Wie lange braucht das Gehirn, um THC abzubauen?

THC (Tetrahydrocannabinol), der Hauptwirkstoff von Cannabis, ist für die berauschende Wirkung verantwortlich. Die Nachweisbarkeit und der Abbau von THC im Körper sind komplexe Prozesse, die von verschiedenen Faktoren beeinflusst werden. Dieser Artikel beleuchtet, wie lange THC im Körper nachweisbar ist, welche Faktoren den Abbau beeinflussen und welche Auswirkungen dies auf verschiedene Lebensbereiche haben kann.

Was ist THC?

THC, kurz für Delta-9-Tetrahydrocannabinol, ist einer von über 100 Cannabinoiden, die in der Cannabispflanze vorkommen. Besonders hoch ist der Gehalt um die Fortpflanzungsorgane der Pflanzen herum, in den Blüten der weiblichen Pflanze und den Harzdrüsen der Knospe. Die Cannabispflanze nutzt diesen Stoff, um natürliche Feinde wie Bakterien, Viren und Parasiten abzuwehren. Menschen nutzen die berauschende Wirkung des psychoaktiven Stoffes für sich aus. THC verleiht Haschisch und Marihuana die berauschende Wirkung.

THC wird zumeist in Form von Haschisch oder Marihuana konsumiert. Haschisch (sog. „Dope“) ist das gepresste Harz der Cannabispflanze, Marihuana (sog. „Gras“) sind die getrockneten Blüten und Blätter der Hanfpflanze. Die Stoffe werden entweder geraucht oder in Speisen und Getränken verarbeitet. THC selbst wird relativ schnell verstoffwechselt. Dadurch gelangt der Wirkstoff in die Blutbahn und bindet sich an Rezeptoren im zentralen Nervensystem und im Gehirn, die für das Cannabinoid aufnahmefähig sind.

Durch die Bindung an die spezifischen Cannabinoid-Rezeptoren CB1, CB2 kommt es unter anderem zu einer Hemmung des GABAergen Interneurons, wodurch der inhibitorische (hemmende) Effekt auf das dopaminerge Neuron gehemmt wird. Die Folge: Eine Erhöhung der Dopaminausschüttung im Nucleus accumbens des mesolimbischen Belohungssystems im Großhirn.

Als lipophiler, das heißt fettliebender Stoff bildet THC Depots im Fettgewebe. Bei der Verstoffwechselung von THC entsteht außerdem THC-Carbonsäure. Dieses Abbauprodukt besitzt eine wesentlich längere Halbwertzeit als THC selbst und lässt sich noch Wochen nach dem letzten Konsum in Körperflüssigkeiten feststellen.

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Wie wird THC abgebaut?

Nach dem Konsum von Cannabis gelangen die wichtigsten Cannabinoide - vor allem THC (Tetrahydrocannabinol) und CBD (Cannabidiol) - über unterschiedliche Aufnahmewege in den Körper. Dabei spielt es eine große Rolle, ob die Einnahme inhalativ (z. B. durch Rauchen oder Verdampfen) oder oral (z. B. als Öl, Extrakt oder Kapsel) erfolgt. Beim Inhalieren gelangen die Wirkstoffe sehr schnell über die Lunge ins Blut, sodass der THC-Gehalt im Blutserum rasch ansteigt. Dadurch tritt auch die Wirkung schneller ein. Bei oraler Einnahme verzögert sich die Aufnahme, da die Wirkstoffe erst über den Magen-Darm-Trakt aufgenommen werden.

Nicht nur der Aufnahmeweg, sondern auch die Darreichungsform beeinflusst, wie hoch der THC-Wert im Blut nach dem Cannabiskonsum ausfällt. Ob Blüte, Extrakt oder Kapsel - die Dosis, der Wirkstoffgehalt und das individuelle Konsumverhalten bestimmen maßgeblich die späteren Werte im Blut.

Nach der Aufnahme über das Blut werden THC und CBD im gesamten Körper verteilt. Die Verteilung ist dabei u.a. abhängig von Körpergröße, Körperbau und Erkrankungen der jeweiligen Person. Da THC fettlöslich ist, reichert es sich vor allem im Fettgewebe an und wird von dort langsam wieder freigesetzt. Diese Speicherung erklärt, warum der Abbau von THC im Körper vergleichsweise lange dauert. Zwar sinkt der THC-Wert im Blut nach dem Konsum von Cannabis relativ schnell ab, doch die Abbauprodukte wie THC-COOH (Abkürzung für: 11-Nor-9-carboxy-THC) bleiben länger bestehen. Auch im Gehirn entfalten die Inhaltsstoffe der Cannabispflanze ihre Wirkung, da dort die Cannabinoid-Rezeptoren sitzen.

