Das menschliche Gehirn, ein faszinierendes und komplexes Organ, ist die Schaltzentrale unseres Körpers. Es besteht aus etwa 100 Milliarden Nervenzellen, die über 100 Billionen Synapsen miteinander kommunizieren. Diese Nervenzellen steuern über Nervenbahnen unseren gesamten Körper, indem sie Signale auf komplexe Weise weiterleiten. „Kein Organ ist so vielseitig wie unser Gehirn. Es entwickelt sich bereits in der dritten Schwangerschaftswoche und verändert sich im Laufe unseres Lebens unaufhörlich weiter“, so Dr.
Die Struktur des Gehirns
Unser Gehirn lässt sich in verschiedene Bereiche unterteilen, die alle ihre eigenen, unfassbar vielseitigen Funktionen erfüllen. Das Großhirn ist der größte und wichtigste Teil unseres Gehirns und verbindet als oberste Instanz des Zentralen Nervensystems die Gesamtheit aller Organe miteinander, sorgt für deren Abstimmung und verarbeitet innere sowie äußere Reize. Zusätzlich zum Großhirn gibt es noch das Kleinhirn, das Zwischenhirn und das Stammhirn. Das Kleinhirn ist zuständig für das Gleichgewicht und koordiniert die Bewegungen. Das Stammhirn steuert lebenswichtige Funktionen wie Atmung, Herzfrequenz und Verdauung. Das Zwischenhirn ist am Geruch, Gehör und Sehen beteiligt und steuert auch Sensibilität und Emotionen.
Die Zwei Hemisphären: Teamwork im Oberstübchen
Das Gehirn ist in zwei Hälften unterteilt, die sogenannten Hemisphären der Großhirnrinde. Diese beiden Hirnhälften arbeiten eng zusammen und ergänzen sich, um unsere Denk- und Handlungsfähigkeit zu gewährleisten. Viele komplexe Aufgaben gelingen nur dann, wenn sich alle Abteilungen unseres Gehirns vernetzen und zusätzlich ergänzen. Das ist zum Beispiel beim Händewaschen der Fall. Erst durch die Zusammenarbeit ist unser Denk- und Handlungsapparat funktionstüchtig.
Die Zusammenarbeit der beiden Hemisphären läuft über den sogenannten Balken. Dieser verbindet die beiden Hirnhälften mittig. Trotz der Zusammenarbeit der beiden Hirnhälften ist bei manchen Anforderungen die eine Hirnhälfte stärker gefragt als die andere. In der Wissenschaft spricht man von Lateralisierung.
Vereinfacht lässt sich sagen, dass die rechte Seite des Gehirns eher für emotionale, intuitive und kreative Prozesse zuständig ist. Darunter fallen Prozesse wie:
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- Erkennen von Mustern und Gesichtern
- Räumliches Denken
- Bild-, Farb-, Symbolsprache
- Wahrnehmen komplexer Informationen
Die linke Seite hingegen kümmert sich überwiegend um logische, rationale und analytische Aufgaben. Dazu gehören zum Beispiel:
- Schrittweises Verarbeiten von Informationen
- Abstraktes Denken
- Geschriebene und gesprochene Sprache
- Konzentriertes Wahrnehmen
In der Realität gibt es eher eine Mischung aus beiden Hemisphären. Je harmonischer beide Gehirnhälften miteinander arbeiten, desto stärker erweitert sich unser Bewusstsein. Einerseits denken wir ganzheitlicher und kombinieren Intuitives mit Logischem. Andererseits handeln und denken wir auch umfassender.
Rechts ist Links und Umgekehrt: Die Gekreuzten Bahnen
Bei Menschen und vielen anderen Tieren sind die Hirn- und Körperhälften über Kreuz verknüpft: Die linke Gehirnhälfte steuert viele Funktionen der rechten Körperseite und umgekehrt. Die rechte Gehirnhälfte steuert die linke Körperhälfte. Die linke Gehirnhälfte ist für die rechte Körperhälfte zuständig. So kommt es zum Beispiel vor, dass Schädigungen in der linken Hirnhälfte zu Problemen der rechten Körperhälfte führen. Dadurch zeigen sich bei Menschen mit einer Schädigung der linken Gehirnhälfte etwa durch einen Schlaganfall die Auswirkungen vor allem im rechten Körperbereich. Sie können beispielsweise ihren rechten Arm nicht mehr bewegen.
Warum Verläuft Vieles Zwischen Gehirn und Körper über Kreuz?
Die historisch älteste Erklärung stammt von dem spanischen Mediziner Santiago Ramón y Cajal. Sie bezieht sich auf die Kreuzung der Sehnervenfasern. Sein Argument: Wenn die Sehnervenfasern sich nicht kreuzen würden, könnte die Außenwelt im Gehirn nicht korrekt wie in einem „Kopfkino“ repräsentiert werden. Cajals Erklärung hat sich mittlerweile aus vielen Gründen als falsch herausgestellt, unter anderem weil wir die Welt gar nicht wie einen Film in unserem Gehirn repräsentieren.
