Migräne: Eine weltweite Analyse von Prävalenz und Versorgungsdefiziten

Migräne ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen weltweit und stellt eine erhebliche Belastung für die Betroffenen und die Gesellschaft dar. Die Prävalenz, Symptome, Ursachen und Behandlungsmöglichkeiten von Migräne sind vielfältig und komplex. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die weltweite Prävalenz von Migräne, die damit verbundenen Herausforderungen und die Notwendigkeit einer verbesserten Versorgung.

Die Bedeutung der Kopfschmerzdiagnostik in der Hausarztpraxis

Hausarztpraxen spielen eine zentrale Rolle in der Erstversorgung von Patienten mit Kopfschmerzen. Eine Umfrage der Deutschen Migräne- und Kopfschmerzgesellschaft (DMKG) zeigt jedoch, dass Kopfschmerzen häufiger diagnostiziert werden als Migräne, obwohl Migräne weiter verbreitet ist. Dies deutet darauf hin, dass Migräne in vielen Fällen nicht erkannt wird und möglicherweise mit anderen Kopfschmerzarten, wie zervikogenen Kopfschmerzen, verwechselt wird.

In Deutschland sind etwa 20 % der Frauen und 8 % der Männer von Migräne betroffen. Die Ergebnisse der Umfrage unter Hausärzten zeigen, dass 69 % häufig zervikogenen Kopfschmerz diagnostizieren und ihre Patienten daher am zweithäufigsten zu Orthopäden schicken. Dieser Befund steht im Widerspruch zur epidemiologischen Datenlage, da Migräne deutlich häufiger auftritt als zervikogener Kopfschmerz.

Globale Prävalenz von Kopfschmerzen und Migräne

Eine Studie des norwegischen Forscherteams um Dr. Lars Jacob Stovner analysierte 357 Einzelpublikationen und schätzte die globale Migräneprävalenz auf 14,0 Prozent. Die Prävalenz von Spannungskopfschmerzen wurde auf 26,0 Prozent geschätzt und die Prävalenz häufig wiederkehrender Kopfschmerzen (> 15 Tage pro Monat) auf 4,6 Prozent. Die geschätzte globale Kopfschmerzprävalenz lag bei 52 Prozent. Die Ergebnisse der Studie deuten darauf hin, dass die Migräneprävalenz weltweit über die Jahre angestiegen ist.

Kopfschmerzen sind ein globales Phänomen und nicht nur in Deutschland weit verbreitet. Studien zeigen, dass in Asien im Mittel 58,6 Prozent der Befragten und in Nordamerika 53,5 Prozent unter Kopfschmerzen leiden.

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Unterschiede in der Prävalenz nach Geschlecht, Alter und Region

Frauen sind häufiger von Migräne betroffen als Männer. Eine Auswertung des BARMER Instituts für Gesundheitssystemforschung (bifg) ergab, dass im Jahr 2022 in Deutschland rund 55 Frauen je 1.000 Einwohnerinnen und 16 Männer je 1.000 Einwohner eine Migräne-Diagnose erhielten. Migräne tritt vor allem im mittleren Alter von 40 bis 59 Jahren auf.

Die BARMER-Auswertung zeigt auch regionale Unterschiede in der Häufigkeit von Migräne. Thüringen, Mecklenburg-Vorpommern und Sachsen-Anhalt weisen die höchsten Migräne-Raten auf, während der Altmarkkreis Salzwedel in Sachsen-Anhalt und Eichstätt in Bayern die niedrigsten Raten aufweisen. Diese regionalen Unterschiede sind medizinisch nicht vollständig erklärbar und könnten auf unterschiedliche Altersstrukturen oder Versorgungsmuster zurückzuführen sein.

Wirtschaftliche Auswirkungen von Migräne

Migräne ist weltweit bei Berufstätigen unter 50 Jahren die führende Ursache für Arbeitsausfälle und Krankschreibungen, was zu erheblichen wirtschaftlichen Schäden führt. Am häufigsten betroffen sind 25- bis 35-Jährige. Trotz des zunehmenden Wissens über die Krankheit und deren Therapie ist das Bewusstsein dafür beziehungsweise das Management sowohl im Gesundheitswesen als auch in der Politik unzulänglich.

