Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, bei der wiederholt epileptische Anfälle auftreten. Diese Anfälle können vielfältig sein und unterschiedliche Ursachen haben. Die Erkrankung tritt häufig in den ersten fünf Lebensjahren und ab dem 60. Lebensjahr auf. Es gibt nicht die eine Epilepsie, sondern verschiedene Erkrankungen, denen gemeinsam ist, dass wiederholt epileptische Anfälle auftreten. Dabei handelt es sich um Funktionsstörungen des Gehirns, die durch eine vorübergehende gleichzeitige Entladung größerer Verbände von Nervenzellen des Gehirns verursacht werden. Dadurch ist die Kommunikation der Nervenzellen untereinander beeinträchtigt, was zu Störungen der Sprache, Bewegung oder des Bewusstseins führen kann. Bis zu 10 von 100 Menschen haben im Laufe ihres Lebens einen epileptischen Anfall, was jedoch nicht bedeutet, dass sie an Epilepsie leiden, da Anfälle auch nicht-epileptisch sein können.
Erste Hilfe bei einem epileptischen Anfall
Je nachdem, welche Gehirnregionen betroffen sind, kann ein epileptischer Anfall unterschiedlich aussehen und Verunsicherung auslösen. Kleinere Anfälle sind in der Regel nicht gefährlich, können aber zu Verwirrung und Benommenheit führen. In solchen Fällen ist es wichtig, Hilfe anzubieten und Sicherheit zu vermitteln. Bei Anfallsformen mit Bewusstseinsbeeinträchtigung ist es wichtig, die Betroffenen vor Gefahren zu schützen und ihnen Sicherheit zu vermitteln. Bei größeren Anfällen mit Krämpfen kann der gesamte Körper verkrampfen. In solchen Situationen ist es wichtig, Ruhe zu bewahren, den Kopf zu schützen und für eine sichere Umgebung zu sorgen. Dauert der Anfall länger als ein bis zwei Minuten an, sollte der Notruf 112 gewählt werden. Nach dem Anfall sollte man bei der Person bleiben und sie gegebenenfalls in die stabile Seitenlage bringen. Es ist hilfreich, Informationen zu sammeln und zu sortieren: Ist eine Epilepsie bekannt? Wenn nicht, sollte man den Notruf kontaktieren.
Dr. Rakicky erklärt, dass eine Epilepsie durch Hirnveränderungen entsteht, bei denen die elektrische Erregbarkeit erhöht ist. Die Ursachen sind vielfältig, aber oft nicht eindeutig. Die Erscheinungsformen variieren je nach Ursprungsort im Gehirn und reichen von kurzen Aussetzern bis hin zu komplexen Bewegungs- und Bewusstseinseinschränkungen. Jeder Zehnte erlebt bis zum 80. Lebensjahr einmal einen epileptischen Anfall, was aber nicht bedeutet, dass eine Epilepsie besteht. Die Diagnose hängt von der Wahrscheinlichkeit eines weiteren Anfalls ab. Laien sind oft unsicher, wenn sie einen epileptischen Anfall miterleben. Dr. Rakicky betont, dass es wichtig ist, Ruhe zu bewahren und die betroffene Person nicht allein zu lassen. Patienten sollten vor Verletzungen geschützt und aus dem Gefahrenbereich gebracht werden. Wichtig ist, auf den Kopf zu achten und die Atemwege freizuhalten. Dauert ein epileptischer Anfall länger als fünf Minuten, handelt es sich um einen Notfall und ein Notarzt muss gerufen werden.
Medikamentöse Behandlung und Generika
Viele Patienten sind nach der ersten Diagnose verunsichert, wie sich ihr Leben verändern wird. Dank guter Medikamente ist die Erkrankung für viele Patienten nicht mehr sehr einschränkend. Von fast allen Medikamenten gibt es Generika, die den gleichen Wirkstoff wie das Originalpräparat enthalten. Eine Studie hat jedoch gezeigt, dass ein häufiger Wechsel von Original zu Generikum mit einem höheren Wiederauftreten von Anfällen verbunden ist. Daher sollte das Medikament, auf das ein Patient gut eingestellt ist, nicht ausgetauscht werden. Der Arzt kann auf dem Rezept das "aut idem"-Feld ankreuzen oder den Vermerk "Kein Austausch" hinzufügen, um den Austausch auszuschließen.