Die heute eher herangezogene wissenschaftliche Erklärung führt uns in eine Zeit lange vor der unseren zurück. In dieser Zeit lebten Wirbeltiere im Wasser, besaßen einen wurmförmigen Körper und ihr Gehirn bestand aus nicht viel mehr als aus einem Rückgrat und dem Hirnstamm. Ein solches Tier verfügte wahrscheinlich auch gar nicht über die komplexen Linsenaugen, wie wir sie heute haben. Es hatte primitive Augen, mit denen es vermutlich nichts anderes als Licht und Schatten wahrnehmen konnte. Wenn ein Feind auf das Tier zugeschwommen kam, bedeutete das für unser Tier, dass ein Schatten größer wurde. Um sich von seinem Feind abzuwenden, musste es auf der gegenüberliegenden Seite der stimulierten „Augen“ den Körper verkürzen. Wenn also der visuelle Reiz von der rechten Seite kam, musste es so schnell wie möglich auf der linken Gegenseite die Muskeln zusammenziehen, um die Fluchtbewegung einzuleiten. Zu diesem Zweck musste es eine Sehnervenkreuzung geben. In diesem Fall von dem rechten rudimentären Auge zu Muskelgruppen der linken Seite. Das ist die kürzeste Verbindung, um die Muskelgruppen der gegenüberliegenden Körperseite zu aktivieren. Ob es tatsächlich so gewesen ist, können wir nicht mit Sicherheit sagen. Aber es ist eine mögliche Erklärung.
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Die Attraktivität der Linken Gesichtshälfte
Viele Personen bevorzugen auf Fotos ihre linke Gesichtshälfte. Auch die Wissenschaft hat sich mit diesem Thema befasst - und kommt dabei zu einem eindeutigen Ergebnis: Bei fast allen Menschen ist die linke Seite des Gesichts diejenige, die von anderen als attraktiver empfunden wird. Damit haben sich unter anderem die US-amerikanischen Forschenden Kelsey Blackburn und James Schirillo von der Wake Forest University in einer Studie befasst. Sie zeigten dafür Studienteilnehmern Fotos von Männern und Frauen. Eine der beiden Gesichtshälften stand dabei jeweils im Fokus. Die Aufnahmen, die die linke Seite des Gesichts zeigten, wurden dabei als deutlich attraktiver bewertet. Die Forschenden erfassten außerdem, wie sich die Pupillen der Betrachter veränderten: Je positiver jemand ein Bild empfand, desto stärker weiteten sich die Pupillen. Dieser Effekt war ebenfalls deutlich stärker bei den linksseitigen Bildern ausgeprägt.
Warum die Linke Seite? Die Rolle der Rechten Gehirnhälfte
„Die Wissenschaftler konnten nachweisen, dass unser Gehirn die linke Gesichtshälfte als attraktiver empfindet“, sagt der Experte. „Sie erklären dies damit, dass Emotionen im Gesicht links stärker zum Ausdruck kommen als rechts.“ Die rechte Gehirnhälfte ist für Emotionen zuständig, aber das Gehirn steuert den Körper über Kreuz - also auch die linke Seite des Gesichts. Deshalb erscheint die Annahme, dass Gefühle sich in der linken Gesichtshälfte stärker ausdrücken konnten, durchaus nachvollziehbar.
In der Kunstgeschichte lassen sich bereits Hinweise darauf finden, dass die linke Geschichtshälfte schon früh als die attraktivere empfunden wurde: Auf Kunstwerken aus den vergangenen Jahrhunderten wurde das linke Gesichtsprofil häufiger abgebildet als das rechte. Das zeigt sich etwa bei der Venus von Sandro Botticelli, bei der Mona Lisa von Leonardo da Vinci oder auch bei dem Mädchen mit dem Perlenohrring von Jan Vermeer. Auch viele Stars und Influencer nehmen bei Selfies eher die linke Seite des Gesichts auf.
Unser Gehirn kommt nicht spezialisiert auf die Welt
Bei der Geburt ist die Lokalisation vieler Funktionen noch relativ offen. Gerade ein kindliches Gehirn ist in seiner Entwicklung sehr „flexibel“. Mit steigendem Alter nimmt dann auch die Festlegung einzelner Gehirnbereiche auf verschiedene Aufgaben zu.
Was passiert bei einer Hirnhälftentrennung (Hemisphärotomie)?
Bei einer Hemisphärotomie wird die fehlgebildete Hirnhälfte mit epileptischer Aktivität funktionell von der "gesunden" Hälfte abgetrennt, um sie vor den Schädigungen der Krampfanfälle zu schützen. Die Hirnhälfte verbleibt zwar im Kopf, hat aber keinerlei Funktion mehr. Voraussetzung für den Eingriff ist, dass nur eine Hälfte von der Erkrankung betroffen ist, dass die Anfälle weder medikamentös noch durch andere Maßnahmen behandelt werden können und dass eine Hirnhälfte bereits stark betroffen ist oder eine solche Schädigung absehbar ist.
