Wassereinlagerung nach Katarakt-OP: Ursachen, Behandlung und Sehnerv-Aspekte

Einleitung

Die Kataraktoperation ist ein häufiger Eingriff zur Behebung des Grauen Stars. Obwohl die Operation in der Regel sicher und erfolgreich ist, können in seltenen Fällen Komplikationen auftreten. Eine solche Komplikation ist die Wassereinlagerung in der Netzhaut, auch als Makulaödem bekannt. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Behandlungsmöglichkeiten und den Einfluss auf den Sehnerv im Zusammenhang mit Wassereinlagerungen nach einer Kataraktoperation.

Grundlagen von Glaskörper, Netzhaut und Makula

Um die Zusammenhänge besser zu verstehen, ist es wichtig, die beteiligten Strukturen des Auges zu kennen:

  • Glaskörper: Eine gelartige Substanz, die den größten Teil des Augapfels ausfüllt. Er besteht hauptsächlich aus Wasser, Eiweißbestandteilen und feinsten Bindegewebsfasern. Mit zunehmendem Alter kann es zu einer Entmischung des Glaskörpers kommen, was als hintere Glaskörperabhebung bezeichnet wird.
  • Netzhaut: Die Netzhaut setzt die Lichtsignale, die durch Hornhaut und Linse ins Auge treffen, in elektrische Nervenimpulse um. Eine funktionierende Netzhaut ist deshalb für unser Sehvermögen äußerst wichtig.
  • Makula: Auch als "Gelber Fleck" bezeichnet, ist die Makula der Bereich des schärfsten Sehens in der Mitte der Netzhaut. Sie spielt eine wichtige Rolle für das scharfe Sehen und das Erkennen von Details.

Ursachen von Wassereinlagerungen nach Katarakt-OP (Irvine-Gass-Syndrom)

Das Irvine-Gass-Syndrom (IGS) ist eine der häufigsten Komplikationen nach einer Kataraktoperation. Es handelt sich dabei um ein zystoides Makulaödem, also eine Flüssigkeitsansammlung im zentralen Teil der Netzhaut (Makula). Verschiedene Faktoren können die Entwicklung eines IGS begünstigen:

  • Diabetes mellitus: Menschen mit Diabetes haben ein höheres Risiko, nach einer Katarakt-OP ein Makulaödem zu entwickeln, insbesondere wenn sie an einer diabetischen Retinopathie leiden.
  • Veränderungen der Netzhaut und Netzhautgefäße: Epiretinale Gliose, Zustand nach Verschluss einer Netzhautvene, vorangegangene Eingriffe an der Netzhaut.
  • Entzündliche Erkrankungen im Auge: Uveitis.
  • Bestimmte Augentropfen zur Glaukombehandlung: Die Rolle von Prostaglandin-Analoga ist umstritten.

Symptome eines Makulaödems

Typische Anzeichen für ein Makulaödem nach Katarakt-OP sind:

Lesen Sie auch: Alles über das Karpaltunnelsyndrom

  • Verschwommenes Sehen in der Mitte des Sichtfelds
  • Verzerrungen von Formen (Metamorphopsie)
  • Allgemeine Verschlechterung der Sehkraft

Ein einfacher Test, den Patienten selbst durchführen können, ist der Amsler-Gitter-Test. Dabei betrachtet man ein Gittermuster und achtet darauf, ob Linien gekrümmt erscheinen oder Punkte fehlen.

Diagnose von Wassereinlagerungen

Die Diagnose eines Makulaödems wird anhand der Krankengeschichte und verschiedener Untersuchungen gestellt:

  • Sehtests
  • Amsler-Gitter-Test
  • Untersuchung des Augenhintergrunds
  • Fluoreszein-Angiographie: Invasive Untersuchung mit Farbstoffinjektion, um Leckagemuster der Netzhautgefäße zu erkennen.
  • Optische Kohärenztomographie (OCT): Nicht-invasive, berührungslose Darstellung der Netzhautschichten, um Schwellungen und Veränderungen zu erkennen.

Behandlungsmöglichkeiten

Zur Behandlung des Makulaödems nach Kataraktoperation gibt es verschiedene Therapieansätze:

  • Lokaltherapie mit entzündungshemmenden Augentropfen: Nicht-steroidale Antiphlogistika (NSAID) können mit steroidhaltigen Augentropfen kombiniert werden.
  • Steroide intravitreal: Gabe von Steroiden in den Glaskörper des Auges. Augendruckkontrollen sind erforderlich.
  • Anti-VEGF intravitreal: Hemmung des "Vascular endothelial growth Factor" (VEGF), einem Entzündungsmediator.
  • Lasertherapie: Unterschwellige gepulste Lasertherapie zur Unterstützung der lokalen Therapie.

Prognose und Heilungschancen

Ein Makulaödem nach Kataraktoperation ist ein seltenes Ereignis. In vielen Fällen bildet es sich ohne Therapie zurück. Allerdings erreichen einige Patienten auch nach vollständigem Rückgang des Ödems keine volle Sehschärfe mehr.

