Einführung
Polyneuropathie (PNP) ist eine Erkrankung des peripheren Nervensystems, bei der mehrere Nerven gleichzeitig geschädigt werden. Weltweit leiden schätzungsweise 40 von 100.000 Menschen an dieser komplexen Krankheit, die durch vielfältige Ursachen ausgelöst werden kann. Dieser Artikel beleuchtet die Rolle von Magnesium bei der Behandlung von Polyneuropathie, insbesondere im Hinblick auf Dosierung und therapeutischen Nutzen.
Was ist Polyneuropathie?
Polyneuropathie ist eine systemische Erkrankung, die durch Schädigungen des peripheren Nervensystems gekennzeichnet ist. Dies führt zu Funktionsstörungen der betroffenen Nerven. Da mehrere Nerven oder Nervenstrukturen betroffen sind, spricht man von Polyneuropathie. In Deutschland liegt die Prävalenz bei 2-3 % der Allgemeinbevölkerung, wobei sie bei über 55-Jährigen sogar 8 % erreicht. Typischerweise treten die Beschwerden symmetrisch im Bereich von Unterschenkel/Fuß bzw. Unterarm/Hand auf, was zu einer strumpf- bzw. handschuhartigen Verteilung führt, wobei die Beine in der Regel stärker betroffen sind als die Arme.
Ursachen der Polyneuropathie
Die Ursachen der Polyneuropathie sind vielfältig und oft schwer zu identifizieren. Zu den häufigsten Auslösern gehören:
- Diabetes mellitus: Bei Diabetes kann es zu einer diabetischen Polyneuropathie kommen.
- Vitaminmangel: Ein Mangel an Vitamin B12 ist wichtig für die Regeneration und Bildung der Myelinscheiden der Nervenfasern, so dass ein Vitamin-B12-Mangel zu neurologischen Schäden führen kann. Auch ein Vitamin-D-Mangel kann mit Polyneuropathie in Verbindung stehen.
- Fehlernährung: Eine langjährige Fehlernährung kann ebenfalls zu einer PNP führen und das Risiko einer Insulinresistenz erhöhen.
- Vergiftungen: Chemikalien wie Pflanzenschutzmittel (Glyphosat) oder Quecksilber können eine PNP verursachen.
- Medikamente: Bestimmte Medikamente, insbesondere Chemotherapeutika, Antibiotika (Metronidazol, Nitrofurantoin, Linezolid) und HIV-Medikamente, können eine Polyneuropathie verursachen. In seltenen Fällen können auch Cholesterinsenker (Statine) Nervenschäden fördern.
- Andere Krankheiten: Polyneuropathie kann als Begleit- oder Folgeerscheinung von Borreliose, HIV und Autoimmunerkrankungen auftreten.
- Unklare Ursache: In manchen Fällen bleibt die Ursache unklar, was als idiopathische Polyneuropathie bezeichnet wird.
Symptome der Polyneuropathie
Die Symptome einer Polyneuropathie können vielfältig sein und hängen von den betroffenen Nerven ab. Häufige Symptome sind:
- Missempfindungen: Taubheitsgefühle, Kribbeln, Brennen oder Schmerzen in den Füßen und Händen.
- Motorische Störungen: Reflexausfälle, Schwäche oder Lähmungen der betroffenen Muskulatur.
- Autonome Störungen: Funktionsstörungen der inneren Organe, wie z. B. Verdauungsprobleme, Kreislaufstörungen oder Blasenfunktionsstörungen.
- Gleichgewichtsstörungen: Unsicherheit beim Gehen.
- Sehstörungen: In seltenen Fällen.
- Erektionsstörungen: Können auftreten.
Magnesium: Ein wichtiger Mineralstoff für das Nervensystem
Magnesium ist ein essenzieller Mineralstoff, der eine wichtige Rolle für die Funktion des Nervensystems spielt. Es ist an zahlreichen Stoffwechselprozessen beteiligt und wirkt beruhigend auf die Nerven. Ein Magnesiummangel kann sich negativ auf die Nervenfunktion auswirken und möglicherweise die Symptome einer Polyneuropathie verstärken.
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Die Rolle von Magnesium bei Polyneuropathie
- Beruhigung des Nervensystems: Magnesium wirkt beruhigend auf das Nervensystem und kann helfen, Nervenschmerzen und Missempfindungen zu lindern.
- Unterstützung der Nervenregeneration: Magnesium ist an der Bildung und Funktion von Nervenzellen beteiligt und kann somit die Regeneration geschädigter Nerven unterstützen.
- Verbesserung der Muskel Funktion: Magnesium unterstützt die normale Muskelfunktion und kann Muskelkrämpfe reduzieren, die bei Polyneuropathie auftreten können.
- Reduktion von Entzündungen: Magnesium wirkt entzündungshemmend und kann dazu beitragen, Entzündungsprozesse im Nervensystem zu reduzieren.
Magnesium Dosierung bei Polyneuropathie
Die empfohlene Magnesium Dosierung bei Polyneuropathie ist individuell verschieden und sollte in Absprache mit einem Arzt oder Therapeuten festgelegt werden. Es gibt keine allgemeingültige Empfehlung, da die optimale Dosis von verschiedenen Faktoren abhängt, wie z. B.:
- Schweregrad der Polyneuropathie: Bei stärkeren Beschwerden kann eine höhere Dosis erforderlich sein.
