Ernährung nach Schlaganfall: Prävention, Anpassung und Bedeutung

Ein Schlaganfall ist ein einschneidendes Ereignis, das das Leben der Betroffenen von einer Sekunde auf die andere verändern kann. Er ist die dritthäufigste Todesursache in Deutschland und der häufigste Grund für bleibende Behinderungen bei Erwachsenen. Die Ernährung spielt sowohl bei der Prävention als auch bei der Rehabilitation nach einem Schlaganfall eine entscheidende Rolle. Dieser Artikel beleuchtet die verschiedenen Aspekte der Ernährung im Zusammenhang mit Schlaganfällen, von präventiven Maßnahmen bis hin zu spezifischen Ernährungsanpassungen für Betroffene.

Was passiert bei einem Schlaganfall?

Ein Schlaganfall, auch Gehirnschlag, Apoplex oder Apoplexie genannt, ist eine plötzliche Durchblutungsstörung im Gehirn. Es gibt zwei Haupttypen von Schlaganfällen:

  • Ischämischer Schlaganfall (Hirninfarkt): Dies ist die häufigste Form, die etwa 80 % der Fälle ausmacht. Er entsteht durch den Verschluss oder die Verengung eines hirnversorgenden Blutgefäßes, was zu einer Minderversorgung eines Hirnareals mit Sauerstoff und Nährstoffen führt. Ursache ist häufig eine Arterienverkalkung (Arteriosklerose).
  • Hämorrhagischer Schlaganfall (Hirnblutung): Diese Form macht etwa 20 % der Fälle aus. Sie wird durch das Platzen eines Blutgefäßes im Gehirn verursacht, wodurch das dahinterliegende Hirngewebe nicht mehr ausreichend versorgt wird und zusätzlicher Druck auf das umliegende Gewebe ausgeübt werden kann.

Unabhängig vom Typ führt ein Schlaganfall häufig zu neurologischen Ausfällen wie Lähmungserscheinungen, Gefühlsstörungen und Sprachstörungen.

Die Rolle der Ernährung bei der Schlaganfallprävention

Die Ernährungsweise spielt eine sehr große Rolle bei der Prävention eines Schlaganfalls. Eine ausgewogene, bewusste und abwechslungsreiche Ernährung wirkt einer Verkalkung der Gefäße (Arteriosklerose) entgegen. Übergewicht und Diabetes sind ebenfalls ernstzunehmende Risikofaktoren für einen Schlaganfall. Wer sich bewusst und gesund ernährt, minimiert das Risiko, an Diabetes zu erkranken und an Übergewicht zu leiden. Entsprechend lassen sich die Risiken für einen Schlaganfall mit der richtigen Ernährung verringern.

Eine große europäische Studie analysierte, inwieweit Ernährungsgewohnheiten auf das Schlaganfallrisiko Einfluss nehmen. Die Studie wertete die diätetischen Risikofaktoren nicht nur für das Schlaganfallrisiko insgesamt aus, sondern differenzierte zwischen ischämischen und hämorrhagischen Schlaganfällen.

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Ernährungsempfehlungen zur Prävention

