Migräne: Mehr als nur Kopfschmerzen – Ein umfassender Leitfaden

Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die weit mehr ist als nur ein bisschen Kopfweh. Sie kann das Leben der Betroffenen erheblich beeinträchtigen und geht oft mit einer Vielzahl von Symptomen einher. Dieser Artikel soll einen umfassenden Überblick über Migräne geben, von den Ursachen und Auslösern bis hin zu den Behandlungsmöglichkeiten und Strategien zur Bewältigung.

Einführung

Migräne ist eine komplexe Erkrankung, die durch anfallsartige, meist einseitige Kopfschmerzen gekennzeichnet ist. Die Schmerzen sind oft pulsierend oder pochend und können von Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit begleitet sein. Etwa jede/r Zehnte leidet hierzulande unter Migräne, mit oder ohne Aura. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) stuft Migräne als eine der häufigsten Erkrankungen der Welt ein, die mit hohem Leidensdruck im Alltag einhergeht.

Was ist Migräne?

Migräne zählt zu den primären Kopfschmerzen. Der pochende oder pulsierende einseitige sehr starke Schmerz kann die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen, denn die Attacken kommen anfallsweise und können vier bis 72 Stunden andauern. Während zwischen den ersten Anfällen mitunter mehrere Jahre liegen, können die Abstände im Laufe der Zeit immer kürzer und die Attacken heftiger werden. Migräne ist eine neurologische Reizverarbeitungsstörung, bei der das Gehirn auf ganz alltägliche Reize (Licht, Geräusche, Gerüche, Stress …) völlig überempfindlich reagiert. Es kommt zu einer Art „Reizüberflutung“. Manche Areale im Gehirn sind dann überaktiv, andere unterversorgt. Besonders betroffen: der Hirnstamm, das sogenannte Brechzentrum und der Trigeminusnerv.

Migräne mit und ohne Aura

Einige Migränepatienten erleben vor oder während der Kopfschmerzphase eine sogenannte Aura. Die Aura ist ein neurologisches Vorzeichen der Migräne - bei etwa 15-20 % der Migränebetroffenden tritt sie auf. Und das, was du beschreibst, ist dafür absolut typisch:

  • Bunte Lichtblitze
  • Flimmernde Zickzackmuster (sog. Fortifikationen)
  • Pulsierende Punkte oder „Schneeflocken“
  • Sehstörungen, Tunnelblick oder Verschwommensehen
  • Wahrnehmungen bei geschlossenen Augen
  • manchmal auch: Kribbeln, Sprachprobleme oder Taubheitsgefühle

Die Aura dauert meist 10-60 Minuten und geht oft direkt in die Kopfschmerzphase über. Bei manchen hört es nach der Aura auf - ohne Kopfschmerzen (sog. „Migräne ohne Kopfschmerz“, ja, auch das gibt’s!). Die Aura ist meist harmlos - aber sie zeigt dir ziemlich zuverlässig, dass ein Migräneanfall bevorsteht. Manche Betroffene nutzen diese Phase sogar, um noch schnell ein Medikament zu nehmen, bevor die volle Wucht kommt.

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Die Rolle des Trigeminusnervs

Als Hauptverantwortlicher für das Auftreten von Migräne-Attacken gilt der Trigeminusnerv. Dieser verbindet Stirn, Gesicht und Kaumuskulatur mit dem Gehirn. Durch das Senden von Fehlsignalen an Blutgefäße in der Hirnhaut, die im Trigeminusnerv ausgelöst werden, kommt es zur Freisetzung von Entzündungsstoffen, die wiederum einen Schmerzkreislauf in Gang setzen. So zumindest eine der Annahmen. So konnten die Forschenden zunächst im Mausmodell beobachten, dass der Trigeminusnerv bei Migräne-Betroffenen ein Loch aufweist, das als Ursache für die Schmerzen gilt. Denn durch dieses Loch gelangt Hirnflüssigkeit zu den Nervenzellen. Dabei werden bestimmte Proteine, darunter Calcitonin Gene-Related Peptid (CGRP), freigesetzt und binden an den Nervenknoten Ganglion trigeminale, der wichtig bei der Verarbeitung von Schmerzsignalen ist. Die Folge: Es kommt zu einem „Alarmsignal“ in Form eines starken Schmerzgefühls. Ihre Ergebnisse konnten sie im Anschluss durch die Analyse von menschlichen Gehirnscans und Liquor-Proben während einer Migräneattacke bestätigen.