Einfluss auf den Sehnerv

Während das Makulaödem primär die Netzhaut betrifft, kann es indirekt auch den Sehnerv beeinflussen. Ein unbehandeltes oder chronisches Makulaödem kann zu dauerhaften Schäden an den Sinneszellen der Netzhaut führen, was wiederum die Signalübertragung zum Gehirn über den Sehnerv beeinträchtigen kann.

Lesen Sie auch: Hüft-TEP und Nervenschmerzen

Weitere Ursachen für Makulaödeme

Neben dem Irvine-Gass-Syndrom gibt es weitere Ursachen für Makulaödeme:

  • Diabetisches Makulaödem (DMÖ): Langfristige Komplikation von Diabetes mellitus, bei der es zu Gefäßschäden und Flüssigkeitsansammlungen in der Makula kommt.
  • Retinale Venenverschlüsse: Blockade von Blutgefäßen in der Netzhaut, die zu Schwellungen führen kann.
  • Uveitis: Entzündliche Erkrankungen des Augeninneren, die ein Makulaödem verursachen können.
  • Trauma: Verletzungen des Auges.
  • Medikamente: Bestimmte Augentropfen (z.B. Prostaglandin-Analoga zur Glaukombehandlung).

Diabetisches Makulaödem (DMÖ) im Detail

Diabetes mellitus kann langfristig zu Gefäßschäden führen, auch an den kleinen Blutgefäßen, die die Netzhaut des Auges versorgen. Kommt es bei Menschen mit Diabetes zu dieser Komplikation, bezeichnen Ärzte dies als diabetische Retinopathie. Unbehandelt führt die durch Diabetes verursachte Netzhauterkrankung in vielen Fällen zur Erblindung. Die Sehbeeinträchtigungen durch das diabetische Makulaödem werden durch Flüssigkeitsansammlungen auf der Netzhaut und durch eine Netzhautverdickung des Makulazentrums oder in dessen Nähe verursacht. Das Risiko für eine Erblindung hängt davon ab, wie stark die Gefäße der Netzhaut betroffen sind und an welcher Stelle der Makula das Ödem auftritt: Je näher es am Makulazentrum sitzt, umso gravierender ist der Sehverlust.

Behandlung des DMÖ

  • Optimale Einstellung der Zucker- und Blutdruckwerte: Entscheidende Rolle für eine erfolgreiche Behandlung.
  • Lasertherapie: Abdichtung der durchlässig gewordenen Blutgefäße mittels Laserstrahlung.
  • IVOM (Intravitreale operative Medikamentenapplikation): Medikamente werden direkt in den Glaskörper injiziert, um die Schwellung zu reduzieren und die Sehkraft zu verbessern.

Netzhautablösung als mögliche Komplikation

Eine weitere mögliche Komplikation nach einer Katarakt-Operation ist die Netzhautablösung. Dabei trennt sich die Netzhaut von der Aderhaut, was zu Funktionsstörungen und Gesichtsfeldausfällen bis hin zur Erblindung führen kann.

Ursachen einer Netzhautablösung

  • Loch- und Rissbildung: Häufigste Ursache, oft in Verbindung mit Kurzsichtigkeit und Glaskörperschrumpfung.
  • Entzündliche Veränderungen: Flüssigkeitsansammlung zwischen Netzhaut und Aderhaut.
  • Tumore: Wachstum von Tumoren im Bereich der Aderhaut/Netzhaut.
  • Zug durch Bindegewebsstränge: Infolge von schweren Netzhauterkrankungen, Verletzungen oder wiederholter Netzhautablösung.

Symptome einer Netzhautablösung

  • Lichtblitze (auch bei geschlossenen Augen)
  • Rußregen (winzige Blutungen)
  • Gesichtsfeldausfall (Schleier oder Vorhang)
  • Verschlechterung des Sehvermögens

Behandlung einer Netzhautablösung

  • Laserbehandlung: Umstellung von Netzhautrissen oder -löchern, um eine Ablösung zu verhindern.
  • Operation: Wiederanlegung der Netzhaut durch verschiedene Techniken (Plombe, Gürteloperation, Vitrektomie).

Grauer Star (Katarakt) und Grüner Star (Glaukom)

Es ist wichtig, den Grauen Star (Katarakt) vom Grünen Star (Glaukom) zu unterscheiden:

  • Grauer Star: Trübung der Augenlinse, die operativ gut behandelbar ist.
  • Grüner Star: Schädigung des Sehnervs, die unbehandelt zur Erblindung führen kann. In den meisten Fällen ist ein erhöhter Augeninnendruck der Hauptauslöser.

Beide Erkrankungen treten häufig ab dem mittleren Lebensalter auf. Es ist auch möglich, dass ein Mensch sowohl einen Grauen Star als auch ein Glaukom hat.

Lesen Sie auch: Rehabilitation bei Gesichtsfeldausfall

Vorsorge und Früherkennung

Regelmäßige augenärztliche Untersuchungen sind entscheidend, um mögliche Veränderungen frühzeitig zu erkennen und zu behandeln. Dies gilt insbesondere für Risikogruppen wie Diabetiker und Menschen mit familiärer Vorbelastung für Augenerkrankungen.

tags: #wassereinlagerung #nach #katarakt #op #sehnerv