Vom Zentralnervensystem zur Bewegung: Eine physiologische Reise

Das Nervensystem ist ein komplexes Netzwerk, das die Grundlage für all unsere Handlungen, Gedanken und Empfindungen bildet. Es ermöglicht uns, mit der Umwelt zu interagieren und unsere Körperfunktionen zu steuern. Dieser Artikel beleuchtet die physiologischen Prozesse, die vom zentralen Nervensystem (ZNS) bis zur Bewegung führen, und bietet einen umfassenden Überblick über die beteiligten Strukturen und Funktionen.

Das Nervensystem: Eine Übersicht

Das Nervensystem lässt sich grob in zwei Hauptbereiche unterteilen: das zentrale Nervensystem (ZNS) und das periphere Nervensystem (PNS).

Zentrales Nervensystem (ZNS)

Das zentrale Nervensystem, das Steuerungszentrum des Körpers, umfasst die Nervenbahnen im Gehirn (Cerebrum) und im Rückenmark (Medulla spinalis). Es steuert lebenswichtige Körperfunktionen wie Atmung, Bewegung, Verdauung und Fortpflanzung. Darüber hinaus ermöglicht es uns bewusste Wahrnehmung, Denken und Fühlen.

  • Gehirn (Cerebrum): Das Gehirn, geschützt durch die Schädelknochen, wiegt etwa 1,5 bis 2 kg. Es ist in zwei Hemisphären unterteilt, die durch den Balken (Corpus callosum) verbunden sind, sowie in verschiedene Hirnlappen (Stirnlappen, Scheitellappen, Schläfenlappen, Hinterhauptslappen). Als Steuerzentrale benötigt das Gehirn viel Sauerstoff und Glukose (Zucker). Das Großhirn verbindet alle Organe bzw. Organsysteme und Gewebe miteinander. Reize aus der Umwelt und dem Körperinneren werden über Rezeptoren aufgenommen, über die afferenten Nervenbahnen an das Gehirn weitergeleitet und im Großhirn verarbeitet. Eine Antwort wird dann über die efferenten Nervenbahnen an die Organe/Organsysteme und die Peripherie zurückgesandt.
  • Rückenmark (Medulla spinalis): Das Rückenmark verläuft geschützt innerhalb der Wirbelsäule im Spinalkanal. Es handelt sich um eine stabförmige Ansammlung von Nervenzellkörpern und -fasern, die bei Erwachsenen ca. einen halben Meter lang ist. Umgeben ist es von einer Flüssigkeit, dem Liquor (Nervenwasser). Wie auch das Großhirn besteht das Rückenmark aus einer grauen und einer weißen Substanz. Die graue Substanz liegt innen und wird von der weißen umhüllt. Aus den Seiten des Rückenmarks treten Nervenfasern aus, die sich zu Spinalnerven vereinigen. Über Zwischenräume in der knöchernen Wirbelsäule treten diese aus dem Wirbelkanal aus. Es verbindet das Gehirn mit der Peripherie des Körpers. Sensible Nervenbahnen transportieren Informationen zum Gehirn (afferente Bahnen) und motorische Bahnen (efferente Bahnen) leiten Informationen vom Gehirn an ausführende Strukturen wie z. B. die Muskeln. Die graue Substanz enthält Nervenzellkörper, die Schmerz- und Berührungsreize übertragen sowie Nervenzellen, die der Motorik dienen und Nervenzellen des autonomen Systems, das die inneren Organe steuert. Die weiße Substanz enthält auf- und absteigende Fasersysteme. Über die gesamte Länge des Rückenmarks entspringen auf beiden Seiten in regelmäßigen Abständen 31 Paare von Nervenwurzeln, die sich zu den Spinalnerven vereinigen. Am unteren Ende verjüngt sich das Rückenmark zum Conus medullaris und endet als dünner Strang (Filum terminale). Das Rückenmark wird von zwei Quellen aus mit Blut versorgt: von den Wirbelarterien und von den Segmentarterien.

Peripheres Nervensystem (PNS)

Zum peripheren Nervensystem gehören die Nervenbahnen, die außerhalb des zentralen Nervensystems im Körper liegen. Das periphere Nervensystem leitet Informationen (elektrische Impulse), die von den Sinnesorganen aufgenommen werden, über ein dreidimensionales Netz aus Neuronen (Nervenzellen) an das zentrale Nervensystem weiter und empfängt andersherum vom ZNS Informationen über die Steuerung von Körperfunktionen und Bewegungen.

