Wesensveränderung nach Meningeom: Ursachen, Symptome und Behandlungsansätze

Ein Meningeom, meist ein gutartiger, langsam wachsender Tumor der Hirnhäute, kann vielfältige Beschwerden verursachen. Diese hängen davon ab, auf welches Hirngewebe der Tumor drückt. Neben den körperlichen Symptomen können auch psychische Veränderungen und Wesensveränderungen auftreten. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen für Wesensveränderungen nach Meningeom, die möglichen Symptome und die verschiedenen Therapieansätze.

Was ist ein Meningeom?

Ein Meningeom ist ein Tumor, der von den Hirnhäuten (Meningen) des zentralen Nervensystems ausgeht. Die Hirnhäute überziehen das Gehirn und kleiden die Schädelhöhle aus. Meist liegen Meningeome innen am Schädel an, können aber auch im Rückenmarkskanal wachsen. Sie verdrängen durch ihr Wachstum langsam das benachbarte Gewebe, ohne in dieses einzudringen. Nur sehr selten bilden sie Metastasen.

Meningeome machen etwa 24 bis 30 Prozent aller Hirntumore aus. Frauen sind häufiger betroffen als Männer, und das Durchschnittsalter der Betroffenen liegt zwischen 50 und 60 Jahren. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) teilt Meningeome in drei Grade ein:

  • WHO-Grad I: Langsam wachsende, gutartige Meningeome (85 % der Fälle)
  • WHO-Grad II: Atypische Meningeome mit erhöhtem Wachstumspotenzial (8-10 % der Fälle)
  • WHO-Grad III: Anaplastische Meningeome (2-5 % der Fälle), die bösartig sind.

Ursachen und Risikofaktoren

Ein Meningeom entsteht, wenn ein bestimmter Zelltyp in der weichen Hirnhaut entartet und wuchert. Die genauen Ursachen dafür sind noch nicht vollständig erforscht. Es gibt jedoch Risikofaktoren, die die Entstehung eines Meningeoms begünstigen können:

  • Vorherige Strahlentherapie: Menschen, die aufgrund einer anderen Krebserkrankung bestrahlt wurden, haben ein höheres Risiko.
  • Neurofibromatose Typ 2: Diese erbliche Erkrankung ist mit der Bildung von Meningeomen assoziiert.

Symptome eines Meningeoms

Da Meningeome in der Regel langsam wachsen, verursachen sie oft lange Zeit keine Symptome. Die Beschwerden hängen von der Größe und Lage des Tumors ab. Mögliche Symptome sind:

Lesen Sie auch: Hirntumor: Wesensveränderung verstehen

  • Kopfschmerzen: Treten typischerweise nachts oder in den frühen Morgenstunden auf und bessern sich im Laufe des Tages. Sie können in relativ kurzer Zeit an Stärke zunehmen und sind oft mit Übelkeit und Erbrechen verbunden.
  • Sehstörungen: Flimmern vor den Augen, Gesichtsfeldausfälle oder die Wahrnehmung von Doppelbildern.
  • Epileptische Anfälle: Können aus völligem Wohlbefinden heraus auftreten. Manchmal geht eine Aura voraus. Es kann auch zu Empfindungsstörungen oder Zuckungen einer Extremität oder Körperseite kommen.
  • Störungen der Bewegungsfähigkeit oder Empfindungsfähigkeit: Betreffen je nach Lokalisation eine Extremität oder eine Körperseite.
  • Psychische Veränderungen und Wesensveränderungen: Können direkte Folge des Tumorleidens sein.
  • Müdigkeit, Erschöpfung und Antriebslosigkeit: Können allgemein bei schweren Erkrankungen auftreten.
  • Gleichgewichtsprobleme: Plötzlich auftretende Gleichgewichtsprobleme.
  • Sprachstörungen: Undeutliche Sprache.

Wesensveränderung als Folge eines Meningeoms

Psychische Veränderungen und Wesensveränderungen können eine direkte Folge des Tumorleidens sein. Ein Meningeom, insbesondere im Bereich des Stirnlappens, kann zu Antriebslosigkeit, Lustlosigkeit, Reizbarkeit, Entscheidungsschwierigkeiten und Konzentrationsproblemen führen. In einigen Fällen können auch Depressionen, Halluzinationen, Ängste oder Apathie auftreten.

Ein Fallbericht einer 54-jährigen Frau verdeutlicht diesen Zusammenhang. Die Patientin litt unter Antriebslosigkeit, Apathie, Gedächtnislücken und Konzentrationsproblemen. Zunächst wurde eine Depression diagnostiziert und mit Antidepressiva behandelt. Da sich ihr Zustand jedoch nicht besserte, wurden schließlich bildgebende Verfahren eingesetzt, die mehrere Meningeome im Gehirn обнаружили. Ein größerer Tumor befand sich im Stirnlappen, der unter anderem Impulse, Handlungen, Antrieb und Aufmerksamkeit steuert. Nach der Operation verschwanden ihre depressiven Symptome vollständig.