Epilepsie und besondere Lebensumstände
Schwangerschaft
Schwangerschaft und Epilepsie schließen einander nicht aus. In Deutschland hat eine von 200 schwangeren Frauen eine aktive Epilepsie. In der Mehrzahl verlaufen diese Schwangerschaften komplikationslos und die Frauen gebären gesunde Kinder. Bei Kinderwunsch sollte eine Schwangerschaft sorgfältig geplant werden, um mögliche Risiken zu vermeiden. Einige Medikamente bergen höhere Risiken als andere. Es ist wichtig, Fragen mit den behandelnden Ärzten zu besprechen.
Lesen Sie auch: Vorbeugung epileptischer Anfälle
Impfungen
Auch bei Menschen mit Epilepsie sollte ein ausreichender Impfschutz bestehen. In den letzten Jahrzehnten ist die Rate an schwerwiegenden Impfkomplikationen stetig gesunken. Es gibt gewichtige Gründe dafür, dass gerade Menschen mit Epilepsie einen ausreichenden Impfschutz erhalten, da Infektionskrankheiten wie Masern und Keuchhusten zu einer Verschlechterung des Anfallsleidens führen können.
Berufswahl und Studium
Es gibt nur wenige Berufe, die Epilepsie-Patienten nicht erlernen oder ausüben können. Ob Sie Ihren Arbeitgeber über die Epilepsie informieren, ist weitestgehend Ihre Entscheidung. Wenn die Epilepsie keine Auswirkungen auf Ihre Tätigkeit hat oder schon eine lange Anfallsfreiheit besteht, sind Sie nicht verpflichtet, dies Ihrem Arbeitgeber mitzuteilen. Bei der Auswahl des Berufes sollten die eigenen Interessen im Vordergrund stehen. Eine Epilepsie ist kein Grund, nicht zu studieren. Grundsätzlich können Sie jeden Studiengang wählen, der Sie interessiert. Die Universität ist verpflichtet, Ihnen die Teilnahme an allen studienrelevanten Kursen und Prüfungen zu ermöglichen.
Sport
Epilepsie-Patienten können regelmäßig Sport treiben. Es ist jedoch wichtig, ein paar Punkte bei der Auswahl des richtigen Sports zu bedenken. Sportarten, bei denen Stürze drohen oder bei denen die Gefahr des Ertrinkens besteht, sollten nur nach Rücksprache mit dem Arzt betrieben werden.
Alkohol und Reisen
Größere Mengen Alkohol erhöhen die Gefahr für einen epileptischen Anfall. Auch mit einer Epilepsie sind Reisen möglich. Informieren Sie sich rechtzeitig vor einer Flugreise, ob die Fluggesellschaft bestimmte Transportbedingungen für Menschen mit Epilepsie hat. Bei Fernreisen sollte darauf geachtet werden, dass der Tag-Nacht-Rhythmus nicht zu stark durcheinandergerät, da dies Anfälle provozieren kann. Nehmen Sie ausreichend Medikamente mit und besprechen Sie mit Ihrem Arzt, ob es sinnvoll ist, Notfallmedikation mitzunehmen.
Teilnahme am Straßenverkehr
Solange mit Anfällen zu rechnen ist, dürfen Betroffene in der Regel kein Kraftfahrzeug lenken. Unter bestimmten Voraussetzungen kann der Führerschein erteilt bzw. wieder erteilt werden. Ganz entscheidend ist dabei der Nachweis einer anfallsfreien Zeit.
Lesen Sie auch: Kann ein Anfall tödlich sein?
Epilepsie als chronische Erkrankung
Epilepsie ist eine chronische Fehlfunktion des Gehirns, von der in Deutschland rund eine halbe Million Menschen betroffen sind. Besonders hoch ist das Erkrankungsrisiko für Kinder und ältere Menschen. Der Begriff Epilepsie beschreibt keine einzelne Krankheit. Es gibt verschiedene Formen von epileptischen Anfällen, die grob in fokale Anfälle und generalisierte Anfälle unterteilt werden können. Fokale Anfälle betreffen nur Teile des Gehirns, während generalisierte Anfälle das gesamte Gehirn betreffen.
Ursachen und Diagnose
Für die Epilepsie charakteristisch ist eine Übererregbarkeit der Nervenzellen, die mit einer erniedrigten Krampfschwelle einhergeht. Es gibt idiopathische Epilepsien ohne direkt erkennbare Ursachen und symptomatische Epilepsien, die auf stoffwechselbedingte oder strukturelle Fehlfunktionen zurückzuführen sind. Die Diagnose Epilepsie wird durch eine Elektroenzephalografie (EEG) gesichert, mit deren Hilfe die elektrische Aktivität der Nervenzellen beobachtet werden kann.