  • Afferente Nervenfasern: Die Fasern, die zum ZNS hinführen, werden als afferente Nervenfasern bezeichnet. Sie übermitteln sensorische Informationen (Reizaufnahme).
  • Efferente Nervenfasern: Die Nervenfasern, die vom ZNS wegführen, werden als efferente Nervenfasern bezeichnet.

Das periphere Nervensystem lässt sich weiter in das somatische und das vegetative Nervensystem unterteilen.

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  • Somatisches (willkürliches) Nervensystem: Hierzu zählen Vorgänge, die sich bewusst steuern lassen, wie z. B. Bewegungen (motorisches System). Auch die bewusste Wahrnehmung von Umweltreizen und Reizen aus dem Körperinneren sowie deren Weiterleitung an das Gehirn gehören dazu (sensorisches System). Zum sensorischen System gehören das visuelle System (Sehsinn), auditive System (Hörsinn), vestibuläre System (Gleichgewichtssinn), olfaktorische System (Geruchssinn), gustatorische System (Geschmackssinn) und das taktile System (Tastsinn).
  • Vegetatives (autonomes) Nervensystem: Die efferenten (vom ZNS wegführenden) Nervenbahnen des vegetativen Nervensystems lassen sich einem sympathischen (Sympathikus) sowie einem parasympathischen (Parasympathikus) Bereich zuordnen. Der Parasympathikus ist der Entspannungsnerv. Der Sympathikus hingegen ist der Erregungs- bzw. Anspannungsnerv. Des Weiteren gibt es das enterische Nervensystem. Dabei handelt es sich um ein komplexes Geflecht aus Nervenzellen, das annähernd den gesamten Gastrointestinaltrakt (Verdauungstrakt) durchzieht. Die Hauptkomponenten des enterischen Nervensystems sind der Auerbach-Plexus (Plexus myentericus) und der Meissner-Plexus (Plexus submucosus). Das sympathische und parasympathische Nervensystem (Sympathikus und Parasympathikus) wirken im Körper meist als Gegenspieler: Der Sympathikus bereitet den Organismus auf körperliche und geistige Leistungen vor. Er sorgt dafür, dass das Herz schneller und kräftiger schlägt, erweitert die Atemwege, damit man besser atmen kann, und hemmt die Darmtätigkeit. Der Parasympathikus kümmert sich um die Körperfunktionen in Ruhe: Er aktiviert die Verdauung, kurbelt verschiedene Stoffwechselvorgänge an und sorgt für Entspannung.

Neuronen: Die Bausteine des Nervensystems

Das Nervensystem des Menschen enthält Milliarden von Neuronen (Nervenzellen; Nervus, Nervi). Neuronen dienen dem Informationsaustausch im Organismus. Jede einzelne Nervenzelle besteht aus einem Körper und verschiedenen Fortsätzen. Die kürzeren Fortsätze (Dendriten) wirken wie Antennen: Über sie empfängt der Zellkörper Signale, zum Beispiel von anderen Nervenzellen.

Ganglien: Schaltzentralen des PNS

Ein Ganglion (Nervenknoten) ist eine Ansammlung von Nervenzellkörpern im peripheren Nervensystem und stellt sich als Verdickung dar. Sie liegen meist dicht am Rückenmark bzw. am Gehirn oder an bzw. in inneren Organen. Ganglien fungieren als Schaltzentrale. Sie leiten Signale weiter. Die Informationen können von einer auf die andere Nervenfaser umverknüpft werden.

Der Weg vom Reiz zur Bewegung

Die Reizweiterleitung im Nervensystem ist ein komplexer Vorgang, bei dem elektrische sowie chemische Potenziale angewandt werden - und das im Bruchteil einer Sekunde. Denn nur so können wir schnell reagieren, beispielsweise im Straßenverkehr, wenn wir einem Auto ausweichen müssen. Ganz allgemein kann ein Reiz unterschiedlicher Natur sein: zum Beispiel das Wahrnehmen einer Temperaturveränderung, ein visueller Reiz oder Schmerz.

Reizaufnahme und Weiterleitung

Die Reizaufnahme im Nervensystem geschieht über die Dendriten, dünne Fortsätze der Neuronen. Der Axonhügel sammelt die bei den Dendriten eingehenden elektrischen Potenziale. Nur wenn eine bestimmte Potenzialschwelle überschritten wird, gibt der Axonhügel das elektrische Potenzial an das Axon weiter. Dies ist eine Art Schutzmaßnahme des Nervensystems, um eine Reizüberflutung, die nicht verarbeitet werden kann, zu verhindern.

