Oktopusse: Fakten über faszinierende Meeresbewohner mit multiplen Gehirnen

Oktopusse sind faszinierende Lebewesen, die mit ihrer Intelligenz, Anpassungsfähigkeit und einzigartigen Anatomie immer wieder für Staunen sorgen. Dieser Artikel beleuchtet einige der erstaunlichsten Fakten über diese intelligenten Weichtiere, von ihren drei Herzen und blauem Blut bis hin zu ihren verblüffenden Tarnfähigkeiten und der Fähigkeit, Gliedmaßen zu regenerieren.

Drei Herzen für ein Halleluja: Die einzigartige Anatomie des Oktopus

Ja, es ist richtig gelesen: Der Oktopus besitzt nicht nur ein Herz, sondern gleich drei! Zwei dieser Herzen pumpen Blut durch die Kiemen, mit denen der lebensnotwendige Sauerstoff an das Hauptherz geleitet wird. Das dritte Herz pumpt das Blut in den Rest des Körpers. Diese besondere Herzanatomie ist notwendig, weil das Blut der Oktopusse auf Kupfer basiert, was weniger effizient ist und weniger Sauerstoff transportiert.

Blaues Blut: Eine Besonderheit im Tierreich

Anders als bei den meisten Wirbeltieren, deren Blut auf Eisen basiert und daher rot ist, ist das Blut von Oktopussen blau. Der Grund dafür ist das Kupfer-basierte Molekül Hämocyanin, das im Blut der Oktopusse Sauerstoff transportiert. Dieses Molekül ist unter kälteren und sauerstoffarmen Bedingungen, wie sie in den Tiefen des Ozeans vorkommen, äußerst effizient.

Intelligenz: Problemlöser und Werkzeugnutzer der Meere

Oktopusse gelten als die intelligentesten Weichtiere und sind sogar schlauer als viele andere Wirbeltiere. Sie haben die Fähigkeit, komplexe Probleme zu lösen, wie etwa das Öffnen von Gläsern oder das Navigieren in Labyrinthen. Sie erkennen Muster und können sich diese merken, was sie zu hervorragenden Jägern macht. Zudem haben Forscher beobachtet, dass Oktopusse Werkzeuge verwenden, zum Beispiel Kokosnussschalen, die sie als Schutz nutzen. Der Gebrauch von Werkzeugen oder das blitzschnelle Zählen von Gegenständen kennt man eigentlich von wenigen hochentwickelten Wirbeltieren wie Affen oder Vögeln. Doch sind Vögel und Affen vergleichsweise nah mit dem Menschen verwandt, im Gegensatz zu Oktopoden, deren Linie sich bereits vor etwa 550 Millionen Jahren von jener der Wirbeltiere abspaltete.

Verblüffende Tarnung und Farbwechsel: Meister der Täuschung

Oktopusse haben spezielle Zellen in ihrer Haut, sogenannte Chromatophoren, die ihnen ermöglichen, ihre Farbe blitzschnell zu ändern. Damit passen sie sich perfekt ihrer Umgebung an und entgehen so Raubtieren. Ihre Haut kann nicht nur Farben, sondern auch Texturen annehmen, sodass sie Felsen, Korallen oder Algen imitieren können. Dieser schnelle Farbwechsel dient nicht nur zur Tarnung, sondern auch zur Kommunikation mit Artgenossen. Anhand von Videoaufnahmen von Oktopussen aus Mikronesien und Französisch-Polynesien errechnete der amerikanische Meeresbiologe Roger Hanlon, wie oft die Oktopusse pro Stunde ihre Farbe wechseln können: bis zu 177 Mal. Zudem konnten Forschende bei den Tieren 50 verschiedene Körpermuster feststellen. Obwohl die Kraken für einen Farbwechsel nur den Bruchteil einer Sekunde brauchen, können diese Könige der Camouflage manche Farben und Muster auch länger als eine Stunde behalten.