Neuartiger Signalweg bei Migräne mit Aura entdeckt

Wissenschaftlern der Universität Kopenhagen gelang es, erstmals den Signalweg bei Migräne mit Aura nachzuvollziehen. Plötzlich treten Flimmerkränze im Sichtfeld auf, Zickzackfiguren aus gleißendem Licht. Betroffene von Migräne wissen Bescheid, was nach diesen vorübergehenden neurologischen Symptomen geschieht. Nach dieser sogenannten Aura, manche sehen auch Objekte verzerrt und unscharf, erleiden Gesichtsfeldausfälle oder Empfindungsstörungen, tritt die eigentliche Migräneattacke auf. Martin Rasmussen und sein Team von der Universität Kopenhagen untersuchten dazu Mäuse, die Migräneschübe mit Aura durchleiden und entdeckten einen bisher unbekannten Signalweg. Sie stießen auf ein im Zusammenhang mit Migräne bekanntes Hirnprotein, das bei Attacken mit Aura vermehrt im Hirnwasser freigesetzt wird, das Protein CGRP (Neuropeptid Calcitonin Gene-Related Peptide). Dabei handelt es sich um ein aus 37 Aminosäuren bestehendes Neuropeptid. Insgesamt werden bei einer Migräneattacke zwölf verschiedene Proteine in das Hirnwasser freigesetzt, wie die Forschenden ebenfalls feststellten. Der Signalweg erfolgt nun über einen bestimmten Nerven-Knotenpunkt außerhalb des Gehirns, den Ganglion trigeminale. An diesem Nervenknoten trennt sich der Trigeminus-Nerv in drei Äste auf, die in das Gesicht und den Kopf ziehen. Ausnahmsweise können so periphere Nervenzellen mit dem vorbeifließenden Protein CGRP und weiteren Proteinen im Hirnwasser in Kontakt treten. Die Wissenschaftler glauben, dass sie den primären Kommunikationskanal zwischen dem Gehirn und dem peripheren sensorischen Nervensystem (PNS) identifiziert haben, der bis zu diesem Zeitpunkt unbekannt war. Dieses Studienergebnis könnte die Forschung für Migräne-Medikamente ebnen, die vor allem auf diesen Signalweg fokussieren und das Protein CGRP hemmen.

Cortical Spreading Depression (CSD)

Das Ganze ist das Ergebnis einer faszinierenden - aber ungemütlichen - Gehirnreaktion namens: Cortical Spreading Depression (CSD). Eine langsame, wandernde Welle aus Nervenzell-Stilllegung, die sich quer über die Großhirnrinde ausbreitet. Stell’s dir vor wie eine Welle, die über dein Gehirn rollt und für ein paar Minuten die Lichter dimmt - und dabei bizarre Signale erzeugt. Besonders häufig betroffen: der visuelle Kortex, also das Sehzentrum. Und deshalb sieht das dann so abgedreht aus. Die Geschwindigkeit dieser Welle? Ungefähr 3-5 mm pro Minute - also echt langsam. Aber dafür merkst du sie live: Erst ist da ein Punkt, dann ein Flackern, dann breitet sich das Ganze aus … bis du teilweise kaum noch etwas erkennen kannst. Das Ganze kommt nicht von den Augen, sondern passiert direkt im Gehirn. Dein Sehzentrum feuert völlig unmotiviert Reize ab - und dein Bewusstsein denkt sich: „Oh cool, Northern Lights im Kopfkino!“ Leider nur ohne Popcorn und mit anschließender Kopfschmerzkatastrophe.

Prodromalsymptome

Du bist da mitten in der sogenannten Prodromalphase (auch „Vorbotenphase“ genannt - die Stunden oder sogar 1-2 Tage bevor der eigentliche Anfall beginnt). Was da passiert: Dein Gehirn beginnt sich neurologisch zu verändern - ganz leise, unter der Oberfläche. Noch kein Schmerz, noch kein Flimmern, aber: Botenstoffe wie Serotonin und Dopamin geraten aus dem Gleichgewicht, CGRP, Histamin und Glutamat steigen an, das Gehirn wird überempfindlich auf Reize - bevor du es bewusst merkst, das limbische System (also Emotionen, Stimmung) ist besonders betroffen.

