HWS-Syndrom: Ursachen, Symptome und Behandlungsansätze

Fühlt sich dein Nacken morgens manchmal an, als sei er versteinert? Kennst du das Ziehen zwischen den Schulterblättern nach einem langen Arbeitstag? Wenn du in deinem Alltag überwiegend am Bildschirm arbeitest oder auf dein Smartphone schaust, vollbringt deine Halswirbelsäule Höchstleistung für dich. Doch was genau steckt hinter einem HWS-Syndrom und wie kannst du im Alltag zur Entlastung deines Nackens beitragen? Wir geben dir einen umfassenden Überblick über Ursachen, Symptome und Ansätze, wie du dein Wohlbefinden sowie deine Nackenpartie unterstützen könntest.

Was ist ein HWS-Syndrom?

Das Halswirbelsäulen-Syndrom (HWS-Syndrom oder Zervikalsyndrom genannt) ist ein Sammelbegriff für Schmerzen im Bereich der Halswirbelsäule. Auch Zervikalsyndrom genannt, zählt es zu den häufigsten Problemen rund um die Wirbelsäule. Sie können beispielsweise durch Verspannungen entstehen und dabei bis in Schultern, Arme und Kopf ausstrahlen. Als beweglichster Teil unserer Wirbelsäule ermöglicht sie dir, den Kopf in fast alle Richtungen zu drehen und zu neigen. Gleichzeitig muss sie deinem etwa 4-5 Kilogramm schweren Kopf zuverlässig tragen und stabilisieren. Viele Betroffene berichten von Nackenschmerzen, einer verspannten Muskulatur und eingeschränkter Beweglichkeit.

Die sieben Halswirbel sind kleiner und leichter als die übrigen Wirbel. Zwischen den Wirbelkörpern befinden sich elastische Bandscheiben, die meistens wie kleine Stoßdämpfer agieren können. Dabei unterstützt dich ein komplexes System aus Muskeln, Sehnen und Bändern, das für Stabilität sowie kontrollierte Bewegungen sorgen soll. Besonders wichtig sind die Nervenwurzeln entlang der Halswirbelsäule. Hier verlassen die Spinalnerven den Wirbelkanal und versorgen die gesamte Schulter-Nacken-Partie, die oft Ursachen für Probleme sein könnten, die bis in deinen Arm oder die Finger reichen. Teile deiner Gesichtsmuskulatur sowie wichtige Sinnesorgane sind über die Wirbelsäule miteinander verbunden, sodass dadurch unterschiedliche potentielle, neurologische Störungen in dem Bereich begünstigt werden könnten. Begleitend können auch Schwindel, Kopfschmerzen oder Kribbeln in den Armen auftreten.

Funktionelle Abschnitte der Halswirbelsäule

Die Halswirbelsäule wird in verschiedene funktionelle Abschnitte unterteilt, die jeweils spezifische Aufgaben erfüllen sollten, aber auch charakteristische Beschwerdebilder verursachen können.

  • Obere Halswirbelsäule (Atlas und Axis): Im Bereich deiner oberen Halswirbelsäule liegen der Atlaswirbel und der Axiswirbel, denen eine ganz besondere Bedeutung zukommt: Der Atlas trägt als erster Halswirbel deinen Kopf und ermöglicht dir das Nicken, während der Axis wie ein Drehzapfen für die Kopfdrehung fungiert. Beschwerden in diesem sensiblen Bereich können häufig mit Kopfschmerzen einhergehen, die vom Nackenbereich bis zur Stirn ausstrahlen. Viele Betroffene berichten von Schwindelgefühlen, da die hier austretenden Nerven eng mit dem Gleichgewichtssystem verbunden sind. Diesen Schwindel könntest du insbesondere dann verspüren, wenn du nickst oder den Kopf drehst.
  • Mittlere Halswirbelsäule (C3-C5): Der mittlere Abschnitt der Halswirbelsäule (C3-C5) bildet die Verbindung zwischen Kopf und Schultern. Betroffene können oft Verspannungen in diesem Bereich spüren, da hier die Muskulatur von Nacken sowie Schultern zusammenlaufen, sodass Schmerzen zwischen den Schulterblättern entstehen könnten. Vielleicht bemerkst du auch eine verhärtete, druckempfindliche Muskelpartie oder Bewegungseinschränkungen, sobald du den Arm heben möchtest.
  • Untere Halswirbelsäule (C6-C7): Im unteren Bereich der Halswirbelsäule (C6-C7) verlaufen die Nerven, die deine Arme und Hände versorgen. Hierbei können Schmerzen bis in die Fingerspitzen ausstrahlen und Gefühlsstörungen wie Kribbeln, Taubheitsgefühle sowie Muskelschwäche in den Händen oder Armen fördern. Die Symptome könnten sich häufig bei bestimmten Armbewegungen oder längerem Arbeiten über Kopf intensivieren.