Viele Axone im peripheren Nervensystem (der Teil des Nervensystems, der nicht zu Gehirn und Rückenmark gehört) werden durch einen Mantel aus speziellen Zellen (Schwann-Zellen = Hüll- und Stützzellen) elektrisch isoliert. Dabei entsteht keine durchgängige Umhüllung. Die Abschnitte, an denen das Axon frei liegt, werden Ranviersche Schnürringe genannt und dienen einer schnelleren Übertragung von Nervensignalen - die Erregung wird hierbei in Sprüngen von einem Schnürring zum nächsten weitergegeben (saltatorische Erregungsleitung).

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Wenn kein Reiz weitergegeben werden muss, zeigt das Neuron folgende Verteilung elektrischer Ladung: Im Zellinneren herrscht eine hohe Konzentration an Kaliumionen (K+) und organischen Anionen (zum Beispiel Eiweiß), während außerhalb überwiegend Natrium- (Na+) und Chloridionen (Cl-) anzutreffen sind. Im Ruhezustand besteht ein Gleichgewicht zwischen der Zellinnen und -außenseite, das durch verschiedene Transportmechanismen (Kaliumkanäle und Natrium-Kalium-Pumpen) aufrechterhalten wird (Ruhepotential). Auf der Innenseite der Zellmembrane ist die Ladung zunächst negativ.

Im Falle eines elektrischen Impulses, der durch einen Reiz ausgelöst wurde, öffnen sich unter anderem die Natrium-Kanäle der Zellmembran und Natriumionen strömen vermehrt ins Zellinnere. Dies bedeutet, dass abschnittsweise die Ladung an der Innen- und Außenseite des Neurons umgekehrt wird. Durch diese lokale Ladungsänderung wird der elektrische Impuls entlang des Axons bis zum Ende weitertransportiert.

Von Nervenzelle zu Nervenzelle: Die Synapse

Am synaptischen Endknöpfchen, was dem Ende des Axons entspricht, wird der elektrische Impuls in ein chemisches Signal umgewandelt. Das elektrische Potenzial, das dort ankommt, löst die Ausschüttung chemischer Botenstoffe (sogenannte Neurotransmitter) aus. Diese Neurotransmitter überqueren den synaptischen Spalt und binden an Rezeptoren der nächsten Nervenzelle. Dort löst der Neurotransmitter erneut einen elektrischen Impuls aus, der wieder am Axon entlangwandert und so von Zelle zu Zelle weitergegeben wird.

Reflexe: Schnelle Reaktionen ohne Beteiligung des Gehirns

Manche Erregungen (Reize) werden von den aufsteigenden Bahnen im Rückenmark gar nicht erst zum Gehirn weitergeleitet, sondern unmittelbar auf derselben oder einer höher gelegenen Rückenmarksebene umgeschaltet. Die aufsteigenden Fasern verlaufen in diesem Fall statt zum Gehirn direkt zu Zellen des Vorderhorns und übertragen dort die Erregung. Diesen Weg der Erregungsübertragung nennt man Reflexbogen, und eine so ausgelöste Muskelreaktion nennt man Reflex. Reflexe werden bei jeder körperlichen Untersuchung geprüft.

  • Eigenreflex: Bei einem Eigenreflex wird ein Muskel durch einen sachten Schlag auf eine Sehne kurz gedehnt. Durch diese Reizung wird der oben beschriebene Reflexbogen ausgelöst, der die betroffene Rückenmarksebene nicht verlässt. Bei der Prüfung der Eigenreflexe wird unter anderem die Stärke dieser Muskelanspannung bewertet.
  • Fremdreflex: Bei einem Fremdreflex gehören Reizempfänger und Reizbeantworter verschiedenen Organsystemen an. Es werden Sinneszellen in der Haut gereizt und dadurch ein Reflexbogen ausgelöst, der sich über verschiedene Höhen des Rückenmarks (des Hirnstamms) ausbreitet. Beispielsweise kommt es beim Babinski-Reflex durch Bestreichen des Fußsohlenrandes zu einer Streckung von Fuß und Großzehe sowie Spreizung der übrigen Zehen im Sinne einer Fluchtreaktion, die den schädigenden Reiz entfernen soll. Dieses Babinski-Phänomen ist normal für Neugeborene und Kinder im ersten Lebensjahr.

Im Allgemeinen deuten abgeschwächte Reflexe auf eine Schädigung im Bereich des peripheren Nervensystems hin, gesteigerte Reflexe auf Störungen des Zentralnervensystems.

