Die Parkinson-Krankheit, erstmals 1817 von Dr. James Parkinson beschrieben, ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die durch motorische und nicht-motorische Symptome gekennzeichnet ist. Dr. Heinz Reichmann, Direktor der Klinik und Poliklinik für Neurologie am Universitätsklinikum Carl Gustav Carus in Dresden, betont die Vielschichtigkeit der Erkrankung, die weit mehr als nur das klassische Zittern umfasst. Neben den motorischen Beeinträchtigungen treten häufig auch Angststörungen und Depressionen auf, die die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen können.
Was ist Parkinson?
Parkinson, auch Morbus Parkinson oder Schüttellähmung genannt, ist eine chronisch fortschreitende neurodegenerative Erkrankung des Nervensystems. Die Erkrankung ist durch den Verlust von Dopamin-produzierenden Nervenzellen in der Substantia nigra gekennzeichnet. Dopamin ist ein wichtiger Botenstoff im Gehirn, der für die Steuerung von Bewegungen zuständig ist. Ein Mangel an Dopamin führt zu den typischen motorischen Symptomen der Parkinson-Krankheit.
Ursachen und Risikofaktoren
Die genauen Ursachen für Parkinson sind noch nicht vollständig geklärt. Es wird jedoch angenommen, dass verschiedene Faktoren eine Rolle spielen können, darunter:
- Genetische Veranlagung: Bestimmte Genmutationen können das Risiko erhöhen, an Parkinson zu erkranken. Nur etwa fünf Prozent aller Parkinsonpatienten in Deutschland zeigen eine genetische Ursache.
- Umweltfaktoren: Der Umgang mit Giften wie Kohlenstoffmonoxid und Mangan, sowie Herbizide und Pestizide als Landwirte, können das Risiko einer Parkinson-Erkrankung erhöhen.
- Alterungsprozesse: Das Altern der Nervenzellen gilt als einer der wichtigsten Risikofaktoren, da Parkinson überwiegend im höheren Lebensalter auftritt. Ab 60 Jahren beginnt das Risiko stark anzusteigen.
Symptome
Die Parkinson-Symptome entwickeln sich in der Regel schleichend und können von Person zu Person stark variieren. Zu den häufigsten Symptomen gehören:
- Motorische Symptome:
- Bewegungsarmut oder Bewegungslosigkeit (Akinese): Dies ist ein Hauptsymptom der Parkinson-Erkrankung.
- Muskelsteifheit (Rigor): Erhöhte Muskelspannung, die zu ruckartigen Bewegungen führen kann (Zahnradphänomen).
- Zittern im Ruhezustand (Ruhetremor): Tritt typischerweise an den Händen auf, kann aber auch andere Körperregionen betreffen.
- Verlangsamung der Bewegung (Bradykinese): Alltägliche Tätigkeiten werden mühsamer.
- Haltungs- und Gangunsicherheit (Posturale Instabilität): Erhöhtes Sturzrisiko.
- Veränderungen der Handschrift: Die Schrift wird kleiner, enger und unleserlicher.
- Eingeschränkte Mimik ("Maskengesicht"): Steife Gesichtsmuskeln führen zu einem starren Gesichtsausdruck.
- Sprachstörungen: Leises und undeutliches Sprechen.
- Nicht-motorische Symptome:
- Riechstörungen: Können bereits im Frühstadium auftreten.
- REM-Schlafverhaltensstörung: Unruhiger Schlaf mit heftigen Träumen, bei denen die Betroffenen um sich schlagen und schreien können.
- Verstopfungen: Störung des autonomen Nervensystems führt zu verlängerter Verweildauer des Stuhls im Darm.
- Depressionen: Treten bei etwa 30 Prozent aller Parkinsonbetroffenen auf.
- Vergesslichkeit
- Starkes Schwitzen
- Gleichgewichtsstörungen
- Inkontinenz
- Impotenz
- Psychosen
- Halluzinationen
- Demenz
- Schlafstörungen: Tagesmüdigkeit, Ein- und Durchschlafstörungen.
- Apathie: Verlust von Interesse an der Umgebung, Antriebsmangel und Freudlosigkeit.
- Angststörungen: Neu auftretende Ängste, insbesondere ab dem 50. Lebensjahr, können ein Warnzeichen sein.