Beim oralen Konsum von Cannabis (z. B. Öle, Kapseln oder Edibles) durchläuft THC zunächst die Leber. Der primäre Wirkstoff in Cannabis, THC, wird dort zuerst in 11-Hydroxy-THC, auch als 11-OH-THC bezeichnet, umgewandelt, eine Verbindung mit potenziell stärkeren psychoaktiven Wirkungen als THC selbst. Wie zuvor erwähnt, erfolgt der Abbau von THC hauptsächlich über die Cytochrom-P450-Enzyme, insbesondere CYP2C9. Diese Enzyme wandeln THC in Abbauprodukte wie THC-COOH um, die später über Blut und Urin ausgeschieden werden. Unterschiede in der Enzymaktivität erklären, warum die Nachweisbarkeit von THC im Blut individuell stark variieren kann.

Da THC fettlöslich ist, lagert es sich im Fettgewebe ein und wird von dort langsam wieder ins Blutserum abgegeben. Die Halbwertszeit beträgt im Durchschnitt etwa 7 Tage, die vollständige Ausscheidung kann aber - abhängig von der Häufigkeit der Einnahme - deutlich länger dauern. Bei gelegentlichem Konsum sinken die THC-Werte im Blut schneller, während bei regelmäßigem Konsum THC über Wochen im Körper verbleiben kann. Abbauprodukte wie THC-COOH sind dadurch auch nach einem einmaligen Konsum im Blut oder Urin noch länger nachweisbar - und genau dieser Metabolit ist ausschlaggebend bei Drogentests im Straßenverkehr sowie bei polizeilichen Blut- und Urinuntersuchungen rund um den Führerschein.

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Faktoren, die den THC-Abbau beeinflussen

Der Abbau von THC im Körper ist ein komplexer Prozess, der von zahlreichen Faktoren beeinflusst wird. Zu den wichtigsten gehören:

  • Häufigkeit des Konsums: Regelmäßiger Konsum führt zu längeren Nachweiszeiten, da sich THC im Fettgewebe anreichert.
  • Konsumierte Menge: Größere Mengen führen zu höheren THC-Konzentrationen und verlängern die Abbauzeit.
  • THC-Gehalt der Sorte: Sorten mit hohem THC-Gehalt verlängern die Nachweiszeiten.
  • Konsumzeit: Die Zeit seit dem letzten Konsum beeinflusst die THC-Konzentration im Blut.
  • Art des Konsums: Inhalation, orale Einnahme und andere Methoden haben unterschiedliche Auswirkungen auf die Aufnahme und den Abbau.
  • Geschlecht: Geschlechtsspezifische Unterschiede beeinflussen die Speicherung und den Abbau von THC.
  • Alter: Der Stoffwechsel verlangsamt sich mit zunehmendem Alter, was den Abbau verlangsamen kann.
  • Körpergewicht und Körperfettanteil: THC ist fettlöslich und wird im Fettgewebe gespeichert, daher beeinflusst der Körperfettanteil die Abbauzeit.
  • Hydrationsstatus: Eine gute Flüssigkeitszufuhr kann die Ausscheidung von THC-Metaboliten über den Urin fördern.
  • Stoffwechselrate: Ein schneller Stoffwechsel kann den Abbau beschleunigen.
  • Kardio-Level: Körperliche Aktivität kann kurzfristig die THC-Konzentration im Blut erhöhen, aber langfristig den Abbau fördern.
  • Genetik: Die genetische Ausstattung bestimmt, ob jemand ein „schneller“ oder „langsamer“ Metabolisierer ist. Menschen mit bestimmten Varianten der CYP-Enzyme bauen THC im Blut langsamer ab, sodass THC-COOH und andere Abbauprodukte länger nachweisbar sind.
  • Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung mit vielen Ballaststoffen, Vitaminen und Mineralstoffen kann die körpereigene Entgiftung ankurbeln.
  • Medikamente: Bestimmte Medikamente können den Abbau von THC beeinflussen.