Behandlung und Vorbeugung
Bei Epilepsien werden vor allem verschreibungspflichtige Medikamente aus der Wirkstoffgruppe der Antiepileptika eingesetzt, um die Krampfanfälle des Gehirns zu therapieren. Es ist wichtig, bestimmte Situationen zu meiden, die einen Anfall auslösen können, wie Überanstrengung, Stress, Schlafmangel, Alkoholkonsum und Drogenmissbrauch. Epileptiker sollten stets einen Notfallausweis mit sich führen.
Ernährung und Lebensstil
Eine gesunde Ernährung kann das Risiko epileptischer Anfälle reduzieren. Achten Sie auf einen ausgeglichenen Blutzuckerspiegel und reduzieren Sie die Zufuhr von kurzkettigen Kohlehydraten. Essen Sie Obst und Gemüse, um den oxidativen Stress zu reduzieren. Greifen Sie zu Bio-Fleisch-Produkten und Fisch, insbesondere Meeresfischen, die Omega-3-Fettsäuren enthalten. Vermeiden Sie zuckerhaltige Getränke, Kaffee und grünen oder schwarzen Tee.
Verhalten bei einem epileptischen Anfall
Viele Menschen sind unsicher, wie sie reagieren sollen, wenn jemand einen epileptischen Anfall hat. Dabei ist das richtige Verhalten gar nicht so kompliziert. Grundsätzlich ist es am wichtigsten, ruhig zu bleiben und Betroffene vor Verletzungen zu schützen. Die meisten Anfälle sind nicht gefährlich und nach wenigen Minuten vorbei. Bei manchen Anfällen ist das Bewusstsein eingeschränkt und das Verhalten besonders auffällig. In dieser Situation ist es wichtig, zu verhindern, dass die betroffene Person sich in Gefahr begibt.
Lesen Sie auch: Sicher Autofahren mit Parkinson: Ein Leitfaden für Deutschland
Erste-Hilfe-Maßnahmen
- Vor Verletzungen schützen: Auf den Kopf achten, eine Jacke oder ein Kissen unter den Kopf legen, die Brille abnehmen und gefährliche Gegenstände außer Reichweite bringen.
- Atemwege freihalten: Sitzt die Kleidung am Hals eng, sollte man sie lockern.
- Da bleiben: Den Betroffenen nicht allein lassen.
- Auf die Uhr schauen: Wie lange dauert der Anfall? Dauert er länger als fünf Minuten, muss der Notarzt gerufen werden.
- Nach dem Anfall helfen: Eine Person, die einen Anfall hinter sich hat, kann einige Zeit benötigen, um wieder zu sich zu kommen.
Wann muss der Rettungsdienst gerufen werden?
- Der Anfall dauert länger als fünf Minuten.
- Es kommt zu mehreren Anfällen hintereinander.
- Es gibt Atemprobleme.
- Es kam zu Verletzungen.
- Man weiß, dass es der erste Anfall war.
- Die Person kommt nicht wieder zu sich.
Einige Betroffene haben einen Epilepsie-Notfallausweis dabei, der Informationen über die Erkrankung, benötigte Medikamente und Kontaktpersonen enthält. Manche Menschen mit Epilepsie tragen ständig ein Notfallmedikament bei sich, damit Personen, die einen Anfall miterleben, es einsetzen können.
Therapieansätze zur Anfallsreduktion
Die Behandlung der Epilepsie richtet sich nach dem individuellen Krankheitsbild, den Lebensumständen des betroffenen Menschen und seinen Bedürfnissen. Es gibt verschiedene Therapieansätze, die zur Anfallsreduktion beitragen können.
Medikamentöse Therapie
Oft ist eine lediglich bedarfsweise Einnahme von Epilepsie-Medikamenten meist nicht möglich. Zum Teil dauert es einige Wochen oder sogar Monate, bis eine verlässliche Wirkung eintritt beziehungsweise die Effekte des Medikaments beurteilbar sind. Auch ist die Wirksamkeit vieler Medikamente dosisabhängig und es bedarf meist einer längeren Eindosierungs- und Erprobungsphase.
Ketogene Diät
Durch Ernährungsumstellung epileptische Anfälle verringern? Dabei wird die Ernährung auf fettreichere, kohlenhydratreduzierte Produkte umgestellt. Es werden vorwiegend gesunde Fette verwendet. So kann nicht nur die Anzahl epileptischer Anfälle verringert, sondern auch Ihr Ernährungszustand verbessert werden.