In einigen Fällen könnten sich neurologische Störungen aus dem einen Bereich auch in die anderen übertragen. Aktuelle Forschungsergebnisse deuten darauf hin, dass Probleme sich mit der Zeit ergeben können. Denk einmal an deinen Alltag: Wie viele Stunden verbringst du mit vorgebeugtem Kopf am Schreibtisch? Wie oft scrollst du durch dein Smartphone? Vielleicht neigst du sogar zu einem sogenannten Smartphone-Nacken. Genau diese alltäglichen Gewohnheiten können deine Halswirbel vor große Herausforderungen stellen und in Kombination mit Bewegungsmangel die natürliche Biomechanik deiner Wirbelsäule beeinträchtigen.

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Deine Nackenmuskeln könnten sich daraufhin verspannen. Bleiben diese Belastungen über längere Zeit bestehen, könnten Bandscheiben, Wirbelgelenke und das umliegende Gewebe ihre Struktur verändern. In manchen Fällen kann sich daraus sogar ein Bandscheibenvorfall (lat. Prolaps) entwickeln. Insbesondere zwischen dem fünften und siebten Halswirbel können Bandscheibenvorfälle der Halswirbelsäule auftreten, da dieser Bereich in der Regel stärkeren mechanischen Belastungen standhalten soll und die Bandscheibe infolgedessen mehr belastet wird. Bildgegebende Verfahren wie das MRT könnten hierbei die Diagnose sichern. Im Gegensatz zum klassischen HWS-Syndrom können beim Bandscheibenvorfall entlang der Nervenbahnen auch neurologische Symptome auftreten. Eine genaue Diagnose sowie Analyse der potentiellen Ursachen sind daher wichtig für die Wahl der geeigneten Behandlung.

Ursachen des HWS-Syndroms

Das HWS-Syndrom, als komplexe Störung der Halswirbelsäule, ist das Resultat einer tiefgreifenden Interaktion von degenerativen, neuroinflammatorischen und biomechanischen Prozessen. Wissenschaftliche Untersuchungen verdeutlichen, dass Mikrotraumata und repetitive Belastungen die Halswirbelsäule degenerativen Veränderungen aussetzen. Neueste Erkenntnisse im Bereich der Neurophysiologie zeigen, dass entzündliche Reaktionen und Muskelverspannungen in der Halswirbelsäule zu neuroinflammatorischen Prozessen führen können. Die detaillierte Analyse spezifischer Gelenkstrukturen, insbesondere der synovialen Gelenke, verdeutlicht, dass diese degenerativen Prozessen unterliegen. Die Interaktion von Nerven und Muskeln im Nacken, unter Einbeziehung modernster neurophysiologischer Forschung, zeigt auf, wie chronische Verspannungen und irritierte Nervenfasern zu anhaltenden Kopfschmerzen führen können. Eine präzise Betrachtung von Bandscheibenvorfällen oder Wirbelkanalverengungen verdeutlicht, dass Nervenkompressionen Sensibilitätsstörungen in Armen und Händen auslösen. Die Analyse neurologischer Veränderungen in der oberen Halswirbelsäule kombiniert mit Erkenntnissen über die komplexe Wechselwirkung zwischen sensorischen Informationen und dem Gleichgewichtsorgan verdeutlicht, wie anhaltender Schwindel und Gleichgewichtsstörungen entstehen können.

