Polyneuropathie, eine Erkrankung des peripheren Nervensystems, die durch Schädigung mehrerer Nerven gleichzeitig gekennzeichnet ist, kann die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. Symptome wie brennende Schmerzen, Kribbeln, Taubheitsgefühle und Muskelschwäche sind typisch. Die Suche nach wirksamen Behandlungsmethoden ist daher von großer Bedeutung. Neben konventionellen Therapien rücken zunehmend auch natürliche Alternativen in den Fokus, darunter die Behandlung mit verschiedenen Ölen.
Was ist Polyneuropathie? Ursachen und Symptome
Polyneuropathie betrifft die peripheren Nerven, die außerhalb des Gehirns und des Rückenmarks liegen und für die Signalübertragung zwischen dem zentralen Nervensystem und den Körperregionen verantwortlich sind. Die Erkrankung entwickelt sich meist schleichend und beginnt häufig in den Füßen und Händen.
Symptome neuropathischer Schmerzen
Die charakteristischen Symptome einer Polyneuropathie umfassen:
- Brennende oder stechende Nervenschmerzen
- Kribbeln und Taubheitsgefühl in Händen und Füßen
- Das Gefühl, Handschuhe oder Socken zu tragen, obwohl dies nicht der Fall ist
- Muskelschwäche, die in schweren Fällen zu Muskelatrophie führen kann
- Verändertes Schmerzempfinden, bei dem bereits leichte Berührungen als schmerzhaft empfunden werden (Überempfindlichkeit)
- Schlafstörungen
Diagnostische Verfahren wie Elektromyographie (EMG) und Nervenleitgeschwindigkeit (ENG) helfen bei der Feststellung der Erkrankung.
Ursachen der Polyneuropathie
Die Ursachen für Polyneuropathie sind vielfältig:
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- Diabetes mellitus: Die häufigste Ursache, betrifft etwa 30-50% aller Diabetiker im Verlauf ihrer Erkrankung.
- Alkoholmissbrauch: Eine bedeutende toxische Ursache.
- Chemotherapie: Chemotherapie-bedingte Neuropathien entstehen als Nebenwirkung verschiedener Krebsmedikamente (z.B. Cisplatin, Carboplatin, Oxaliplatin, Taxol, Taxotere). Allerdings treten nicht bei allen Patienten, die eine solche Chemotherapie erhalten haben, Beschwerden einer Polyneuropathie auf, so dass sich die Behandlung immer auch nach dem Schweregrad der Symptome richtet. So bemerken einige Patienten nur ein leichtes Kribbeln und Taubheitsgefühl in Händen und Füßen, das nach einigen Wochen wieder verschwindet.
- Autoimmunerkrankungen: Seltener können Autoimmunerkrankungen wie das Guillain-Barré-Syndrom oder das Restless-Legs-Syndrom zu neuropathischen Beschwerden führen.
- Idiopathische Polyneuropathie: In manchen Fällen bleibt die Ursache unbekannt.
CBD-Öl bei Polyneuropathie
Die Suche nach einer wirksamen Behandlung bei Polyneuropathie führt viele Betroffene zu CBD-Öl als natürliche Alternative. CBD (Cannabidiol) zeigt vielversprechende Eigenschaften bei der Schmerzlinderung und kann entzündungshemmend sowie neuroprotektiv wirken.
Wirkung von CBD auf das Endocannabinoid-System
Die Wirkung von CBD bei Polyneuropathie beruht auf der Interaktion mit dem körpereigenen Endocannabinoid-System. Dieses komplexe Netzwerk aus Rezeptoren (CB1 und CB2) und Botenstoffen spielt eine zentrale Rolle bei der Schmerzverarbeitung und Entzündungsregulation. CBD bindet nicht direkt an diese Rezeptoren, sondern moduliert deren Aktivität indirekt. Diese Modulation kann die Weiterleitung von Schmerzsignalen beeinflussen und entzündungshemmend wirken. Forschungsergebnisse zeigen, dass CBD die Freisetzung von Entzündungsmediatoren reduzieren kann.
Eine randomisierte, placebokontrollierte Studie der Universität Zürich aus dem Jahr 2025 mit 200 Polyneuropathie-Patienten ergab eine durchschnittliche Schmerzlinderung von 30% bei der Anwendung von hochdosiertem CBD-Öl (50 mg/Tag) über einen Zeitraum von 12 Wochen.
