Aimovig und seine Nebenwirkungen: Ein umfassender Überblick

Migräne-Spritzen, insbesondere solche mit dem Wirkstoff Erenumab (Aimovig®), haben sich als eine vielversprechende Option zur Vorbeugung von Migräneattacken etabliert. Obwohl sie im Allgemeinen gut verträglich sind, ist es wichtig, sich der potenziellen Nebenwirkungen bewusst zu sein. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Nebenwirkungen von Aimovig, basierend auf aktuellen medizinischen Erkenntnissen und Fachinformationen.

Was ist Aimovig (Erenumab)?

Erenumab ist ein monoklonaler Antikörper, der den Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP)-Rezeptor blockiert. CGRP ist ein Botenstoff, der eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Migräne spielt. Indem Erenumab die Bindungsstelle blockiert, kann CGRP den Rezeptor nicht mehr aktivieren, was dazu führt, dass Migräneattacken seltener auftreten, da die Blutgefäße nicht erweitert werden und keine Entzündungen ausgelöst werden. Erenumab wird subkutan (unter die Haut) injiziert und daher auch als "Migräne-Spritze" bezeichnet.

Häufige Nebenwirkungen von Aimovig

Wie bei jedem Medikament kann auch die Anwendung von Aimovig Nebenwirkungen verursachen. Die am häufigsten berichteten Nebenwirkungen sind in der Regel mild und vorübergehend. Dazu gehören:

  • Reaktionen an der Injektionsstelle: Schmerzen, Rötungen, Verhärtungen und Juckreiz an der Injektionsstelle sind häufig. Diese Reaktionen sind normalerweise mild und verschwinden innerhalb weniger Stunden oder Tage.
  • Verstopfung: Viele Patienten leiden während der Therapie unter Verstopfung.
  • Muskelkrämpfe: Muskelkrämpfe sind eine weitere häufige Nebenwirkung.

Seltene Nebenwirkungen von Aimovig

Gelegentlich können auch seltenere Nebenwirkungen auftreten, wie:

  • Hautreaktionen: Ausschläge oder Nesselsucht.
  • Nasen-Rachenentzündungen.
  • Müdigkeit.
  • Haarausfall.
  • Mundschleimhautentzündungen.
  • Juckreiz.

Schwerwiegende, aber seltene Reaktionen

In sehr seltenen Fällen kann es zu schwerwiegenden Überempfindlichkeitsreaktionen kommen, die sofortige medizinische Hilfe erfordern. Dazu zählen beispielsweise das Angioödem oder Anaphylaxie. Diese treten in der Regel innerhalb von 24 Stunden nach der Injektion auf.

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  • Allergische Reaktionen: Nach der Anwendung von Erenumab können allergische Reaktionen auftreten. Dabei juckt die Haut stark oder es bildet sich ein Ausschlag mit Quaddeln. Möglicherweise schwellen Gesicht, Zunge oder Rachen an. Das Risiko für einen allergischen Schock mit Kreislauf- und Atemstillstand steigt.

Wenn Sie Hinweise auf eine allergische Reaktion bemerken, wenden sie Erenumab nicht mehr an. Lassen Sie die Beschwerden möglichst schnell ärztlich abklären. Schwellen Mund oder Rachen an, ist Ihnen schwindelig oder bekommen Sie schlechter Luft, rufen Sie einen Notarzt.

Mögliche Auswirkungen auf das Herz-Kreislauf-System

Da Erenumab über das CGRP in die Gefäßspannung aller Körperadern eingreift, sind theoretisch auch negative Effekte und Nebenwirkungen im Herz-Kreislauf-System denkbar. Patienten mit bestimmten schweren Herz-Kreislauf-Erkrankungen waren von der Teilnahme an den klinischen Studien ausgeschlossen, daher liegen für diese Patienten keine Sicherheitsdaten vor.

Umgang mit Nebenwirkungen

  • Reaktionen an der Injektionsstelle: Um Beschwerden an der Einstichstelle zu verringern, lassen Sie das Medikament etwa 30 Minuten vor der Anwendung bei Raumtemperatur liegen. Spritzen Sie die Lösung jedes Mal in eine andere Stelle (Bauch oder Oberschenkel).
  • Verstopfung: Eine ballaststoffreiche Ernährung, ausreichend Flüssigkeit und regelmäßige Bewegung können helfen, Verstopfung vorzubeugen.
  • Allergische Reaktionen: Bei ersten Anzeichen einer allergischen Reaktion sollte Erenumab nicht mehr angewendet und umgehend ärztlicher Rat eingeholt werden.

