Die Behandlung von Migräne umfasst grundsätzlich zwei Hauptansätze: die Akuttherapie zur Linderung akuter Attacken und die Intervallprophylaxe zur Reduzierung der Häufigkeit und Schwere zukünftiger Anfälle.
Akuttherapie von Migräne
Bei akuten Migräneattacken wird eine möglichst frühzeitige Einnahme von nicht-steroidalen Antirheumatika (NSAR) empfohlen. Bei unzureichender Wirksamkeit und mittelschweren bis schweren Attacken kommen Triptane zum Einsatz.
Nichtopioid-Analgetika
Analgetika wirken über verschiedene biochemische Mechanismen in der Schmerzentstehung, Schmerzweiterleitung oder Schmerzverarbeitung und führen zur Analgesie, Abschwächung oder Modifikation des Schmerzes. Sie lassen sich hinsichtlich ihrer Chemie, ihres Wirkungsorts, ihrer Wirkungsdauer, ihrer Wirkungsstärke und ihres Wirkungsspektrums einteilen. Bei Verwendung therapeutischer Dosen wird eine Analgesie erreicht, ohne die sensorische Wahrnehmung und andere wichtige Funktionen des ZNS zu beeinflussen.
Als Analgetika sind empfohlen:
- Acetylsalicylsäure (ASS 1000 mg oder ASS 900 mg + MCP 10 mg p.o.)
- Ibuprofen (200/400/600 mg p.o.)
- Metamizol 1000 mg p.o. oder i.v.
- Diclofenac-Kalium 50 mg/100 mg p.o.
- Kombinationsanalgetika: 2 Tabletten ASS 250/265 mg + Paracetamol 200/265 mg + Coffein 50/65 mg)
Bei Kontraindikation von NSAR: Paracetamol 1000 mg oder Metamizol 1000 mg p.o. Bei Übelkeit und Erbrechen empfehlen die Leitlinienexperten 10 mg Metoclopramid p.o. (ggf. supp.) oder 10 mg Domperidon p.o. Gemäß der Leitlinie sind Analgetika und NSAR bei der Behandlung von akuten Migräneattacken wirksam. Die Wirkung ist für Acetylsalicylsäure und Ibuprofen am besten belegt.
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Triptane
Triptane stimulieren Serotonin (5-Hydroxytryptamin)-Rezeptoren, die bei der Entstehung einer Migräne eine wichtige Rolle spielen. Nach heutigem Kenntnisstand sind bei einer Migräneattacke die Blutgefäße im Gehirn aufgrund eines Serotonin-Ungleichgewichts erweitert. Die Aktivierung von 5-HT1B-Rezeptoren durch ein Triptan veranlasst eine Verengung der erweiterten Blutgefäße in der Hirnhaut. Darüber hinaus werden 5-HT1D-Rezeptoren aktiviert, die dann die Freisetzung von entzündungsfördernden Neuropeptiden aus sensorischen Nervenendigungen in Blutgefäßen der Hirnhaut und die Schmerzweiterleitung im trigeminalen System inhibieren.
Da auch Koronararterien 5-HT1B-Rezeptoren besitzen, die nach Stimulation eine Kontraktion der entsprechenden Gefäße verursachen, sind Triptane bei koronarer Herzkrankheit kontraindiziert. Die einzelnen Substanzen dieser Gruppe unterscheiden sich hinsichtlich ihrer Wirkstärke und des Zeitpunktes ihres Wirkeintritts. Die längste Halbwertzeit hat Frovatriptan (26 Stunden), das durch eine besonders lange klinische Wirkdauer ausgezeichnet ist.
Die 5-HT1B/1D-Agonisten (in alphabetischer Reihenfolge) Almotriptan, Eletriptan, Frovatriptan, Naratriptan, Rizatriptan, Sumatriptan und Zolmitriptan sind die Wirkstoffe mit der besten Wirksamkeit bei akuten Migräneattacken und sollten bei starken Kopfschmerzen und bei Migräneanfällen, die nicht auf Analgetika oder NSAR ansprechen, eingesetzt werden. Die Sumatriptan-subkutan-Injektion (6 mg) ist die wirksamste Therapie bei akuten Migräneattacken. Eletriptan und Rizatriptan sind nach den Ergebnissen von Meta-Analysen die wirksamsten oralen Triptane. Almotriptan und Eletriptan weisen das beste Nebenwirkungsprofil auf. Naratriptan und Frovatriptan haben die längste Halbwertzeit. Die Kombination von Triptanen mit Naproxen ist wirksamer als eine Monotherapie. Die zusätzlichen Therapieeffekte werden jedoch nicht als hoch eingeschätzt. Zudem sind die Nebenwirkungsraten bei kombinierter Therapie höher als bei der Monotherapie.
