Die Alzheimer-Krankheit, eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die durch Gedächtnisverlust, kognitive Beeinträchtigungen und Verhaltensänderungen gekennzeichnet ist, betrifft Millionen von Menschen weltweit. Während die Auswirkungen der Krankheit auf das bewusste Gedächtnis und die kognitiven Funktionen gut dokumentiert sind, bleiben die Auswirkungen auf das Unterbewusstsein ein komplexes und weniger verstandenes Gebiet. Dieser Artikel untersucht, was Alzheimer mit dem Unterbewusstsein macht, und beleuchtet die Mechanismen, Auswirkungen und möglichen therapeutischen Ansätze.
Die Grundlagen des Unterbewusstseins
Das Unterbewusstsein, auch als unbewusstes Gedächtnis bezeichnet, ist ein Speicherort für Erinnerungen, Gewohnheiten, Fähigkeiten und Emotionen, die nicht bewusst zugänglich sind. Es spielt eine entscheidende Rolle bei der Steuerung unseres Verhaltens, unserer Entscheidungen und unserer emotionalen Reaktionen. Im Gegensatz zum bewussten Gedächtnis, das explizit abgerufen werden kann, wird das Unterbewusstsein implizit durch Handlungen, Gewohnheiten und emotionale Reaktionen ausgedrückt.
Bildgebende Verfahren und die Erforschung des Gehirns im Ruhezustand
Um zu klären, welche Aktivität unser Gehirn im Ruhezustand aufweist, müssen wir erst einmal verstehen, wie dies erforscht werden kann. Verfahren, die uns erlauben, von außen in den Körper zu blicken und etwa Abbildungen des Gehirns zu erhalten, nennt man bildgebende Verfahren. Zu diesen Methoden gehört etwa die Computertomographie oder die Magnetresonanztomographie (MRT). Diese Verfahren spielen eine zentrale Rolle in der Medizin, wenn beispielsweise Hirnverletzungen oder Tumore untersucht werden müssen. Seit ihrer Erfindung wurden diese Techniken kontinuierlich erweitert und verbessert. Eine zentrale Errungenschaft in der bildgebenden Verfahrenstechnik für die Neurowissenschaften ist die Nutzung von Sauerstoff als endogenes Kontrastmittel in der MRT-Bildgebung. Dies bedeutet, dass moderne MRT-Technik uns erlaubt, mit hoher räumlicher Präzision einzuschätzen, welche Hirnareale mit wie viel sauerstoffreichem Blut versorgt werden. Wird dabei ein Hirnareal mehr versorgt als andere, können wir daraus schließen, dass dieses Areal gerade besonders aktiv ist, da hier nun mehr verstoffwechselt wird als sonst. Diese Art von Bildgebung, bei der nicht nur ein Bild des Gehirns aufgenommen wird, sondern die Aktivität über einen gewissen Zeitraum hin gemessen wird, nennt man funktionale Bildgebung (statt der strukturellen Bildgebung) [1]. Die Variante der MRT, die Veränderungen im sauerstoffreichen Blut betrachtet, nennt man funktionales MRT (fMRT) und ist neben Methoden wie dem EEG oder dem PET-Scan das zentrale Werkzeug der kognitiven Neurowissenschaften. Die kognitiven Neurowissenschaften sind ein relativ junges Feld, welches eine Art Bindeglied zwischen Psychologie und Neurowissenschaften darstellt. Hier werden kognitive Tests, wie man sie etwa aus der Neuropsychologie kennt (siehe Hirn und weg vom 24.08.2023), mit funktionaler Bildgebung kombiniert. So soll ermittelt werden, welche Areale für bestimmte psychologische Funktionen zuständig sind. Beispielsweise gibt es Areale auf der menschlichen Hirnrinde, die mit der Aufmerksamkeit verbunden sind, Areale, die für Sprachprozesse zuständig sind oder andere, die mit dem Kurzzeitgedächtnis in Verbindung gebracht werden. In solchen Experimenten der kognitiven Neurowissenschaften werden meist zweierlei Messungen angestellt. Einmal wird das Hirn aufgenommen, während die Aufgabe oder der Test durchgeführt wird. Zudem werden aber auch Messungen der Hirnaktivität gemacht, ohne dass die Teilnehmenden eine genaue Aufgabe haben. Dies diente ursprünglich vor allem dem Zweck, einen genaueren Eindruck der für die Aufgabe relevanten Areale zu erhalten. Auf diese Weise kann nämlich von der „Aufgabenaktivität“ die „Grundaktivität“ abgezogen werden. So wird ein gewisses Grundrauschen aus der Rechnung herausgenommen und vermieden, dass Hirnaktivität, die nichts mit der eigentlichen Aufgabe zu tun hat, die Ergebnisse verzerrt. Jedoch brachte diese Herangehensweise einen weiteren Aspekt der Hirnaktivität zu Tage, welcher eigentlich kein Ziel der ersten kognitiven neurowissenschaftlichen Experimente war: Im wachen Ruhezustand sind einige Hirnareale aktiver, als wenn ein klares Ziel verfolgt wird [2]!