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Die Bedeutung von Konzentration und Positiven Denken für das Gehirn
Konzentration
Unser Gehirn strebt nach Abwechslung: „Jetzt konzentriere dich doch mal!“ - Was sich so leicht anhört, ist für das Gehirn ein wahrer Kraftakt. Damit wir uns gedanklich ausschließlich einer einzigen Sache widmen können, arbeiten gleich mehrere Gebiete im Gehirn zusammen. Mit ein paar Tricks können wir unserer Konzentration schnell und einfach unter die Arme greifen. Und wir zeigen Ihnen wie.
Viele von uns kennen das: Sie sitzen vor dem Computer haben ein wichtiges Projekt vor der Nase und die Gedanken kreisen. Um die kaputte Kaffeemaschine, den nächsten Urlaub oder Beziehungsprobleme. Einen klaren Gedanken fassen? Fehlanzeige. Seien Sie beruhigt. Sie können nichts dafür. Denn unser Gehirn ist rastlos. Es sucht nach Abwechslung. Neues schmecken, erfahren, lernen, super! Unser Hirn ist nicht darauf ausgelegt, sich über eine längere Zeit auf eine Sache zu konzentrieren. Deshalb ist ihm auch jede Ablenkung herzlich willkommen.
Wie schön wäre es, zwei oder drei Gedanken gleichzeitig denken zu können? Da macht unser Gehirn nicht mit. Obwohl es so sprunghaft ist, ist es gleichzeitig sehr unflexibel: Es kann zu einer Zeit nur einem Gedanken folgen. Kommt ein zweiter hinzu, verlieren wir den ersten. Das ist Ablenkung. Dieser Ablenkung fällt zuerst die Aufmerksamkeit zum Opfer. Denn aufmerksam sein, ist die Grundlage für Konzentration. Dank der selektiven Arbeit der Aufmerksamkeit konzentrieren wir uns auf eine einzige Sache und schieben dabei die unwichtigen Sinneseindrücke zur Seite. Wenn wir zum Beispiel Pilze sammeln, richten wir unsere ungeteilte Aufmerksamkeit auf den Boden. Alles Störende blenden wir aus - wir konzentrieren uns auf das Wesentliche.
Die Zusammenarbeit von Aufmerksamkeit und Konzentration ist ein komplexer kognitiver Prozess. So komplex, dass sich verschiedene Bereiche des Gehirns darum kümmern. Mit im Team ist noch der Botenstoff Dopamin. Dieser wird im tiefen Inneren des Gehirns produziert. Er unterstützt uns, unsere Aufmerksamkeit auf bestimmte Tätigkeiten zu richten und andere Sinneseindrücke auszublenden.
So ausgefuchst unser Gehirn auch arbeitet - wir können uns nur über eine bestimmte Zeit konzentrieren. Bei den meisten Menschen sind das 90 Minuten. Danach lässt unsere Konzentration nach. Unser Gehirn funktioniert hier wie ein Computer: Es hat nur einen bestimmten Speicherplatz für Informationen. Ist er voll, geht nichts mehr. Sie brauchen eine Pause. Das Tolle ist: Sie können Ihr Gehirn trainieren. Mit gezielten Übungen stärken Sie Ihre Konzentration und erweitern Ihren Speicher. Machen Sie sich fit, sich besser zu fokussieren, unwichtige Dinge auszublenden und schneller zu lernen. Hört sich das gut an? Dann ab ins Konzentrations-Bootcamp!
Positives Denken
Wie trainieren Sie das Glücklichsein? Es gibt Menschen, die mit einem Lächeln durch das Leben gehen. Ihnen gelingt scheinbar vieles, sie sind Glückskinder. Oder liegt es daran, dass sie in der Lage sind, Erlebnisse anders wahrzunehmen? Wir erklären Ihnen, wie Situationen positiv bewertet werden können, damit Sie ihr Grinsen jederzeit wiederfinden.
Verknüpfen wir unsere Gedanken mit positiven Emotionen, aktivieren wir im Gehirn unser Belohnungszentrum. Dieses gehört zum limbischen System. Unser Körper schüttet entsprechende Botenstoffe (zum Beispiel Dopamin) aus und wir fühlen uns wohl. Denken wir negativ, sprechen wir den sogenannten Mandelkern im Gehirn an. Das ist der Teil, der für Angst und Alarmempfinden zuständig ist. Denken wir oft negativ, erscheinen uns Situationen in Zukunft eher beängstigend: Wir sehen die Welt grauer als sie ist. Arbeiten Sie daran.
Programmieren Sie Ihr Gehirn auf Positives: Sie können die neuronale Struktur Ihres Gehirns durch Gedanken teilweise verändern. Sodass es Ihnen gelingt, die schönen Seiten des Lebens stärker in Ihren Fokus zu rücken.
Das limbische System ist für unsere Stimmungen, Affekte, Bestrebungen und Triebe zuständig. Neben dem Belohnungszentrum sind im limbischen System auch negative Emotionen wie Angst und Wut verankert. Mithilfe des limbischen Systems haben wir bis heute überlebt.
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