Mögliche Vorboten (Prodromalsymptome) bei Migräne:

  • Körperliche Anzeichen:
    • Gähnen (häufig und unkontrollierbar)
    • Heißhunger (z. B. auf Schokolade, Süßes, Fettiges)
    • Häufiges Wasserlassen
    • Verstopfung oder Durchfall
    • Frösteln oder Hitzewallungen
    • verändertes Temperaturempfinden
    • Blähbauch / Völlegefühl
    • Druckgefühl im Kopf
    • Übelkeit
    • Müdigkeit oder extremer Schlafdrang
    • Rastlosigkeit, körperliche Unruhe
    • Muskelverspannungen (v. a. Nacken/Schulter)
    • Zuckungen (z. B. Augenlid, Gesicht)
  • Sensorische Veränderungen:
    • Lichtempfindlichkeit
    • Geräuschempfindlichkeit
    • Geruchsempfindlichkeit
    • Sehstörungen (z. B. flackerndes Sehen ohne Aura)
    • gesteigerte Sinneswahrnehmung allgemein
    • Kribbeln in Gesicht oder Gliedmaßen
    • Koordinationsprobleme
    • Gleichgewichtsstörungen / Schwindel
  • Kognitive & sprachliche Veränderungen:
    • Konzentrationsprobleme
    • Denkblockaden
    • Wortfindungsstörungen
    • Probleme, sich auf etwas zu fokussieren
    • Verlangsamtes Denken („Gehirnnebel“)
    • Verwirrtheit
  • Emotionale Veränderungen:
    • Reizbarkeit
    • Stimmungsschwankungen
    • depressive Verstimmung
    • kurzzeitige Euphorie
    • Rückzugsbedürfnis
    • „Das Gefühl, nicht ganz da zu sein“

Heißhunger auf Süßes vor der Migräne

Vor einer Migräne sinkt der Serotoninspiegel - also das berühmte „Wohlfühlhormon“. Und was steigert kurzfristig Serotonin im Hirn? Zucker. Und vor allem: Zucker + Fett (hallo Schokolade!). Dein Gehirn denkt sich also: „Okay, Serotonin im Keller. Was tut mir jetzt sofort gut?“ → SCHOKI!!! Migräne ist wie ein innerer Stromausfall mit Gewitter. Das Gehirn läuft in der Vorphase oft auf Hochtouren, hat einen ungesunden Energiebedarf und bereitet sich auf den Ausfall vor. Und verlangt: Schnelle Kalorien. Am besten sofort. Schokolade ist da perfekt: Zucker → schnell verfügbar, Fett → sättigend, Kakao → enthält sogar selbst psychoaktive Stoffe (z. B. Theobromin, leicht stimmungsaufhellend). Dein Hirn weiß: „Es wird gleich richtig unangenehm - aber jetzt brauch ich kurz was zum Durchhalten.“ → Zucker bringt kurzfristig einen Dopamin-Kick - der macht dich wach, kurzzeitig zufrieden und weniger gereizt. Und das ist genau das, was du brauchst, wenn du innerlich schon auf Vulkanwetter eingestellt bist.

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Ständiges Gähnen vor der Migräne

Dauer-Gähnen ist kein Zeichen von Faulheit, sondern ein Frühwarnsystem. Dein Gehirn bereitet sich auf einen Ausnahmezustand vor - und Gähnen ist sein SOS. Gähnen ist nicht nur ein Zeichen von Müdigkeit - es ist ein automatischer Reflex des Gehirns, oft ausgelöst durch: Sauerstoffmangelgefühl, Spannungsabbau, Serotoninschwankungen und: Migräneanfänge. Und genau das passiert in der Vorbotenphase einer Migräne: dein Serotoninspiegel sinkt, deine Gehirndurchblutung verändert sich, dein Hirn braucht „mehr Luft“ - auch wenn’s keine echte Luftknappheit gibt. Der Hypothalamus (quasi dein innerer Regelboss) steuert: Schlaf-Wach-Rhythmus, Hunger, Temperatur und: Migräneanfälle. Wenn er Migräne einleitet, läuft gleichzeitig das Programm für „Energie runterfahren“ → Gähnen ohne Ende. Manche Forschende vermuten, dass Gähnen auch eine soziale Rückzugsgeste ist - nach dem Motto: „Lasst mich. Ich will meine Ruhe. Ich bin raus.“