  • Viel Obst und Gemüse: Der Verzehr von Obst und Gemüse ist mit einem verminderten Risiko für ischämische Schlaganfälle verbunden. Verantwortlich für den positiven Effekt sind die enthaltenen Nährstoffe wie Vitamin C, Kalium, Ballaststoffe und Flavonoide. So soll Vitamin C die Entstehung von Arteriosklerose verzögern, während Kalium und Flavonoiden eine schützende Funktion für die Blutgefäße nachgesagt wird.
  • Vollkornprodukte: Vollkornprodukte enthalten längerkettige Kohlenhydrate und unterschiedliche Ballaststoffe. Diese halten Sie nicht nur länger satt, sondern fördern auch die Gesundheit Ihres Darms. Teilnehmer, die einen ischämischen Schlaganfall erlitten, hatten weniger Vollkornprodukte konsumiert.
  • Nüsse und Samen: Nüsse und Samen schützen vor Hirninfarkten.
  • Käse und Molkereiprodukte: Käse und Molkereiprodukte schützen ebenfalls vor Hirninfarkten.
  • Weniger rotes und verarbeitetes Fleisch: Ein hoher Konsum von rotem Fleisch kann die Blutfettwerte ungünstig beeinflussen, was die Gefahr für Arteriosklerose erhöht. Zudem ist verarbeitetes rotes Fleisch häufig reich an Natrium und dem Konservierungsmittel Natriumnitrit. Teilnehmer, die einen ischämischen Schlaganfall erlitten, hatten mehr rotes und verarbeitetes Fleisch konsumiert.
  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr: Ein Schlaganfall lässt sich in vielen Fällen auch durch eine ausreichende Flüssigkeitszufuhr verhindern. Durch zu wenig Flüssigkeit wird das Blut dickflüssiger, sodass das Herz stärker arbeiten muss, um Blut durch die Adern zu pumpen. Ein Flüssigkeitsmangel macht sich deshalb auch rasch im Gehirn bemerkbar und hat somit Einfluss auf das Schlaganfallrisiko. Mindestens 1,5 Liter am Tag. Am besten Sie trinken Wasser oder andere kalorienfreie Getränke wie ungesüßten Tee.
  • Weitere Tipps für einen gesunden Lebensstil:
    • Machen Sie Sport und sorgen Sie für eine regelmäßige Bewegung: Die Weltgesundheitsorganisation empfiehlt an fünf Tagen die Woche mindestens 30 Minuten Sport zu machen
    • Verzichten Sie auf Nikotin und Alkohol. Trinken Sie Alkohol, wenn überhaupt, in sehr kleinen Mengen.
    • Essen Sie mindestens einmal die Woche Hülsenfrüchte wie beispielsweise Linsen, Kichererbsen, Bohnen und Erdnüsse.
    • Ob Brot, Nudeln, Mehl, Reis oder Müsli: Seien Sie auf der sicheren Seite und wählen Sie bei solchen Produkten die Vollkornvariante.
    • Bevorzugen Sie pflanzliche Öle (und Streichfette), wie beispielsweise Oliven- oder Rapsöl.
    • Milch und Milchprodukte wie Joghurt, Käse oder Quark sollten in Ihrem täglichen Ernährungsplan vorkommen. Bevorzugen Sie pflanzliche Milchalternativen, müssen Sie auf die Versorgung mit Calcium, Vitamin B2 und Jod achten.
    • Fisch sollte ein- bis zweimal pro Woche auf Ihrem Speisplan stehen. Denn fette Fische (zum Beispiel Lachs, Makrele, Hering) enthalten wichtige Omega-3 -Fettsäuren.
    • Meiden Sie Fett, Zucker und Salz.
    • Nehmen Sie sich ausreichend Zeit zum Essen. Wer in Ruhe isst, hat mehr davon.

Es ist wichtig zu beachten, dass die Ernährung nur ein Aspekt der Schlaganfallprävention ist. Es gibt verschiedene Risikofaktoren, die einen Schlaganfall begünstigen. Einige Risikofaktoren können aktiv beeinflusst werden, andere wiederum sind nicht beeinflussbar (zum Beispiel das Alter oder eine genetische Vorbelastung).

Ernährung nach einem Schlaganfall: Anpassung und Herausforderungen

Nach einem Schlaganfall ist eine besondere Ernährung erforderlich, um den Körper trotz möglicher Einschränkungen ausreichend mit Nährstoffen zu versorgen, das Risiko für einen weiteren Schlaganfall zu reduzieren und die Rehabilitation zu unterstützen.

Warum ist eine besondere Ernährung nötig?

Infolge eines Schlaganfalls kommt es häufig zu körperlichen Einschränkungen, die eine besondere Ernährung erfordern. Um den Körper trotz einer bestehenden Schluckstörung mit ausreichend Nährstoffen zu versorgen, muss die Ernährung nicht nur ausgewogen sein, sondern auch bedarfsgerecht serviert werden. Eine bewusste Ernährung sorgt zudem dafür, das Risiko für einen weiteren Schlaganfall zu reduzieren und dient demnach der Prävention.