Wie lange ist THC nachweisbar?

Die Nachweisbarkeit von THC und seinen Abbauprodukten hängt von der Art des Tests ab:

  • Bluttest: Im Blutserum lässt sich THC bereits kurz nach dem Cannabiskonsum nachweisen. Bei gelegentlichem Konsum verschwindet aktives THC im Blut oft nach 6-24 Stunden, während bei regelmäßigem Konsum noch Tage später Werte von über 1-3,5 ng pro Milliliter Blutserum gemessen werden können. Nach dem Rauchen einer niedrig dosierten Cannabiszigarette ist nach etwa 7,2 Stunden kein THC mehr nachweisbar.
  • Urintest: Da THC-COOH langsamer ausgeschieden wird, ist Cannabis im Urin wesentlich länger nachweisbar - oft 3 bis 7 Tage, bei starkem Cannabiskonsum auch mehrere Wochen. Bei mehrmaligem Konsum beträgt die Nachweisdauer etwa fünf bis sieben Tage.
  • Speicheltest: Bis zu 72 Stunden nach dem Konsum.
  • Haartest: In Haaren können THC und CBD sogar Monate später nachgewiesen werden. Da die Speicherung im Haar kontinuierlich erfolgt, eignet sich dieser Test vor allem zur Beurteilung langfristiger Konsumgewohnheiten. Theoretisch sind sie dort sogar besonders lange nachweisbar. Ein Haar wächst im Durchschnitt etwa einen Zentimeter im Monat. Allerdings ist der Haartest auf THC sehr fehleranfällig und ungenau. Zum einen wird häufig selbst ein regelmäßiger Konsum nicht erkannt.

Es ist wichtig zu beachten, dass diese Angaben nur Richtwerte sind und die tatsächliche Nachweisbarkeit individuell variieren kann.

THC-Abbau-Rechner

Ein THC-Abbaurechner ist ein praktisches Online-Tool, das dir hilft einzuschätzen, wie lange dein Körper braucht, um THC vollständig abzubauen. Diese Rechner berücksichtigen verschiedene Faktoren wie Häufigkeit des Konsums, konsumierte Menge, THC-Gehalt der Sorte, Konsumzeit, Art des Konsums, Geschlecht, Alter, Körpergewicht, Körperfettanteil, Hydrationsstatus, Stoffwechselrate und Kardio-Level.

Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass diese Rechner nur grobe Richtwerte liefern und individuelle Unterschiede nicht immer präzise abbilden können. Der Abbau von THC ist komplex und von vielen Variablen abhängig. Insbesondere bei regelmäßigem Konsum kann sich die Nachweisbarkeit über Wochen und Monate hinziehen, was diese Rechner nicht vollständig abbilden.

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Kann man den THC-Abbau beschleunigen?

Den THC-Abbau zu beschleunigen ist schwierig. Einige Konsumenten empfehlen Sport oder Saunabesuche, aber der Effekt ist unklar. Es gibt zahlreiche Tipps - und mindestens genauso viele Mythen - rund um das Thema, wie man den THC-Abbau beschleunigen kann. Einige Ansätze können den Körper tatsächlich unterstützen, andere bringen kaum etwas oder sind sogar potenziell schädlich.

  • Viel Wasser trinken: Eine gute Flüssigkeitszufuhr kann die Nierenfunktion fördern und dafür sorgen, dass THC-Metaboliten schneller über den Urin ausgeschieden werden. Aber Achtung: Wasser allein „spült“ das THC nicht aus dem Körper. Es verbessert nur die Ausscheidung - der eigentliche Abbau erfolgt weiterhin in der Leber.
  • Sport & Schwitzen: Da THC im Körperfett gespeichert wird, kann intensive Bewegung den Fettstoffwechsel anregen und gespeichertes THC mobilisieren. Das ist grundsätzlich hilfreich - allerdings mit einem kleinen Haken: Kurz nach dem Training kann der THC-Spiegel im Blut kurzfristig ansteigen, weil das freigesetzte THC erst ins Blut übergeht, bevor es abgebaut wird. In einer Studie mit Ratten zeigte sich, dass auch eine Diät Einfluss auf den THC-Spiegel im Blut haben kann.
  • Detox-Produkte & Entgiftungskuren: Es gibt unzählige Tees, Pulver und Pillen, die angeblich den THC-Abbau beschleunigen. Die Realität? Die meisten dieser Produkte sind nicht wissenschaftlich belegt und oft schlichtweg Geldverschwendung.
  • Gesunde Ernährung & Lebensstil: Eine ausgewogene Ernährung mit vielen Ballaststoffen, Vitaminen und Mineralstoffen kann die körpereigene Entgiftung ankurbeln.

