Die Begriffe „Wasserkopf“ (Hydrozephalus) und „Demenz“ werden oft im Zusammenhang genannt, da bestimmte Formen des Hydrozephalus Symptome verursachen können, die denen einer Demenz ähneln. Dieser Artikel beleuchtet den Zusammenhang zwischen Wasserkopf und Demenz, die verschiedenen Arten von Hydrozephalus, ihre Symptome, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten.
Einführung
Gedächtnisstörungen oder Sprachprobleme lassen bei Betroffenen und Angehörigen oft die Alarmglocken läuten, da sie eine Demenzerkrankung wie Alzheimer vermuten lassen. Viele typische Symptome einer Demenz können jedoch Ursachen haben, die behandelbar und oft sogar vollständig heilbar („reversibel“) sind. Es ist wichtig, diese Ursachen zu erkennen und abzuklären, um eine angemessene Behandlung einzuleiten. Eine dieser behandelbaren Ursachen ist der Normaldruckhydrozephalus (NPH), auch bekannt als Altershirndruck.
Was ist ein Hydrozephalus?
Ein Hydrozephalus, oft auch als „Wasserkopf“ oder früher mit „Gehirnwassersucht“ bezeichnet, ist eine Erkrankung, bei der sich übermäßig viel Liquor (Gehirn- und Rückenmarksflüssigkeit) im Schädelinneren ansammelt. Das menschliche Gehirn und auch das Rückenmark sind von Hirnwasser (Liquor cerebrospinalis) umgeben, das in den Ventrikeln (Hirnkammern) produziert wird und normalerweise frei um das Hirn und entlang des Rückenmarks fließt.
Ursachen des Hydrozephalus
Die Hauptursache eines Hydrozephalus ist eine Störung in der Zirkulation des Liquors im Gehirn. Diese Störung kann angeboren sein, wodurch Babys bereits mit dieser Erkrankung zur Welt kommen. Sie kann aber auch im Laufe des Lebens durch bestimmte Ereignisse erworben werden, z. B.:
- Infektionen wie Meningitis oder Enzephalitis
- Blutungen im Hirn, besonders bei Frühgeborenen oder im Rahmen einer Subarachnoidalblutung
- Tumore im Gehirn oder im Rückenmark, die die Liquorpassage behindern
- Kopfverletzungen, die den normalen Fluss von Liquor stören
- Angeborene Fehlbildungen, die den normalen Fluss von Liquor verhindern
- Spinale Zysten oder andere Anomalien
Die Hauptursachen für die übermäßige Ansammlung von Liquor im Gehirn sind:
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- Unzureichende Absorption von Liquor: Nachdem der Liquor das Gehirn umspült hat, wird er in das venöse Blutsystem aufgenommen. Ist dieser Prozess gestört, etwa durch Entzündungen oder Blutungen, kann sich Nervenwasser ansammeln. Dies ist die häufigste Ursache.
- Behinderung des Liquorabflusses: Eine Blockade kann verhindern, dass Gehirn-Rückenmarksflüssigkeit aus den Hirnkammern abfließen kann. Eine solche Blockade kann durch Tumore, Blutgerinnsel, Membranen (Gewebebrücken) oder Narbengewebe verursacht werden.
- Kommunikationsstörung: Nicht selten fließt der Liquor normal durch die Hirnkammern, kann aber im Subarachnoidalraum nicht richtig zirkulieren, was zu einer Ansammlung führt.
- Verstärkte Produktion von Liquor: In sehr seltenen Fällen wird zu viel Liquor im Gehirn produziert.
Arten von Hydrozephalus
Es gibt verschiedene Arten von Hydrozephalus, die sich in ihren Ursachen und Auswirkungen unterscheiden:
- Kommunizierender Hydrozephalus (Hydrocephalus communicans): Der Liquorfluss zwischen den Hirnkammern und dem Subarachnoidalraum ist nicht blockiert. Das Problem liegt meist in der unzureichenden Aufnahme des Liquors. Auslöser können etwa Entzündungen, Blutungen oder Infektionen sein.
- Normaldruckhydrozephalus (NPH, Normal Pressure Hydrocephalus; Sonderform des kommunizierenden Hydrocephalus): Wie der Name schon sagt, ist bei dieser Art der Druck im Schädelinneren normal. Die genaue Ursache des NPH ist oft unbekannt. Hauptsymptome sind Gangunsicherheit, Gedächtnisstörungen oder Inkontinenz.