Wichtige Hinweise zur Anwendung von Aimovig

  • Verschreibungspflicht: Erenumab ist in Deutschland, Österreich und der Schweiz verschreibungspflichtig und mit einem Rezept vom Arzt in Apotheken erhältlich.
  • Anwendung: Erenumab wird direkt unter die Haut (subkutan) gespritzt. Die Injektion erfolgt in den Bauch oder in den Oberschenkel. Am besten spritzt man jedes Mal in eine andere Stelle. Die übliche Dosis beträgt 70 Milligramm alle vier Wochen. Manchmal steigert der Arzt die Dosis auf 140 Milligramm, sie wird ebenfalls im Abstand von vier Wochen gespritzt.
  • Lagerung: Die Einmalspritzen (Fertigpens) mit der Injektionslösung müssen im Kühlschrank gelagert werden.
  • Wirtschaftlichkeit: Das Medikament kostet rund 495 Euro pro Monat (Stand März 2021) und ist um ein Vielfaches teuerer als die bisherigen vorbeugenden Medikamente. Die Wirtschaftlichkeit wird im sog. AMNOG-Verfahren beurteilt.
  • Praxisbesonderheit: Im AMNOG-Verfahren wurde für Erenumab der Status einer bundesweiten Praxisbesonderheit eingeführt. Sind die genannten vier Bedingungen erfüllt, wird ab dem 15.12.2019 das Arzneimittelgarantievolumen der Verordnenden um die Kosten des Erenumab bereinigt.
  • Ansprechen auf die Therapie: Bei Patienten, die nach drei Monaten Behandlung noch kein Ansprechen gezeigt haben, ist die Folgeverordnung nicht mehr von der Praxisbesonderheit umfasst. Eine kontinuierliche Erfassung der Migränetage pro Monat sollte während der Anwendung von monoklonalen Antikörpern kontinuierlich erfolgen.

Gegenanzeigen und Wechselwirkungen

  • Gegenanzeigen: Patienten, die überempfindlich auf den Wirkstoff oder einen der anderen Bestandteile des Medikaments reagieren, dürfen Erenumab nicht anwenden. Schwangere und stillende Patientinnen sollten ebenfalls auf die Erenumab-Therapie verzichten, da bisher kaum Erfahrungen aus Studien vorliegen. Auch für die Anwendung bei Kindern mit Migräne liegen nicht genügend Daten vor.
  • Wechselwirkungen: Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten sind unwahrscheinlich, da Erenumab die Stoffwechselvorgänge in der Leber oder Niere nicht stört. Informieren Sie dennoch Ihren Arzt über alle weiteren Medikamente oder Nahrungsergänzungsmittel, die Sie einnehmen.

Wirksamkeit von Erenumab

In den Zulassungsstudien konnte Erenumab sowohl bei Patienten mit episodischer als auch chronischer Migräne und bisheriger Erfolglosigkeit von maximal zwei (bei episodischer Migräne) bzw. maximal drei (bei chronischer Migräne) Migräneprophylaktika die Zahl der Migränetage im Monat signifikant stärker reduzieren als Placebo.

In einer Analyse zur Wirksamkeit am Kopfschmerzzentrum der Schmerzklinik Kiel wurden zwischen November 2018 bis Dezember 2019 insgesamt 193 Patienten mit Erenumab ausgewertet, die sich bislang als therapierefraktär gegenüber Betarezeptorenblockern (Metoprolol oder Propranolol), Amitriptylin, Topiramat, Flunarizin, Valproat sowie bei chronischer Migräne Onabotulinumtoxin erwiesen hatten oder bei denen eine Kontraindikation den Einsatz ausschloss. Die 50%-Responderrate lag bei den Patienten mit episodischer Migräne (n=48) bei 38%. Für Patienten mit chronischer Migräne (n=145) fand sich eine 50%-Responderrate bei 33% der Patienten.

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