Der sicherste Weg, THC schnell aus dem Körper zu entfernen, ist der Verzicht oder eine Reduzierung des Konsums.

Rechtliche Aspekte

Viele Länder haben Grenzwerte für THC im Blut festgelegt, um den Konsum von Cannabis im Straßenverkehr zu überwachen. In Deutschland liegt der Grenzwert seit dem 22.08.2024 bei 3,5 ng/ml THC im Blutserum. Bis zu diesem Datum galten die bisherigen Grenzwerte von 1 ng/ml THC.

Früher führte der Besitz und Konsum von Cannabis automatisch dazu, dass man als ungeeignet zum Fahren galt und seinen Führerschein verlor (oder eine MPU machen musste). Jetzt gilt: Man gilt nur dann als ungeeignet zum Fahren, wenn man Cannabis missbraucht, also abhängig ist oder nicht klar zwischen Cannabiskonsum und dem Fahren trennt. Eine MPU wird nur noch angeordnet, wenn man wiederholt gegen die Regeln verstößt.

Es ist wichtig zu beachten, dass bereits Werte ab 3,5 ng/ml im Blutserum rechtliche Folgen haben können, selbst wenn keine spürbare Wirkung mehr vorhanden ist. Für Führerschein-Fragen oder Kontrollen durch die Polizei spielt daher weniger der subjektive Rauschzustand als die objektive Messung der Werte eine Rolle.

Auswirkungen auf das Gehirn

Wie stark Cannabiskonsum unsere kognitiven Fähigkeiten beeinträchtigt, ist weitestgehend noch unklar. Das spielt besonders für Jugendliche und junge Erwachsene eine entscheidende Rolle. Sie greifen oft in jungen Jahren zu der Droge. In einer Phase, in der ihr Gehirn noch nicht vollständig ausgebildet ist. Die Beeinträchtigungen durch Cannabis auf die kognitiven Fähigkeiten können für sie daher verhängnisvoller sein als für Erwachsene.

Eine Studie hat ergeben, dass die Gedächtniskapazität durch Cannabis unterdrückt wird. Gleichzeitig konnten sie jedoch aufzeigen, dass die Beeinträchtigung schnell nachlässt, wenn man den Konsum stoppt. Die Fähigkeit der Abstinenzler, neue Informationen zu erlernen und sie sich einzuprägen, hatte sich also nach nur einem Monat verbessert und normalisiert. Damit seien sie langfristig auch besser für den akademischen Erfolg positioniert.

Cannabis-Entzug

Hat sich eine Abhängigkeit eingestellt, wird es schwer, auf den Konsum von Cannabis zu verzichten. Der Grund: Der Drogenverzicht geht mit unangenehmen Entzugserscheinungen einher, die für mehrere Wochen anhalten können - und selbst wenn sie vorbei sind, ist der Entzug noch nicht abgeschlossen. Wie lang die Cannabis-Entzug-Dauer ist, hängt von verschiedenen Faktoren ab. Grundsätzlich gilt jedoch die Devise, dass der Entzug umso langwieriger ist, je exzessiver Cannabis konsumiert wurde. Insgesamt sollten Betroffene von einer Zeitspanne von 4 Wochen bis hin zu mehreren Monaten ausgehen.

Viele Cannabis-Konsumenten versuchen im Laufe ihrer Abhängigkeit mehrfach, sich von der Droge zu lösen und den Konsum eigenmächtig zu beenden. In den meisten Fällen gelingt dieses Vorhaben nicht. Schuld daran sind oft eine instabile Motivation, der Suchtdruck und die körperlichen Entzugserscheinungen, die sich vor allem bei Dauerkiffern bereits in den ersten Tagen nach dem Absetzen einstellen.

Der Schlüssel zur erfolgreichen Überwindung der Sucht liegt immer im Verstehen der Ursachen und dem Entwickeln von individuellen Strategien für den Umgang mit suchtauslösenden Situationen.

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