Triptane werden heute häufig in der Akuttherapie von Migräneattacken eingesetzt. Aufgrund ihrer vasokonstriktorischen Wirkung sollen sie nicht in der Aura-Phase, sondern erst bei Einsetzen des Kopfschmerzes gegeben werden.
Triptane mit schnellem Wirkeintritt:
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- Sumatriptan 6 mg s.c.
- Eletriptan 20/40/80 mg p.o.
- Rizatriptan 5/10 mg p.o.
- Zolmitriptan 5 mg nasal
Triptane mit mittelschnellem Wirkeintritt und länger anhaltender Wirkung:
- Sumatriptan 50/100 mg p.o.
- Zolmitriptan 2,5/5 mg p.o.
- Almotriptan 12,5 mg p.o.
Triptane mit langsamem Wirkeintritt und langanhaltender Wirkdauer:
- Naratriptan 2,5 mg p.o.
- Frovatriptan 2,5 mg p.o.
Mutterkornalkaloide
Mutterkornalkaloide sind partielle Agonisten an α-Adrenorezeptoren und an Serotoninrezeptoren, sie aktivieren Dopaminrezeptoren (Ausschüttung von Prolaktin und Somatotropin wird gehemmt) und führen zu einer Kontraktion der glatten Muskulatur von Gefässen und der Gebärmutter.
Ergotamin ist zwar in der Akuttherapie der Migräne wirksam, die Wirksamkeit ist in prospektiven Studien jedoch schlecht belegt. Darüber hinaus sind die Nebenwirkungen im Vergleich zu Triptanen und anderen Akuttherapeutika erhöht. Ergotamin-haltige Arzneimittel zählen deshalb nicht mehr als Therapeutika der 1. Wahl. Triptane sind Mutterkornalkaloiden bezüglich der Wirksamkeit überlegen. Deshalb sollten letztere nur in Ausnahmefällen zur Behandlung akuter Migräneattacken eingesetzt werden.
Antiemetika
Antiemetika wirken sich in der Migräneattacke positiv auf Übelkeit und Erbrechen aus. Werden die Kopfschmerzen von vegetativen Reizsymptomen wie Nausea und Emesis begleitet, sollten die Analgetika zwingend mit antiemetischen Wirkstoffen kombiniert werden. Selbst Patienten, die keine Übelkeit zeigen, werden aufgrund der prokinetischen Wirkung Antiemetika nahegelegt, die idealerweise 10-20 Minuten vor den Analgetika eingenommen werden.
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Weitere Aspekte der Akuttherapie
- Die Wirksamkeit der Medikamente zur Therapie akuter Migräneattacken ist höher, wenn diese früh in der Attacke eingenommen werden oder wenn der Kopfschmerz noch leicht ist.
- Die Schwelle für die Entstehung von Medikamentenübergebrauch-Kopfschmerz nach ICHD-3 liegt für Triptane bei ≥ 10 Einnahmetagen/Monat.
- Die Wirksamkeit nicht-medikamentöser Verfahren wurde in der Therapie von akuten Migräneattacken nicht ausreichend untersucht.
- Triptane sollten nicht bei Patienten mit schwerwiegenden kardiovaskulären Krankheiten wie Angina pectoris, koronarer Herzkrankheit (KHK), nach transienter ischämischer Attacke (TIA), Herzinfarkt und Schlaganfall oder bei fortgeschrittener peripherer arterieller Verschlusskrankheit (pAVK) eingesetzt werden.
- Opioid-Analgetika und Tranquilizer sind zur Behandlung akuter Migräneattacken ungeeignet und sollen daher nicht verwendet werden.
Migränetherapie bei Kindern und Jugendlichen
Migräneattacken bei Kindern werden mit 10 mg Ibuprofen pro Kilogramm Körpergewicht, 500 mg Acetylsalicylsäure (ab dem 12. Lebensjahr) oder 15 mg Paracetamol pro Kilogramm Körpergewicht (2. Wahl) behandelt. Bei Paracetamol sind die kritischen kumulativen Dosierungen zu beachten. Bei erforderlicher antiemetischer Intervention ist Domperidon (Zulassung für Kinder ab zwölf Jahren) das Mittel der Wahl. Metoclopramid sollte wegen des erhöhten Risikos für akute extrapyramidale Bewegungsstörungen und Spätdyskinesien nicht verwendet werden.
