Migräne ist mehr als nur Kopfschmerz. Sie ist eine neurologische Erkrankung, die sich durch vielfältige Symptome äußert und den ganzen Körper betrifft. Im Gegensatz zu Spannungskopfschmerzen, bei denen hauptsächlich der Kopf schmerzt, kann eine Migräne Betroffene stark einschränken.
Symptome der Migräne
Die Symptome einer Migräne sind vielfältig und können von Person zu Person variieren. Typische Symptome sind:
- Kopfschmerzen: Der Kopfschmerz ist meist mittelschwer bis schwer, oft halbseitig lokalisiert und wird als pulsierend, hämmernd oder pochend beschrieben. Geringe körperliche Aktivität kann die Schmerzen verschlimmern. In den meisten Fällen beginnt der Schmerz im Nacken und wandert von dort über die Schläfen bis zu den Augen.
- Übelkeit und Erbrechen: Fast alle Migräniker berichten von Übelkeit, die oft schon vor der eigentlichen Attacke beginnt. Viele Betroffene übergeben sich auch. Hinzu kommt oft völlige Appetitlosigkeit.
- Hypersensibilität: Viele Migräniker reagieren empfindlich auf Licht (Photophobie), Geräusche (Phonophobie) und Gerüche (Osmophobie). Daraus resultiert oft das Bedürfnis, sich in einen dunklen, stillen Raum zurückzuziehen.
Die Aura: Ein Warnsignal
Etwa 10 bis 15 % der Migräniker erleben eine Aura, die sich durch neurologische Symptome äußert und die Migräneattacke ankündigt. Obwohl es Migränekranken nicht immer klar ist, läuft eine Migräne mit Aura meist in fünf Phasen ab:
- Prodromalphase: Stunden oder Tage vor der Attacke treten Müdigkeit und manchmal Blässe ein. Gepaart sind diese Symptome teils mit Heißhunger, Übelkeit und Konzentrationsstörungen. Etwa 30 % der Menschen mit Migräne ohne Aura beschreiben dieses Phänomen. Mögliche Symptome, die auf eine bevorstehende Migräneattacke hindeuten, sind Stimmungsschwankungen, häufiges Gähnen, Heißhunger oder Appetitlosigkeit, extremer Durst sowie Verdauungsprobleme.
- Auraphase: Kurz vor Beginn der Kopfschmerzen kommen die bewusst wahrgenommenen Aura-Symptome hinzu: Sehstörungen (meist in Form eines Flimmerns, verschwommenen Sehens, Lichtblitzen, Zickzacklinien oder Gesichtsfeldeinschränkungen), Missempfindungen wie Kribbeln oder Taubheit in Armen und Beinen, seltener Sprachstörungen. Die Auraphase dauert, je nach Auratyp, zwischen 5 Minuten und 72 Stunden an. Die meisten Betroffenen erleben während dieser Zeit visuelle, neurologische oder motorische Störungen, die nach der Auraphase wieder verschwinden, bspw. Störungen im Gesichtsfeld.
- Kopfschmerzphase: Die Kopfschmerzphase ist der Teil der Migräneattacke, die auch Betroffene ohne Aura durchleiden. In der Migränephase erleiden die Patientinnen und Patienten die für eine Migräne typischen einseitigen oder beidseitigen Kopfschmerzen, die mittelstark oder stark pochen und pulsieren. Zusätzlich können Übelkeit und Erbrechen sowie eine Überempfindlichkeit auftreten. Manche Menschen erleben nur eine Auraphase ohne Kopfschmerzen, andere nur leichte Kopfschmerzen. Doch in den meisten Fällen fallen diese derart stark aus, dass diese den Alltag der Betroffenen stark einschränkt oder diese ihrem Alltag gar nicht mehr nachgehen können.
- Auflösungsphase: Nach den Kopfschmerzen folgt die Auflösungsphase, in der sich oft Symptome zeigen, die der Anfangsphase konträr gegenüberstehen. Während die Kopfschmerzen abnehmen, setzt beispielsweise völlige Appetitlosigkeit ein. In dieser Phase lassen die Symptome zunehmend nach.
- Erholungsphase: Zuletzt kommt die Erholungsphase, in der keine Symptome mehr vorhanden sind, die Betroffenen aber brauchen, um sich von der Erschöpfung der Attacke zu regenerieren. Die letzte Phase ähnelt der Prodromalphase. Die Betroffenen fühlen sich angeschlagen und benötigen Zeit, um sich vollständig von ihrer Migräne mit Aura zu erholen.
