." Sie sieht gehbehinderte und ältere Menschen inzwischen mit anderen Augen. "Ich gehöre mittlerweile ja auch zu denen. Ich kann nicht mehr so schnell über die Straße laufen, Schnürsenkel zubinden geht auch nicht mehr so richtig."
Leben im Moment und die Bedeutung von Beziehungen
Die Corona-Pandemie hat Pamela Spitz noch einmal bewusst gemacht, wie wichtig es ist, im Moment zu leben und Zeit mit den Menschen zu verbringen, die einem wirklich lieb sind. "Ich möchte so viel Zeit wie möglich nur mit den Personen verbringen, die mir wirklich lieb sind - meiner Familie und meinen besten Freunden. Alles andere gerät in den Hintergrund."
Sie hat zwei Homebases in Portugal und auf Formentera und reist mit ihrer kleinen Tasche umher. "Genau da, wo ich bin, ist dann mein Zuhause. Das macht wahnsinnig Spaß." Sie hat gelernt, dass es nicht wichtig ist, viele Dinge zu besitzen, sondern Erfahrungen zu sammeln und das Leben zu genießen. "Die Reiserei und Feierei, meine ganzen Abenteuer, die ich erlebt habe - ich will nichts davon missen. Aber ich muss mir nichts mehr beweisen, sondern nur noch Gutes tun."
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Ehrlichkeit, Humor und Optimismus
Pamela Spitz erzählt ehrlich und humorvoll von ihrem Leben mit Parkinson. Sie nimmt die Leser mit auf ihre Reisen und steckt sie mit ihrem Optimismus und ihrer Lebensfreude an. Sie zeigt, dass man auch mit einer unheilbaren Krankheit ein erfülltes Leben führen kann.
"Ich habe nichts mehr zu verlieren und bin heute ein glücklicherer Mensch", sagt sie. Ihr Buch ist ein Mutmacher für alle, die mit einer schweren Krankheit leben, und eine Inspiration für alle, die auf der Suche nach ihrem eigenen Weg sind.
Wanderlust trotz Einschränkungen
Auch wenn Pamela Spitz nicht mehr so wandern kann wie früher, gibt sie die Wanderlust nicht auf. Sie hat gelernt, ihre Grenzen zu akzeptieren und neue Wege zu finden, die Natur zu genießen. Sie erinnert sich an ihre Wanderungen in den Berchtesgadener Alpen, wie den Mandlgrat auf den Hohen Göll, die gute Trittsicherheit und Schwindelfreiheit erforderten. Solche Touren sind im Moment nicht möglich, aber sie träumt davon, eines Tages wieder wandern zu können.
Ein Plan B und die Akzeptanz der Zukunft
Pamela Spitz hat sich mit der Möglichkeit auseinandergesetzt, dass sie in Zukunft eine Tablettentherapie beginnen muss. Sie weiß, dass dies eine Honeymoon-Phase geben könnte, in der alles wieder besser wird, aber dass später der Zahltag kommt. Sie kalkuliert ihre Optionen und ist bereit, neue Wege zu gehen, wenn das Wandern nicht mehr möglich ist.
"Wenn ich eine Tablettentherapie beginne, habe ich vielleicht immer noch fünf gute Jahre, in denen dann alles wieder geht - das ist die sogenannte Honeymoon-Phase. Aber später kommt der Zahltag. Wenn ich damit beginne, gibt es keinen Weg zurück und ich habe noch so viel vor. Das ist einfach eine reine Kalkulation. Sollte das mit dem Wandern bis zum Schluss nicht klappen, kann ich aber ja einfach etwas anderes lernen. Ich finde die Fliegerei zum Beispiel ganz toll. Obwohl ich mal einen Paragliding-Unfall hatte, möchte ich es noch mal versuchen und den Pilotenschein machen. Da muss man viel Theorie lernen und sich mit der Thermik auseinandersetzen."
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