Entzündungshemmende und neuroprotektive Effekte
Chronische Entzündungen verstärken oft die Nervenschädigung und verschlimmern die Symptome. Die entzündungshemmenden Eigenschaften von CBD können diese Entzündungsprozesse reduzieren und dadurch zur Schmerzlinderung beitragen. Die neuroprotektiven Eigenschaften von CBD können möglicherweise weitere Nervenschädigungen verhindern.
Rolle von Cannabinoiden und Terpenen
Neben CBD können auch andere Cannabinoide wie THC bei der Behandlung von Polyneuropathie hilfreich sein. Eine Metaanalyse aus dem Jahr 2023 zeigte eine signifikante Schmerzlinderung bei 64,4% der Patienten, die eine Kombination aus THC und CBD erhielten. THC kann die Schmerztoleranz erhöhen und bei der Bewältigung von Schmerzspitzen helfen.
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Terpene wie Beta-Caryophyllen und Linalool verstärken die Wirkung der Cannabinoide durch den sogenannten Entourage-Effekt. Beta-Caryophyllen bindet direkt an CB2-Rezeptoren und kann entzündungshemmend wirken. Linalool besitzt beruhigende Eigenschaften und kann zur Verbesserung der Schlafqualität beitragen.
Auswahl des richtigen CBD-Öls
Bei der Auswahl des richtigen CBD-Öls für die Behandlung von Polyneuropathie sollten verschiedene Faktoren berücksichtigt werden:
- Qualität: Achten Sie auf hochwertige Produkte von seriösen Herstellern, idealerweise mit Laborzertifikaten, die die Reinheit und den CBD-Gehalt bestätigen.
- Konzentration: Für die Behandlung von Polyneuropathie haben sich hochkonzentrierte CBD-Öle ab 15% als besonders wirksam erwiesen.
- Vollspektrum vs. Isolat: Vollspektrum CBD-Öl enthält das gesamte Spektrum der Hanfpflanze, einschließlich THC in geringen Mengen (unter 0,2%), anderen Cannabinoiden und Terpenen. Diese Kombination kann durch den Entourage-Effekt eine verstärkte Wirkung erzielen. CBD-Isolat hingegen enthält ausschließlich reines Cannabidiol ohne andere Pflanzenstoffe. Beide Varianten können bei Polyneuropathie hilfreich sein, wobei Vollspektrum-Produkte oft bevorzugt werden.
- Art des Produkts: Neben Ölen gibt es auch CBD-haltige Cremes und Salben zur topischen Anwendung, die direkt auf die betroffenen Hautbereiche aufgetragen werden können.
Anwendung und Dosierung von CBD-Öl
Die richtige Dosierung von CBD-Öl bei Polyneuropathie ist individuell verschieden und hängt von verschiedenen Faktoren ab. Experten empfehlen, mit einer niedrigen Dosis zu beginnen und diese schrittweise zu erhöhen. Eine Anfangsdosis von 5-10 mg CBD zweimal täglich kann ein guter Startpunkt sein. Bei unzureichender Wirkung kann die Dosis wöchentlich um 5-10 mg erhöht werden, bis die gewünschte Schmerzlinderung erreicht wird.
Die sublinguale Einnahme von CBD-Öl (Tropfen unter die Zunge geben und etwa 60-90 Sekunden dort halten, bevor sie geschluckt werden) ist die häufigste und effektivste Methode. CBD-Kapseln bieten eine alternative Einnahmeform mit präziser Dosierung.
Studienlage und wissenschaftliche Erkenntnisse
Die wissenschaftliche Forschung zu CBD bei Polyneuropathie zeigt vielversprechende Ergebnisse. Eine Studie aus dem Jahr 2020 untersuchte die Wirkung von CBD-Öl bei 29 Personen mit peripherer Neuropathie. Die CBD-Gruppe zeigte eine signifikante Reduktion intensiver Schmerzen im Vergleich zur Placebo-Gruppe. Eine umfassendere Untersuchung der Universität Zürich aus dem Jahr 2025 mit 200 Polyneuropathie-Patienten bestätigte diese Ergebnisse.
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Erfahrungsberichte
Echte Anwender berichten von deutlichen Verbesserungen ihrer Polyneuropathie-Symptome durch CBD-Öl, insbesondere in Bezug auf Schmerzlinderung, verbesserte Schlafqualität und Reduktion von Muskelkrämpfen.