Häufige Herausforderungen nach einem Schlaganfall

  • Schluckstörungen (Dysphagie): Etwa die Hälfte aller Schlaganfall-Patienten ist in der Akutphase von einer Schluckstörung betroffen. Bei einem Viertel aller Patienten bleibt eine Schluckstörung sogar bestehen. Infolge eines Schlaganfalls kommt es häufig auch zu einer Beeinträchtigung der Zungen- und Mundbewegung. Eine Schluckstörung infolge eines Schlaganfalls birgt auch immer das Risiko einer Mangelernährung.
  • Motorische Einschränkungen: Eine Lähmung des Gesichts, der Hand bzw. des Armes erschwert den Ess- und Trinkvorgang.
  • Appetitlosigkeit: Nach einem Schlaganfall fühlen sich Betroffene häufig generell antriebslos, sind müde und verspüren keinen Hunger. Werden dem Körper als Folge einer solchen Appetitlosigkeit nicht genügend Nährstoffe zugefügt, erholt er sich schlechter von den Auswirkungen des Schlaganfalls.
  • Mangelernährung: Kau- und Schluckbeschwerden sind wiederum zwei der häufigsten Ursachen für krankheitsbedingte Mangelernährung, deren Folgen eine kontinuierliche Gewichtsabnahme sein kann. Krankheitsbedingte Mangelernährung mindert die Lebensqualität spürbar und beeinflusst die Rehabilitation von Schlaganfallpatienten negativ, da sie unter anderem kontraproduktiv für das erneute Erlernen von Bewegungsabläufen ist.

Ernährungsempfehlungen für Schlaganfall-Patienten

  • Fett- und Zuckerkonsum reduzieren: Nach einem Schlaganfall sollten Sie Ihren Fett- und Zuckerkonsum reduzieren, um eine Arteriosklerose (Gefäßverkalkung) zu verhindern.
  • Essenshilfen und spezielles Essbesteck: Damit der Alltag nicht zum Hürdenlauf wird, empfehlen wir Ihnen oder Ihrem Angehörigen Essenshilfen und spezielles Essbesteck zu nutzen. Diese sollten groß genug sein und über Riemen verfügen, sodass Betroffene das Besteck bzw. die Essenshilfen problemlos greifen können. Es empfiehlt sich auch eine Gummimatte unterhalb des Tellers zu legen. So kann der Teller nicht verrutschen und das Verspeisen der Mahlzeit kann idealerweise selbständig erfolgen. Auch eine Randerhöhung bzw. Um den Betroffenen eine Rückkehr in die Selbständigkeit zu ermöglichen, empfehlen wir ebenfalls Trinkhilfen zu nutzen. Bei einer eingeschränkten Nackenbeweglichkeit oder bestehenden Schluckstörung können Schlaganfall-Patienten so eigenständig trinken. Denn mit einer Trinkhilfe muss der Kopf nicht in den Nacken gelegen werden . Im Besonderen sind Nasenausschnittsbecher zu empfehlen.
  • Konsistenzanpassung bei Schluckstörungen: Für Schlaganfall-Patienten mit einer Schluckstörung sollten die Mahlzeiten in kleine Stücke geschnitten werden. zerkleinerte oder pürierte Kost, die leicht geschluckt werden kann und gleichzeitig nahrhaft ist. So können herkömmliche Lebensmittel zu einer glatten, einheitlichen Konsistenz püriert werden. Der Schlucktherapeut gibt die Schluckkoststufe vor (püriert, zerkleinert, ect.). Diese ist wichtig und sollte beachtet werden, damit der Betroffene sich möglichst wenig verschluckt. Bei Lebensmittel wie Fleisch, Brot und einzelnen Gemüsesorten ist es schwierig eine einheitliche Konsistenz zu erhalten. Leidet der Patient an einer Schluckstörung ist es sinnvoll darauf zu achten, welche Konsistenz für den Betroffenen individuell in Frage kommt. Die winVitalis Menüs sind in IDDSI-Level kategorisiert, um noch mehr Sicherheit gewährleisten zu können.
  • Sondenernährung: Werden Schluckstörungen festgestellt, muss über eine künstliche Ernährung entschieden werden. Halten die schlaganfallbedingten Schluckstörungen voraussichtlich länger als sieben Tage an, sollte frühzeitig mit einer enteralen Ernährung über eine Sonde begonnen werden. So wird die Barrierefunktion der Darmschleimhaut nicht gestört. Das ist wichtig, um das Infektionsrisiko zu verringern. In der akuten Phase eines Schlaganfalls benötigen bis zu 29 Prozent der Patienten eine Sondenernährung. So kann einer Mangelernährung vorgebeugt oder eine bestehende Mangelernährung behandelt werden, denn die Sondennahrung enthält Energie und Nährstoffe in einem ausgewogenen Verhältnis. Studien zufolge hat ein früher Beginn der Sondenernährung Vorteile für den Patienten und verbessert den Krankheitsverlauf. Welche Sondenart gewählt wird, hängt von der voraussichtlich notwendigen Dauer der künstlichen Ernährung ab. In der Akutphase des Schlaganfalls, wenn noch nicht absehbar ist, wie lange der Patient über eine Sonde ernährt werden muss, wird daher empfohlen, die Nahrung über eine nasogastrale Sonde zuzuführen. Dabei wird ein dünner Schlauch über Nase, Rachen und Speiseröhre in den Magen vorgeschoben. Ist die enterale Ernährung voraussichtlich länger als 28 Tage nötig, sollte eine PEG-Sonde (perkutane endoskopische Gastrostomie) gelegt werden. Dabei wird eine Ernährungssonde über die Bauchwand in den Magen gelegt. Besteht bei der Sondenernährung ein Reflux-Risiko (Rücklaufen der Sondennahrung aus dem Magen in die Speiseröhre, mitunter bis in den Rachenraum), sollte die Sondennahrung nicht als Bolus, sondern kontinuierlich verabreicht werden. Dabei wird empfohlen, eine Ernährungspumpe einzusetzen, mit deren Hilfe exakt dosiert werden kann, welche Nahrungsmenge dem Patienten pro Stunde zugeführt wird. Ein Schwerkraftsystem birgt bei Schlaganfallpatienten mit Schluckstörungen dagegen eher ein Risiko für die Überfüllung des Magens.
  • Trinknahrung: Vor allem in der Akutphase nach dem Ereignis oder bei schwerwiegenden Lähmungen sind Betroffene oftmals gar nicht dazu in der Lage, selbst zu kochen oder normale Speisen in ausreichender Menge zu sich zu nehmen. Damit der erforderliche Nährstoffbedarf dennoch gedeckt und krankheitsbedingte Mangelernährung verhindert wird, kann medizinisch Trinknahrung die Ernährung ergänzen oder auch ganze Mahlzeiten ersetzen. Die gebrauchsfertigen Drinks enthalten Energie, Eiweiß, Vitamine, Mineralstoffe und Spurenelemente in konzentrierter Form, sodass einer krankheitsbedingten Mangelernährung entgegengewirkt werden kann. Bei anhaltenden Schluckstörungen nach einem Schlaganfall eignen sich besonders konsistenzadaptierte Trinknahrung als hochwertige Ernährungsunterstützung.
  • Proteine: Einen besonderen Stellenwert haben laut den Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftlern Proteine.

