Etwa 8.000 Menschen in Deutschland erkranken jährlich an einem Gehirntumor. Obwohl die Diagnose immer noch erschütternd ist, haben sich die Perspektiven verbessert und die 5-Jahres-Überlebenschancen haben sich in den letzten Jahren bei etwa 20 bis 25 Prozent stabilisiert. Trotz intensiver Forschung sind die Auslöser und Risikofaktoren für die Entstehung eines Gehirntumors noch weitgehend unklar.
Dieser Artikel soll Betroffenen und ihren Angehörigen einen umfassenden Überblick über die notwendigen Maßnahmen zur Schonung und Rehabilitation nach einer Meningeom-Operation geben. Dabei werden sowohl allgemeine Empfehlungen als auch spezifische Aspekte wie Sport, Urlaub, Autofahren, Kinderwunsch und der Wiedereinstieg ins Berufsleben berücksichtigt.
Was ist ein Meningeom?
Ein Meningeom ist ein meist gutartiger Tumor, der im Schädelinneren aus den Hirnhäuten (Meningen) entsteht. Die Meningen sind die schützenden Membranen, die Gehirn und Rückenmark umgeben. Meningeome wachsen in der Regel langsam und bilden keine Metastasen. Sie machen etwa 30 Prozent der intrakraniellen Tumoren bei Erwachsenen aus und sind damit eine der häufigsten Tumorarten in dieser Altersgruppe.
Meningeome werden nach der WHO-Klassifikation in die Grade I bis III eingeteilt. Rund 80 bis 90 Prozent der Meningeome gelten als gutartig (Grad I), lassen sich operativ meist vollständig entfernen und haben dann eine günstige Prognose. Die Lebenserwartung ist nach vollständiger, unkomplizierter Entfernung eines Meningeoms nach WHO-Grad I und ausbleibendem Rezidiv nicht eingeschränkt.
Die Bedeutung der Nachsorge
Langfristig ist eine sorgfältige Nachsorge entscheidend. Bei gutem Verlauf können die zeitlichen Intervalle schrittweise verlängert werden. Bei schwer betroffenen Patientinnen und Patienten (zum Beispiel bei ungünstiger Lokalisation oder sehr großen Tumoren) ist es wichtig, dass sie eng von einem medizinischen Team begleitet werden. So wird sichergestellt, dass die Betroffenen die bestmögliche Pflege und Rehabilitation erhalten.
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Eine umfassende und individuelle Betreuung ist entscheidend für den Behandlungserfolg. Eine zentrale Rolle im Rahmen der Nachbehandlung kommt der Psychoonkologie zu. Eine Unterstützung bei der Krankheitsverarbeitung ist dabei oft nicht nur für die Betroffenen, sondern auch für Angehörige erforderlich. Das gilt nicht nur für maligne, lebensbegrenzende Erkrankungen, sondern auch für gutartige Tumoren, da hier durchaus Sorgen betreffs der Rückkehr in ein normales Alltagsleben oder auch den Beruf bestehen.
Eine Anschluss-Reha in einer Rehaklinik wird während des stationären Aufenthaltes über den Sozialdienst organisiert. Bei der Entlassung wird den Patienten ein Nachsorgepass ausgehändigt, in dem für Patient und Hausarzt alle wichtigen Informationen für Nachuntersuchungen, Diagnostik und Termine hinterlegt sind. Termine zur Bestrahlung und / oder Chemotherapie werden ebenfalls bereits von der Station organisiert.
Sport und Bewegung nach der Operation
Die positive Wirkung von regelmäßiger Bewegung und aktivem Sport sowohl in der Prävention als auch in der Rehabilitation von Tumorpatienten ist in vielen Untersuchungen der letzten Jahre immer deutlicher geworden. Tumorpatienten haben mittlerweile einen Anspruch auf besonders geeigneten Reha-Sport, für den die Krankenkassen über 18 Monate hinweg 50 Übungsstunden finanzieren.
Besonders geeignet sind eine Kombination aus Kraft- und Ausdauersport. Auch Joggen, Walken, Radfahren, Tanzen und sogar Ballsport oder auch Schwimmen - mit einer aufmerksamen Begleitperson - bieten sich an. Es müssen jedoch besondere Vorkehrungen getroffen werden: Beim Radfahren sollte unbedingt ein Helm getragen werden und beim Fußballspielen muss es nicht unbedingt ein Kopfball sein. Von Tauchgängen sollten Betroffene wegen des Unterwasserdrucks besser absehen. Nicht geeignet sind außerdem sturz- und erschütterungsträchtige Sportarten wie Bergsteigern und Klettern, Motorsport, Reiten oder Boxen.