Bei Kindern und Jugendlichen ab dem 12. Lebensjahr sind zur Behandlung von Migräne 10 mg Sumatriptan und 5 mg Zolmitriptan als Nasenspray zugelassen. Mittlerweile liegen ausreichende Daten vor, die für einen Einsatz von Triptanen sprechen, wenn Kinder und Jugendliche nur unzureichend auf eine Akuttherapie mit Analgetika ansprechen. Nach entsprechender Aufklärung sind 10-20 mg Sumatriptan als Nasenspray, 2,5-5 mg Zolmitriptan als Tabletten, 5-10 mg Rizatriptan als Tabletten und 12,5 mg Almotriptan als Tabletten zu rechtfertigen.
Nicht-medikamentöse Maßnahmen zur Akuttherapie
Mitunter sprechen Patienten mit einem akuten Migräneanfall auf Akupunktur-Behandlungen an. Für die Wirkung der traditionellen chinesischen Akupunktur gibt es eine geringe Evidenz. Akupunktur und Sumatriptan waren in zwei randomisierten Studien etwa gleichwertig wirksam, gegenüber Placebo sogar signifikant überlegen.
Notfall-Akutmedikation
Als Notfall-Akutmedikation bei Migräneattacken empfiehlt die Leitlinie 10 mg Metoclopramid i.v. sowie 1000 mg Lysin-Acetylsalicylat i.v. oder 6 mg Sumatriptan s.c.
Status migraenosus
Von einem Status migraenosus wird gesprochen, wenn die Migränesymptome länger als 72 Stunden anhalten. Nach Expertenkonsens der Deutschen Gesellschaft für Neurologie (DNG) erfolgt die Therapie durch die einmalige Gabe von 50-100 mg Prednison oder 4-8 mg Dexamethason.
Migräneprophylaxe
Bei häufigen Migräneattacken bzw. Migräneattacken mit ausgeprägten Beschwerden oder anhaltender Aura wird neben Informationsmaßnahmen und einer Verhaltensmodifikation (zum Beispiel Entspannungsverfahren und/oder regelmäßiger aerober Ausdauersport) eine medikamentöse Migräneprophylaxe empfohlen. Die Indikation zu einer medikamentösen Migräneprophylaxe ergibt sich aus besonderem Leidensdruck, Einschränkung der Lebensqualität und dem Risiko eines Medikamentenübergebrauchs. Für zusätzliche Kriterien wird auf die Leitlinie verwiesen. Die Auswahl eines Migräneprophylaktikums sollte sich an der Häufigkeit der Kopfschmerzattacken (episodisch vs. chronisch), Begleiterkrankungen und individuellen Bedürfnissen des Patienten orientieren. Medikamente zur Migräneprophylaxe sind einschleichend zu dosieren. Eine Migräneprophylaxe gilt als erfolgreich, wenn sich die Migränetage um ≥ 50 Prozent verringern.
Bisher etablierte medikamentöse Prophylaktika
Am besten durch kontrollierte Studien belegt ist die prophylaktische Wirkung der Betablocker Propranolol und Metoprolol, des Kalziumantagonisten Flunarizin, der Antikonvulsiva Valproinsäure und Topiramat sowie des trizyklischen Antidepressivums Amitriptylin.
Cave: Valproinsäure kann nur im Rahmen eines genehmigten „off label use“ verschrieben werden. Derzeit (Stand März 2022) hat aber kein Hersteller diesem Verfahren zugestimmt. Zudem darf Valproinsäure wegen ihrer teratogenen Eigenschaften bei Frauen im gebärfähigen Alter nur nach schriftlicher Aufklärung über eine sichere Verhütung verordnet werden.
Eine Meta-Analyse von 121 placebokontrollierten Studien ergab eine Wirksamkeit in mindestens drei Studien für Amitriptylin, Flunarizin, Propranolol, Topiramat und Valproinsäure. In mindestens zwei Studien waren drei ACE-Hemmer (Enalapril, Lisinopril, Captopril), zwei Angiotensinrezeptorblocker (Candesartan, Telmisartan), zwei Antikonvulsiva (Lamotrigin, Levetiracetam) und die Betablocker Atenolol, Bisoprolol und Timolol wirksam.
