Die Rolle des Hippocampus bei der Gedächtnisspeicherung

Der Hippocampus, eine Hirnstruktur, die einem Seepferdchen ähnelt, spielt eine entscheidende Rolle bei der Gedächtnisspeicherung. Seit den späten 1950er Jahren, als der Patient „H.M.“ nach der Entfernung des Hippocampus die Fähigkeit verlor, neue Erinnerungen zu bilden, ist das Interesse an seiner Funktion in der Gedächtnisforschung stetig gestiegen.

Die Bedeutung des Hippocampus für das Gedächtnis

Der Hippocampus ist maßgeblich daran beteiligt, kurzzeitige Erinnerungen in das Langzeitgedächtnis zu überführen, wo sie gespeichert und bei Bedarf wieder abgerufen werden können. Personen mit einem zerstörten Hippocampus vergessen umgehend neue Situationen oder Personen.

Die Geschichte von Patient H.M.

Die Geschichte von Patient H.M. verdeutlicht die kritische Rolle des Hippocampus bei der Speicherung von Informationen. Nach einer Operation, bei der ein Teil seines Hippocampus entfernt wurde, konnte H.M. keine neuen langfristigen Erinnerungen mehr bilden.

Hippocampus und räumliche Orientierung

Der Hippocampus ist nicht nur für Erinnerungen, sondern auch für die räumliche Orientierung von Bedeutung, da er Informationen über die Umgebung aufnimmt und speichert.

Zusammenspiel von Hippocampus und Neokortex

Lange Zeit war die Rolle des Neokortex für das Gedächtnis und die Interaktion zwischen Neokortex und Hippocampus weitgehend unbekannt. Eine Studie untersuchte die Hirnaktivität von Probanden, während diese sich in einem virtuellen Labyrinth bewegten und versteckte Gegenstände finden mussten. Die Ergebnisse zeigten, dass die Aktivität des Precuneus, einer Region im hinteren Neokortex, mit dem Lernen kontinuierlich anstieg, während die Aktivität im Hippocampus kontinuierlich abfiel. Auch die Kommunikation zwischen beiden Regionen nahm im Laufe des Lernens ab.

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Langfristige Gedächtnisspuren im Neokortex

Die Studie wies nach, dass sich die langfristigen, neokortikalen Gedächtnisspuren bereits beim ersten Eintreffen neuer Informationen ausbilden. Dies widerspricht der bisherigen Annahme, dass dieser Prozess sehr langsam vonstattengeht und sich über Wochen oder Monate hinzieht.

Die Rolle der Lernwiederholungen

Die Zahl der Lernwiederholungen hat offenbar einen entscheidenden Einfluss darauf, wie schnell sich ein langfristiges und stabiles Gedächtnis im Neokortex ausbildet. Im Precuneus bildet sich eine eigenständige Gedächtnisrepräsentation aus.

Bedeutung für Demenzbehandlung und Lernen

Die neuen Studienergebnisse liefern wichtige Erkenntnisse darüber, welche Regionen langfristige Gedächtnisspuren speichern. Dies kann helfen, künftig Patienten mit Demenz oder Funktionsstörungen des Hippocampus richtig zu behandeln. Auch für die Schule sind die Erkenntnisse wichtig, wenn einfache Lerninhalte schnell und langfristig erworben werden sollen, wie Vokabeln in einer Fremdsprache oder das Einmaleins. Häufiges Wiederholen des Lernstoffs erscheint unumgänglich.

Synaptische Verbindungen und Langzeitgedächtnis

UKE-Wissenschaftler haben erstmals die Funktion einzelner Nervenzellverbindungen im Gehirn über sieben Tage hinweg beobachtet. Ihre Ergebnisse stellen das in der Forschung etablierte Erklärungsmodell, wie unser menschliches Langzeitgedächtnis funktioniert, in Frage.

Die Rolle der Synapsen

Bisher wurde angenommen, dass die Informationsspeicherung im Hippocampus von der Stärke der dortigen Nervenzellverbindungen, den Synapsen, abhängig ist. Für ein funktionierendes Langzeitgedächtnis müssen die Zellverbindungen stark sein und unbegrenzt stabil bleiben.