Neben den zuvor beschriebenen Ursachen könnte die Arbeit selbst für einige Berufsgruppen ebenfalls zum Risikofaktor werden. Wissenschaftliche Untersuchungen legen einen engen Zusammenhang zwischen psychischer Belastung und Nackenbeschwerden nahe. Das heißt, wenn du unter Stress stehst, könnte sich die Muskelspannung im Nacken- und Schulterbereich erhöhen, sodass Verhärtungen begünstigt werden, die wiederum die Reizung der Schmerzrezeptoren fördern. Daraus kann ein sich verstärkender Kreislauf resultieren. Die Bandscheiben zwischen den Wirbelkörpern wirken als natürliche Stoßdämpfer und ermöglichen die Beweglichkeit der Wirbelsäule. Ein Bandscheibenvorfall in der Halswirbelsäule stellt eine weitere, mögliche strukturelle Ursache des HWS-Syndroms dar. Durch alltägliche Belastungen sowie natürliche Alterungsprozesse kann die äußere Hülle der Bandscheibe an Stabilität verlieren.

Risikofaktoren

  • Alter: Alter ist der größte Risikofaktor für zervikale Spondylose. Mehr als 85 % der Menschen über 60 Jahren sind betroffen, oft ohne sofort spürbare Symptome.
  • Berufliche Belastung: Ihren Nacken beruflich häufig belasten, in dem Sie täglich viele Stunden über Kopf arbeiten.
  • Frühere Nackenverletzungen: Sie eine frühere Nackenverletzung haben.

Symptome eines HWS-Syndroms

Vielleicht verspürst du morgens einen besonders steifen Nacken, aber auch innerhalb des Tagesverlaufs können sich deine Symptome verändern. Nachts können unangenehme Liegepositionen den Schlaf beeinträchtigen.

Das HWS-Syndrom beschreibt viele unterschiedliche Symptome, die bei einer Abnutzung oder einer Verletzung der Halswirbelsäule auftreten. Zumeist sind die Muskeln des Nackens, der Arme oder auch der Schultern vom HWS-Syndrom betroffen. Dabei treten meist auch Veränderungen der Bänder, Bandscheiben, Wirbelkörper oder Wirbelgelenke der Halswirbelsäule auf, die zu den Beschwerden führen.

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Das HWS-Syndrom kann die Knochen und die daneben oder darin verlaufenden Nerven betreffen. Je nachdem wohin die Nerven aus der betroffenen Halswirbelsäule ziehen, können der Nacken, die Schultern, die Arme oder sogar der Kopf betroffen sein. Die Symptome sind dementsprechend vielseitig:

  • Hals- und Nackenschmerzen, die auch in den Arm ausstrahlen können
  • Beweglichkeitseinschränkungen des Halses
  • Kopfschmerz
  • Schwindel
  • Gefühlsstörungen wie Taubheit oder Kribbeln in Händen und Fingern
  • Verhärtungen der Muskulatur (Myogelosen)
  • Ohrgeräusche
  • Sehstörungen

Je nach Ausstrahlung der Beschwerden kann man ein oberes von einem mittleren und unteren HWS-Syndrom unterscheiden:

  • Beim oberen HWS-Syndrom verspüren betroffene Patienten oft ausstrahlende Schmerzen im Hinterkopf, z. T. bis über die Ohren in die Stirnregion ziehend. Ursächlich kann eine Uncovertebralarthrose sein.
  • Beim mittleren HWS-Syndrom äußern sich die Beschwerden typischerweise durch ausstrahlende Schmerzen zwischen den Schulterblättern und über die Schulter hinaus. Es kann auch zu Störungen der Nervenfunktion mit entsprechender Symptomatik in den Armen kommen.
  • Beim unteren HWS-Syndrom kommt es ähnlich wie beim mittleren HWS-Syndrom zu Störungen in den Armen. Neben den bekannten Armschmerzen strahlen die Schmerzen charakteristischerweise bis in die Hand aus. Jedem Halswirbel wird ein bestimmter Arm- oder Handabschnitt zugeordnet. C steht dabei für Zervikalwirbel. Anhand der Schmerzen und Ausfallerscheinungen in Arm oder Hand beim Patienten kann der Arzt auf das betroffene Segment der Halswirbelsäule schließen.

Diagnose

Bei der Diagnose des HWS-Syndroms wird vor allem auf die körperliche Untersuchung Wert gelegt. Ergänzend können bildgebende Untersuchungsverfahren wie Röntgen, Magnetresonanztomographie oder Computertomographie hinzugezogen werden.