- Nichtkommunizierender Hydrozephalus (Hydrocephalus occlusus oder obstruktiver Hydrocephalus): Der Liquorfluss ist zwischen den Hirnkammern durch eine Blockade oder Verengung gestört. Dies kann beispielsweise durch einen Tumor, eine Fehlbildung oder durch Entzündungsgewebe verursacht werden.
- Hydrocephalus e vacuo: Hierbei handelt es sich nicht um einen Hydrozephalus im eigentlichen Sinne, sondern um die Folgen einer Hirnatrophie, also der Abnahme des Hirnvolumens.
Normaldruckhydrozephalus (NPH) und seine Verbindung zu Demenz
Der Normaldruckhydrozephalus (NPH) oder auch Altershydrozephalus genannt, ist eine spezielle Form des Hydrozephalus, die vor allem ältere Menschen betrifft und durch eine abnorme Ansammlung von Gehirnflüssigkeit (Liquor) in den Hirnventrikeln gekennzeichnet ist, ohne dass der intrakranielle Druck stark erhöht ist. Trotz des "normalen" Drucks führt die Ansammlung von Liquor zu einer Störung der Gehirnfunktion.
Symptome des NPH
Der NPH ist von besonderer Bedeutung, da er häufig mit typischen Alterserscheinungen verwechselt wird und unbehandelt zu einer erheblichen Beeinträchtigung der Lebensqualität als auch einer erhöhten Morbidität und Mortalität führen kann. Zu den klassischen Symptomen gehören:
- Gangstörungen: Schwierigkeiten beim Gehen, die sich in einem unsicheren, breitbeinigen und schlurfenden Gangbild zeigen. Die Betroffenen haben oft das Gefühl, dass ihre Füße am Boden kleben.
- Harninkontinenz: Unkontrollierter Harnverlust.
- Kognitive Beeinträchtigungen: Gedächtnisstörungen, Konzentrationsprobleme und verlangsamtes Denken, die einer Demenz ähneln können.
Dieser Symptomkomplex wird auch als Hakim-Trias bezeichnet. Es ist wichtig zu beachten, dass nicht alle Patienten alle drei Symptome aufweisen müssen, und die Ausprägung der Symptome kann variieren.
Diagnose des NPH
Die Diagnostik des Normaldruckhydrozephalus umfasst neben der Anamnese und klinischen Untersuchung in der Regel:
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- Bildgebende Verfahren: Magnetresonanztomographie (MRT) oder Computertomographie (CT), um die vergrößerten Hirnventrikel sichtbar zu machen und andere Ursachen auszuschließen.
- Liquor-Ablass-Tests: Entnahme von Liquor durch eine Lumbalpunktion, um zu prüfen, ob sich die Symptome nach der Entlastung verbessern.
- Invasive Messungen des Hirndrucks: In einigen Fällen können invasive Messungen des Hirndrucks erforderlich sein, um die Diagnose zu erhärten.
- Neuropsychologische Tests: Um das Ausmaß der Wahrnehmungsstörungen zu bewerten, können neuropsychologische Tests hilfreich sein.
Behandlung des NPH
Die Therapie des Hydrozephalus besteht hauptsächlich in der chirurgischen Implantation eines Shunt-Systems, das überschüssigen Liquor aus den Hirnventrikeln ableitet, um den Hirndruck zu regulieren und die Symptome zu lindern. Eine rechtzeitige Diagnose und Behandlung kann oft zu einer deutlichen Verbesserung der Symptome führen, insbesondere in Bezug auf die Mobilität und die geistige Leistungsfähigkeit.
Shunt-Systeme
Seit Mitte des 19. Jahrhunderts gilt die Implantation eines Shunt-Systems als Standardbehandlung für verschiedene Formen des Hydrozephalus. Ein sogenannter Shunt besteht aus einem Schlauch-Ventil-System, das überschüssige Gehirnflüssigkeit (auch „Liquor“ oder „CSF“ für Cerebro Spinal Fluid genannt) in eine andere Körperhöhle ableitet, wo diese wieder aufgenommen und schließlich abgebaut werden kann.