Das Default Mode Network (DMN)
Um diese Ergebnisse besser zu verstehen, wurde ein neues Paradigma eingeführt: Das resting-state imaging, oder auf Deutsch, die Bildgebung im Ruhezustand. Hierbei werden die Methoden der funktionalen Bildgebung genutzt, um im Ruhezustand aktive Hirnareale zu finden. Teilnehmende würden also im Scanner keine Aufgaben lösen, sondern einfach die Augen schließen oder ihren Blick auf einen vorgegebenen Punkt fixieren. Es zeigt sich, dass, ähnlich wie bei höheren kognitiven Funktionen, stets mehr als ein Hirnareal aktiv ist. Die Aktivität in diesen Arealen ist sich dabei oft sehr ähnlich, weshalb man die Areale zu Netzwerken zusammenfasst. Es wurden einige dieser Ruhezustands-Netzwerke gefunden, das wahrscheinlich wichtigste und wissenschaftlich am genausten beschriebene dieser Netzwerke ist das default mode network (DMN) [3]. Zuerst beschrieben wurde dieses Netzwerk von Gordon Shulman und seinem Team [4], die in einem PET-Scan Experiment feststellten, das die Areale des DMN während zielgerichteten kognitiven Aufgaben ihre Aktivität verringerten. Bestärkt wurden diese ersten Ergebnisse von den PET-Untersuchungen von Marcus E. Raichle [5], der wie Shulman an der University of Washington tätig ist. Die Experimente wurden in späteren fMRT- und EEG-Experimenten mehrfach wiederholt. Auch mit diesen Verfahren wurde mehrfach gezeigt, dass die verschiedenen Hirnareale im DMN eng verknüpfte Aktivität aufweisen und Veränderungen innerhalb dieses Netzwerkes meist gleichzeitig erfolgen. Das DMN konnte also mit verschiedenen Methoden und mittlerweile auch sehr vielen verschiedenen Teilnehmenden gefunden werden. Aus diesen Gründen gilt es als sehr gut gesichertes Ergebnis und sozusagen als die Nulllinie der menschlichen Hirnaktivität. Interessanterweise wurden Netzwerke in Affen und Nagern beschrieben, die dem DMN sehr ähnlich sind. Es wird deshalb vermutet, dass es sich um ein speziesübergreifendes Phänomen handelt [2]. Räumlich erstreckt sich das DMN über weite Teile der Hirnrinde und umfasst dabei Areale auf dreien der vier Hirnlappen, nämlich dem Parietal-, Temporal- und Frontallappen. Wichtig ist dabei, dass die Areale des DMN stets abseits von den Hirnarealen liegen, die mit direkten sensorischen Eindrücken beschäftigt sind, also klar abgegrenzt von der primären Sinneswahrnehmung [6]. Was die Funktionen des DMN angeht, ist die Frage etwas komplizierter. Schon Shulman und Raichle vermuteten, dass es sich bei den Funktionen des DMN wahrscheinlich um selbst-referentielle Gedanken handele [4, 5]. Das ist natürlich ein spannender Ansatz, da es uns einen Anhaltspunkt dafür geben würde, wie ein so komplexer gedanklicher Prozess wie das Nachdenken über uns selbst in unserem Hirn funktionieren könnte. Ein australisches Team von Forschenden um den kognitiven Neurowissenschaftler Christopher Davey untersuchte diese Hypothese genauer und verglich die fMRT-Aktivität im Ruhezustand mit der Aktivität, die auftrat, wenn man die Teilnehmenden bat, Aufgaben zu erfüllen, die zu selbst-referentiellem Nachdenken anregen sollten. So wurden die Teilnehmenden etwa