Nach einer ausführlichen Anamnese führt der Arzt die körperliche Untersuchung durch. Hierbei prüft er die Beweglichkeit und Funktionalität der Wirbelsäule und der einzelnen Zwischenwirbelgelenke. Auch die Muskulatur wird auf Verspannungen, Verhärtungen und druckschmerzhafte Stellen abgetastet. Außerdem testet der Rückenspezialist Gefühl, Kraft und Reflexe in den Armen. Sind diese krankhaft verändert, kann eine Untersuchung durch den Neurologen zusätzlich nötig sein. Ein weiterer wichtiger Schritt in der Diagnosestellung ist das Anfertigen einer Röntgenaufnahme.

Beim HWS-Syndrom muss der Arzt primär eine Nervenwurzel- oder Halsmarkschädigung ausschließen. Das bedeutet, dass insbesondere beim wiederkehrenden HWS-Syndrom das gesamte Spektrum der klinischen wie radiologischen und neurologischen Diagnostik genutzt werden muss. Hierunter fällt auch die elektromyografische (EMG) und kernspintomographische (MRT) Diagnostik von Veränderungen der Halswirbelsäule.

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Wann ist eine ärztliche Untersuchung sinnvoll?

Eine ärztliche Untersuchung kann in bestimmten Situationen sinnvoll sein. Nach Unfällen oder Stürzen sollte immer eine medizinische Abklärung erfolgen, um strukturelle Verletzungen auszuschließen. Plötzlich einsetzende, sehr starke Schmerzen unterscheiden sich deutlich vom üblichen Verlauf beim HWS-Syndrom. Fieber in Kombination mit Nackenschmerzen solltest du ebenfalls zeitnah medizinisch abklären lassen. Selbiges gilt bei neu auftretenden, neurologischen Symptomen wie Taubheitsgefühlen oder Kribbeln. Diese können auf eine Beteiligung von Nervenstrukturen hinweisen. Die Hausarztpraxis ist dabei meist die erste Anlaufstelle. Bei Bedarf erfolgt eine Überweisung zu Fachärzten für Orthopädie oder Neurologie. Neben der körperlichen Untersuchung sollte auch deine persönliche Krankengeschichte näher beleuchtet werden.

Behandlungsmöglichkeiten

Ärztinnen und Ärzte sind sich heute weitestgehend einig, dass die Therapie eines Halswirbelsäulensyndroms multimodal ausgerichtet sein sollte. Das heißt, es sollen verschiedene Behandlungen miteinander kombiniert werden, um die Ursachen anzugehen.

Je nachdem, welche Strukturen wie sehr betroffen sind, ordnet der Arzt eine Therapie an. Bei einer konservativen Therapie werden Krankengymnastik, Rückenschule, Wärmetherapie und Schmerzmittel (nicht steroidale Antirheumatika) verordnet. Eine Operation wird dabei nur selten angeordnet und kommt nur in Frage, wenn neurologische Ausfälle wie Bewegungs- und Gefühlsstörungen bestehen.

Kann der Arzt eine Operationsindikation ausschließen, so lässt sich beim HWS-Syndrom ein breites Spektrum von konservativen Therapiemethoden nutzen. In Einzelfällen kann die Injektion von Lokalanästhetika mit neurotrophen (auf die Nerven wirkenden) Medikamenten in die schmerzhafte Muskulatur oder - radiologisch gesteuert - bis an die Wirbelgelenke erforderlich sein. Eine Bandscheibenprothese kann die Bandscheibe des Patienten in der Halswirbelsäule ersetzen. Beim chronischen HWS-Syndrom auf der Basis degenerativer Veränderungen der Halswirbelsäule ist allerdings mit einer wiederkehrenden Symptomatik zu rechnen. Auch ist eine vollständige Beschwerdefreiheit oft nicht mehr zu erreichen.