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Arme voller Nerven: Dezentrale Intelligenz

Jeder Arm besitzt ein eigenes Nervensystem, das relativ unabhängig vom Gehirn funktioniert. Ein Großteil der Gehirnzellen des Oktopus befindet sich in den Armen, was ihnen erlaubt, selbstständig auf Reize zu reagieren. So kann ein Oktopus mit einem Arm nach Futter suchen, während er mit einem anderen ein Versteck findet.

Fortpflanzung und Tod: Ein kurzes, aber entscheidendes Ereignis

Die Fortpflanzung ist für Oktopusse ein kurzes, aber entscheidendes Ereignis, das oft mit dem Tod endet. Nachdem das Männchen das Weibchen befruchtet hat, stirbt es meist nach kurzer Zeit. Auch das Weibchen stirbt, nachdem es seine Eier bewacht und gepflegt hat, da sie während dieser Zeit weder frisst noch schläft. Dieser selbstaufopfernde Fortpflanzungsprozess stellt sicher, dass die nächste Generation bestmöglich geschützt ist.

Geschickte Entfesselungskünstler: Meister der Flucht

Oktopusse gelten als äußerst neugierige und geschickte Entfesselungskünstler. Sie sind dafür bekannt, aus Aquarien oder Behältern zu entkommen, indem sie Löcher oder Öffnungen finden, die gerade groß genug für ihre weichen Körper sind. Mit Hilfe ihrer Arme können sie Deckel öffnen, Ventile drehen oder sich durch winzige Lücken zwängen. Diese Fähigkeit zeugt nicht nur von ihrer Intelligenz, sondern auch von ihrem Überlebensinstinkt.

Sehen ohne Farben: Die Welt in Graustufen?

Die Augen der Oktopusse sind bemerkenswert leistungsfähig und bieten ihnen eine außergewöhnliche Sehkraft. Sie haben jedoch eine Besonderheit: Sie sind farbenblind. Um Farben wahrzunehmen, verlassen sich Oktopusse auf ein Verhalten namens "chromatische Aberration", bei dem sie verschiedene Lichtwellenlängen und die Form von Objekten analysieren. Forscher vermuten, dass sie Farben zwar nicht auf dieselbe Weise wie wir sehen, aber dennoch durch Form und Struktur Unterschiede wahrnehmen können. Forschende vermuten, dass Oktopusse völlig andere Systeme als wir nutzen, um die Farben ihrer Umgebung wahrzunehmen und sich darauf abzustimmen. Ihre elektrische Haut, die Chromatophoren und die Nerven, mit denen sie die Papillen aufrichten, enthalten Proteine, die man sonst in Augen findet. 2015 berichteten Evolutionsbiologen der University of California in Santa Barbara, dass die Haut lichtempfindlich ist und Veränderungen der Helligkeit erkennt.

Regeneration von Gliedmaßen: Ein Wunder der Natur

Wie viele andere Meerestiere können auch Oktopusse abgetrennte Gliedmaßen nachwachsen lassen. Wenn sie während eines Kampfes mit einem Raubtier oder auf der Flucht einen Arm verlieren, wächst dieser innerhalb weniger Monate nach. Dieser Prozess ist äußerst energieintensiv und ein weiteres Beispiel für die Anpassungsfähigkeit und das Überlebensvermögen der Oktopusse.

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Verschiedene Arten, verschiedene Fähigkeiten: Eine beeindruckende Vielfalt

Es gibt mehr als 300 Arten von Oktopussen, und jede hat einzigartige Merkmale. Der Blauring-Krake ist für sein tödliches Gift bekannt, das selbst für den Menschen gefährlich ist. Andere Arten, wie der Tiefsee-Oktopus, sind hervorragend an das Leben unter extremem Druck angepasst. Die Riesenkalmarverwandten, wie der Pazifische Riesenkrake, können eine Spannweite von bis zu neun Metern erreichen. Diese Vielfalt macht den Oktopus zu einem der erstaunlichsten Tiere der Meere.

