Das Auge ist unser wichtigstes Sinnesorgan und ermöglicht uns den Zugang zur Welt. Die Verarbeitung von Sehinformationen ist ein komplexer Prozess, der auf verschiedenen Ebenen des Nervensystems stattfindet. Der Sehnerv spielt dabei eine zentrale Rolle als Bindeglied zwischen Auge und Gehirn. Er leitet die Informationen des Auges an das Gehirn weiter, wo sie analysiert und interpretiert werden. Zahlreiche Erkrankungen können den Sehnerv schädigen und zu Sehstörungen oder gar zum Verlust der Sehkraft führen. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Ursachen für Sehnervschäden, die diagnostischen Möglichkeiten und die verfügbaren Behandlungsansätze.
Die Rolle des Sehnervs
Der Sehnerv verbindet den hinteren Teil des Auges durch eine Öffnung im Schädelknochen mit dem Gehirn. Im Gehirn verlaufen die Nervenstränge als sogenannte Sehbahn, die die Sehinformationen an bestimmte Bereiche im Gehirn weiterleiten. Das visuelle Zentrum befindet sich im Hinterkopf, wo die Signale analysiert und interpretiert werden.
Ursachen für Sehnervschäden
Viele Erkrankungen können eine Schädigung des Sehnervs verursachen. Eine häufige Ursache ist ein erhöhter Augeninnendruck, wie er beim Grünen Star (Glaukom) auftritt. Auch die diabetische Retinopathie kann den Sehnerv schädigen. Bei einer Schädigung des gesamten Querschnitts des Sehnervs kommt es zu einer vollständigen Erblindung des betroffenen Auges. In den meisten Fällen sind jedoch nur Teilschädigungen vorhanden, so dass noch Sehreste (Residualsehen) vorhanden sind.
Grüner Star (Glaukom)
Der Grüne Star (Glaukom) ist eine tückische Augenkrankheit, die oft lange unbemerkt bleibt. Die typischen Symptome treten meist erst dann auf, wenn bereits eine erhebliche Schädigung des Sehnervs vorliegt. Frühzeitig schränkt sich beim Grünen Star das Sichtfeld ein, wobei die Ränder des wahrgenommenen Bildes zunehmend verschwimmen. Im weiteren Verlauf der Erkrankung wird das Sichtfeld enger, bis ein „Tunnelblick“ entsteht. Dadurch fällt die Orientierung im Raum zunehmend schwerer. Ebenfalls typisch ist, dass sich das Auge nur noch schwer an veränderte Lichtverhältnisse anpassen kann.
Beim chronischen Glaukom kommt es zu Gesichtsfeldausfällen (Skotomen), also blinden Flecken. Diese entstehen meist am Rand des Sehfelds und verengen dieses bogenförmig. Es sind aber auch Skotome im Zentrum des Sehbereichs möglich. Häufig scheinen helle Lichtquellen von farbigen Ringen oder Höfen umgeben, da das Licht im Auge gebrochen wird. Beim akuten Glaukom bzw. Winkelblock treten diese Sehstörungen sehr plötzlich auf. Der Augapfel ist stark verhärtet, oft reagieren die Pupillen nicht mehr auf den Lichteinfall. Begleitet ist ein Glaukomanfall meist von starken Augen- und Kopfschmerzen sowie Übelkeit. Ein angeborenes Glaukom äußert sich oft schon bei Säuglingen in vergrößerten Augen („Kuhaugen“), Lichtempfindlichkeit, einer getrübten Hornhaut und tränenden Augen.
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Ein Grüner Star (Glaukom) entsteht durch einen zu hohen Augeninnendruck, welcher zu Schäden an der Netzhaut und am Sehnerv führt. Gemessen wird der Augeninnendruck in der Einheit mmHg (Millimeter Quecksilbersäule). Normalerweise liegt er zwischen 10 und 21 mmHg. Er dient dazu, dem Auge seine Form zu geben und alle Bestandteile des Auges in der richtigen Position zu halten. Erzeugt wird er vom Kammerwasser, das die vordere und hintere Augenkammer ausfüllt. Ein Glaukom entsteht dann, wenn der Augeninnendruck sehr nahe an oder sogar über dem Perfusionsdruck (dem Blutdruck in der Aderhaut des Auges) liegt.