Diagnose

Die Diagnose eines Meningeoms erfolgt in der Regel durch bildgebende Verfahren wie Computertomographie (CT) und Magnetresonanztomographie (MRT). Eine Untersuchung mit Kontrastmittel ist dabei fast immer hilfreich, da es sich im Tumor anreichern und diesen sichtbar machen kann. In seltenen Fällen ist eine Angiographie sinnvoll, um Blutgefäße genau zu untersuchen.

Auf CT- und MRT-Bildern zeigt sich ein Meningeom als glatt begrenzte Geschwulst, die auf breiter Fläche die Hirnhäute berührt. Typisch ist auch eine Verdickung der Hirnhaut im Randbereich dieser Kontaktfläche.

Therapie

Die Therapie richtet sich nach den Tumoreigenschaften wie Größe und Lage sowie dem Zustand des Patienten. Kleine Meningeome, die keine Beschwerden bereiten und langsam wachsen, müssen oft nicht behandelt werden. Regelmäßige Untersuchungen sind dann jedoch unerlässlich, um den Verlauf zu überprüfen.

Lesen Sie auch: Epilepsie: Organische Ursachen im Fokus

Operation

Bei Meningeomen vom WHO-Grad I-II und bestehenden Symptomen ist in der Regel eine Operation erforderlich. Ziel ist es, den Tumor vollständig zu entfernen. Im Fall eines stark durchbluteten Meningeoms kann es sinnvoll sein, die zum Tumor führenden Blutgefäße vor der Operation gezielt zu verschließen (Embolisation).

Die Prognose ist bei einem gutartigen, vollständig operativ entfernten Meningeom in der Regel gut. Die Lebenserwartung ist dann nicht eingeschränkt. Allerdings können Tumoren nach einer kompletten Entfernung wieder auftreten. Um ein solches Rezidiv frühzeitig zu erkennen, sind langfristige Verlaufskontrollen wichtig.

Strahlentherapie

Meningeome vom WHO-Grad III und unvollständig entfernte, gutartige Meningeome erfordern eine zusätzliche Bestrahlung. Kleine Tumoren mit einem Durchmesser von maximal drei Zentimetern eignen sich für eine Einzeitbestrahlung (Radiochirurgie).

Erfahrungen von Betroffenen

In Internetforen und Selbsthilfegruppen berichten Betroffene von ihren Erfahrungen mit Meningeomen und den damit verbundenen Wesensveränderungen. Viele berichten, dass nach der Operation die psychischen Probleme verschwunden sind. Einige berichten jedoch auch von anhaltenden Problemen wie Wortfindungsstörungen, Konzentrationsschwäche und Reizbarkeit.

Eine Betroffene schildert, dass ihre Mutter vor der Diagnose eines großen Meningeoms in eine psychiatrische Klinik eingewiesen wurde. Die Diagnose lautete schwere Depression mit Tendenz zur Verwahrlosung. Nach der Operation waren die Depressionen, die Antriebslosigkeit und die Inkontinenz verschwunden.

Lesen Sie auch: Hüft-TEP und Nervenschmerzen

Ein anderer Betroffener berichtet, dass seine Frau nach der Operation reizbarer war als zuvor. Als einziges Überbleibsel nach der OP bestand eine Wortfindungsstörung, die logopädisch therapiert wurde.

Hirnmetastasen als Ursache für Wesensveränderungen

Neben Meningeomen können auch Hirnmetastasen Wesensveränderungen verursachen. Metastasen sind Absiedlungen von Tumoren, die zunächst in einem anderen Organ entstanden sind. Sie gelangen über die Blutbahnen ins Gehirn.

Hirnmetastasen müssen zunächst keine Symptome verursachen. Ob Symptome auftreten und welche dies sein können, hängt vornehmlich von Lage und Größe der Metastase ab. Viele Patienten berichten zunächst von lang andauernden, starken Kopfschmerzen, die sich durch die Einnahme von Schmerzmitteln nicht merklich verbessern. Auch von Übelkeit bis hin zum Erbrechen wird berichtet.

Metastasen im Gehirn können sich ebenfalls durch Funktionsstörungen oder Lähmungen äußern. Plötzlich auftretende Gleichgewichtsprobleme, ein eingeschränktes Sehfeld oder eine undeutliche Sprache sind Anzeichen dieser neurologischen Ausfallerscheinungen. Auch psychische Auffälligkeiten und Wesensveränderungen, zusammengefasst als hirnorganisches Psychosyndrom, sind Symptome, die durch Hirnmetastasen hervorgerufen werden können.

Die Behandlung von Hirnmetastasen umfasst in der Regel eine Operation, Strahlentherapie und/oder Chemotherapie. Ziel ist es, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität des Patienten zu erhalten oder wiederherzustellen.

tags: #wesensanderung #nach #meningeom