Es gibt verschiedene Optionen, in die das überschüssige Hirnwasser abgeleitet werden kann. Praktisch relevant sind jedoch nur drei Ableitungsarten, die seit den 1960er Jahren routinemäßig angewendet werden:
- Ventrikuloperitoneal (VP): Ableitung aus den Hirnventrikeln (Kopf) in das Peritoneum (Bauchhöhle).
- Ventrikuloatrial (VA): Ableitung aus den Hirnventrikeln (Kopf) in den rechten Vorhof des Herzens.
- Lumboperitoneal (LP): Ableitung aus dem lumbalen Spinalkanal in das Peritoneum (Bauchhöhle).
Die Wahl des Shunt-Systems hängt von verschiedenen Faktoren ab, einschließlich des Alters des Patienten, der Ursache des Hydrozephalus und des Vorliegens anderer medizinischer Bedingungen.
Komplikationen bei Shunt-Systemen
Zu den häufigsten Komplikationen bei beiden Shunt-Arten gehören Infektionen, Okklusionen und Überdrainage. CSF-Leckagen, Herniationen und bestimmte Formen von Rückenschmerzen können hingegen spezifisch eher beim LPS auftreten.
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Abgrenzung zu anderen Demenzformen
Es ist wichtig, den NPH von anderen Demenzformen wie Alzheimer oder vaskulärer Demenz zu unterscheiden, da die Behandlungsmöglichkeiten unterschiedlich sind. Im Gegensatz zu Alzheimer, bei dem die Symptome in der Regel fortschreitend schlimmer werden und es keine Heilung gibt, kann der NPH durch eine Shunt-Operation oft erfolgreich behandelt werden.
Weitere Ursachen für Demenz-ähnliche Symptome
Neben dem NPH gibt es noch weitere Ursachen für Symptome, die einer Demenz ähneln können. Es ist wichtig, diese Ursachen zu erkennen und auszuschließen, um eine angemessene Behandlung einzuleiten:
- Delir: Ein Delir kann durch körperliche oder emotionale Stressfaktoren ausgelöst werden, wie z.B. schwere operative Eingriffe, falsche Medikamente, Dehydrierung, Infektionen, Schlaganfall, Herzinfarkt oder Schockerlebnisse.
- Hirntumore: Hirntumore können Symptome wie Gedächtnis- und Konzentrationsstörungen sowie Persönlichkeitsveränderungen verursachen, die denen einer Demenzerkrankung ähneln.
- Vitaminmangel: Insbesondere ein Mangel an Vitamin B-12 kann Symptome wie Gedächtnisstörungen, Verhaltensänderungen oder Unruhe hervorrufen.
- Depressionen: Depressionen können Demenzsymptome auslösen.
- Wechselwirkungen zwischen Medikamenten: Wechselwirkungen zwischen verschiedenen Medikamenten können Verwirrtheit auslösen.
- Dehydrierung: Ein Flüssigkeitsmangel im Körper durch zu wenig Trinken kann demenzähnliche Symptome hervorrufen.
- Erkrankungen der Schilddrüse, Nieren oder Leber: Auch Erkrankungen dieser Organe können demenzähnliche Symptome hervorrufen.
- Hirnschädigungen durch Vergiftungen: Vergiftungen können ebenfalls demenzähnliche Symptome verursachen.
- Vaskuläre Demenz: Durchblutungsstörungen im Gehirn können ebenfalls zu Demenz führen.
Vorbeugende Maßnahmen und ihr Alltag
Hydrocephalus lässt sich in einigen Fällen nicht verhindern, insbesondere wenn es sich um angeborene oder genetische Ursachen handelt. Dennoch gibt es präventive Maßnahmen, mit denen Sie das Risiko für die Entwicklung eines erworbenen Hydrocephalus reduzieren und bei bestehender Erkrankung Ihre Lebensqualität verbessern können:
- Tragen Sie einen Helm: Beim Fahrradfahren, Skaten oder bei anderen risikoreichen Aktivitäten sollten Sie immer einen Helm tragen.
- Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung, die reich an Omega-3-Fettsäuren ist, kann die Gehirngesundheit fördern.
- Alkoholkonsum: Angesichts der verschiedenen Schäden, die Alkohol im Körper verursachen kann, sollte man ihn entweder ganz meiden oder den Konsum stark einschränken.
- Drogen: Vermeiden Sie den Konsum von Drogen.