Ein zu hoher Augeninnendruck kann durch Fehlbildungen des Trabekelwerks, die Verlegung einzelner Gefäße oder auch (meist altersbedingte) Ablagerungen in den Gefäßen entstehen. In diesen Fällen fließt das Kammerwasser nicht mehr richtig ab und staut sich im Auge. Die Wahrscheinlichkeit eines Glaukoms ist erblich bedingt.
Bei Offenwinkel- bzw. Weitwinkelglaukomen ist der Kammerwinkel nicht verengt. Das Kammerwasser kann wegen einer Verlegung oder Verstopfung im Trabekelwerk nicht richtig abfließen. Das primäre Offenwinkelglaukom ist für rund 90 Prozent aller Glaukom-Fälle verantwortlich und basiert meist auf altersbedingten Abflussstörungen im Trabekelwerk. Bei einem Engwinkel- oder Winkelblockglaukom ist der Kammerwinkel verengt. Bei einem akuten Winkelblock kann plötzlich gar kein Kammerwasser mehr abfließen, so dass der Augeninnendruck innerhalb weniger Stunden stark ansteigt. Beim angeborenen (kongenitalen) Glaukom ist das Trabekelwerk nicht richtig ausgebildet oder durch embryonales Gewebe blockiert.
Diabetische Retinopathie
Diabetische Retinopathie ist eine Augenerkrankung, die im Zuge der Zuckerkrankheit auftreten kann. Bei fast allen an Diabetes Erkrankten kommt es nach mehreren Jahren zu einer Veränderung in der Netzhaut. Unbehandelt kann diese Schwächung zu einem Verlust der Sehfähigkeit führen. Die Hauptursache für eine diabetische Retinopathie ist ein über längere Zeit erhöhter Blutzuckerspiegel. Dieser kann unter anderem zu Schäden an den Blutgefäßen in der Netzhaut führen, welche das Absondern von Blut und Flüssigkeit in die Netzhaut zur Folge haben können. Personen, welche zusätzlich zu dem Diabetes auch unter Bluthochdruck leiden, haben ein erhöhtes Risiko, eine Diabetische Retinopathie zu entwickeln.
Die Erkrankung beeinflusst das Sehvermögen der erkrankten Person zunächst nur leicht. Im weiteren Verlauf können blinde Flecken oder ein verschwommenes Sehen auftreten. Mit der Zeit kann die Erkrankung zu einem Verlust des Sehvermögens bis hin zur Erblindung führen, dies ist aber nicht zwangsläufig der Fall.
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Sehnervenentzündung (Optikusneuritis)
Die Optikusneuritis ist eine Sehnervenentzündung und stellt eine der häufigsten Ursachen für die plötzliche Sehminderung (Dunkelsehen, Störung des Farbsehens) bei jungen Patienten dar. Schmerzen neben oder hinter dem Auge, besonders beim Bewegen der Augen, sind charakteristische Symptome dieser Erkrankung. Die häufigste Ursache einer Optikusneuritis ist eine Multiple Sklerose (MS).
Diagnose von Sehnervenerkrankungen
Die Diagnose eines Grünen Stars (Glaukoms) beginnt mit einer Anamnese: Der Augenarzt wird fragen, ob Sehstörungen aufgetreten sind und ob Grunderkrankungen, Risikofaktoren oder eine familiäre Vorbelastung vorliegen. Anschließend folgt eine Untersuchung des Auges auf Anzeichen einer Erkrankung.
Augeninnendruckmessung
Mit einer Augeninnendruckmessung bestimmen Augenspezialisten den aktuellen Augeninnendruck. Viele, aber nicht alle Glaukom-Erkrankungen sind mit einem zu hohen Augeninnendruck verbunden.
Untersuchung des Sehnervs
Um Schädigungen des Sehnervs zu erkennen, wird das Auge mit einer Spaltlampe sowie mit einem Papillen-OCT untersucht.
Gesichtsfeldmessung
Eine Gesichtsfeldmessung bringt Aufschluss darüber, ob bzw. wie stark das Sehvermögen durch einen Grünen Star (Glaukom) bereits eingeschränkt ist. Ein Auge ist dabei verdeckt; das andere erfasst Lichtquellen im Bereich des peripheren Sehens.
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Weitere diagnostische Maßnahmen bei Sehnervenentzündung
Um die Diagnose "Sehnerventzündung" stellen zu können, befragt der Arzt den Patienten zunächst ausführlich zur Krankheitsgeschichte (Anamnese). Dabei stellt er unter anderem folgende Fragen:
- Wann hat sich Ihr Sehen verschlechtert?