Konservative Behandlungsmethoden

  • Liebscher & Bracht Übungen: Das eigentliche Problem hinter deinem HWS-Syndrom können muskulär-fasziale Überspannungen sein, die in deinem Oberkörper eine unnatürlich hohe Zugkraft nach vorne entfachen. Wenn du das Ziel verfolgst, diese Zugkraft zu senken, „[…] müssen die Rückenstrecker weniger ziehen und die Belastung der Wirbelsäule unter die Intensität, bei der etwas kaputtgehen könnte“ abnehmen. Mit unseren Übungen kannst du dazu beitragen, Schmerzen zu reduzieren, indem du Sehnen, Bänder und Muskeln versuchst, zu flexibilisieren. Falls dein Beschwerdebild gerade so stark ist, dass du dich vor Schmerzen kaum noch bewegen kannst, legen wir dir einen Besuch bei unseren Zertifizierten Liebscher & Bracht Therapeuten in deiner Nähe ans Herz. Die von unseren Therapeuten angewandte Drück-Technik der Osteopressur kannst du in einer Light-Variante aber auch zuhause nutzen. Mit unserem Drücker-Set kannst du dann die wichtigsten Schmerzfrei-Punkte zur Muskelentspannung im Kopf-Nacken-Bereich selbst drücken. Wie du diese Punkte exakt findest und auf welche Weise du sie drücken solltest, zeigen wir dir in der Liebscher & Bracht App.
  • Faszien-Rollmassage: Genau wie überspannte Muskeln tragen auch verfilzte und verklebte Faszien entscheidend zu deinen Beschwerden bei einem HWS-Syndrom bei. Daher ist die Faszien-Rollmassage zur Lösung der Verklebungen ein wichtiger Bestandteil deiner Selbsthilfe. Was beim Faszienrollen genau in deinem Körper passiert, kannst du hier nachlesen. Unser Nackenretter hilft dir dabei, deine Übungen für eine flexible Hals- und Nackenmuskulatur gezielt zu gestalten.
  • Medikamente (Schmerzmittel): Wie bei anderen Schmerzzuständen auch sind Medikamente zur Akut-Hilfe sehr beliebt. Allerdings gilt es zu beachten, dass Schmerzmittel als langfristige Therapie bei chronischen HWS-Schmerzen in der Regel nicht dauerhaft verwendet werden sollten.
  • Externe Hilfsmittel (Orthesen): Unserer Erfahrung nach können externe Hilfsmittel wie Orthesen dazu beitragen, dass dein Körper sich an die bequeme Stütze gewöhnt, anstatt Muskeln, Bänder und Faszien zu flexibilisieren. Du kennst diese Orthesen wahrscheinlich in Form von Halskrausen, die Unfallopfern mit Schleudertrauma verordnet werden. Solche Schaumstoffkragen oder Kopfstützen sind nach Traumata sicher sinnvoll, aber beim Halswirbelsäulensyndrom sollte es nicht ohne ärzlichte Anweisung eingesetzt werden.
  • Akupunktur: Zahlreiche Studien belegen, dass Akupunktur bei Bewegungsschmerzen an der Halswirbelsäule zur Schmerzreduktion beitragen könnten.
  • Ätherische Öle: In einigen Fällen können Betroffene versuchen, mit ätherischen Öle aus Eukalyptusblättern, Fichten- oder Kiefernadeln, die Durchblutung zu fördern und die Muskulatur zu entspannen.
  • Physikalische Therapie: Im Rahmen der physikalischen Therapie könntest du beispielsweise Schulter-Arm-Wickel, heiße Bäder und Saunagänge setzen. Elektrotherapeutisch vertrauen einige Patienten auf Rotlicht, Ultraschall, NSM (Neurostimulation = die Stimulation von Nerven mittels Stromimpulsen) oder Iontophorese (die Aufnahme von Arzneimitteln durch die Haut unter Anwendung eines schwachen elektronischen Gleichstroms).
  • Quaddeltherapie: In der klinischen Praxis ist die Quaddeltherapie bei der Behandlung eines hartnäckigen HWS-Syndroms besonders beliebt. Bei dieser Maßnahme spritzt der Arzt geringe Mengen eines Betäubungsmittels unter die Haut einer schmerzhaft überspannten Stelle.
  • Minimal-invasive Injektionstherapie (MIT): Die minimal-invasive Injektionstherapie (MIT) geht noch einen Schritt weiter. Sie gilt bei chronischen HWS-Syndromen als Herzstück der multimodalen Therapie. Wäre eine Injektionstherapie auch etwas für dich? Fest steht: Wenn die MIT bei schweren Verläufen des HWS-Syndroms dazu führen kann, eine Operation zu verhindern, können wir sie befürworten. Dennoch sollten Injektionen mit Betäubungs- und Schmerzmitteln - genau wie OPs - stets die allerletzte Option sein. Selbst bei technisch korrektem Vorgehen und großer Sorgfalt können nämlich schwere Komplikationen auftreten: Infektionen an der Einstichstelle sind genauso möglich wie Schwindel, Erbrechen, Hör-, Seh- und Sprachstörungen, Muskelkrämpfe oder sogar eine zentrale Atemlähmung.