Wichtig ist, dass es nicht um Leistungssport geht. Patienten sollten eine Überlastung oder eine Überhitzung unbedingt vermeiden. Außerdem müssen sie ausreichend viel trinken und dürfen sich keinem zu großen Licht- bzw. Sonneneinfluss aussetzen, da manche Medikamente phototoxische Reaktionen und Photoallergien auslösen können.
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Einige Patienten berichten von positiven Erfahrungen mit Sport nach der Meningeom-OP:
- Ein Patient begann nach seiner ersten Meningeom-OP in der Rehaklinik sofort mit Sport und betrieb diesen täglich und recht intensiv.
- Eine Patientin konnte nach einer Meningeom-OP und anschließender Reha mit Nordic Walking beginnen und empfand dies als sehr sinnvoll.
- Eine andere Patientin startete nach Bestrahlung mit einem Gymnastikprogramm von 1,5 Minuten und steigerte sich langsam auf 10 Minuten. Später konnte sie sogar mit einstündigem Rehakrafttraining im Studio beginnen.
- Eine Patientin begann sieben Wochen nach ihrer OP mit leichten Yogaübungen und joggte zum ersten Mal wieder für 20 Minuten.
Es ist jedoch wichtig, die individuellen Empfehlungen des Neurochirurgen und der Physiotherapeuten zu beachten. Einige Ärzte raten in den ersten Monaten nach der OP von Sportarten ab, die den Kopf zu sehr durchschütteln, wie Joggen, Radfahren oder Reiten.
Erholung im Urlaub
Auch im Urlaub oder bei sonstigen Freizeitaktivitäten sollten die oben genannten Hinweise beachtet werden. Wie für alle anderen Aktiven gilt es, immer auf die aktuell bestehenden Corona-Regeln zu achten, wie Abstand zu halten und gegebenenfalls einen Mund-Nasen-Schutz zu tragen.
Aus medizinischer Sicht gibt es nur wenige Einschränkungen zum Thema Urlaub. Reisen Sie nach Möglichkeit nicht während einer Chemotherapie und auch erst nach abgeschlossener Wundheilung. Patienten sollten auf jeden Fall ihren behandelnden Arzt ansprechen, ob eventuell bei der letzten bildgebenden Untersuchung Lufteinschlüsse im Schädel erkennbar waren, da sich diese unter dem Druck im Flugzeug ausdehnen und dann gefährlich werden können. Es ist ratsam, eine Auslandskrankenversicherung abzuschließen und möglichst ein Hotel mit ärztlicher Versorgung zu buchen. Vor allem gilt: Schonen Sie sich ruhig ein bisschen!
Sicher mobil mit dem Auto
Autofahren bedeutet für viele Menschen aktiv, mobil und unabhängig zu sein - und das Gesetz verbietet dies Tumorpatienten auch nicht. Kraftfahrer haben allerdings gemäß §2 der Fahrerlaubnis-Verordnung dafür Sorge zu tragen, dass sie andere Verkehrsteilnehmer nicht gefährden, wenn sie sich infolge geistiger oder körperlicher Mängel nicht sicher im Verkehr bewegen können.
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Einen normalen PKW kann man meist bereits drei Monate nach einer Hirnoperation steuern. Allerdings sollte im Rahmen der regelmäßigen Nachuntersuchungen auch die Fahrtauglichkeit angesprochen werden. Für eine Fahrerlaubnis der Gruppe 2, zum Beispiel zum Fahren von LKWs und Bussen sowie zur Beförderung von Fahrgästen, gelten deutlich strengere Einschränkungen und eine neurologische oder auch eine neuropsychologische Testung ist in diesen Fällen unabdingbar.
Manche Patienten erleiden nach einer Hirnoperation epileptische Anfälle. Diese Menschen dürfen nicht selbst ein Fahrzeug führen und müssen auch nach einer erfolgreichen medikamentösen Therapie mindestens drei Monate warten, bis sie sich wieder aktiv mit einem Fahrzeug in den Straßenverkehr begeben.