- Bereiten Ihnen Augenbewegungen Schmerzen?
- Ist das Sehen auf einer Seite schlechter als auf der anderen?
- Waren Sie in der letzten Zeit erkältet oder hatten Sie Fieber?
- Hatte ein Familienmitglied von Ihnen bereits ähnliche Symptome?
- Leiden Sie an einer Grunderkrankung (z.B. Multipler Sklerose, Lupus erythematodes)?
- Ist in Ihrer Familie ein Fall von Multipler Sklerose bekannt?
- Ist Ihnen schwindelig oder haben Sie Schwächen Ihrer Muskulatur bemerkt?
- Rauchen Sie, trinken Sie Alkohol oder nehmen Sie regelmäßig Medikamente ein?
- Sind die Beschwerden bei Wärme stärker (zum Beispiel,wenn Sie ein Bad nehmen, in der Sauna sitzen oder Sport machen)?
- Nehmen Sie Lichtblitze wahr?
Anschließend folgen verschiedene Augenuntersuchungen.
- Bestimmung der Sehschärfe: Mithilfe einer in bestimmten Abstand angebrachten Buchstaben- oder Zahlentafel wird die Sehschärfe bestimmt. Sie ist bei einer Sehnerventzündung gemindert. Die Niedrigkontrast-Sehschärfe ist in der akuten Phase stark beeinträchtigt und erholt sich langsamer als der Visus und das Gesichtsfeld.
- Test der Pupillenreaktion: Danach leuchtet der Arzt abwechselnd mit einer kleinen Lampe in die Augen und beobachtet die Reaktion der Pupillen. Normalerweise verengen sich beide Pupille gleich stark, egal, auf welches Auge der Arzt den Lichtkegel richtet. Bei einer Retrobulbärneuritis liegt jedoch oft ein sogenannter relativer afferenter Pupillendefekt (RAPD) vor. Das bedeutet, dass der Sehnerv des betroffenen Auges die eingehenden Lichtsignale nicht so gut ins Gehirn leitet wie der andere Sehnerv. In der Folge verengen sich beide Pupillen weniger, wenn der Arzt das Licht auf das erkrankte Auge richtet, und stärker, wenn er ins gesunde Auge leuchtet.
- Prüfung der Augenbeweglichkeit: Außerdem überprüft der Arzt die Beweglichkeit der Augen. Dazu sollen Sie etwa seinem Finger oder einem Stift ausschließlich mit dem Blick folgen (nicht mit dem ganzen Kopf) und angeben, ob die Augenbewegungen Sie schmerzen oder Sie Doppelbilder sehen.
- Bestimmung des Gesichtsfeldes: Als nächstes wird Ihr Gesichtsfeld getestet. Das ist der Bereich der Umwelt, den die Augen sehen können, ohne dass Sie Ihren Kopf bewegen. Das Gesichtsfeld kann grob mit den Fingern des Untersuchers überprüft werden. Dabei bewegt der Arzt seinen Finger in verschiedene Richtungen vor Ihrem Augen, und Sie müssen Sie Bescheid sagen, sobald Sie den Finger in Ihrem Gesichtsfeld sehen beziehungsweise nicht mehr sehen. Mit einem sogenannten Perimeter kann die Gesichtsfeldüberprüfung genauer durchgeführt werden. Dabei blinken verschiedene Lichtpunkte auf, die Sie in Ihrem Gesichtsfeld erkennen sollen. Bei einer Sehnerventzündung liegt häufig eine Einschränkung des Gesichtsfeldes im zentralen Bereich vor (Zentralskotom).
- Untersuchung des Augenhintergrundes: Anschließend spiegelt der Arzt Ihren Augenhintergrund (Funduskopie oder Fundoskopie). Dafür leuchtet er mit einem Augenspiegel (Ophthalmoskop) in Ihre Augen. So kann er die Netzhaut beurteilen. Er achtet dabei unter anderem auf Veränderungen der Blutgefäße und jener Stelle, an der der Sehnerv das Auge verlässt (Papille). Bei einer Retrobulbärneuritis ist die Funduskopie normalerweise unauffällig. Nur in etwa 30 Prozent der Fälle ist die Papille verändert. Dagegen ist bei einer Papillitis die Papille typischerweise gerötet und geschwollen.
- Prüfung der Farbwahrnehmung: Auch Ihre Farbwahrnehmung wird getestet. Bei einer typischen Neuritis nervi optici ist vor allem die Farbsättigung für Rot abgeschwächt.