Übungen zur Linderung von Nackenverspannungen

Schmerzspezialist Roland Liebscher-Bracht zeigt dir in diesem Video, mit welchen Übungen du deine Beschwerden bei einem HWS-Syndrom reduzieren kannst - auch zur Vorbeugung geeignet.

  1. Dehnung der seitlichen Nackenmuskulatur: Setze dich auf einen Stuhl und mache den Rücken ganz gerade. Greife jetzt mit deiner rechten Hand bis zum linken Ohr über den Kopf. Diesen ziehst du nun nach vorne und unten rechts in die Dehnung, wobei du deine linke Faust im Blick behältst. Bleibe in dieser Dehnung für zwei bis zweieinhalb Minuten. Das heißt diesmal: Du drehst deinen Kopf um 45 Grad nach rechts, winkelst den rechten Arm an, ballst die Faust und drückst deine rechte Schulter nach unten. Greife jetzt mit deiner linken Hand bis zum rechten Ohr über den Kopf. Ziehe den Kopf nun nach vorne und unten links in die Dehnung, wobei du deine rechte Faust im Blick behältst.
  2. Dehnung der hinteren Nackenmuskulatur: Setze dich für die zweite Übung zur Lösung der Nackenverspannungen wieder aufrecht hin und greife mit beiden Händen an deinen Hinterkopf. Dein Kinn ziehst du nun mit Hilfe deiner Arme möglichst weit in Richtung Brust. Im verkürzten Bereich rund um deine Halswirbelsäule solltest du jetzt eine kräftige Dehnung spüren, vielleicht auch ein Brennen. Das ist kein Grund zur Sorge, sondern ein Indiz für dich, dass du den Verspannungen genau an der richtigen Stelle entgegenwirkst.
  3. Gegendehnung: Zum Abschluss richtest du dich auf deinem Stuhl wieder gerade aus. Deinem Kopf gönnst du nun die Gegenbewegung zu Schritt eins dieser Übung. Wir empfehlen dir dabei, deinen Kopf mit einer Hand sanft nach hinten zu drücken.

Checkliste für die Übungen

Damit bei unseren Übungen nichts schiefgeht, haben wir die wichtigsten Infos in einer Checkliste zusammengefasst.

  • Übe immer in der richtigen Intensität und im Zweifelsfall lieber mit etwas geringerer Intensität. Du spürst dabei einen intensiven Schmerz, kannst aber während der Dehnung noch ruhig atmen.
  • Bewege dich bei den Übungen so, dass du deinen Körper zu jedem Zeitpunkt beobachten und einschätzen kannst. Sei beispielsweise sehr achtsam, wenn du abrutschen oder das Gleichgewicht verlieren könntest.
  • Verzichte so weit wie möglich auf die Einnahme von Schmerzmitteln. Unsere Liebscher & Bracht Übungen® nutzen deinen Schmerz als Ausgangspunkt und täglichen Vergleichswert.
  • Führe an 6 Tagen pro Woche die Übung mindestens einmal täglich aus. Für jeden Übungsschritt solltest du 2 bis 2,5 Minuten investieren. Bist du schon geübter, baue nach und nach auch das Gegenspannen und das aktive Dehnen ein.
  • Benutze professionelle Hilfsmittel für deine Liebscher & Bracht Übungen®. Unsere Hilfsmittel wie Rücken-, Ki…

Operative Behandlung

Eine Operation an der Halswirbelsäule ist ein komplexer Eingriff, der von hochspezialisierten Experten der Rücken- und Wirbelsäulenchirurgie durchgeführt wird. In den meisten Fällen können wir den Wirbelkanal minimalinvasiv und damit besonders gewebeschonend erweitern, um eingeengte Nerven zu entlasten. Je nach Lage der Einengung können wir den Eingriff unter Vollnarkose von vorne durch den Hals (ventral), durch den Nacken (dorsal) oder von beiden Seiten der Halswirbelsäule vornehmen. Welches Verfahren geeignet ist, um Ihre Wirbelverengung operativ zu erweitern, besprechen unsere Spezialisten individuell und ausführlich mit Ihnen.