Verhaltensorientierte Strategien
Verhaltensorientierte Strategien werden meist ergänzend zu Ihrer medikamentösen Therapie eingesetzt und in der Regel von Ihrer Krankenkasse bezahlt. Nach und nach lernen Sie, Ihre Krankheit besser zu verarbeiten, zu akzeptieren und mit ihr umzugehen. Durch die psychische Entlastung kann es zu einer deutlichen Verbesserung der Anfallssituation kommen, besonders dadurch, dass die Angst vor der Krankheit gemildert wird.
Anfallsauslöser erkennen und vermeiden
Um solche Zusammenhänge zuverlässig zu entdecken, ist eine genaue Beobachtung erforderlich, am besten in Form eines Tagebuchs. Hier halten Sie fest, welche Faktoren Ihre Anfälle fördern, wie diese aussehen und wie oft und in welchen Formen sie auftreten, aber auch, in welchen Situationen selten oder nie Anfälle auftreten. Diese „stabilen Lebenssituationen“ sind für die Behandlung sehr wichtig. Anfallsauslöser wie Flackerlicht können Sie zum Beispiel durch das Tragen einer dunklen Brille vermeiden. Faktoren, wie Schreck oder Wetterwechsel, sind unvermeidlich. Wenn man allerdings herausgefunden hat, dass zusätzliche Risikofaktoren, wie Schlafmangel oder Stress, eine Rolle spielen, kann man versuchen, diese zu beeinflussen.
Anfallsunterbrechung
Wenn der Anfall mit einer Aura beginnt, gibt es eine weitere Möglichkeit der Anfallsabwehr: die Unterbrechung der Aura. Die Grundregel für ein wirksames „Gegenmittel“ lautet, dass das „Gegenteil“ der Anfallssymptome versucht werden sollte: Einem „epileptischen Kribbeln“ wird durch Reiben der betroffenen Körperstelle begegnet, ein komischer Geschmack im Mund kann durch Einnahme einer Prise Salz unterbrochen werden, bei plötzlicher und intensiver Wahrnehmung der Farbe Rot wird intensiv an die Farbe Grün gedacht. Die Entwicklung von Strategien der Anfalls-Unterbrechung kann durch EEG-Biofeedback-Verfahren unterstützt werden.
Operation und Vagusnerv-Stimulation
Weitere Therapieoptionen sind Operationen und die Vagusnerv-Stimulation. Eine Operation kommt in Frage, wenn mindestens zwei Medikamente nicht ausreichend gewirkt haben und die Ursache der Epilepsie eine Gewebsveränderung im Gehirn ist. Bei der Vagusnerv-Stimulation wird ein Stimulator unterhalb des Schlüsselbeins implantiert, der elektrische Impulse an den Hirnnerv Nervus vagus sendet.
SUDEP: Plötzlicher unerwarteter Tod bei Epilepsie
SUDEP ist die Abkürzung für „Sudden Unexpected Death in Epilepsy“, auf deutsch: plötzlicher unerwarteter Tod bei Epilepsie. Das ist die wichtigste direkte Todesursache bei Epilepsie. Es ist wichtig, dass Patienten und Angehörige über dieses Risiko aufgeklärt werden.
Was passiert beim SUDEP?
In der postiktalen Phase, also nach dem Krampfanfall, hören Betroffene bei SUDEP auf, zu atmen. Denn nach dem Krampfanfall ist die Gehirn-Aktivität niedrig. Im schlimmsten Fall so niedrig, dass das Gehirn kein Atem-Kommando mehr in den Körper schickt. Ohne Atmung gelangt kein Sauerstoff mehr ins Blut und das Herz hört auf zu schlagen.
Risikofaktoren für SUDEP
- Tonisch-klonische-Anfälle
- Anfälle in der Nacht
- Häufige Anfälle
- Auf dem Bauch schlafen
Maßnahmen zur Risikoreduktion
- Weniger Anfälle: Mit Medikamenten kann man epileptische Anfälle verhindern. Auch ein guter und ausreichender Schlaf und Alkoholverzicht können Anfälle verhindern.
- Richtig schlafen: Nicht auf dem Bauch schlafen.
- Erste Hilfe nach dem Anfall: Betroffene nach einem Anfall gut beobachten - mindestens eine Stunde lang. Wenn der/die Betroffene nicht atmet, dann schnell: Zuerst die 112 anrufen. Dann muss man eine Herz-Lungen-Wiederbelebung starten.
- Alarm beim Anfall: Damit Angehörige oder Pflegende im Notfall schnell helfen können, ist ein Alarmsystem gut. Tragbare Geräte oder Elektroden messen dabei die Körpersignale des/der Patient:in.