- Test der Sehnervleitung: Mithilfe von visuell evozierten Potenzialen (VEP) kann die Leitungsgeschwindigkeit des Sehnervs überprüft werden. Bei dieser Messmethode werden Elektroden an Ihrem Kopf angebracht. Nach der Reizung Ihres Sehnervs durch das Zeigen von Bildern, wird über die Elektroden gemessen, welche Signale wie schnell über den Sehnerv im Gehirn ankommen. Bei einer Entzündung des Sehnervs sind die Messwerte häufig verändert.
Weiterführende Diagnostik bei Sehnervenentzündung
Wenn der Arzt ermittelt hat, ob es sich um eine typische oder atypische Sehnerventzündung handelt, werden weitere Untersuchungen durchgeführt. Mit deren Hilfe will man die Ursache der Neuritis nervi optici herauszufinden.
Bei einer erstmals aufgetretenen typischen Sehnerventzündung entwickelt der Patient im Verlauf der nächsten fünf Jahre in etwa 30 Prozent der Fälle eine Multiple Sklerose (MS). Um sie zu diagnostizieren, werden eine Kernspintomografie (Magnetresonanztomografie, MRT) des Kopfes und der Wirbelsäule gemacht. Außerdem ist eine Liquorpunktion notwendig: Dabei wird über eine dünnen Hohlnadel eine Probe der Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit (Liquor) aus der Lendenwirbelsäule entnommen und auf Entzündungszeichen hin untersucht, die für eine MS sprechen können.
Bei einer atypischen Sehnerventzündung können andere Krankheiten ursächlich sein. Deshalb wird häufig Blut abgenommen, um es auf verschiedene Krankheitserreger oder Antikörper hin zu untersuchen.
Abgrenzung zu anderen Krankheiten
Der Arzt muss auch untersuchen, ob nicht eine andere Erkrankung vorliegt, die ähnliche Symptome wie eine Sehnerventzündung hervorrufen. Zu diesen Differenzialdiagnosen zählt unter anderem die Stauungspapille. Sie entsteht, wenn der Hirndruck ansteigt und verursacht ähnliche Krankheitszeichen, schränkt in der Regel aber das Sehen nicht im gleichen Maße ein wie eine Optikusneuritis. Auch Vergiftungen etwa mit Alkohol kann sich wie eine Sehnerventzündung darstellen.
Behandlung von Sehnervenerkrankungen
Sobald ein Grüner Star (Glaukom) diagnostiziert wurde, sollte schnellstmöglich mit der Behandlung begonnen werden, um weitere Schäden zu verhindern.
Medikamentöse Behandlung
Bei einer medikamentösen Behandlung erfolgt die Gabe des Medikaments i. d. R. in Form von Augentropfen, die dauerhaft genommen werden müssen.
Operative Behandlung
Eine Operation wird beim Grünen Star meist zusätzlich zur medikamentösen Therapie durchgeführt. Insbesondere bei gleichzeitiger Linsentrübung (Grauer Star) kann eine Katarakt-Operation den Augeninnendruck ebenfalls senken - oft dauerhaft.
Behandlung der Sehnervenentzündung
Die Therapie richtet sich nach der Ursache und wird bei Infektionen zum Beispiel mit Antibiotika oder bei anderen Ursachen abschwellend und entzündungshemmend durch Kortison behandelt.
Neuroprotektion
Medikamente, die das Absterben von Nervenzellen verhindern, könnten auch die Sehzellen des Auges schützen und einem Sehverlust im Verlauf des Lebens vorbeugen. Darauf haben Experten hingewiesen. Die Suche nach derartigen neuroprotektiven Substanzen zeige erste Erfolge. Es gibt nun erste Hinweise darauf, dass Neuroprotektion beim Menschen funktioniert. Dazu zähle beispielsweise der Einsatz des Wirkstoffs Erythropoetin. Das Hormon aus der Niere sei zur Behandlung der Blutarmut zugelassen. Deutsche Mediziner hätten Erythropoetin jetzt in einer Pilotstudie bei Patienten untersucht, die an einer Entzündung der Sehnerven litten. „Nach der Infusion von Erythropoetin war der Verlust von Nervenfasern im Vergleich zur Placebogruppe signifikant geringer und die Sehfunktion der Patienten besserte sich tendenziell“, berichtete Lagrèze. Geplant sei nun, dieses neue Therapiekonzept an einer größeren Gruppe von Patienten zu überprüfen.