Kinderwunsch und Familienplanung
Jüngere Patienten mit der Diagnose Hirntumor oder Krebs haben häufig Angst, keine eigenen Kinder mehr bekommen zu können. Dies ist ein Thema, über welches sich betroffene Frauen und auch Männer vor einer Therapie Gedanken machen sollten. Zum einen können durch eine Chemotherapie oder Bestrahlung Keimzellen geschädigt werden. Zum anderen kann auch die hormonelle Steuerung der Eierstöcke oder der Hoden bei einer eventuellen Schädigung des Hypothalamus oder der Hirnanhangdrüse gestört sein.
Deshalb empfiehlt die Ärztin Patienten mit Kinderwunsch vor einer Therapie unbedingt die verschiedenen Möglichkeiten abzuwägen. Heutzutage können Spermien ebenso wie befruchtete oder auch unbefruchtete Eizellen eingefroren werden.
Wiedereinstieg ins Berufsleben
Viele Patienten fragen sich, wie sie nach einer Meningeom-Operation wieder ins Berufsleben zurückkehren können. Die Erfahrungen sind hier sehr unterschiedlich. Einige Patienten können bereits wenige Monate nach der OP wieder voll arbeiten, während andere länger brauchen oder gar nicht mehr in der Lage sind, ihren alten Beruf auszuüben.
Einige Patienten berichten von folgenden Erfahrungen:
- Eine Berufsschullehrerin begann ca. 2 Monate nach der OP mit dem Hamburger Modell wieder stundenweise zu arbeiten und war mit Beginn des neuen Schuljahres wieder voll im Einsatz.
- Eine Erzieherin, die stereotaktisch bestrahlt wurde, konnte nach der Reha theoretisch wieder arbeiten, hatte aber Probleme mit der Dauer und der Lärmbelästigung. Sie musste ihre Wiedereingliederung verlängern.
- Eine Patientin, die im August 2008 operiert wurde, ist immer noch arbeitsunfähig. Sie ist sehr lärmempfindlich und kann sich nicht länger als eine Stunde konzentrieren. Sie braucht Mittagsschläfchen und Ruhepausen nach körperlicher Arbeit oder Kopfarbeit.
- Eine Patientin, die im Mai 2005 operiert wurde, arbeitet seit Juli 2007 wieder 20 Stunden pro Woche. Sie meidet grelles Licht und Lampen und es darf nicht zu laut sein. Akkupunktur und Entspannungsübungen haben ihr geholfen.
Es ist wichtig, sich реалістичні Ziele zu setzen und sich nicht zu überfordern. Eine stufenweise Wiedereingliederung kann helfen, sich langsam an die Belastungen des Berufsalltags zu gewöhnen. Auch der Austausch mit anderen Betroffenen kann sehr hilfreich sein.
Minimalinvasive Chirurgie als schonende Alternative
Die minimalinvasive Chirurgie (MIC) spielt eine zentrale Rolle in der Neurochirurgie. Bei einem chirurgischen Eingriff an einem hochkomplexen Organ wie dem Gehirn liegt der Fokus nicht nur auf der operativen Behandlung der Erkrankung selbst, sondern auch auf der Schonung des umliegenden Gehirngewebes.
Der Neurochirurgie stehen neben OP-Mikroskopen auch hochauflösende Endoskope mit kleinstmöglichen Durchmessern und unterschiedlichen Blickrichtungswinkeln sowie Kameras zur Verfügung, welche direkt über bestehende anatomische Strukturen (z.B. die Nase) oder neu geschaffene Öffnungen (Schlüssellochchirurgie) an den Ort der Behandlung platziert werden. Darüber hinaus profitieren die Operateure von weiteren hochentwickelten technischen Geräte, welche bei Bedarf in das Operationsfeld eingespielt werden können.
All diesen Geräten gemeinsam ist das Ziel, die Darstellung auch entlegener Bereiche und die möglichen Blickwinkel zu optimieren, um so einen höheren OP-Erfolg zu erzielen - und dabei das Gewebe maximal zu schonen.
Beispiele für minimalinvasive Eingriffe der Neurochirurgie sind:
- Erkrankungen der Hirnanhangsdrüse: Diese können über die Nase und eine kleine Öffnung einer der Nasen-Nebenhöhlen unter Zuhilfenahme eines Endoskops operiert werden.
- Störungen des Nervenwasserflusses: Hier kann endoskopisch eine Umgehung des Nervenwasserflusses über vorhandene anatomische Räume im Gehirn geschaffen werden.
- Tumore der Schädelbasis: Die Darstellung des operativen Bereiches mit dem Mikroskop oder auch dem Endoskop ermöglicht das Arbeiten der Neurochirugen über kleinste OP-Kanäle.