Typische Symptome einer Migräne

  • Aura: Bunte Lichtblitze, flimmernde Zickzacklinien, Sehstörungen (auch bei geschlossenen Augen - psychedelisch, aber ohne Spaß)
  • Sprachstörung: Satzbau = weg. Worte = falsch. Schreiben = verdreht. Als wär ich betrunken.
  • Geräuschempfindlichkeit: Besteck? Bohrmaschine! Türklinke? Explosion!
  • Lichtempfindlichkeit: Vorhänge zu. Sonnenbrille im Bett. Kein Witz.
  • Kälte-/Wärmegefühl: 4 Grad im Raum? Immer noch zu warm. Kleidung brennt. Am liebsten nackt im Eisfach.
  • Erbrechen & Durchfall: Manchmal gleichzeitig. Mit Eimer auf dem Klo. Kein Witz.
  • Schwindel: Ich schwanke, obwohl ich liege. Wie auf hoher See.
  • Hautausschläge & Juckreiz: Ja, auch das. Migräne liebt die Überraschung.
  • Geschwollene Gliedmaßen: Füße plötzlich zu dick für die Hausschuhe? Willkommen.
  • Verspannungen: Nacken wie aus Beton - meist auf der Schmerzseite.

Verspannungen bei Migräne

Der Schmerz wirkt sich auch auf die Muskulatur aus, besonders auf den Trapezmuskel (der läuft von den Schultern über den Nacken bis hoch zum Schädel) und die Halsmuskulatur. Der berüchtigte Trigeminusnerv, der bei Migräne voll ausrastet, hat indirekt Verbindung zu Muskelarealen im Nacken und Schulterbereich. Wenn dieser Nerv aktiviert wird, kann es zu einer Überempfindlichkeit in den umliegenden Strukturen kommen - Muskeltonus erhöht sich, obwohl du nur auf der Couch sitzt und versuchst, nicht zu sterben. Bei einigen beginnt die Migräne mit Nackenverspannungen → dann der Schmerz. Bei anderen kommen die Verspannungen nach oder während des Anfalls. Und dann gibt’s noch die ganz Fiesen: Die spüren die Verspannung als Aura-Symptom - bevor der Kopfschmerz überhaupt kommt.

Mögliche Auslöser von Migräne

Die Liste möglicher Auslöser ist lang. Und sie ist - wie fast alles bei Migräne - hochindividuell. Was bei mir einen Anfall auslöst, kann bei dir gar nichts bewirken. Und was bei dir völlig harmlos ist, kann mich innerhalb von Minuten ausknocken. Migräne ist keine One-Size-Fits-All-Erkrankung. Es gibt Muster - aber keine Garantie.

  • Stress (und/oder die plötzliche Entspannung danach!)
  • Wetterumschwünge / Luftdruckveränderungen
  • zu wenig oder zu viel Schlaf
  • grelles Licht oder Flimmern
  • grelle Farben oder starke Kontraste
  • Bildschirmzeit ohne Pause
  • Hunger oder unregelmäßige Mahlzeiten
  • bestimmte Lebensmittel (z. B. Schokolade, Rotwein, Käse, Zitrusfrüchte)
  • Alkohol
  • Gerüche (Parfüm, Putzmittel, Rauch, Blumen …)
  • Lärm oder Geräuschkulisse
  • Hormonschwankungen (Zyklus!)
  • Körperliche Anstrengung
  • Flüssigkeitsmangel
  • bestimmte Medikamente oder Reize durch Medikamentenentzug
  • Reizüberflutung (Menschenmengen, Supermärkte, …)
  • zu enge Kleidung, Haarreifen, Sonnenbrille…
  • oder einfach: ohne erkennbaren Grund.

Diagnose

Die Diagnose von Migräne basiert in erster Linie auf der Anamnese, also der Erhebung der Krankengeschichte. Der Arzt wird nach Art, Häufigkeit, Dauer und Begleiterscheinungen der Kopfschmerzen fragen. Eine neurologische Untersuchung kann durchgeführt werden, um andere Ursachen für die Kopfschmerzen auszuschließen. In manchen Fällen kann eine Bildgebung des Gehirns (z.B. CT oder MRT) erforderlich sein.