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Die Pyramidenbahn: Kontrolle willkürlicher Bewegungen

Die größte vom Gehirn durch das Rückenmark absteigende Bahn ist die Pyramidenbahn. Sie spielt eine entscheidende Rolle bei der Steuerung willkürlicher Bewegungen.

Erkrankungen des Nervensystems

Erkrankungen des Nervensystems können vielfältige Ursachen haben und unterschiedliche Bereiche des Nervensystems betreffen. Sie können zu sensorischen Ausfällen, motorischen Störungen, kognitiven Beeinträchtigungen und autonomen Dysfunktionen führen.

Risikofaktoren und Ursachen

  • Mikronährstoffmangel: Ein Defizit an essenziellen Nährstoffen wie Vitamin B1 (Thiamin), B6, B12, Folsäure, Vitamin D, Magnesium, Eisen und Zink kann neurologische Funktionsstörungen verursachen und neurodegenerative Erkrankungen.
  • Erhöhter Taillenumfang (abdominale Adipositas, Apfel-Typ): Steht in Zusammenhang mit Insulinresistenz, chronischer systemischer Inflammation und neurodegenerativen Prozessen.
  • Entzündungen: Entzündungsparameter wie C-reaktives Protein (CRP), Blutsenkungsgeschwindigkeit (BSG) und Leukozytenzahl können zur Beurteilung entzündlicher ZNS-Erkrankungen herangezogen werden.
  • Neurotoxische Stoffwechselstörungen: Leber- und Nierenparameter können zur Abklärung neurotoxischer Stoffwechselstörungen untersucht werden.
  • Tumoren: Das Rückenmark bzw. die auf- und absteigenden Bahnen im Rückenmark können zum Beispiel durch einen Tumor geschädigt werden, der auf bestimmte Regionen im äußeren (peripheren) Bereich des Rückenmarks drückt oder der sich sogar im Mark, also innerhalb (zentral) dieser Bahnen befindet. Eine komplette spinale Querschnittslähmung kann zum Beispiel durch einen Tumor im Rückenmark ausgelöst werden, der durch sein Ausmaß den Querschnitt eines gesamten Rückenmarksabschnittes schädigt, so dass alle auf- und absteigenden Bahnen unterbrochen werden. Entsprechend kann eine Schädigung im hohen Halsmark, das heißt in Höhe des ersten bis vierten Halswirbelkörpers, die Erregungsleitung von und zu allen darunter liegenden Körpersegmenten wie Zwerchfell, Armen, Beinen, Blase und Mastdarm unterbrechen. Dies führt zu Atemlähmung, Lähmungen und Gefühlsausfällen aller vier Gliedmaßen und der Blasen- und Mastdarmfunktion führt.
  • Trauma: Nerven können einerseits durch direktes spitzes oder stumpfes Trauma oder indirekt durch Zugwirkung geschädigt werden. Die Dehnbarkeit der Nerven hängt dabei einerseits vom zeitlichen Ablauf sowie von möglichen Vorschäden des Nervs ab. Langsame Dehnungen werden besser toleriert als akute. Die häufigsten Verletzungen durch Dehnung werden durch schnelle Zugkräfte an den Armen, z.B. bei Motorradunfällen oder Geburtstrauma verursacht. Dabei können Schäden am Arm- oder Beinnervengeflecht (traumatische Plexusläsionen) oder Nervenwurzelausrisse auftreten. Des Weiteren können traumatische Verletzungen des Bewegungsapparats (Knochenbrüche, Gelenksluxationen, Muskelrisse, Scherverletzungen, Einblutungen) zu Verletzungen peripherer Nerven führen, welche dann einen akuten Ausfall der Nervenfunktion verursachen. Traumatische Nervenläsionen können prinzipiell überall im Körper durch verschiedenste Unfallmechanismen, beispielsweise bei Sport, Arbeits- oder Verkehrsunfällen durch eine entsprechende Gewalteinwirkung entstehen. Häufig sind diese Nervenverletzungen mit schweren Begleitverletzungen vergesellschaftet. Aber auch durch medizinische Maßnahmen (z.B. Lymphknotenbiopsie, Frakturversorgung) kommt es immer wieder zu solchen Nervenverletzungen. Charakteristisch ist ein akut eintretender Funktionsverlust des betroffenen Nervs.
  • Neuralgische Amyotrophie: Die neuralgische Amyotrophie ist eine entzündliche Erkrankung, welche sich typischerweise durch plötzlich auftretende Schmerzen (häufig im Bereich der Schulter oder des Arms), gefolgt von einer Lähmung der Muskulatur, äußert. Eine Ursache ist nicht immer sofort erkennbar. Während die Schmerzen mit der Zeit abklingen, können die Lähmungen anhalten und infolge der Entzündungsreaktion narbige Einschnürungen an den betroffenen Nerven entstehen. Ein lange Zeit weitgehend unbekanntes und weiterhin unterdiagnostiziertes Krankheitsbild stellt die neuralgische Amyotrophie, früher auch Plexusneuritis oder Schulteramyotrophie, dar. Hierbei handelt es sich um eine entzündliche Nervenerkrankung, deren Ursache nicht immer geklärt werden kann. Risikofaktoren stellen eine übermäßige mechanische Beanspruchung (z.B. durch ungewohnte starke körperliche Aktivität), immunologische Auslöser (z.B. Infektionen) oder eine genetische Veranlagung dar.