gebeten, zu entscheiden, ob verschiedene Adjektive ihren eigenen Charakter gut beschreiben würden oder nicht. Gezeigt wurde dabei, dass wichtige Kernregionen des DMN nicht nur im Ruhezustand aktiv sind, sondern während selbst-referentiellen Aufgaben ihre Aktivität sogar noch weiter erhöhen [7]. Interessanterweise waren dies auch die Regionen im DMN, die am besten mit anderen Hirnregionen vernetzt sind, man nennt diese Areale auf der Hirnrinde auch Hubs. Sie sind also bestens vernetzt mit anderen Hirnsystemen, etwa mit solchen, die für das Abrufen von Erinnerungen oder für emotionale Prozesse zuständig sind [6, 7]. Auf Basis dieser Ergebnisse gehen die Forschenden um Professor Davey davon aus, dass es sich bei dem DMN um ein Hirnsystem handeln könnte, welches es uns erlaubt, uns bewusst selbst wahrzunehmen. Diese Hypothese hat zwar einigen Rückhalt, doch mehr Forschung wird von Nöten sein, um sie abschließend zu belegen. Dies liegt daran, dass es sich bei Messungen von funktionaler Hirnaktivität meist um sehr kleine Effekte handelt und deshalb Wiederholungen an mehr Menschen, sogenannte Replikationen der Ergebnisse, ein zentraler Bestandteil des Forschungsprozesses sind. Dennoch ist dies ein höchst spannendes Ergebnis, welches natürlich eine weitere Frage aufwirft: Was passiert, wenn sich die Aktivität im DMN verändert?
Auswirkungen von Alzheimer auf das Unterbewusstsein
Die Alzheimer-Krankheit wirkt sich auf verschiedene Aspekte des Unterbewusstseins aus, darunter:
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1. Beeinträchtigung des impliziten Gedächtnisses
Das implizite Gedächtnis, eine Komponente des Unterbewusstseins, ermöglicht es uns, Fähigkeiten, Gewohnheiten und konditionierte Reaktionen zu erlernen und zu behalten, ohne bewusst darüber nachzudenken. Menschen mit Alzheimer zeigen oft Defizite im impliziten Gedächtnis, was sich auf ihre Fähigkeit auswirkt, neue Fähigkeiten zu erlernen oder vertraute Aufgaben auszuführen. Studien haben gezeigt, dass Alzheimer-Patienten Schwierigkeiten haben, prozedurale Aufgaben wie Radfahren oder Klavierspielen zu erlernen, obwohl sie diese Fähigkeiten möglicherweise in der Vergangenheit erworben haben.
2. Veränderung emotionaler Reaktionen
Das Unterbewusstsein spielt eine entscheidende Rolle bei der Verarbeitung und Regulierung von Emotionen. Die Alzheimer-Krankheit kann die emotionalen Reaktionen von Menschen verändern, was zu erhöhter Reizbarkeit, Angstzuständen, Depressionen und Apathie führt. Diese emotionalen Veränderungen können auf die Schädigung von Gehirnregionen zurückzuführen sein, die an der emotionalen Verarbeitung beteiligt sind, wie z. B. der Amygdala und dem Hippocampus.
3. Störung von Gewohnheiten und Routinen
Gewohnheiten und Routinen werden tief im Unterbewusstsein verwurzelt und ermöglichen es uns, alltägliche Aufgaben mit minimalem bewussten Aufwand auszuführen. Die Alzheimer-Krankheit kann diese etablierten Gewohnheiten und Routinen stören, was dazu führt, dass Menschen Schwierigkeiten haben, sich selbst zu versorgen, sich in vertrauten Umgebungen zurechtzufinden oder soziale Normen einzuhalten.