Wann zum Arzt?

  • Wenn die Aura neu und ungewohnt stark ist
  • Wenn du plötzlich Sprachstörungen bekommst oder Lähmungen (das kann auch ein Schlaganfall sein!)
  • Wenn du dir unsicher bist, ob das noch Migräne ist - sicher ist sicher!

Schlaganfall oder Migräne?

Die Symptome können sich ähneln - das ist das Fiese. Aber ein paar Dinge helfen zur Unterscheidung:

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MerkmalMigräneSchlaganfall
BeginnLangsam steigernd (minutenweise)Plötzlich, aus dem Nichts
AuraJa, häufig (Licht, Kribbeln …)Meist keine Aura
SprachproblemeFluktuierend, nicht permanentPlötzlich, meist dauerhaft
Gefühl & BewegungKribbeln, evtl. SchwächeTaubheit, Lähmungen
Alter der BetroffenenMeist jünger (<50)Häufiger bei Älteren (>60)

Kopfschmerztagebuch

Um die individuelle Schmerzdynamik besser zu verstehen, empfehlen Experten, ein Kopfschmerztagebuch oder einen Kopfschmerzkalender zu führen. Vorlagen gibt es im Internet zum Selberausdrucken. Noch praktischer sind entsprechende Smartphone-Apps - oft kostenlos und von Krankenkassen und Kliniken entwickelt. Das Prinzip ist dabei immer das Gleiche: Jede Schmerzattacke wird in all ihren Details erfasst. Es gilt, die Symptome genau zu beobachten und zu beschreiben. Zieht es in der Stirn oder drückt es am Hinterkopf? Pocht der Schmerz einseitig hinter dem Auge oder umspannt er den ganzen Schädel? Gibt es Begleiterscheinungen wie Übelkeit, Sehstörungen oder Lichtempfindlichkeit? Neben Art, Stärke und Dauer des Schmerzes sollten Medikamente sowie mögliche Auslöser, etwa Stress, Schlafverhalten, Sport, Menstruation, Rauchen, Kaffeekonsum oder die genaue Ernährung im Kopfschmerztagebuch festgehalten werden. In den meisten Apps lassen sich zudem statistische Auswertungen und Grafiken zum Krankheitsverlauf erstellen. In der "Migräne-App" der Schmerzklinik Kiel etwa können Nutzer herausfinden, wie hoch ihr Risiko für chronischen Kopfschmerz ist, unter welcher Art von Kopfschmerz sie leiden, und sie finden einen Schnelltest zur Bestimmung des optimalen Zeitpunktes für die Einnahme bestimmter Akutmedikamente. Vor allem aber erleichtert die Dokumentation Ärzten die Diagnose. Denn je genauer und umfassender das Bild des Schmerzes ist, desto leichter kann ein Mediziner die passende Behandlung festlegen.

Behandlung

Die Behandlung von Migräne zielt darauf ab, die Schmerzen zu lindern und die Häufigkeit und Schwere der Attacken zu reduzieren. Es gibt verschiedene Behandlungsansätze, die je nach Bedarf eingesetzt werden können.

Akutbehandlung

Die Akutbehandlung zielt darauf ab, die Schmerzen während einer Migräneattacke zu lindern. Hierfür stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung:

  • Schmerzmittel: Ibuprofen, ASS (Aspirin), Paracetamol
  • Triptane: Naratriptan, Sumatriptan (wirken an der Ursache der Migräne, indem sie die Gefäße im Kopf verengen)
  • Antiemetika: MCP (gegen Übelkeit)

Es ist wichtig, die Medikamente so früh wie möglich einzunehmen, um die bestmögliche Wirkung zu erzielen.