Die Aura äußert sich durch neurologische Störungen, die zwischen 5 und 60 Minuten andauern können. Hierbei handelt es sich in den meisten Fällen um Sehstörungen, etwa Flimmern oder Lichtblitzen.
Augenmigräne
Ähnliche Symptome zu der persistierenden Migräne Aura ohne Hirninfarkt zeigt die Augenmigräne.
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Sonderformen der Migräne
Es gibt verschiedene Sonderformen der Migräne, die sich durch besondere Symptome oder Verläufe auszeichnen:
- Migräne mit Hirnstammaura (früher Basilarismigräne): Diese Art der Migräneaura geht mit motorischen Störungen einher, die innerhalb von 72 Stunden verschwinden. Hierzu gehört beispielsweise eine halbseitige Lähmung oder visuelle und sprachliche Störungen.
- Retinale Migräne: Das Wort „Retina“ bedeutet Netzhaut.
- Chronische Migräne: Die chronische Migräne setzt voraus, dass ein Patient oder eine Patientin seit mehr als 3 Monaten an mindestens 15 Tagen im Monat unter Kopfschmerzen leidet. Von einem chronischen Verlauf spricht man, wenn über mindestens 3 Monate mindestens 15 Kopfschmerztage pro Monat auftreten. Chronische Verläufe treten bei etwa 2 % der Bevölkerung auf.
- Status migränosus: Der Status migränosus ist eine schwerwiegende Komplikation, bei der eine Migräne-Attacke drei Tage und darüber hinaus anhält.5 Bei dieser Sonderform der Migräne leiden die Betroffenen besonders stark. Ärzte konnten bisher drei verschiedene Typen des Status migränosus ausmachen: Medikamenteninduziert, Menstruationsassoziiert und Therapieresistent.
- Migralepsie: Bei der Migralepsie kommen zwei Krankheiten zusammen, die eng miteinander verwandt zu sein scheinen: Migräne und Epilepsie. Die Migralepsie ist selten. Dabei kommt es innerhalb einer Stunde nach einer Migräne mit Aura zu einem epileptischen Anfall.
- Migränöser Infarkt: In seltenen Fällen entwickelt sich aus der Auraphase einer Migräne ein Schlaganfall: Ärzte sprechen von einem migränösen Infarkt.
- Persistierende Migräne-Aura ohne Hirninfarkt: Diese Migräne-Sonderform kommt ebenfalls selten vor und überschneidet sich teilweise mit einem migränösen Infarkt. Denn auch hier hält der Aura-Zustand länger als normal an (fachsprachlich „persistierend“). Allerdings kommt es nicht zu einem Hirninfarkt.
- Alice-im-Wunderland-Syndrom: Das Alice-im-Wunderland-Syndrom tritt vornehmlich bei Kindern und Jugendlichen während einer Migräne auf, in den meisten Fällen zusätzlich zu einer bestehenden Aura. Bei diesem Syndrom handelt es sich um Wahrnehmungsstörungen des Gehirns, bei denen der eigene Körper ganz klein oder riesengroß im Raum wahrgenommen werden kann. Zusätzlich können Halluzinationen und ein Orientierungsverlust der betroffenen Person auftreten.
Dauer und Häufigkeit
Die Einteilung in verschiedene Phasen gibt auch Aufschluss darüber, wie lange Migräne anhält. Während die ersten Vorbotensymptome bereits Tage vor der Attacke auftreten können, dauert die bewusste Aura der Migräne mit Symptomen an den Augen etwa fünf bis 30 Minuten, in Ausnahmefällen bis zu einer Stunde. Die Migräne-Dauer, also die alles entscheidende Schmerzphase, kann deutlich länger sein und variiert stark. Ohne Behandlung halten die heftigen Kopfschmerzen für mindestens vier Stunden an und können sogar für bis zu drei Tage andauern. Da Migräniker in dieser Zeit meist nicht am Alltag teilnehmen können, stellt die Erkrankung eine große Einschränkung für das Leben Betroffener dar. Auch die folgenden zwei Tage können noch an die Migräne „verloren gehen“ - denn so lange dauert mitunter die Erholungsphase der Erkrankten. Die Dauer eines Migräneanfalls liegt also insgesamt bei maximal einer Woche - wobei nur drei Tage davon mit Schmerzen einhergehen.