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Neue Erkenntnisse zur synaptischen Stabilität

Das Team um Prof. Oertner kam zu neuen Ergebnissen. Mit experimentellen Tricks beeinflussten sie synaptische Verbindungen so, dass diese Informations-Autobahnen quasi in Tempo 30-Zonen umgewandelt wurden. Nach sieben Tagen lösten sich 50 Prozent der manipulierten Synapsen auf, die anderen 50 Prozent kehrten in den Ausgangszustand zurück. Eine stabile Langzeitveränderung der Synapsen gibt es offenbar nicht.

Analoge und digitale Speicherung im Gehirn

Die Studie legt den Schluss nahe, dass das Gehirn ähnliche Strategien wie ein digitaler Computer verwendet, um Informationen über lange Zeiträume zu speichern. Dabei speichert der Hippocampus zunächst Information in „analoger“ Form, indem die Stärke der Synapsen verändert wird. Doch dieser Zustand ist instabil. Nach wenigen Tagen wird diese analoge Speicherung durch eine „digitale“ Form der Speicherung ersetzt - einige Synapsen fallen aus, andere kehren in den Ausgangszustand zurück. Digitale Speicherung ist wesentlich weniger anfällig für langsamen Zerfall. Das könnte erklären, wieso wir uns an Schlüsselerlebnisse aus Kindheit und Jugend bis ins hohe Altern erinnern.

Kognitive Speicherung

Die kognitive Speicherung bezieht sich auf die Art und Weise, wie das menschliche Gehirn Informationen aufnimmt, organisiert und für spätere Verwendungen speichert. Diese Speichersysteme sind unerlässlich, um Wissen, Erinnerungen und Erfahrungen über längere Zeit zu bewahren.

Prozesse der kognitiven Speicherung

Die Prozesse, die bei der kognitiven Speicherung ablaufen, können in mehrere spezifische Phasen unterteilt werden:

  • Enkodierung: Der Schritt, in dem Informationen in ein Format umgewandelt werden, das das Gehirn speichern kann.
  • Konsolidierung: Der Prozess der Stabilisierung einer Erinnerung nach der anfänglichen Enkodierung.
  • Abruf: Das Wiederauffinden und Verwenden von gespeicherten Informationen.

Kognitive Speicherung im Alltag

Kognitive Speicherung spielt eine tägliche Rolle im Leben. Sie beeinflusst, wie Aufgaben ausgeführt werden, wie man sich an Gespräche erinnert und wie neue Fähigkeiten erlernt werden.

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Emotionen und kognitive Speicherung

Emotionale Ereignisse neigen dazu, besser und klarer gespeichert zu werden, wodurch sie leichter abrufbar sind. Die Forschung zeigt, dass emotionale Erregung die Fähigkeit des Hippocampus beeinflusst, Erinnerungen zu speichern und zu konsolidieren, was die emotionale Valenz eines Ereignisses verstärkt.

Langzeitspeicherung

Langzeitspeicherung ist ein entscheidender Prozess in der Psychologie, in dem Informationen über längere Zeiträume im Gehirn gesichert werden. Dies ermöglicht es, Wissen, Erinnerungen und Erfahrungen dauerhaft zu bewahren.

Mechanismen der Langzeitspeicherung

Die Langzeitspeicherung umfasst verschiedene Mechanismen, die den Erhalt von Informationen erleichtern:

  • Repetition: Regelmäßiges Wiederholen von Informationen trägt zur Festigung derselben im Langzeitgedächtnis bei.
  • Assoziationen: Neue Informationen mit bestehenden Erinnerungen zu verknüpfen, erhöht die Wahrscheinlichkeit einer erfolgreichen Speicherung.
  • Tiefenverarbeitung: Eine intensive Auseinandersetzung mit Inhalten führt zu einer stärkeren Enkodierung und Speicherung.

Einflussfaktoren auf die Langzeitspeicherung

Verschiedene Faktoren beeinflussen die Langzeitspeicherung von Informationen. Emotionen verstärken die Speicherung von Informationen, indem sie die Freisetzung von Neurotransmittern wie Adrenalin und Noradrenalin fördern, was die Aktivierung der Amygdala und damit die Festigung von Erinnerungen unterstützt. Schlaf und Erholung sind entscheidend für die Speicherung von Informationen im Gehirn, da sie die Konsolidierung von Gedächtnisinhalten unterstützen. Techniken, die die Speicherung von Informationen im Langzeitgedächtnis verbessern können, umfassen regelmäßiges Wiederholen, das Erstellen von Eselsbrücken, die Verknüpfung neuer Informationen mit bereits bekannten Konzepten, sowie den Einsatz von Visualisierungen und Assoziationen.