Diagnose
Die Diagnose von Parkinson kann komplex sein und erfordert Erfahrung und Fachwissen seitens des behandelnden Arztes. Sie beginnt in der Regel mit einer gründlichen Anamnese und körperlichen Untersuchung. Zusätzliche Tests und Untersuchungen können die Diagnose unterstützen:
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- MRT- und CT-Scans des Gehirns: Zum Ausschluss anderer Ursachen für die Symptome.
- Dopamintransporter-Szintigrafie (DAT-Scan): Misst die Dopamintransporter im Gehirn. Ein reduzierter Dopamintransport kann auf Parkinson hindeuten.
- Untersuchung des Liquors: Zum Ausschluss anderer neurodegenerativer Erkrankungen.
- Genetische Tests: In manchen Fällen, insbesondere bei familiärer Vorbelastung.
Parkinson und Angstzustände
Angststörungen und Depressionen sind häufige Begleiterkrankungen bei Parkinson. Sie können einzeln oder gemeinsam auftreten und sich im Verlauf der Erkrankung manifestieren, aber auch bereits im Frühstadium oder im Vorfeld der Erkrankung auftreten.
Ursachen von Angst und Depression bei Parkinson
Als Ursachen für die psychischen Beeinträchtigungen werden unter anderem Störungen des Haushalts von Botenstoffen im Gehirn angenommen. Veränderungen im Stoffwechsel bestimmter Hirngebiete, insbesondere ein Mangel an Dopamin und Serotonin, können zu Depressionen führen. Auch die psychische Belastung durch die unheilbare Erkrankung kann zu Angststörungen und Depressionen beitragen.
Auswirkungen von Angst und Depression
Angstzustände und Depressionen können das Wohlbefinden und die Lebensqualität der Parkinson-Erkrankten erheblich beeinträchtigen. Sie können zu sozialem Rückzug, sozialer Phobie und einer erhöhten Ängstlichkeit führen, insbesondere wenn die Patienten aufgrund ihrer Erkrankung häufig stürzen.
Behandlung von Angst und Depression bei Parkinson
Die psychischen Beeinträchtigungen sollten frühzeitig erkannt und behandelt werden. Im Mittelpunkt der Behandlung stehen:
- Kognitive Verhaltenstherapie: Zur Behandlung von Angststörungen.
- Medikamentöse Therapie: Antidepressiva zur Behandlung von Depressionen.
- Kombination aus beidem: Kann den Therapieerfolg verbessern.
Behandlung von Parkinson
Die Parkinson-Behandlung zielt darauf ab, die Symptome zu lindern, die Lebensqualität zu verbessern und das Fortschreiten der Erkrankung möglichst zu verlangsamen. Sie sollte individuell erfolgen und von einem Facharzt für Neurologie geleitet werden.
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Medikamentöse Therapie
Klassischerweise wird Parkinson mittels Dopaminersatztherapie behandelt, um die Bewegungsstörungen zu vermindern. Zum Einsatz kommen unter anderem:
- Levodopa: Wird im Gehirn in Dopamin umgewandelt.
- Dopamin-Agonisten: Wirken ähnlich wie Dopamin im Gehirn.
- MAO-B-Hemmer: Verhindern den Abbau von Dopamin im Gehirn.
- COMT-Hemmer: Verlängern die Wirkung von Levodopa.
Nicht-medikamentöse Therapie
Neben der medikamentösen Therapie spielen auch nicht-medikamentöse Maßnahmen eine wichtige Rolle:
- Physiotherapie: Zur Stärkung der Muskulatur, Erhaltung der Beweglichkeit und Verbesserung der Koordination. Die sogenannte „BIG-Methode“ ist eine spezifische Bewegungstherapie bei Parkinson.
- Ergotherapie: Zur Verbesserung der Alltagsfähigkeiten und der Lebensqualität.
- Logopädie: Zur Verbesserung der Sprache und des Schluckens. Wenn die Stimme immer leiser wird und die Patienten undeutlich sprechen, könnte eine Übung sein, sich in einen Raum zu setzen und dreimal am Tag für fünf Minuten A-E-I-O-U zu schreien - richtig laut.
- Psychologische Unterstützung: Zur Bewältigung von Depressionen und Angstzuständen.
- Parkinson-Komplex-Therapie: Ein zweiwöchiger Krankenhausaufenthalt in Parkinsonspezialkliniken, in denen die Patienten medikamentös eingestellt werden und intensive Ergo- und Physiotherapie sowie Logopädie erhalten.