Symptome, Ursachen und Auslöser von Migräne

Migräneanfälle sind in der Regel gekennzeichnet durch pochenden, stechenden Schmerz auf einer Kopfseite. Begleitsymptome wie Lärm- und Lichtempfindlichkeit, Appetitlosigkeit, Übelkeit und Erbrechen können auftreten. Die genauen Ursachen der Krankheit sind nicht vollständig geklärt. Neben genetischer Veranlagung können bestimmte chemische Entzündungsprozesse eine Migräneattacke auslösen. Wetterumschwünge, Stress, hormonelle Schwankungen während der Menstruation, unregelmäßiger Schlaf, aber auch Geruchs- und Lärmbelästigungen können ebenfalls individuelle Auslöser einer Migräneattacke sein.

Herausforderungen in der Diagnose und Behandlung von Migräne

Viele Patienten mit Migräne werden nicht diagnostiziert oder erhalten eine Fehldiagnose. Eine Umfrage der DMKG ergab, dass Ärzte sehr häufig zervikogenen Kopfschmerz diagnostizieren, obwohl Migräne deutlich häufiger auftritt. Dies deutet darauf hin, dass Migräne-Kopfschmerzen bei vielen Patienten nicht erkannt werden.

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Ein weiteres Problem ist die Unterversorgung von Migränepatienten. Viele Betroffene suchen nicht oder erst spät ärztliche Hilfe. Die DMKG hat die Kampagne "Attacke gemeinsam gegen Kopfschmerzen" gestartet, um auf die bestehende Unterversorgung aufmerksam zu machen und zu betonen, dass jeder Kopfschmerz individuell behandelt werden muss.

Verbesserungsansätze in der Versorgung von Migränepatienten

Eine verbesserte Versorgung von Migränepatienten erfordert gemeinsame Bemühungen der Gesundheitsdienstleister. Integrierte koordinierte Versorgungssysteme, in denen sowohl Hausärzte als auch Spezialisten komplementär zusammenarbeiten, sind notwendig, um eine optimale Versorgung zu gewährleisten. Für Patienten mit Therapieresistenz, atypischen Verläufen oder bestimmten Komorbiditäten ist die Zusammenarbeit beziehungsweise Überweisungsmöglichkeit flächendeckend sicherzustellen.

Hausärzte sind die ersten Ansprechpartner bei Kopfschmerzen und sollten daher in der Diagnose und Behandlung von Migräne geschult werden. Die DMKG bietet ein aktuelles Curriculum zur Fortbildung von Hausärzten an.

Für Patienten mit Migräne ist es wichtig, einen Kopfschmerzkalender zu führen, um die Häufigkeit, Dauer und Intensität der Kopfschmerzen zu dokumentieren. Die DMKG-App für Android und iOS kann kostenlos heruntergeladen werden und unterstützt Patienten bei der Dokumentation ihrer Kopfschmerzen.

Therapieoptionen für Migräne

Die Behandlung von Migräne umfasst sowohl die Akuttherapie von Migräneattacken als auch die Prophylaxe zur Reduktion der Anfallshäufigkeit.

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Zur Akuttherapie werden in der Regel Schmerzmittel, vorzugsweise in Kombination mit einem Mittel gegen Übelkeit und Erbrechen, eingesetzt. Bei häufigen Attacken (> 3-mal pro Monat) kann eine vorbeugende Behandlung mit Medikamenten erforderlich sein. Häufig verwendete Substanzen zur Migräneprophylaxe sind Betarezeptorenblocker und Substanzen, die auch zur Behandlung von Epilepsie oder Depressionen eingesetzt werden. Neu entwickelte Migräne-spezifische Prophylaktika richten sich gegen die Effekte des Botenstoffs CGRP.

Neben der medikamentösen Therapie können auch nicht-medikamentöse Maßnahmen wie Entspannungstraining, progressive Muskelentspannung nach Jacobson und Ausdauersport zur Vorbeugung von Migräne beitragen.

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