Eine Halswirbelsäule (HWS) Operation kann in einigen Fällen notwendig sein, insbesondere bei schwerwiegenden Bandscheibenvorfällen oder eingeklemmten Nerven. Die HWS Operation von vorne ist eine Methode, die von Patienten oft als effektiv beschrieben wird.

Vorbeugung

Eine gesunde Haltung, regelmäßige Bewegung und das Vermeiden von längerem Sitzen oder Stehen in einer Position können helfen, die Gesundheit der Halswirbelsäule zu erhalten und Probleme zu vermeiden.

Spezielle Übungen können die Muskulatur der Halswirbelsäule stärken und Nackenschmerzen vorbeugen. Folgende Nackenübungen eignen sich bei akuten und chronischen Nackenschmerzen. Im Vorfeld sollten Sie unbedingt mit einem Arzt Rücksprache halten, ob bei Ihnen bestimmte Einschränkungen bestehen.

Bei akuten Nackenschmerzen und anderen Beschwerden, die auf ein HWS-Syndrom zurückgeführt werden können, ist es ratsam, die Halswirbelsäule wieder zu mobilisieren und die Schmerzen zu reduzieren, sodass Sie schnell aus einer Schonhaltung herauskommen. Dabei helfen Dehnübungen, Übungen aus der Rückenschule und ein gezieltes Training der Nackenmuskulatur unter ärztlicher oder physiotherapeutischer Aufsicht. Achten Sie darauf, stets mit kontrollierten, langsamen Bewegungen zu trainieren und abrupte Drehungen des Kopfes zu vermeiden. Geeignete Übungen sind hier z. B. isometrische und kräftigende Übungen für den Nackenbereich, bei der die Halswirbelsäule sanft gedehnt, gekräftigt und mobilisiert wird oder Halteübungen wie der Unterarmstütz. Spazierengehen, Rückenschwimmen und Rudern am Kabelzug tragen ebenfalls dazu bei, die Nackenmuskulatur zu trainieren und zu lockern.

Weniger geeignet sind sportliche Aktivitäten, die die Halswirbelsäule belasten, wie Crunches, Sit-ups, Klimmzüge oder Brustschwimmen sowie ein Training, bei dem der Nackenbereich plötzlich bewegt oder erschüttert wird, wie z. B.

Dauer eines HWS-Syndroms

Die Dauer eines HWS-Syndroms variiert bei Betroffenen stark und hängt von verschiedenen Faktoren ab. Je nachdem, welche Ursache zugrunde liegt und welche Symptome auftreten, kann ein akutes Halswirbelsäulensyndrom über Tage oder Wochen auftreten. Bei vielen Patientinnen und Patienten bessern sich die Symptome des HWS-Syndroms spontan und beinträchtigen diese nur kurz. Jedoch kehren HWS-Syndrome oft wieder, sind dann schwieriger zu behandeln und führen zu längerfristiger Krankheit.

HWS-Syndrom Spezialisten

Wer an einem HWS-Syndrom leidet, möchte für sich die beste medizinische Versorgung. Darum fragt sich der Patient, wo finde ich die beste Klinik für eine HWS-OP oder einen HWS Spezialisten?

Grundsätzlich können verschiedene Fachärzte ein HWS Syndrom diagnostizieren. Der erste Arzt ist in der Regel der Hausarzt. Dieser kann entscheiden, ob eine Überweisung zum Neurologen oder Orthopäden notwendig ist. Um die Diagnose zu sichern verwenden die Fachärzte zumeist bildgebende Verfahren wie MRT oder CT. Sollte eine Operation der Halswirbelsäule notwendig sein, sind Spezialisten für Wirbelsäulenchirurgie der richtige Ansprechpartner.

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