Prophylaxe

Die Prophylaxe zielt darauf ab, die Häufigkeit und Schwere der Migräneattacken zu reduzieren. Hierfür stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung:

  • Betablocker: Metoprolol
  • Antidepressiva: Amitriptylin
  • Antiepileptika: Topiramat, Valproinsäure
  • CGRP-Antikörper: (neue Medikamentenklasse, die das Protein CGRP hemmen)

Zusätzlich zu Medikamenten können auch nicht-medikamentöse Maßnahmen zur Prophylaxe eingesetzt werden:

  • Regelmäßiger Schlaf-Wach-Rhythmus
  • Stressmanagement
  • Ausdauersport
  • Entspannungstechniken (z.B. Autogenes Training, Progressive Muskelentspannung)
  • Ernährungsumstellung (z.B. ketogene Ernährung)

Ketogene Ernährung bei Migräne

Herkömmliches Essen wie Brot, Brötchen, Nudeln, Kartoffeln, Reis, Kuchen und Zucker streichst Du von Deinem Speiseplan. Die fehlenden Kalorien ersetzt Du durch gesundes Fett und Eiweiß. Nun kommen Fleisch, Fisch, Eier, Käse, Milchprodukte, Olivenöl, Kokosöl, Butter, Sahne, grüne Blattsalate und grünes Gemüse auf den Tisch. In der Leber entstehen „Ketonkörper“, die Deinem Körper und Deinem Gehirn an Stelle der Kohlenhydrate zur Verfügung stehen. Migräneattacken können ganz ausbleiben oder schwächen sich sehr deutlich in Intensität oder Häufigkeit ab. Als weiteren positiven Nebeneffekt einer fettbasierten Ernährung wirst Du eine viel größere geistige Klarheit und Wachheit empfinden.

Tipps und Strategien zur Bewältigung von Migräne

  • Führe ein Kopfschmerztagebuch: Um Auslöser zu identifizieren und den Verlauf der Migräne zu dokumentieren.
  • Vermeide bekannte Auslöser: Sofern möglich.
  • Sorge für einen regelmäßigen Tagesablauf: Mit ausreichend Schlaf, regelmäßigen Mahlzeiten und ausreichend Flüssigkeit.
  • Entspannungstechniken: Erlernen und regelmäßig anwenden.
  • Sport: Regelmäßiger Ausdauersport kann prophylaktisch wirken.
  • Unterstützung suchen: Sprechen Sie mit Ihrem Arzt, Ihrer Familie und Freunden über Ihre Migräne. Es gibt auch Selbsthilfegruppen für Migränepatienten.
  • Akzeptanz: Die Erkenntnis, dass es eine chronische Krankheit ist. Die Migräne ist davon natürlich nicht weniger geworden oder gar verschwunden. Aber meine Lebensqualität ist besser, weil ich keine Energie mehr in hoffnungslose Versuche stecke, sie zu verhindern. Du wirst deine persönliche Migräne gut kennen lernen müssen, und lernen müssen, mit ihren Launen zu leben.

Migräne und Autismus

Es soll ein Zusammenhang mit Autismus bestehen, aufgrund von Genmutationen im Gehirn, die dafür sorgen, dass die Sauerstoffversorgung in manchen Arealen nicht so gut gewährleistet ist.

Was man bei einem Migräneanfall tun kann

  • Ruhe: Lege dich in einen abgedunkelten, ruhigen Raum.
  • Kühle: Kühle Umschläge oder Kühlpads auf Stirn oder Nacken können helfen.
  • Flüssigkeit: Trinke ausreichend Wasser.
  • Medikamente: Nimm deine Akutmedikamente so früh wie möglich ein.
  • Vermeide: Vermeide grelles Licht, laute Geräusche und starke Gerüche.
  • Wärme: Wärmekissen / Kirschkernkissen für den Nacken.

Falsche Ratschläge und Mythen über Migräne

  • Migräne ist nur eine Ausrede: Migräne ist eine neurologische Erkrankung, die nicht eingebildet ist.
  • Migräne ist nur ein bisschen Kopfweh: Migräne ist viel mehr als nur Kopfweh. Sie kann das Leben der Betroffenen erheblich beeinträchtigen.
  • Migräne kann mit Hausmitteln geheilt werden: Migräne ist eine komplexe Erkrankung, die oft eine medizinische Behandlung erfordert.
  • Wahrscheinlich verträgst Du ein Nahrungsmittel nicht. Warst Du schon beim Heilpraktiker? Migräne ist eine eigenständige neurologische Erkrankung, die nicht durch Allergien bedingt ist. Auch besteht keine Vergiftung im Körper, nichts muss ausgeleitet, entschlackt oder entsäuert werden. Diäten sind wirkungslos.

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