In der Prophylaxe der chronischen Migräne mit oder ohne Übergebrauch von Schmerz- oder Migränemitteln wurden Topiramat und Onabotulinumtoxin A eine Wirksamkeit bescheinigt.
CGRP-abhängige Medikamente
In den letzten Jahren haben CGRP-Inhibitoren die Migränebehandlung revolutioniert. Diese Medikamente zielen auf das Calcitonin Gene-Related Peptide (CGRP) ab, ein Molekül, das eine Schlüsselrolle bei der Entstehung von Migräneattacken spielt. Es gibt zwei Haupttypen von CGRP-Inhibitoren: monoklonale Antikörper (mAbs) und Gepante.
CGRP-Antikörper
Im Juli 2018 hat Erenumab (Aimovig) als erster monoklonaler Antikörper (monoclonal antibodies = MOAB oder mAbs) die EU-Zulassung zur Migräneprophylaxe erhalten. Im November 2018 folgte Galcanezumab (Emgality), im März 2019 Fremanezumab (Ajovy). Seit Januar besitzt Eptinezumab (Vyepti) als vierter Antikörper zur Migräneprophylaxe die Zulassung in der EU. Anders als die drei bisher zugelassenen s.c.-Präparate muss Vyepti intravenös verabreicht werden.
Erenumab ist der einzige vollhumane MOAB und zudem als einziger gegen den CGRP-Rezeptor gerichtet. Galcanezumab, Fremanezumab und Eptinezumab richten sich gegen den Liganden CGRP selbst. Alle mAbs sind zur Migräneprophylaxe bei erwachsenen Patienten mit mehr als vier Migränetagen pro Monat (MMT) geeignet. Als sogenannte „large molecules“ von um die 150 kDa können sie eine intakte Blut-Hirn-Schranke faktisch nicht überwinden. Daher gelten die Therapieeffekte als hauptsächlich peripher vermittelt.
Die CGRP(Rezeptor)Antikörper konnten in jeder Zulassungsstudie überzeugen und gegenüber Placebo die monatlichen Kopfschmerztage signifikant reduzieren. Ebenso kam es bei Patienten, die zugleich die Kriterien für einen Kopfschmerz bei Medikamentenübergebrauch erfüllten, sowie bei Patienten mit therapierefraktärer Migräne zu einer signifikanten Abnahme der monatlichen Kopfschmerztage.
Die Anwendung der ersten drei in der EU zugelassenen Antikörper ist ähnlich. Das Dosierungsintervall beträgt in der Regel 28 Tage bzw. einen Monat. Fremanezumab kann auch als 3‑fache Injektion für drei Monate mit vergleichbarer Wirksamkeit verabreicht werden. Bei Galcanezumab wird zu Beginn der Behandlung eine doppelte Dosis mit 240 mg gegeben (loading dose), danach Einfachdosen von 120 mg. Bei Erenumab kann zwischen 70 und 140 mg gewählt werden, wobei die Wirksamkeit von 140 mg …
Gepante: Orale CGRP-Rezeptorantagonisten
Mit Atogepant (Aquipta®) steht Migränepatienten seit dem 1. März 2025 ein weiterer CGRP-Rezeptorantagonist zur oralen Einnahme in Deutschland zur Verfügung. Atogepant (Aquipta®) ist ein small molecule und bindet als Antagonist an den Rezeptor des Calcitonin Gene-Related Peptides (CGRP), das eine zentrale Rolle in der Pathophysiologie der Migräne-Erkrankung spielt. Die EU-Kommission hatte Atogepant im Sommer 2023 zur Migräneprophylaxe für erwachsene Patienten mit vier oder mehr Migränetagen pro Monat zugelassen.
Atogepant ist in den Darreichungsformen 10 mg und 60 mg erhältlich. Die empfohlene Dosierung beträgt dabei eine Tablette mit 60 mg Atogepant täglich, die unabhängig von den Mahlzeiten eingenommen werden kann. Die Tabletten sind dabei im Ganzen zu schlucken und dürfen nicht geteilt, zerdrückt oder zerkaut werden.