Praktische Tipps für die Ernährungsumstellung

  • Kleine, nachhaltige Veränderungen: Sie müssen nicht von heute auf morgen Ihre gesamte Ernährung umstellen. Das würde in den meisten Fällen auch gar nicht funktionieren. Vielmehr sind es die kleinen, aber nachhaltigen Veränderungen, die letztlich den Unterschied machen.
  • Tipp #1: Wenn Sie Ihren Fleischkonsum reduzieren möchten, beginnen Sie bei der Wurst. Belegen Sie Ihr morgendliches Brötchen gerne einmal mit einem vegetarischen Aufstrich.
  • Tipp #2: Verwenden Sie ein qualitativ hochwertiges Olivenöl. Wenn die Flasche zu schnell leer wird, können Sie fettsparend kochen. Benutzen Sie beispielsweise beschichtete Pfannen, mit denen Sie nur wenig Fett zum Anbraten benötigen.
  • Tipp #3: Da Vollkornprodukte schneller sättigen, benötigen Sie weniger Vollkornnudeln als herkömmliche Nudeln. Auch bei Toast, Brot oder Brötchen kann sich ein Wechsel lohnen.
  • Tipp #4: Kochsalz in hohen Mengen erhöht nachgewiesenermaßen das Schlaganfall-Risiko. Verzichten Sie möglichst auf Fertigprodukte und Fast Food, denn in diesen Lebensmitteln steckt oft mehr Salz, als Sie denken.

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