Wie oft im Monat Migräne auftritt, ist von Person zu Person verschieden, eine tatsächliche Dauer-Migräne gibt es aber nicht. In vereinzelten Fällen kann die Erkrankung allerdings chronisch werden - die Erkrankten haben dann für mindestens zwei Wochen pro Monat Schmerzen, und zwar über mehrere Monate hinweg.
Ursachen und Auslöser
Die genauen Ursachen der Migräne sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird jedoch angenommen, dass eine Kombination aus genetischen, neurologischen und umweltbedingten Faktoren eine Rolle spielt.
Genetische Faktoren
Etwa zwei Drittel der Migränepatienten haben weitere betroffene Familienmitglieder, wobei die Genetik bei der Migräne mit Aura eine größere Rolle zu spielen scheint als bei der Migräne ohne Aura. Das Risiko, an Migräne zu erkranken, ist erhöht, wenn Verwandte ebenfalls betroffen sind. Forschende konnten bereits Genvarianten ausmachen, die zu einem erhöhten Risiko führen.
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Biochemische und neurologische Faktoren
Eine komplexe Wechselwirkung zwischen neurochemischen Gehirnprozessen, einer gesteigerten neuronalen Erregbarkeit und einer Dysregulation der Neurotransmitter könnten als Ursache für ein erhöhtes Risiko einer Migräne mit oder ohne Aura verantwortlich zeichnen. Auch Östrogen kann zu einer Migräneattacke führen. Mit diesem Hormon lässt sich auch die deutlich höhere Erkrankungsrate bei weiblichen Personen erklären.
Umweltbedingte Faktoren (Trigger)
Es gibt bestimmte innere und äußere Einflussfaktoren, die eine Migräne-Attacke begünstigen können. Viele Migränepatienten wissen mit der Zeit, auf welche Dinge oder Situationen bei ihnen eine Attacke folgt. Solch mögliche Auslöser, auch Trigger genannt, sind:
- Stress
- Entspannungsphasen nach Stresssituationen
- Schlafmangel oder veränderter Schlaf-Wach-Rhythmus
- Körperliche Anstrengung
- Nackenschmerzen
- Hormonelle Veränderungen
- Auslassen von Mahlzeiten
- Bestimmte Lebensmittel (z.B. Käse, Alkohol, Kaffee, Schokolade)
- Wetterumschwünge und Klimawechsel
- Düfte und Gerüche (z.B. Parfüm, Zigarettenrauch)
- Licht (z.B. Blendende Scheinwerfer, Helles oder flackerndes Licht, Neonlicht)
Diagnose
Bei Verdacht auf eine Migräne sollte ein Arzt aufgesucht werden. Die Diagnose wird in der Regel anhand der typischen Beschwerdeschilderung und einer körperlichen Untersuchung gestellt. In manchen Fällen können weitere Untersuchungen wie eine Computertomografie (CT) oder eine Magnetresonanztomografie (MRT) erforderlich sein, um andere Ursachen für die Kopfschmerzen auszuschließen.
Behandlung
Leider ist Migräne nicht heilbar, aber die Symptome lassen sich gut behandeln. Die Behandlung zielt darauf ab, die Schmerzen zu lindern und die Häufigkeit der Attacken zu reduzieren.
Akutbehandlung
Zur Akutbehandlung von Migräneattacken stehen verschiedene Medikamente zur Verfügung:
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- Schmerzmittel: Bei leichten bis mittelschweren Attacken können Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure (ASS), Paracetamol oder Ibuprofen helfen.
- Koffein: Präparate, die neben schmerzstillenden Wirkstoffen auch Koffein enthalten, können die Wirkung der Schmerzmittel verstärken.
- Triptane: Bei schweren Attacken, bei denen Schmerzmittel nicht ausreichend wirken, können Triptane eingesetzt werden. Diese Medikamente wirken als Akutbehandlung der Kopfschmerzen bei Migräneanfällen schmerzlindernd und können, wenn nötig, mit anderen Arzneimitteln zusammen eingenommen werden. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass sie an höchstens zehn Tagen im Monat eingenommen werden dürfen, da sie sonst Kopfschmerzen durch Schmerzmittel-Übergebrauch verursachen können.
- Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen: Da Migräniker oft unter Übelkeit leiden, können auch Medikamente gegen Übelkeit und Erbrechen zum Einsatz kommen.