Häufige neurologische Erkrankungen

  • Morbus Parkinson: Morbus Parkinson ist heute bereits die häufigste neurologische Alterserkrankung. Etwa 1 % der über 60-Jährigen sind davon betroffen.
  • Morbus Alzheimer: Als Morbus Alzheimer wird eine primär degenerative Hirnerkrankung bezeichnet, die mit fortschreitender Demenz einhergeht. Die Erkrankung macht etwa drei Viertel aller Demenzerkrankungen aus und stellt somit die häufigste Form der Demenz im Alter dar.

Diagnostik

Bei Erkrankungen des Nervensystems sollte zunächst der Hausarzt aufgesucht werden. In Abhängigkeit von der Erkrankung bzw. dem Beschwerdebild können verschiedene diagnostische Verfahren eingesetzt werden.

  • Bildgebende Verfahren: Computertomographie (CT) des Schädels (craniales CT bzw. Magnetresonanztomographie des Schädels (Schädel-MRT, craniale MRT bzw. CT-Angiographie bzw.
  • Psychometrische Verfahren: z. B. Persönlichkeitsdiagnostik - mithilfe standardisierter Fragebögen (z. B.
  • Elektrophysiologische Messungen (Neurographie, Elektromyographie):
  • Hochauflösender Ultraschall (Sonographie):
  • Kernspintomographie (MRT): Durch Verbesserungen in der Diagnostik, insbesondere dem hochauflösenden Nervenultraschall sowie der Magnetresonanzneurographie gelingt eine zunehmend bessere bildgebende Darstellung des gesamten Verlaufs peripherer Nerven. Dabei können einerseits entzündlich bedingte Schwellungen der Nerven festgestellt und die Diagnose bestätigt werden.

Periphere Nervenchirurgie und Engpasssyndrome

Die periphere Nervenchirurgie beschäftigt sich mit der Behandlung von Nerven nach deren Austritt aus dem Gehirn und Rückenmark. Diese Nerven leiten einerseits sensible Informationen (Tastempfinden, Wärme/Temperatur, Schmerz) zum zentralen Nervensystem, andererseits werden Bewegungsimpulse vom Gehirn und Rückenmark an die Muskulatur des Gesichts, Körperstamms und der Extremitäten weitergegeben.

Die peripheren Nerven verlaufen in der Regel gemeinsam mit größeren Arterien und Venen zu den Armen und Beinen und können hierbei entlang einzelner Knochen, Knochenvorsprünge und Muskeln ziehen, umgelenkt werden, oder sogar durch Muskulatur hindurchtreten. Aufgrund des Nervenverlaufs kann es an typischen Stellen zu Einengungen peripherer Nerven kommen, wodurch charakteristische Symptome entstehen. Dies sind meist Missempfindungen (Taubheit, Kribbeln, Brennen), Schmerzen, im fortschreitenden Krankheitsverlauf auch Muskelschwächen.

Manche Nerven tragen durch ihren anatomischen Verlauf und ihre unmittelbare Nähe zu knöchernen Strukturen ein besonders hohes Risiko für mechanische Verletzungen wie z.B. der N. ulnaris im Bereich des Ellenbogengelenks.