Bei Patienten, die einen starken CYP3A4-Inhibitor (z. B. Ketoconazol, Itraconazol, Clarithromycin, Ritonavir) oder einen Inhibitor des Organic Anion Transporting Polypeptide (OATP) (z. B. Rifampicin, Ciclosporin oder Ritonavir) einnehmen, wird die 10-mg-Dosierung eingesetzt. Bei Patienten mit schwerer oder terminaler Niereninsuffizienz beträgt die empfohlene Dosis ebenfalls 10 mg einmal täglich. Atogepant sollte nicht bei Patienten mit schwerer Leberinsuffizienz zum Einsatz kommen. Indiziert ist das Arzneimittel nur bei Erwachsenen, denn zur Sicherheit und Wirksamkeit von Atogepant bei Kindern und Jugendlichen liegen keine Daten vor. Ebenso nicht empfohlen wird die Anwendung von Atogepant während der Schwangerschaft und bei Frauen im gebärfähigen Alter, die nicht verhüten. Zudem kann nicht ausgeschlossen werden, dass Atogepant in die Muttermilch übergeht und ein Risiko für das Neugeborene bestehen könnte. Atogepant sollte daher nicht angewendet werden, wenn Patientinnen stillen oder beabsichtigen zu stillen.
Gepante blockieren reversibel den Rezeptor des Neuropeptids Calcitonin gene-related peptide (CGRP), das maßgeblich an der Entstehung eines Migräneanfalls beteiligt ist. Der Begriff Gepant ist eine Kurzform von Calcitonin-Gene-Related-Peptide-Rezeptorantagonist. In der Europäischen Union (EU) ist neben Aquipta noch das Gepant Vydura (Rimegepant) von Pfizer zugelassen, bislang aber in Deutschland nicht verfügbar.
Aquipta ist zugelassen zur Migräneprophylaxe bei erwachsenen Patientinnen und Patienten mit 4 oder mehr Migränetagen pro Monat. Es kann laut Hersteller sowohl bei episodischer als auch bei chronischer Migräne verschrieben werden. Betroffene nehmen das Präparat einmal täglich als Tablette ein.
Die Europäische Arzneimittelagentur (EMA) verweist vornehmlich auf 2 größere Studien, denenzufolge Aquipta die Anzahl der Tage, an denen Patienten unter Migräne leiden, reduziert. So habe in einer Studie mit 882 Betroffenen (mindestens 4 Migräneanfälle pro Monat) eine 12-wöchige Behandlung mit Aquipta die Zahl der Migränetage pro Monat von durchschnittlich 8 auf 3 bis 4 gesenkt. In der Placebogruppe verringerte sich die Zahl der Migränetage immerhin noch auf 5. Die meisten Nebenwirkungen seien leicht oder mäßig ausgeprägt, so die EMA.
Die Reduktion der Migränetage durch Aquipta habe sich in den Studien zur episodischen und chronischen Migräne ähnlich wie bei den CGRP/CGRP-Rezeptor-Antikörpern bereits nach 4 Wochen gezeigt, sagte Christian Geber, Mitglied des Präsidiums der Deutschen Schmerzgesellschaft, auf Anfrage des Deutschen Ärzteblattes. Die Wirkung sei somit im Vergleich zu unspezifischen Migräneprophylaktika schneller eingetreten. Aquipta sei dabei auch bei Versagen von bis zu 4 Vortherapien wirksam gewesen. Die Deutsche Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) erwartet im Vergleich zu klassischen unspezifischen Migräneprophylaxen wie Amitriptylin, Betablockern, Flunarizin oder Topiramat bei Aquipta eine bessere Verträglichkeit und damit bessere Therapieadhärenz.
Die DMKG setzt aus wirtschaftlichen Gründen für eine Verordnung von Aquipta Therapieversagen oder Kontraindikationen für klassische unspezifische Migräneprophylaxen voraus. Ein Wechsel von anderen Prophylaxepräparaten zu Aquipta sei dann sinnvoll, „wenn keine zufriedenstellende Reduktion der monatlichen Migränetage durch eine Migräneprophylaxe erreicht wird und sollte in jedem Fall bei gesundheitseinschränkenden Nebenwirkungen erfolgen“, teilte die DMKG dem Ärzteblatt mit.
Ubrogepant und die Prodromalphase
Eine Nachauswertung einer Studie, deren Ergebnisse im Mai 2025 im Fachmagazin Nature Medicine veröffentlicht wurde, deutet darauf hin, dass eines der neuen Medikamente, Ubrogepant, nicht nur gegen die Kopfschmerzen wirken könnte, sondern auch schon gegen vorhergehende Symptome der Migräne.