Vorbeugung (Prophylaxe)
Wenn Migräneattacken häufig auftreten, kann eine vorbeugende Behandlung sinnvoll sein. Ziel der Prophylaxe ist es, die Häufigkeit, Dauer und Intensität der Attacken zu reduzieren. Folgende Maßnahmen können helfen:
- Regelmäßiger Schlafrhythmus: Auf einen regelmäßigen Schlafrhythmus achten
- Stressmanagement: Stress, Alkohol und Flüssigkeitsmangel möglichst vermeiden
- Regelmäßige Mahlzeiten: Regelmäßig essen
- Vermeidung von schnellen Wechseln von An- zu Entspannung: Auf schnelle Wechsel von An- zu Entspannung verzichten
- Bewusste Pausen: Bewusste Pausen einplanen
- Medikamentöse Prophylaxe: Insbesondere bei chronischen Beschwerden mit mehr als drei Migräneanfällen pro Monat ist es auch möglich, präventive Medikamente einzunehmen. Häufig angewendete Mittel sind hierbei Betablocker oder bestimmte Antidepressiva. Eine solche medikamentöse Vorbeugung müssen Sie unbedingt bei einem Besuch in einer ärztlichen Praxis besprechen und begleiten lassen. Ebenfalls gut zu wissen: Die Prophylaxe wirkt nur bei regelmäßiger Einnahme und braucht etwa zwei Monate, bis sie anschlägt.
- Alternative Therapieverfahren: Einige pflanzliche Präparate (Phytotherapeutika wie Mutterkraut, Pestwurz), aber auch ein homöopathisches Komplex-Medikament sind bezüglich ihrer kopfschmerzprophylaktischen Wirkung in Studien untersucht worden und konnten ihre Wirkung belegen. Magnesium, Coenzym Q10 und Vitamin B2 (Riboflavin) spielen eine Rolle in der Energiebereitstellung der Zelle (mitochondrialer Stoffwechsel). Auch für diese Substanzen konnte die migräneprophylaktische Wirkung in Studien gezeigt werden.
Was tun bei einer akuten Migräneattacke?
Manchmal ist es trotz gesundem Lebensstil und vorbeugenden Maßnahmen zu spät und der Anfall ist da. Diese Tipps sind häufig eine Hilfe bei Migräne:
- Ruhe und Dunkelheit: Migränebetroffene leiden während eines Anfalls oft unter Überempfindlichkeit. Vielen hilft es, sich dann in einen abgedunkelten, stillen Raum zurückzuziehen.
- Kühlung: Wie auch bei anderen Kopfschmerzarten ist ein feuchtes Tuch oder eine kühle Auflage häufig eine akute Hilfe bei Migräne.
- Stimulation des Nervus trigeminus: Mithilfe eines speziellen Geräts, das auf die Stirn geklebt wird, kann der für Schmerz verantwortliche Nerv des Gesichts stimuliert werden, was die Schmerzen lindert.
- Schmerzmedikamente: Die schnellste Linderung von Migränekopfschmerzen ist allerdings durch die gezielte Einnahme von Schmerzmedikamenten zu erreichen.
Leben mit Migräne
Migräne ist eine chronische Erkrankung, die das Leben der Betroffenen stark beeinträchtigen kann. Es ist wichtig, die Erkrankung zu verstehen und Strategien zu entwickeln, um mit den Attacken umzugehen. Dazu gehört, Auslöser zu identifizieren und zu vermeiden, einen gesunden Lebensstil zu pflegen und sich bei Bedarf professionelle Hilfe zu suchen.
Tipps für den Alltag
- Beobachten Sie sich selbst.
- Vermeiden Sie die Auslösefaktoren für Ihre Schmerzattacken.
- Erlernen Sie Methoden der Stressbewältigung.
- Machen Sie Entspannungsübungen. Hier bieten sich viele Praktiken wie zum Beispiel Progressive Muskeltiefenentspannung nach Jacobson, Biofeedback, Autogenes Training, fernöstliche Praktiken wie Qi-Gong und Meditation an.
- Bewegen Sie sich regelmäßig.
- Gönnen Sie sich etwas Gutes wie einen Theater-, Konzert-, Kinobesuch oder lassen Sie sich mit einem Wellness-Tag verwöhnen. Auch ein ausgiebiger Plausch mit der besten Freundin kann Ihnen Freude machen.
- Finden Sie die richtige Einstellung zu Ihrer Migräne.
Unterstützung und Austausch
Der Austausch mit anderen Betroffenen kann eine wertvolle Unterstützung im Umgang mit Migräne sein. Es gibt verschiedene Selbsthilfegruppen und Online-Foren, in denen sich Migräniker austauschen und gegenseitig unterstützen können.