Klassische Engpasssyndrome umfassen:

  • Karpaltunnelsyndrom (CTS, N. medianus im Bereich des Handgelenks)
  • Kubitaltunnelsyndrom (KTS, N. ulnaris im Bereich des Ellenbogengelenks)
  • Thoracic-outlet-Syndrom (unterer Anteil des Armnervengeflechts)
  • Peronaeus-Kompressions-Syndrom (N. peronaeus am proximalen Unterschenkel)
  • Suprascapularis-Kompressions-Syndrom (N. suprascapularis am oberen Rand des Schulterblattes)
  • Interosseus-posterior-Syndrom oder Pronator-teres-Syndrom (N. medianus am proximalen Unterarm)
  • Loge-de Guyon-Syndrom (N. ulnaris am Handgelenk)
  • Cheiralgia parästhetica (sensibler Ast des N. radialis am Unterarm)
  • Meralgia parästhetica (N. cutaneus femoris lateralis an der Leiste)
  • Hinteres Tarsaltunnel-Syndrom (N. tibialis am Innenknöchel)
  • Vorderes Tarsaltunnel-Syndrom (N.

Nerven brauchen Freiheit. Werden sie über längere Zeit eingeengt oder eingeklemmt, reagieren sie äußerst empfindlich. Engpass- oder Nervenkompressionssyndrome sind chronische Druckschäden peripherer Nerven, die an typischen Engstellen im Nervenverlauf auftreten und meist durch Bänder, Muskelsehnen oder Knochenvorsprünge verursacht werden. Am häufigsten treten diese am Arm oder der Hand auf, seltener am Bein oder Fuß. Durch die Druckschädigung kommt es zu einem meist langsam fortschreitenden Ausfall der Nervenfunktionen und Auftreten von Gefühlsstörungen, Schmerz und einer Muskelschwäche. Beim Karpaltunnel-Syndrom kommt es zur Einengung des N. medianus am Übergang vom Unterarm durch den Handgelenkstunnel in die Hohlhand. Beim Kubitaltunnelsyndrom liegt eine chronische Druckschädigung des N. ulnaris (Ellennerv) im Bereich des Ellenbogengelenks vor. Beim Thoracic Outlet Syndrom (TOS) handelt es sich um ein Engpasssyndrom des Armnervengeflechts (Plexus brachialis), welcher auf seinem Weg zwischen Halsmuskulatur, 1. Rippe und Schlüsselbein eingeengt ist.

Therapieansätze

Generell werden konservative von operativen Therapieformen unterschieden. Bei Verletzungen, bei denen der Spontanverlauf abgewartet werden kann, wird der Heilungsverlauf durch intensive therapeutische Maßnahmen ergänzt. Hierzu zählen intensivierte Physiotherapie auch auf neurophysiologischer Grundlage, physikalische Maßnahmen, Elektrostimulation und Ergotherapie. Ggf. kann die vorübergehende Anpassung orthopädietechnischer Hilfsmittel wie Schienen erforderlich sein. Um die Druckentlastung eines Nervs zu ermöglichen wird dieser freigelegt und mikrochirurgisch oder endoskopisch die einengenden Bandstrukturen, Knochenvorsprünge oder Narbenzüge entfernt. Periphere Nerventumoren werden mithilfe eines Operationsmikroskopes freigelegt und entfernt. Zudem werden weitere Hilfsmittel wie die intraoperative Sonographie und elektrophysiologische Messungen eingesetzt, um eine möglichst vollständige Tumorentfernung zu ermöglichen, ohne eine Schädigung des betroffenen Nervens zu riskieren. Abhängig von Art und Größe des Tumors kann auch eine Teilentfernung des Nervs und ggf.

  • Konservative Therapie: Bei milder Ausprägung kann manchmal durch Verhaltensänderung oder Anpassung bestimmter Lagerungsschienen eine Verbesserung erreicht werden.
  • Operative Therapie: Bei stärkerer Ausprägung der Symptomatik oder messbaren Nervenschäden, sollte die operative Therapie erfolgen. Ein chronisch wachsender Prozess im Bereich der peripheren Nerven kann neben einer tastbaren Schwellung und Schmerzen auch durch ständigen Druck, Zug oder Beeinträchtigung der Blutversorgung Schäden am betroffenen Nerv verursachen.
  • Nervenrekonstruktion: In Fällen einer Nervenunterbrechung erfolgt die direkte Naht zwischen den betroffenen Nervenenden falls dies möglich ist. Lassen sich die Enden nicht adaptieren, wird in der Regel ein körpereigener sensibler Nerv (N. suralis) am Bein entnommen und zwischen die Enden eingenäht (Nerventransplantation). Dies wird z.B. auch dann nötig, wenn sich ein Neurom gebildet hat und dieses zur Nervenrekonstruktion chirurgisch entfernt werden muss.

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