4. Veränderung des Körpergedächtnisses
Das Körpergedächtnis, eine Form des impliziten Gedächtnisses, speichert Erinnerungen an körperliche Empfindungen, Bewegungen und Fähigkeiten. Die Alzheimer-Krankheit kann das Körpergedächtnis beeinträchtigen, was dazu führt, dass Menschen Schwierigkeiten haben, körperliche Aufgaben wie Gehen, Anziehen oder Essen auszuführen. Sie können auch das Gefühl für ihren eigenen Körper und seine Position im Raum verlieren, was das Sturzrisiko erhöht.
5. Auslösen von Kindheitserinnerungen
Es ist zwar richtig, dass Erinnerungen an die Kindheit und Jugend bei Demenzerkrankungen oft auch dann noch vorhanden und abrufbar sind, wenn „frischere“ Erinnerungen nicht mehr zugänglich sind. Allerdings können auch spätere Erinnerungen je nach Art und Fortschritt der Erkrankung noch unbewusst vorhanden sein und durch bestimmte Auslöser hervorgeholt werden. Zudem wird die Identitätswahrnehmung auch durch Dritte, etwa in Form von Erzählungen und Eigenschaftszuschreibungen, beeinflusst. Durch Biographiearbeit und Erinnerungsanker können so auch Aspekte der „erwachsenen“ Identität gestärkt werden, weshalb die pauschale Zuschreibung einer kindlichen Identität zu kurz greift.
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Die Rolle des Default Mode Network (DMN)
Da dem DMN ja so grundlegende Funktionen zugeschrieben werden, wie unsere Selbstwahrnehmung als Mensch, muss man sich natürlich die Frage stellen, wie verringerte oder erhöhte Aktivität im DMN sich auf uns auswirken könnte. Um diese Frage zu beantworten, kann man sich beispielsweise Krankheiten ansehen, die sich auf die DMN-Aktivität auswirken. So ist es zum Beispiel so, dass die Aktivität im DMN bei Betroffenen der Alzheimer-Demenz gestört ist. In anderen Worten werden die Verbindungen zwischen den verschiedenen DMN-Arealen schlechter. Dies könnte uns dabei helfen, die Alzheimer Demenz besser zu verstehen und zu erklären, wie sich die Erkrankung auf die Selbst-wahrnehmung der Betroffenen auswirkt. Allerdings heißt dies nicht, dass Alzheimer in erster Linie eine Erkrankung von Netzwerken der Hirnrinde ist. Betroffen sind bei Alzheimer durchaus auch Areale außerhalb des DMN. Zudem könnte eine andere Erklärung für die hohe Betroffenheit des DMN sein, dass DMN-Areale einfach zu den aktivsten im Hirn zählen, weshalb sich die für Alzheimer relevanten Proteine dort früher ablagern als anderswo im Gehirn. Jedoch gab es auch Ergebnisse, die darauf hindeuten, dass das DMN bei jüngeren Menschen, die genetische Risikofaktoren für Alzheimer-Demenz tragen, aktiver ist, was evtl. dabei helfen könnte, die Erkrankung schon viele Jahre vor den ersten Symptomen zu erkennen. Aus diesem Grund wird das DMN mit Sicherheit weiterhin ein wichtiges Thema in der Alzheimerforschung bleiben [3].
Therapeutische Ansätze
Während es derzeit keine Heilung für die Alzheimer-Krankheit gibt, können verschiedene therapeutische Ansätze dazu beitragen, die Auswirkungen der Krankheit auf das Unterbewusstsein zu bewältigen und die Lebensqualität von Betroffenen und ihren Familien zu verbessern. Zu diesen Ansätzen gehören:
1. Kognitive Stimulationstherapie (KST)
KST ist eine nicht-pharmakologische Intervention, die darauf abzielt, die kognitiven Fähigkeiten und die soziale Interaktion von Menschen mit Demenz zu verbessern. KST-Sitzungen umfassen in der Regel Gruppenaktivitäten wie Diskussionen, Spiele und kreative Aufgaben, die das Gedächtnis, die Aufmerksamkeit, die Sprache und die Problemlösungsfähigkeiten anregen. Studien haben gezeigt, dass KST die kognitiven Funktionen, die Stimmung und das Wohlbefinden von Menschen mit Demenz verbessern kann.
