Neuralgien, auch Nervenschmerzen genannt, sind Schmerzen, die durch Reizungen oder Schädigungen von Nerven verursacht werden. Diese Schmerzen können sich sehr unterschiedlich äußern und die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen. In Deutschland leiden Millionen Menschen unter Neuralgien, was die Notwendigkeit einer umfassenden Information über diese Erkrankung unterstreicht.
Was ist eine Neuralgie?
Eine Neuralgie (altgriechisch neuron "Nerv", algos "Schmerz") ist definiert als Schmerz, der durch Reizungen oder Schädigungen im Bereich der Nerven ausgelöst wird. Bei einer Neuralgie ist entweder der Nerv direkt, seine isolierende Umhüllung (Myelinscheide) oder die Blutversorgung des Nervs betroffen. Im Gegensatz zu nozizeptiven Schmerzen, die durch akute Reizung von Schmerzsinneszellen entstehen (z.B. beim Stoßen des Zehs an einer Bettkante), werden Neuralgien durch Schädigungen des Nervensystems verursacht.
Nervenschmerzen werden in der Fachsprache auch als neuropathische Schmerzen bezeichnet. Sie entstehen als direkte Folge einer Schädigung von "Gefühlsfasern" des Nervensystems. Hierbei entstehen die Schmerzimpulse in der Regel nicht mehr im Bereich der Nervenendigungen von Schmerzfasern in den Geweben des Körpers, anders als beim „normalen“ Schmerzerleben.
Ursachen von Neuralgien
Nervenschädigungen können vielfältige Ursachen haben. Entzündungen, Viren, Stoffwechselerkrankungen wie Diabetes mellitus, Operationen oder mechanische Einflüsse können das Nervengewebe schädigen. Auch wenn die Schädigung des Nervs bereits abgeheilt ist, können weiterhin Schmerzen auftreten, da Nervenzellen ein Schmerzgedächtnis bilden können und überempfindlich werden.
Mögliche Auslöser einer Nervenschädigung sind:
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Bandscheibenvorfall: Hierbei drückt eine Bandscheibe auf eine Nervenwurzel, was zu Schmerzen und neurologischen Ausfällen führen kann.
Polyneuropathie: Diese Erkrankung betrifft viele Nerven gleichzeitig, beispielsweise im Rahmen einer Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus). Der dauerhaft erhöhte Blutzuckerspiegel kann die feinen Nervenendigungen schädigen und zu Brennschmerzen in den Füßen führen.
Gürtelrose (Herpes zoster): Die neuropathischen Schmerzen entstehen durch eine Nervenentzündung, die durch das Varizella-Zoster-Virus hervorgerufen wird. Nach einer Windpockeninfektion im Kindesalter kann das Virus in den Nervenwurzeln verbleiben und durch Stress oder ein geschwächtes Immunsystem reaktiviert werden.
Nervenquetschungen oder -durchtrennungen: Diese können im Rahmen von Unfällen oder Operationen auftreten, beispielsweise bei zahnärztlichen Eingriffen.
Engpass-Syndrome: Hierbei werden Nerven zusammengedrückt, wie beispielsweise beim Karpaltunnel-Syndrom am Handgelenk.
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Mechanische, metabolische, toxische oder entzündliche Noxen: Diese können das Nervengewebe zerstören.
Verletzungen im Rückenmark, in Hirnstamm, Thalamus oder der Großhirnrinde: Dies kann zu neuropathischen Schmerzen führen.
Einwirkung von Neurotoxinen (Nervengifte): Neurotoxine können tierische, chemische oder pflanzliche Gifte sein, wie sie zum Beispiel in einem giftigen Pilz oder beim Kugelfisch zu finden sind.
Formen von Neuralgien
Neuralgien werden häufig nach ihrem Ausbreitungsgebiet benannt. Einige Beispiele sind:
- Trigeminusneuralgie: Hier treten im Versorgungsbereich des Nervus trigeminus anfallsartige, heftige Schmerzen im Gesicht auf. Die Symptome der klassischen Trigeminusneuralgie entstehen wahrscheinlich durch elektrische Ladungsübersprünge zwischen einem Blutgefäß, welches eng am Nervus trigeminus anliegt, und dem Nerv selbst. Die Schmerzen können durch Berühren des Gesichts, Lächeln, Kauen, Sprechen, Waschen des Gesichts, Auftragen von Make-up, Rasieren oder Zugluft ausgelöst werden. Unabhängig von Triggerreizen können die stechenden Schmerzen auch spontan auftreten. Sie strahlen meist in eines, selten in mehrere der drei Territorien der Gesichtshälfte aus, die durch die Äste des Nervus trigeminus versorgt werden.
- Ischialgie: Hier entstehen Schmerzen im Versorgungsgebiet des Nervus ischiadicus, die vom Gesäß über die Oberschenkelrückseite in den Unterschenkel bis zum Fuß ausstrahlen können.