Viele Menschen erleben bis zu zwei Tage vor Auftreten der Migräne-Kopfschmerzen - in der sogenannten Prodromalphase - Symptome wie Müdigkeit, erhöhte Empfindlichkeit für Licht und Geräusche, Nackenschmerzen und Konzentrationsschwierigkeiten. Auch eine sogenannte Aura kann auftreten, bei der Menschen Seh- und Sprechstörungen erleben.
Bislang fehlt gegen die Vorboten der Migräne eine Therapie. Prof. Dr. Holle-Lee weist darauf hin, dass die vorliegende Analyse keine Studie war, die sich gezielt mit dieser Fragestellung befasst hat. „Dennoch liefern die vorliegenden Daten erste Hinweise darauf, dass Ubrogepant in der Vorphase der Migräne wirksam sein könnte“, sagt Holle-Lee dem Science Media Center. „Besonders interessant wäre der Einsatz bereits in der Prodromalphase, da dies eine Therapieerweiterung darstellen würde, die bislang nicht zur Verfügung steht“.
Prof. Dr. Hartmut Göbel, Chefarzt der Schmerzklinik Kiel, sieht sogar einen möglichen „Paradigmenwechsel“: „Diese Erkenntnisse eröffnen eine neue therapeutische Perspektive: die gezielte pharmakologische Intervention in einem sehr frühen Stadium der Migräne - möglicherweise noch vor Beginn des Schmerzes.“ Allerdings ist das Arzneimittel in der EU noch nicht zugelassen.
Nebenwirkungen von Gepanten
In der Zulassungsstudie waren die häufigsten Nebenwirkungen bei der Anwendung von Gepanten Übelkeit und Verstopfung. „Einige Studienpatienten berichteten auch von Müdigkeit. Und tendenziell kommt es unter der Medikation eher zu einem Gewichtsverlust“, berichtet Prof. Holle-Lee, die selbst an einer Studie über Gepante beteiligt war. Die meisten Menschen haben aber kaum oder keine Nebenwirkungen.
Welche therapeutische Rolle die Gepante künftig hierzulande spielen werden, ist aus mehreren Gründen noch unklar. Zunächst einmal sind nicht alle Medikamente der Wirkstoffklasse in Deutschland erhältlich. Ubrogepant ist derzeit nicht in Europa zugelassen und laut Fachleuten ist unklar, ob und wann sich das ändern könnte. In Europa zugelassen sind Atogepant und Rimegepant. Atogepant soll dazu dienen, Migräneattacken bei Erwachsenen vorzubeugen und muss dafür täglich eingenommen werden. Rimegepant ist zur akuten Behandlung und zur Prophylaxe episodischer Migräne zugelassen, wird aber voraussichtlich erst im Sommer 2025 in Deutschland verfügbar sein.
Die Rolle von Lebensstiländerungen und nicht-medikamentösen Therapien
Neben medikamentösen Behandlungen spielen Lebensstiländerungen und nicht-medikamentöse Therapien eine wichtige Rolle bei der Migräneprophylaxe. Dazu gehören:
- Regelmäßiger aerober Ausdauersport
- Entspannungsverfahren (z.B. progressive Muskelentspannung, autogenes Training)
- Vermeidung von Migräne-Auslösern (z.B. bestimmte Nahrungsmittel, Stress, Schlafmangel)
- Akupunktur
Die Bedeutung der neurologischen Betreuung
Die Deutsche Hirnstiftung weist auf Möglichkeiten der Vorbeugung hin. „Bei einem Patienten ist es grelles Licht, bei einer anderen Patientin Lärm. Auch Übermüdung und Stress spielt eine Rolle. „Viele Menschen nehmen unbedacht derartige ‚Magenschutz-Medikamente‘ ein, zum Teil auch dauerhaft oder prophylaktisch, insbesondere, wenn bei Kopfschmerzen häufig nicht spezifische Schmerzmittel benötigt werden“, erklärt DGN-Generalsekretär Prof. Dr. „Dieses Problem haben Triptane nicht.
Prof. Dr. med. unterschätzt, dass die Migräne eine neurologische Krankheit ist, bei der eine neurologische Betreuung angeraten ist. „Hinzu kommt das Risiko eines Medikamenten-Übergebrauchskopfschmerzes. „Das Risiko besteht grundsätzlich auch bei Triptanen.
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