Blitzlichterinnerungen

Ein besonders interessanter Aspekt der Langzeitspeicherung sind die sogenannten „Blitzlichterinnerungen“. Dies sind detaillierte und lebhafte Erinnerungen an bedeutende und emotionale Ereignisse. Forscher fanden heraus, dass solche Erinnerungen oft durch die emotionale Erregung gestärkt werden, was die Aktivität des Amygdala im Gehirn beeinflusst.

Zusammenarbeit verschiedener Hirnregionen

Neurowissenschaftler haben erforscht, wie verschiedene Teile des Gehirns zusammenarbeiten, um Erinnerungen aufzubauen und wieder abzurufen. Während der Bildung einer Erinnerung werden Informationen von der Großhirnrinde (Kortex) zum Hippocampus geleitet. Beim Abrufen einer Erinnerung läuft dieser Informationsfluss umgekehrt ab.

Synchronisations- und Desynchronisationsprozesse

Die Ergebnisse einer Studie validieren ein neues Model, nachdem Gedächtnisbildung und -abruf wesentlich auf Synchronisationsprozessen im Hippocampus und Desynchronisationsprozesse im Kortex beruhen.

Bedeutung für die Behandlung von Gedächtnisstörungen

Die Interaktionen zwischen den verschiedenen Zentren beim Aufbau von Erinnerungen zu verstehen, ist die Basis dafür, in Zukunft Gedächtnisstörungen besser behandeln zu können.

Zirkadiane Rhythmen und Hippocampus

Ein internationales Forscher-Konsortium fand heraus, dass die Prozesse im Hippocampus, die Inhalte aus dem Kurzzeit- in das Langzeitgedächtnis übernehmen, nach einem eigenen tageszeitlichen Rhythmus ablaufen und die molekularen Aktivitäten im Verlauf von Tag und Nacht erheblich schwanken.

Eigener 24-Stunden-Rhythmus im Hippocampus

Der Tag-Nacht-Zyklus reguliert die Aktivität fast aller auf der Erde lebenden Organismen. Nun fanden die Wissenschaftler heraus, dass auch im Hippocampus entsprechende genetische und molekulare Prozesse aktiv sind.

Bedeutung für die Epilepsieforschung

Ein zweiter Aspekt dieser Studie betrifft die Temporallappenepilepsie - die häufigste Epilepsieform bei Erwachsenen. Bei 80 Prozent der Patienten werden Anfälle zirkadian reguliert. Es ist bekannt, dass der Hippocampus an dieser Form der Epilepsie beteiligt ist, und betroffene Patienten häufig Gedächtnis- und Lerndefizite haben, die vom Hippocampus abhängen. Dieses Ergebnis könnten helfen, zu verstehen, warum Anfälle zu einer bestimmten Tageszeit häufiger auftreten.

Neuronale Mechanismen im Hippocampus

Endlich hat man im Hippocampus, genauer - im Zusammenspiel seiner Nervenzellen - den neuronalen Mechanismus entdeckt, den man für das physiologische Substrat des Lernens hält: die Langzeitpotenzierung (LTP). Nervenzellen, die oft zeitgleich aktiv sind, koppeln sich elektrisch inniger aneinander als solche, die nur gelegentlich synchron aktiv sind. Die zugrundeliegende LTP beruht auf einer Veränderung der Synapsen. Die Übertragung von einem Neuron zum anderen wird im Falle der Synchronisation effektiver, salopp gesprochen: Der „synaptische Widerstand“ wird verringert.

Neurogenese im Hippocampus

Neuerdings weiß man auch, dass der Hippocampus - seine Fascia dentata, um genau zu sein - einer der wenigen Orte im Gehirn ist, an dem zeitlebens Neurone neu geboren werden. Man nennt das Neuroneogenese. Noch verstehen wir nicht recht, wozu sie gut ist. Doch die neugeborenen Nervenzellen werden in die bestehenden, sehr komplizierten intrinsischen Schaltkreise des Hippocampus eingebaut.

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