Epileptischer Anfall: Prozesse im Gehirn, Ursachen, Diagnose und Behandlung

Epilepsie ist eine neurologische Erkrankung, die durch wiederholte epileptische Anfälle gekennzeichnet ist. Viele Menschen verbinden Epilepsie mit Anfällen, die mit Bewusstseinsverlust und Muskelkrämpfen einhergehen. Allerdings manifestieren sich nicht alle Anfälle auf diese Weise, und die Symptome sind oft unbekannt. Diese Symptome können von verfälschten Sinneswahrnehmungen bis hin zu Verwirrung reichen. Dieser Artikel befasst sich mit den Prozessen im Gehirn, den Ursachen, der Diagnose und den verschiedenen Behandlungsmöglichkeiten für epileptische Anfälle.

Vielfältige Symptome epileptischer Anfälle

Die Symptome eines epileptischen Anfalls können vielfältig sein, je nachdem, welcher Teil des Gehirns vorübergehend betroffen ist. Einige Betroffene erleben kurze Episoden von Verwirrung, verminderter Reaktion auf Ansprache oder Sehstörungen. Auch unkontrollierte Bewegungen oder Zuckungen sowie Missempfindungen, Kribbeln oder Taubheitsgefühle sind möglich.

Ein Beispiel ist der Fall von Ahmed Yilmaz, einem 43-jährigen Mann, der einen Geruch von Müll in seiner Wohnung wahrnimmt, den seine Frau und Tochter nicht riechen können. Solche falschen Sinneswahrnehmungen können ein wichtiges Warnsignal für einen fokalen epileptischen Anfall sein.

Ursachen und Auslöser von Epilepsie

Epilepsie hat ihren Ursprung im Gehirn, wobei verschiedene Ursachen in Frage kommen. Es ist wichtig, zwischen den eigentlichen Ursachen der Epilepsie und den Triggern einzelner Anfälle zu unterscheiden. Trigger sind Reize oder Situationen, die Anfälle auslösen können, aber nicht die Ursache der Epilepsie selbst sind. Solche Trigger können Flackerlicht, Alkohol, Drogen, Fernsehen, Stress, Schlafmangel oder extreme Witterungswechsel sein.

Die eigentlichen Ursachen einer Epilepsie sind im Gehirn und Stoffwechsel der Betroffenen zu suchen. Jedes Ereignis, das einen Schaden im Gehirn verursacht, kann ein potenzieller Auslöser für ein epileptisches Anfallsleiden sein. Die Medizin unterscheidet hier strukturelle, infektiöse, metabolische, genetische und immunologische Ursachen.

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  • Strukturelle Veränderungen: Diese können beispielsweise durch Schlaganfälle oder Tumore entstehen. Die strukturellen Veränderungen können mitunter zu einem erhöhten Hirndruck oder Durchblutungsstörungen führen, die dann epileptische Anfälle begünstigen.
  • Infektionen des Gehirns: Diese können unter anderem durch Borreliose hervorgerufen werden.
  • Metabolische Veränderungen: Diese betreffen den Stoffwechsel und stehen beispielsweise mit seltenen Stoffwechselerkrankungen wie der Phenylketonurie in Verbindung.
  • Immunologische Ursachen: Hierbei handelt es sich um Entzündungsvorgänge im Gehirn, beispielsweise wenn das Immunsystem das Hirngewebe angreift und es zu einer Hirnhautentzündung kommt.

Zusätzlich gibt es sogenannte kryptogene Epilepsien, bei denen die Ursache unbekannt ist. Genetisch bedingt haben manche Menschen eine stärkere Veranlagung zu epileptischen Anfällen als andere. Die Forschung geht heute davon aus, dass bei diesen Patienten ein oder mehrere Gene defekt sind, die als Ursache der Epilepsie anzusehen sind.

Diagnose von Epilepsie

Die Epilepsiediagnostik ist ein Prozess, bei dem verschiedene Untersuchungen durchgeführt und deren Ergebnisse aufeinander bezogen werden müssen. Dabei spielen die Anfallsbeschreibung, die Elektroenzephalographie (EEG) und die Magnetresonanztomographie (MRT) eine wichtige Rolle.