- Post-Zoster-Neuralgie: Diese Form der Neuralgie tritt nach einer Gürtelrose auf und verursacht anfallsartige, brennende, stechende oder dumpfe Schmerzen.
- Morton Neurom: Eine schmerzhafte, entzündliche Verdickung eines Mittelfußnerven. Hauptauslöser von chronischen Mittelfußschmerzen (Metatarsalgie) ist das sogenannte Morton Neurom oder die Morton Neuralgie. Das Morton Neurom ist die häufigste Mittelfußerkrankung bei Frauen. Aber auch Männer - vor allem Laufsportler - sind häufig von einer Metatarsalgie betroffen.
- Okzipitalneuralgie: mit stechenden Schmerzen im Hinterkopf.
Symptome von Neuralgien
Die Symptome einer Neuralgie können sehr unterschiedlich sein, je nach betroffenem Nerv und Ursache der Erkrankung. Typische Symptome sind:
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- Anfallsartige, einschießende Schmerzen: Diese Schmerzen werden oft als blitzartig, stechend, elektrisierend oder brennend beschrieben.
- Schmerzen im Versorgungsgebiet eines Nervs: Die Schmerzen breiten sich entlang des betroffenen Nervs aus.
- Erhöhte Schmerzempfindlichkeit: Bereits leichte Berührungen oder Reize können starke Schmerzen auslösen (Allodynie).
- Missempfindungen: Taubheitsgefühle, Kribbeln oder andere ungewöhnliche Empfindungen können auftreten.
- Dauerhafte Schmerzen: Neben den anfallsartigen Schmerzen können auch dauerhafte, brennende Schmerzen vorhanden sein.
- Neurologische Ausfälle: In einigen Fällen können neurologische Ausfälle wie Muskelschwäche oder Lähmungen auftreten.
Diagnose von Neuralgien
Die Diagnose einer Neuralgie basiert in der Regel auf einer ausführlichen Anamnese, einer körperlichen Untersuchung und gegebenenfalls zusätzlichen diagnostischen Maßnahmen.
- Anamnese: Der Arzt erfragt die genaue Schmerzbeschreibung, den Zeitpunkt des Auftretens, die Auslöser und die Begleitsymptome.
- Körperliche Untersuchung: Der Arzt untersucht die betroffenen Körperregionen, um die Schmerzausbreitung und mögliche neurologische Ausfälle festzustellen. Bei der Trigeminusneuralgie werden neurologische Untersuchungen durchgeführt, um Hautempfindlichkeit, Reflexe und Muskelkraft zu messen.
- Neurologische Untersuchung: Hierbei werden Hautempfindlichkeit, Reflexe und Muskelkraft gemessen.
- Schmerzfragebögen und spezielle Tests: Diese können helfen, die Schmerzen genauer zu charakterisieren.
- Bildgebende Verfahren: Computertomografie (CT) oder Magnetresonanztomografie (MRT) können eingesetzt werden, um andere Ursachen für die Schmerzen auszuschließen oder Nervenschädigungen direkt sichtbar zu machen.
Behandlung von Neuralgien
Die Behandlung von Neuralgien richtet sich nach der Ursache, der Art und der Intensität der Schmerzen. Ziel der Behandlung ist es, die Schmerzen zu lindern, die Lebensqualität zu verbessern und die Chronifizierung der Schmerzen zu verhindern.
Medikamentöse Therapie
- Schmerzmittel: Für die effektive und gut verträgliche Schmerzlinderung eignet sich z. B. ein homöopathisches Komplexmittel wie neuroLoges®. Die natürliche Schmerztherapie enthält die einzigartige Dreierkombination aus Koloquinte (Colocynthis), Indianischem Wurmkraut (Spigelia anthelmia) und Gift-Sumach (Rhus toxicodendron).
- Antidepressiva: Bestimmte Antidepressiva können bei neuropathischen Schmerzen schmerzlindernd wirken.
- Antiepileptika: Diese Medikamente können die Erregbarkeit der Nerven mindern und so die Schmerzen reduzieren.
- Opioide: Bei sehr starken Schmerzen können Opioide eingesetzt werden.
- Häufig werden die verschiedenen Medikamente miteinander kombiniert. Ob ein Medikament wirkt oder nicht, lässt sich in der Regel erst nach zwei bis vier Wochen ausreichender Dosierung feststellen. Realistisches Ziel einer medikamentösen Therapie ist es, die Schmerzen um 30 bis 50 Prozent zu reduzieren, so dass Patienten besser schlafen, sozial aktiv sein und arbeiten können. Völlige Schmerzfreiheit kann auch bei einer ausgeklügelten Schmerztherapie fast nie erreicht werden.