- Rhythmischer Sport: Nordic Walking, Tanzen, Schwimmen, Golfen und Tennis können helfen, Rhythmus und Bewegungsfluss wieder zu erlernen.
Neurochirurgische Eingriffe
In fortgeschrittenen Stadien kann die Tiefe Hirnstimulation (DBS) in Betracht gezogen werden. Dabei werden Elektroden in bestimmte Hirnareale implantiert, die über einen Impulsgeber gesteuert werden und so Symptome deutlich lindern können.
Leben mit Parkinson
Parkinson ist eine insofern schlimme Diagnose, weil man jeden Tag parkinsonkrank ist. Aber die Erkrankung lässt sich gut behandeln, um über viele Jahre und Jahrzehnte die Lebensqualität zu erhalten.
Tipps für den Alltag
- Aktiv bleiben: Parkinsonpatienten sollten nicht nur auf der Couch sitzen, sondern auch gefordert werden.
- Rhythmischer Sport: Ist hilfreich, um Rhythmus und Bewegungsfluss wieder zu erlernen.
- Ernährung: Bei der Ernährung kann man nicht viel falsch oder richtig machen. Alkohol ist nicht explizit verboten. Koffein scheint eine positive Wirkung zu haben, die aber umstritten ist.
- Selbsthilfegruppen: Bieten Unterstützung in allen Bereichen und funktionieren in Deutschland unglaublich gut.
Umgang mit Verhaltensänderungen
Im Verlauf der Parkinson-Erkrankung können Verhaltensauffälligkeiten und Persönlichkeitsveränderungen auftreten. Diese können durch die Erkrankung selbst, aber auch durch die langfristige Einnahme von Medikamenten begünstigt werden. Zu den häufigsten Verhaltensänderungen gehören:
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- Mangelnde Impulskontrolle: Führt zu Spielsucht, exzessivem Essen oder Hypersexualität.
- Punding: Stereotype, sich wiederholende Tätigkeiten ohne erkennbaren Zweck.
- Dopaminerge Dysregulationssyndrom: Stetige Zunahme der dopaminergen Dosis über das zur Kontrolle der motorischen Symptome erforderliche Maß hinaus.
Es ist wichtig, diese Verhaltensänderungen frühzeitig zu erkennen und mit dem behandelnden Arzt zu besprechen. Die therapeutischen Maßnahmen bestehen meist in einer Verringerung der Dosis oder gegebenenfalls auch dem Absetzen des Dopaminagonisten.
Schlafstörungen bei Parkinson
Schlafstörungen treten in allen Stadien der Parkinson-Erkrankung und bei der Mehrzahl der Betroffenen auf. Bis zu 90 % aller Menschen mit Parkinson sind im Verlauf der Erkrankung von Tagesmüdigkeit und Ein- und Durchschlafstörungen betroffen. Da es allerdings verschiedene Ursachen für das Auftreten von Schlafstörungen bei Parkinson gibt, ist eine gezielte Behandlung nur nach sorgfältiger Analyse der Symptome und der Begleitumstände möglich.
Tipps für besseren Schlaf
- Regelmäßige Schlafzeiten: Regelmäßige Zeiten für das Zubettgehen einhalten und tagsüber Mittagsschlaf und Nickerchen vermeiden.
- Vermeidung aufmunternder Medikamente am Abend: Keine aufmunternden Parkinson-Medikamente (Selegilin oder Amantadin) abends einnehmen.
- Behandlung des Restless-Legs-Syndroms: Bei Missempfindungen in den Beinen, die sich erst beim Bewegen oder Laufen bessern, kann die abendliche Einnahme zusätzlicher Parkinson-Medikamente helfen.
- Entspannungstechniken: Warme Fußbäder vor dem Schlafengehen oder Entspannungstechniken wie das autogene Training können einschlaffördernd sein.
- Milde Schlafmittel: Die vorübergehende Einnahme milder Schlafmittel ist bei der Parkinson-Krankheit möglich, sollte aber mit dem Arzt besprochen werden.
- Anpassung der Medikamenteneinnahme: Bei starker Unbeweglichkeit in der zweiten Nachthälfte kann die Einnahme eines lang wirksamen Parkinson-Medikamentes vor dem Einschlafen Linderung verschaffen.
- Reduzierung der Trinkmenge am Abend: Um nächtlichen Harndrang zu reduzieren, sollte die abendliche Trinkmenge reduziert und auf die regelmäßige Blasenentleerung vor dem Zubettgehen geachtet werden.
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