  • Anfallsbeschreibung: Es ist wichtig, dass der Betroffene selbst beschreibt, was er vor, während und nach dem Anfall erlebt hat. Da häufig Teile des Anfalls oder der ganze Anfall nicht bewusst miterlebt werden, ist eine möglichst gute Fremdbeschreibung durch Angehörige, Freunde oder Arbeitskollegen unverzichtbar. Hilfreich kann auch die Aufzeichnung einer kurzen Videosequenz mit dem Handy sein.
  • Elektroenzephalographie (EEG): Hierbei werden die Hirnströme abgeleitet, um mögliche Anhaltspunkte für epilepsietypische Veränderungen zu erhalten. Ein EEG kann auch helfen festzustellen, ob es sich um eine generalisierte oder um eine fokale Epilepsie handelt und in welcher Hirnregion der Ursprung liegt.
  • Magnetresonanztomographie (MRT): Mit Hilfe der MRT-Untersuchung können hirnorganische Veränderungen sichtbar gemacht werden. Diese können Hinweise auf die Ursache der Epilepsie bzw. der epileptischen Anfälle geben.

Behandlungsmöglichkeiten von Epilepsie

Welche Behandlung sinnvoll ist, hängt von der Form der Epilepsie und dem Krankheitsverlauf ab. Meist wird eine Epilepsie mit Medikamenten, sogenannten Antiepileptika, behandelt. Es stehen unterschiedliche Medikamente aus verschiedenen Wirkstoffgruppen zur Verfügung. Wenn ein Medikament in einer niedrigen Dosierung nicht wirkt, kann zunächst die Dosis erhöht werden. Zeigt sich kein Erfolg, probiert man ein Medikament aus einer anderen Wirkstoffgruppe oder kombiniert mehrere Wirkstoffe.

Neben der medikamentösen Therapie gibt es weitere Behandlungsmöglichkeiten:

  • Chirurgische Entfernung: Wenn sich bei fokalen Anfällen feststellen lässt, welcher Bereich des Gehirns die Anfälle auslöst, kann er entfernt werden. Das ist aber nicht immer möglich.
  • Vagusnerv-Stimulation: Dabei wird ein Schrittmacher unter die Haut im Brustbereich implantiert, der elektrische Impulse abgibt. Er ist über Kontakte am Halsbereich mit dem Vagusnerv verbunden und soll die Überaktivität der Nervenzellen hemmen.
  • Psychotherapie: Ergänzend kann eine Psychotherapie hilfreich sein. Sie kann dabei unterstützen, mit den Folgen der Erkrankung umzugehen und die Lebensqualität zu verbessern.
  • Anfallsselbstkontrolle: Parallel zur medikamentösen Epilepsietherapie kann auch der verhaltenstherapeutische Ansatz der Anfallsselbstkontrolle in die Behandlung integriert werden.

Erste Hilfe bei einem epileptischen Anfall

Bei einem epileptischen Anfall ist es am wichtigsten, dass Helferinnen und Helfer Ruhe bewahren und Betroffene vor Verletzungen schützen. Dauert der Anfall länger als fünf Minuten an oder treten mehrere Anfälle kurz hintereinander auf, sollte der Rettungsdienst (Notruf 112) informiert werden.

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Epilepsie im Alltag

Epilepsien haben in den meisten Fällen Auswirkungen auf den Alltag der Betroffenen. Manche Lebensbereiche werden durch klare gesetzliche und behördliche Vorgaben eingeschränkt, in anderen Bereichen müssen Betroffene einen eigenen Umgang mit den Herausforderungen finden.

Forschungsergebnisse zu Gliazellen bei Epilepsie

Eine Studie untersuchte epileptische Anfälle bei Zebrafischen und ergab, dass Gliazellen eine wichtige Rolle bei der Entstehung von Epilepsie spielen. Die Studie zeigte, dass kurz vor einem epileptischen Anfall Gliazellen eine starke synchrone Aktivität im gesamten Gehirn zeigten, während Nervenzellen nur in einem begrenzten Gehirnbereich abnormal aktiv waren. Während des eigentlichen Anfalls nahm die neuronale Aktivität abrupt zu, und die funktionellen Verbindungen zwischen den Nervenzellen und den Gliazellen wurden sehr kraftvoll. Auch der Glutamatspiegel, eine chemische Verbindung, die Signale zwischen Nervenzellen überträgt, nahm stark zu. Die Ergebnisse der Studie deuten darauf hin, dass Epilepsie nicht nur aufgrund eines anormalen Verhaltens von Neuronen, sondern auch von Gliazellen entsteht.

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