Mimikry und Täuschung: Meister der Verwandlung

Mimik-Oktopusse (Thaumoctopus mimicus) oder auch Karnevalstintenfische genannt, sind versierte Lügner und tun das so überzeugend, dass sie auch ihre ärgsten Feinde damit in die Flucht schlagen können. Sie sind nicht nur in der Lage, ihr Erscheinungsbild an die Umgebung anzupassen, sondern schneiden es sogar auf die unterschiedlichen Ängste ihrer Jäger zu. So können Karnevalstintenfische wellenförmig über den schlammigen Boden gleiten und ihre Arme hinter sich herziehen - und dabei die Gestalt, Farbe, Bewegung und Geschwindigkeit eines giftigen Zebrias (einer Plattfischart aus der Familie der Seezungen) annehmen. Ihre cleveren Tarnungen scheinen zu funktionieren. So konnten Forschende einen Mimik-Oktopus beobachten, dem sich ein Riffbarsch näherte. Diese Art ist so aggressiv, dass sie sogar Barrakudas verjagt. Vor den Augen des Raubfisches nahm der Oktopus die Form eines anderen Lebewesens an: Er versteckte sechs Arme im Sand und streckte nur zwei seiner sich schlängelnden gestreiften Arme aus. Der Riffbarsch floh, als sei er bedroht von einem seiner tödlichsten Feinde, einer breit gestreiften, giftigen Seeschlange, dem Nattern-Plattschwanz.

Kraft und Beweglichkeit: Ein Körper ohne Knochen

Mit seinen hydrostatischen Muskeln kann ein Oktopus das Hundertfache seines Körpergewichts ziehen. Ihre Muskeln funktionieren ähnlich wie unsere Zunge, denn sie werden nicht von Knochen gestützt, sondern von einer darin enthaltenen Flüssigkeit. „Oktopusse haben Muskelstränge, die längs, rund und in Spiralen angeordnet sind“, erklärt der Dr. Christine Huffard, Forscherin am Monterey Bay Aquarium Research Institute in Kalifornien. Das ermöglicht ihnen, die Außenseiten ihrer beiden Hinterarme zu nutzen, um abwechselnd einen Saugnapfrand nach dem anderen abzulegen und über den Boden zu rollen - wie ein Förderband oder die Laufrollen eines Panzers.

Neun Gehirne: Ein verteiltes Nervensystem

Und natürlich ihr Gehirn. Besser gesagt: Ihre neun Gehirne. Denn neben dem Hauptdenkorgan, das sich wie ein Ring um die Speiseröhre spannt, besitzen sie noch acht neuronale Rechenzentren, jedes davon zuständig für einen der Arme. Acht Arme, drei Herzen und sehr intelligent! Oktopusse sind faszinierende Tiere. Das menschliche Nervensystem besteht aus 86 Milliarden Neuronen. Die meisten davon befinden sich in den je sechs verschiedenen Lappen unserer beiden Hirnhälften. Oktopusgehirne haben nicht nur sechs, sondern zwischen 50 und 70 solcher Lappen. Und das Gehirn der Kraken ist noch der kleinste Bestandteil ihres Nervensystems: Vier Fünftel seiner Neuronen - schätzungsweise 350 Millionen - stecken in seinen Armen. Jeder Arm besitzt sein eigenes Rechenzentrum, das große Informationsmengen weiterverarbeiten kann. Unter gewissen Umständen funktionieren die Arme sogar ohne Input aus dem Gehirn. Selbst vom Körper abgetrennt, kann ein Oktopusarm noch losziehen und etwas tun. Wie ein Netz zieht sich das Gehirn des Oktopus durch seinen gesamten Körper - vom Kopf bis in die Tentakelspitzen.

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