Nebenwirkungen und Sicherheit
CBD-Öl gilt allgemein als gut verträglich, kann aber bei einigen Anwendern Nebenwirkungen verursachen. Die häufigste Nebenwirkung ist Müdigkeit. Weitere mögliche Nebenwirkungen umfassen Mundtrockenheit, Durchfall, Appetitveränderungen und leichte Benommenheit. CBD kann mit verschiedenen Medikamenten interagieren, daher sollten Patienten, die bereits Medikamente einnehmen, vor der Anwendung von CBD-Öl unbedingt ihren Arzt konsultieren.
Aromatherapie bei Polyneuropathie
Ätherische Öle können durch verschiedene Inhaltsstoffe und entsprechende Wirkmechanismen bei Nervenstörungen Beschwerden lindern. Insbesondere Duftmoleküle, die modulierend auf das Schmerzempfinden wirken, können enorm zur Verbesserung des Schmerzerlebens führen. Die topische Anwendung einiger ätherischer Öle kann die Therapie bei verschiedenen Nervenstörungen ergänzen.
Was macht ätherische Öle aus?
Ätherische Öle sind stark konzentrierte, durch Destillation gewonnene Extrakte aus diversen Duftpflanzen. Sie enthalten unterschiedliche pharmakologisch aktive Moleküle, welche teilweise eine erstaunlich besänftigende Wirkung auf das „Gewitter“ in den Nervenzellen ausüben können.
Isoprenmolekül als wichtiges Grundmolekül
Zahlreiche Naturdüfte bestehen vorwiegend aus Stoffen, die auf dem Isoprenmolekül aufbauen, zum Beispiel alpha- und beta-Pinen, Myrcen und p-Cymen. Dazu gehören unter anderem Nadelöle (wie die Öle der Tanne, Fichte und Kiefer), manche Eukalyptusöle, Pfeffer-, Wacholder- sowie Weihrauchöl.
Monoterpene und der Counterirritant-Effekt
Für die meisten ätherischen Öle ist ein hoher Anteil an Monoterpenen typisch. Monoterpene können durch den sogenannten Counterirritant-Effekt eine verblüffend beruhigende Wirkung auf das Schmerzgeschehen ausüben. Der Counterirritant-Effekt wird durch eine minimale lokale Reizung erklärt, auf die eine Entleerung des Neuropeptids Substanz P aus den Schmerzrezeptoren ins Gewebe folgt. Dadurch wird die Schmerzwahrnehmung (Nozizeption) deutlich herabgesetzt.
Schmerzlinderung mit Methylsalicylat
Über die Monoterpene hinaus gibt es in der Aromatherapie etliche „Spezialisten-Öle“ zur Schmerzlinderung, welche Menthol (zum Beispiel Pfefferminzöl), Eugenol (zum Beispiel Gewürznelkenöl) sowie das hocheffektive Methylsalicylat (zum Beispiel Wintergrünöl) enthalten. Methylsalicylat ist ein pharmakologisch sehr aktives, schmerzlinderndes Molekül in ätherischen Ölen. Es handelt sich um eine gebundene Form der Salicylsäure, die durch Enzyme auf der Haut umgewandelt und freigesetzt wird.
Achtung: Überdosierungen mit Wintergrünöl können zu Vergiftungserscheinungen bis hin zum Tod führen.
Aromatherapie bei neuropathischen Schmerzen
Hochwertiges Johanniskrautöl (Hypericum perforatum) kann oft etwas lindern. Dieses Öl sollte deshalb die Basis von Einreibungen bei allen Arten von als stechend und blitzend beschrieben Schmerzen sein. Lavendelöl kann die Wirkung verstärken. Eine Studie aus dem Jahr 2021 ergab in der Aromatherapiegruppe im Vergleich zu den Placebo- und Kontrollgruppen signifikante Verbesserungen (p < 0,001). Darüber hinaus wurde nach 4 Wochen ein signifikanter Anstieg der Lebensqualität in der Aromatherapiegruppe festgestellt (p < 0,001) [8].
Auch das blumig duftende und entspannend wirksame Ylang-Ylang-Öl kann neuropathische Schmerzen lindern. Empfehlenswert sind sanfte Streichungen mit einer 1 %igen Verdünnung auf die betreffenden Körperareale.