- Lokalanästhetika: Zusätzlich können Lokalanästhetika den Teufelskreis vorübergehend unterbrechen.
- Pflaster mit Capsaicin oder Spritzen mit Botulinumtoxin: Diese werden auch zur Therapie von Nervenschmerzen eingesetzt.
Nicht-medikamentöse Verfahren
- Physiotherapie: Bewegung kann Verspannungen lösen, die Muskulatur stärken und Schmerzen lindern. Da körperliche Aktivität positive Emotionen fördert, profitiert auch die Seele. Das wiederum aktiviert die Selbstheilungskräfte und verbessert die Lebensqualität.
- Psychotherapie: Insbesondere bei chronischen Schmerzen kann eine Psychotherapie helfen, den Umgang mit den Schmerzen zu erlernen und die Lebensqualität zu verbessern.
- Transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS): Hierbei werden elektrische Impulse über die Haut auf die Nerven übertragen, um die Schmerzübertragung zu blockieren.
- Nervenblockaden und Infiltrationen: Diese Verfahren können gezielt die Schmerzweiterleitung blockieren.
- Entspannungstechniken: Entspannungstechniken wie progressive Muskelentspannung oder autogenes Training können helfen, Verspannungen zu lösen und die Schmerzen zu reduzieren.
- Alternative Therapien: Akupunktur kann bei einigen Patienten Linderung der neuropathischen Schmerzen bewirken.
Operative Verfahren
In einigen Fällen, insbesondere bei der Trigeminusneuralgie, kann eine Operation zur Entlastung des betroffenen Nervs erforderlich sein.
- Dekompression des Nervs: Hierbei wird der Nerv von Druck befreit, beispielsweise durch Entfernung eines Blutgefäßes, das auf den Nerv drückt.
- Nervenentfernung: In seltenen Fällen kann die Entfernung des betroffenen Nervs erforderlich sein. Beim Morton Neurom erfolgt meist die Entfernung des geschwollenen Mittelfußnerven durch einen offenen operativen Zugang von der Fußsohle aus. Wenn die Schwellung an der Fußsohle noch nicht zu stark ausgeprägt ist, kann alternativ eine nervenerhaltende Therapie durchgeführt werden, die man als Dekompression (Druckentlastung) des Morton Neuroms bezeichnet.
Hausmittel und Selbsthilfemaßnahmen
Hausmittel können Nervenschmerzen nicht beseitigen, aber bisweilen gut tun. Dazu zählen kühle Kompressen, warme Auflagen oder Bäder.
- Wärme: Gerade bei muskulären Verspannungen kann die Anwendung von Wärme wahre Wunder bewirken. Ischiasbeschwerden lassen sich zum Beispiel durch wärmende Pflaster und Salben, ein Wärmekissen, einen Saunabesuch oder ein heißes Bad lindern.
- Kälte: Kühle Kompressen können bei akuten Schmerzen helfen.
- Bewegung: Die Intensität von Nervenschmerzen verführt häufig dazu, sich zu schonen. Bewegung kann jedoch Verspannungen lösen, die Muskulatur stärken und Schmerzen lindern.
- Ablenkung: Beschäftigungen, die guttun und uns ein Stück herausfordern, helfen dabei vom Schmerz abzulenken.
- Entspannung: Sorgen Sie für Entspannung. Das Abtauchen in der Badewanne tut auch der Seele gut. Die seelische Entspannung hilft dem Körper außerdem, seine Selbstheilungskräfte zu aktivieren. Damit der Rücken schön warm bleibt, sollten Sie auch auf die richtige Kleidung (lang und winddicht) achten.
Leben mit Neuralgien
Neuralgien können eine erhebliche Belastung für die Betroffenen darstellen. Es ist wichtig, sich frühzeitig ärztliche Hilfe zu suchen und eine individuelle Therapie zu entwickeln. Neben der medizinischen Behandlung können auch Selbsthilfemaßnahmen und eine positive Lebenseinstellung dazu beitragen, die Lebensqualität zu verbessern.
- Akzeptanz: Akzeptieren Sie die Erkrankung und lernen Sie, mit den Schmerzen umzugehen.
- Austausch: Suchen Sie den Austausch mit anderen Betroffenen, beispielsweise in Selbsthilfegruppen.
- Entspannung: Praktizieren Sie Entspannungstechniken, um Stress abzubauen und die Schmerzen zu reduzieren.
- Bewegung: Bleiben Sie aktiv und bewegen Sie sich regelmäßig, um die Muskulatur zu stärken und die Schmerzen zu lindern.
- Ernährung: Achten Sie auf eine ausgewogene Ernährung, um den Körper optimal zu versorgen.
- Psychische Gesundheit: Achten Sie auf Ihre psychische Gesundheit und suchen Sie bei Bedarf professionelle Hilfe.