2. Erinnerungstherapie
Die Erinnerungstherapie beinhaltet die Verwendung von Fotos, Musik, Objekten und anderen vertrauten Reizen, um Erinnerungen an die Vergangenheit wachzurufen. Diese Therapie kann Menschen mit Demenz helfen, sich mit ihrer persönlichen Geschichte zu verbinden, ihr Selbstwertgefühl zu steigern und ihr Gefühl der Identität und des Sinns zu fördern.
3. Musiktherapie
Die Musiktherapie nutzt die Kraft der Musik, um das emotionale, kognitive und körperliche Wohlbefinden von Menschen mit Demenz zu verbessern. Musik kann Erinnerungen wecken, Emotionen hervorrufen und Entspannung fördern. Die Musiktherapie kann auch dazu beitragen, Angstzustände, Depressionen und Unruhe bei Menschen mit Demenz zu reduzieren.
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4. Kunsttherapie
Die Kunsttherapie bietet Menschen mit Demenz eine Möglichkeit, sich kreativ auszudrücken und ihre Emotionen auf nicht-verbale Weise zu erforschen. Die Kunsttherapie kann dazu beitragen, das Selbstbewusstsein, die Selbstachtung und die soziale Interaktion von Menschen mit Demenz zu verbessern.
5. Validationstherapie
Validation bei Demenz ist ein technisches Instrument nach Naomi Feil welches bei Menschen mit Demenz genutzt wird. Bedingt durch die Wesensveränderung, die ein Mensch bei einer Demenz Erkrankung durchläuft, kommt es häufig zu Unverständnis aufgrund seiner Reaktionen, ablehnendem oder abwehrendem Verhalten. Die Gerontologin Naomi Feil hat sich mit dieser Thematik und Problematik beschäftigt. Sie hat das Konzept der Validation entwickelt. Pflegende Angehörige und Pflegepersonal bekommen eine empathische, urteilsfreie, verbale oder nonverbale Kommunikationstechnik & Grundeinstellung vermittelt. Die Technik der Validation nach Naomi Feil hilft den Menschen mit Demenz und seine Reaktionen besser zu verstehen. Wenn ein Mensch mit Demenz beispielsweise plötzlich eine bereits verstorbene Person zu sehen glaubt, kann dieses nicht nur mit der Erkrankung zusammen hängen. Oft ist dies der Fall wenn im bisherigen Leben eine Strategie fehlte, Situationen aufzuarbeiten und damit zu bewältigen. Die Situation wird neu durchlebt. Validation ist hierbei eine tolle, unterstützende Möglichkeit dieses gemeinsam zu bewältigen. Diese Technik schafft nicht nur Verständnis für Situationen, die im ersten Moment nicht begreifbar für uns sind, sondern sie erleichtert den Umgang mit dem Menschen mit Demenz. Der Mensch mit Demenz leugnet seine Gefühle vermehrt. Techniken der Validation bei Demenz in der 1. Offene Fragen stellen, beispielsweise „Wie fühlst du dich?“, „Wie geht es dir?“ oder „Hast du einen schönen Tag?“. Nach Extremen oder dem Gegenteil fragen. Bewältigungsmechanismen erfahren dient dem Zweck herauszufinden, ob die Person diese Situation früher schon einmal erlebt hat und wie sie damit umgegangen ist. Rückzug aus der Realität, Verluste sind willkürlich nicht mehr zu leugnen. Vertraute Gegenstände oder Menschen erinnern den Menschen mit Demenz an die Vergangenheit, in die er sich immer mehr zurück zieht. Die Gefühlsebene wird in den Vordergrund gestellt, Themen drehen sich um Liebe, Trennung, Hass und Trauer. Techniken der Validation bei Demenz in der 2. Geschlossene Fragen, ist die verbale Kommunikation kaum noch möglich, stellt man geschlossene Fragen. Gefühle werden in dieser Phase durch sich kontinuierlich wiederholende Bewegungen ersetzt. Beispiele können Streichbewegungen über den Tisch, zupfen an einer Tischdecke oder