Weitere Sehnervenerkrankungen
Neben den bereits genannten Erkrankungen gibt es noch weitere, die den Sehnerv beeinträchtigen können:
- Anteriore ischämische Optikusneuropathie (AION): Die AION ist eine häufige Ursache für eine plötzliche Sehverschlechterung bei Patienten über fünfzig. Die Ursache für diese Erkrankung ist der Ausfall der Blutversorgung des Sehnervs, was zu einer Schädigung der Nervenfasern führt. Leitsymptom einer AION ist eine schmerzlose, sich verschlechternde Sehfähigkeit (die Sicht ist verschwommen, verschattet und dunkel, Farben wirken abgeblasst) mit Gesichtsfeldausfällen. Diese Veränderungen sind meist länger anhaltend.
- Leber’sche hereditäre Optikusneuropathie: Die Leber’sche hereditäre Optikusneuropathie ist eine neuro-degenerative Erbkrankheit, die zu einer plötzlichen einseitigen Erblindung führen kann. Häufig folgt das andere Auge innerhalb von einigen Monaten. Die Ursache liegt in den Ganglienzellen des Sehnervens. Die Erkrankung gehört zu den Mitochondriopathien, also einer mütterlicherseits vererbten Erkrankung der Mitochondrien (Kraftwerke der Zellen). Das führt zu einem Schwund von Fasern des Sehnervens, v.a. im Randbereich. Die Patienten bemerken zunächst eine Störung der Farbwahrnehmung, insbesondere bei Rot und Grün. Im Endstadium führt die Erkrankung zur Erblindung.
- Hypophysentumor: Hypophysenadenome sind meist gutartige Tumore, die von Hormonzellen des Vorderlappens der Hirnanhangsdrüse ausgehen. Da die Hypophyse genau an der Sehnervenkreuzung liegt, können größere Tumore, die deutlich seltener sind, zu Sehstörungen und Gesichtsfeldausfällen führen.
- Meningeome: Meningeome sind sehr langsam wachsende gutartige Tumore, die den Sehnerven oder die Sehnervenkreuzung komprimieren können, ohne dass das zunächst auffällig ist.
- Raumforderungen im Gehirn: Hirntumore können zu verschiedensten Augensymptomen führen. Je nach Lage des Tumors entsteht ein gemischtes Bild an neuro-ophthalmologischen Ausfällen. So treten oftmals Gesichtsfeldausfälle und Augenbewegungsstörungen auf.
- Schlaganfall (Apoplex): Der Schlaganfall ist eine Erkrankung aus dem neurologischen Fachgebiet. Dabei kann sich ein Schlaganfall isoliert an der Sehrinde manifestieren, so dass nur ein Gesichtsfeldausfall auf das Geschehen hinweist und keine weiteren neurologischen Symptome auftreten.
- Pseudotumor cerebri: Bei dieser Krankheit ist der Hirndruck erhöht, ohne dass es dafür eine klar erkennbare Ursache gibt. Der Sehnerv kann stark anschwellen und mit der Zeit Schaden nehmen. Betroffen sind meistens jüngere Frauen mit Übergewicht, die an Kopfschmerzen leiden.
- Endokrine Orbitopathie: Die Endokrine Orbitopathie ist eine Autoimmunerkrankung, die oft Zellen der Schilddrüse betrifft. Es werden dabei Substanzen produziert, die zu einem Wachstum der Augenmuskeln und des orbitalen Fettgewebes führen. Typische Symptome sind Doppelbilder, Hervortreten der Augen (Exophthalmus) und hochgezogene Augenlider mit Augenreizung.
Vorsorge und Früherkennung
Neben den angesprochenen Augenerkrankungen gibt es noch eine Vielzahl weiterer Krankheiten, die Ihre Sehkraft beeinträchtigen können. In jedem Fall ist es wichtig, die Erkrankung so früh wie möglich zu erkennen, um die bestmögliche Behandlung zu bekommen und das Risiko irreparabler Folgeschäden gering zu halten. Seien Sie aufmerksam. Sollte sich Ihr Gesichtsfeld akut verändern, suchen Sie umgehend eine Ärztin oder einen Arzt auf. Und vereinbaren Sie routinemäßige Termine bei Ihrer Augenärztin oder Ihrem Augenarzt, um Ihre Sehkraft lange zu erhalten.