Rezept Neuro-Peace
- 20 ml Johanniskrautöl
- 6 Tropfen Lavendelöl
- 3 Tropfen Ylang-Ylang-Öl
- evtl. 5 Tropfen Bio-Vanille-Extrakt
Die Zutaten in einer Braunglasflasche gut vermischen und bei Bedarf bis zu 8 × täglich sanft auftragen.
Weitere Öle und Anwendungen
- Rosmarinöl: Hand and Foot Rub with Rosemary 10% Oil and Rock Salt Rosemary enthält Harze, Bitterstoffe und Tannine, zusätzlich zu aromatischen ätherischen Ölen. Diese Substanzen, sowie die ätherischen Öle, machen die Seele geneigt, sich mit dem Körper zu verbinden. Rosmarins wärmende Prozesse haben eine stimulierende Wirkung auf die Verdauung und die Zirkulation, besonders auf arterielle periphere Gefäße. Die Bitterstoffe und Tannine der Pflanze erwecken und stärken die vitalen Kräfte. Rosmarin hat daher eine starke, insgesamt inkarnierende Wirkung (Verbindung mit dem Körper). Salz ist eine Substanz, die kristallisiert und Formkraft hat. Es unterstützt uns dabei, wach zu sein und das Bewusstsein aufrechtzuerhalten. Es hilft bei degenerativen Erkrankungen des Nervensystems (z.B. Polyneuropathie) und bei Revitalisierung, wenn es auf die Haut aufgetragen wird. In Kombination mit Rosmarinöl erzeugt es Wärme, erhöht die Durchblutung und intensiviert die Sensibilität im behandelten Bereich. Indikationen: Chronisch kalte Hände und Füße, Kreislaufstörungen (z.B. Diabetes), Raynaud-Syndrom, Polyneuropathie, Sklerodermie.
- Aconit-Öl: Kann schmerzlindernd wirken. Beim Eincremen ist es wichtig, nicht nur einzucremen, sondern die betroffenen Stellen je 8 - 10 Minuten einzumassieren!
- Hanföl (cannabinoidhaltig): 3 x bis 4 x tägliche Eincremen mit cannabinoidhaltigem Hanföl (z. B. PNP-Öl, CBD-Öle)
Weitere Behandlungsmethoden
Neben der Behandlung mit Ölen gibt es weitere alternative und ergänzende Behandlungsmethoden bei Polyneuropathie:
- Fußreflexzonenmassage: Kann die Durchblutung fördern, Nervenschmerzen lindern und das allgemeine Wohlbefinden steigern.
- Krankengymnastik: Eine große Bedeutung haben vor allem krankengymnastische Maßnahmen.
- Bioresonanztherapie oder Akupunktur: Einigen Patienten hilft auch die Bioresonanztherapie oder Akupunktur.
- Kryotherapie: Durch das Tragen von Eishandschuhen und Eissocken während einer Paclitaxel-Infusion kann das Risiko für eine Polyneuropathie deutlich gesenkt werden.
- L-Carnitin: Die Einnahme von L-Carnitin, einer vitaminähnlichen Substanz: Hierbei werden Dosierungen von etwa täglich 3 - 4 g L-Carnitin vorbeugend eingesetzt. Allerdings führte eine doppelblinde, Placebo-kontrollierte Studie mit der Gabe von 3000 mg Acetyl-L-Carnitin pro Tag bei Patientinnen mit Brustkrebs häufiger zu einer durch Taxane verursachten Neuropathie als in der Placebogruppe (Hershman DL et al.
- Vitamin E: Vielversprechende Daten gibt es für die Einnahme von Vitamin E. Erste Studien zeigten positive Effekte (z. B. Seenae Eum et al. / Int J Vitam Nutr Res 2013). Hintergrund scheint die antientzündliche Wirkung von Vitamin E zu sein, weshalb auch die Gabe von Selen und Omega-3-Fettsäuren (z. B. OnLife®, Norsan Omega Öl) helfen kann (Ghoreishi Z et al.
- B-Vitamine und alpha-Liponsäure: B-Vitamine (v. a. Vitamin B1, Vitamin B6) und alpha-Liponsäure werden nicht nur bei diabetischer Neuropathie, sondern auch während Chemotherapie eingesetzt.
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