Daumen drehen sein. Berührung ist eine gute Möglichkeit in Kontakt zu treten. Legen Sie der Person behutsam die Hand auf die Schulter, nehmen Sie seine Hand bei der Ansprache. Musik & Singen ist oft, auch nach dem Verlust der Sprache, noch eine Möglichkeit eine Emotionsebene aufzubauen. In dieser Phase nehmen die Personen die Außenwelt kaum und gar nicht mehr wahr, Vergangenes wird nicht mehr aufgegriffen und verarbeitet. In dieser Phase ist Berührung, Anerkennung und Fürsorge essentiell und wichtig. Ehrliche Worte spielen eine übergeordnete Rolle und werden durch einen positiven Unterton gespürt. Verwenden Sie Sätze wie, „Es ist schön, dich zu sehen“, „Ich freue mich immer wenn ich dich besuche“ oder beispielsweise „Du siehst heute sehr hübsch oder gut aus“. Validation bei Demenz kann jeder lernen. die Grundvoraussetzung ist eine emphatische, gefühlvolle Ebene aufzubauen, eigene Gedanken und Vorurteile in den Hintergrund zu stellen. Vermeiden Sie Ausreden & Lügen dem Menschen mit Demenz gegenüber. Erzeugen Sie eine wertschätzende Atmosphäre. Die Emotionsebene bleibt bis zum Schluß erhalten. Durch Validation sind wir in der Lage die betroffene Person in dieser Aufarbeitung zu unterstützen, uns mit ihr auseinander zusetzen, um sie und ihre Reaktionen zu verstehen.
6. Transkranielle Pulsstimulation (TPS)
Am Abend des 22. November 2021 sieht ein Freund der Familie, ein Allgemeinmediziner, in den RTL-Nachrichten den Bericht über die Transkranielle Pulsstimulation. Sofort eilt er zu Familie D., man beginnt zu recherchieren und gleich am nächsten Tag setzt man sich ans Telefon. Es ist zunächst zum Verzweifeln. Alle Leitungen, überall, sind belegt. Aber Familie D. und deren Freund bleiben hartnäckig. Dann geht alles sehr schnell. Binnen zwei Wochen werden die sechs Initial-Behandlungen mit der TPS durchgeführt: „Wissen Sie, es waren dann diese Kleinigkeiten, die uns auffielen“, erzählt Frau D. „Er hatte vor der Behandlung solch leere Augen, er war so desinteressiert, so in sich gekehrt. Im Falle Prof. E. D. kam es während der Behandlung nicht zu dem einen, großen A-ha-Erlebnis! Es waren die vielen kleinen Fortschritte, die sich ergaben: Prof. E. D. Heute, Ende Januar 2022 ist der Professor jedoch ein anderer Mensch. Er ist und bleibt ein Alzheimer-Patient. Aber er spricht wieder mit anderen Leuten und nicht nur mit seiner Frau, er ist besserer Gemütslage und am Leben interessiert, er geht wieder zum Brötchen-Holen und spazieren - und er geht mit seiner Frau zum Einkaufen: „Jetzt legt er die Sachen nicht mehr chaotisch aufs Band an der Kasse, sondern wieder ganz geordnet, wie er es früher getan hat, als er noch nicht krank war“, berichtet seine Gattin. Und weiter erzählt sie: „Für uns ist das ein großes Geschenk. Es ist nicht das eine, was es ausmacht. Es sind die vielen, vielen Kleinigkeiten, die meinem Mann und uns wieder ein schöneres und sorgenfreieres Leben ermöglichen. Und im Frühjahr wollen wir sehen, ob es mit dem Schwimmen wieder klappt. Familie D. wird im Februar wieder zur TPS-Behandlung gehen. „Am 11. Februar haben wir wieder einen Termin, darauf freuen wir uns schon.“ Und sie schließt das Telefonat ab: „Was ich den anderen Menschen gerne sagen will, ist: Die TPS ist eine wirksame Therapie und machen Sie alle bitte weiter so, dass die anderen davon erfahren. Auch andere Ärzte. Wir haben ja selbst einige Ärzte in der Familie und wissen, wie es so ist: Alles Neue wird erst einmal argwöhnisch betrachtet.