- Magnesiumspiegel im Blut: Ein Magnesiummangel sollte ausgeglichen werden.
- Begleiterkrankungen: Nierenerkrankungen können die Magnesiumausscheidung beeinflussen.
- Individuelle Verträglichkeit: Manche Menschen reagieren empfindlicher auf Magnesium als andere.
Als allgemeine Richtlinie können folgende Dosierungen dienen:
- Leichte Beschwerden: 200-400 mg Magnesium pro Tag.
- Mittelschwere Beschwerden: 400-600 mg Magnesium pro Tag.
- Schwere Beschwerden: 600-800 mg Magnesium pro Tag.
Es ist ratsam, mit einer niedrigen Dosis zu beginnen und diese langsam zu steigern, um die individuelle Verträglichkeit zu testen. Bei hohen Dosen kann es zu Durchfall kommen. In diesem Fall sollte die Dosis reduziert oder auf ein anderes Magnesiumpräparat umgestiegen werden.
Auswahl des richtigen Magnesiumpräparats
Es gibt verschiedene Magnesiumverbindungen, die sich in ihrer Bioverfügbarkeit und Verträglichkeit unterscheiden. Gut verträgliche Magnesiumpräparate sind z. B.:
- Magnesiumcitrat: Wird gut vom Körper aufgenommen, kann aber in hohen Dosen Durchfall verursachen.
- Magnesiumbisglycinat: Sehr gut verträglich und bioverfügbar.
- Magnesiumorotat: Kann die Energieversorgung der Zellen verbessern.
- Magnesiumchlorid: Wird gut über die Haut aufgenommen (z. B. in Magnesiumöl).
Weitere wichtige Nährstoffe bei Polyneuropathie
Neben Magnesium gibt es weitere Nährstoffe, die eine wichtige Rolle bei der Behandlung von Polyneuropathie spielen können:
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- B-Vitamine: Insbesondere Vitamin B1, B6 und B12 sind wichtig für die Nervenfunktion und können die Regeneration geschädigter Nerven unterstützen.
- Vitamin D: Ein Vitamin-D-Mangel kann neuropathische Schmerzen verstärken.
- Alpha-Liponsäure: Ein starkes Antioxidans, das bevorzugt zur Behandlung der diabetischen Polyneuropathie verwendet wird.
- Uridinmonophosphat (UMP): Ein wichtiger Baustein für Nervenzellen, der die Regeneration geschädigter Nerven unterstützen kann.
- Folsäure: Ist eng mit dem B12-Stoffwechsel verbunden.
Weitere Therapieansätze bei Polyneuropathie
Neben der Einnahme von Magnesium und anderen Nährstoffen gibt es weitere Therapieansätze, die bei Polyneuropathie helfen können:
- Kausale Therapie: Behandlung der Grunderkrankung, die die Polyneuropathie verursacht (z. B. Diabetes, Vitaminmangel).
- Schmerztherapie: Medikamente zur Linderung von Nervenschmerzen (z. B. Schmerzmittel, Antidepressiva, Antikonvulsiva).
- Physikalische Therapie: Physiotherapie, Ergotherapie, Massagen, Wärme- und Kälteanwendungen zur Verbesserung der Durchblutung und Muskelkraft.
- Ernährungsumstellung: Ausgewogene Ernährung mit viel Gemüse, Obst und Vollkornprodukten.
- Bewegung: Regelmäßige Bewegung zur Verbesserung der Durchblutung und Muskelkraft.
- Entgiftung: Maßnahmen zur Unterstützung der Entgiftungsorgane.
- Rotlicht-Therapie: Kann bei vielen Beschwerden hilfreich sein.
Naturheilkundliche Therapieoptionen
In der Naturheilkunde gibt es gute und vor allem nebenwirkungsarme bzw. -freie Therapiemöglichkeiten, um eine Polyneuropathie erfolgreich ganzheitlich zu behandeln. Dazu gehören insbesondere die Zufuhr von Alpha-Liponsäure, neurotrope Nährstoffe, B-Vitamine und Folsäure.
Heilpflanzen
Diverse Heilpflanzen wie der Kalmus, Estragon, Salbei oder auch Kurkuma können bei Polyneuropathie hilfreich sein. Auch Capsaicin, der in Chilis enthalten ist, kann bei der Schmerzbekämpfung gute Dienste erweisen. Äußerlich angewandte Capsaicin-Zubereitungen können die Schmerzen lindern. Helmkraut (Scutellaria) beruhigt das gesamte Nervensystem. Die Einnahme von Nachtkerzenöl kann wirkungsvoll bei der Vorbeugung von Nervenschäden und möglicherweise bei milden Formen der diabetischen Polyneuropathie hilfreich sein. Die äußerliche Anwendung von Rizinusöl-Packungen kann bei manchen Menschen die Symptome der Polyneuropathie lindern.
Biochemie
Die Schüssler Salze Nr. 5 Kalium phosphoricum D6 und Nr. 7 Magnesium phosphoricum D6 sowie die Nr. Die Kombination aus Nr. 3 in der D12, Nr. 7 in der D6 und Nr.
Des Weiteren
- Physikalische Therapien
- Physiotherapie
- Entgiftungs- und Ausleitungstherapien
- Säure-Basen-Haushalt inkl. Ernährungsumstellung
Warnung vor unselektiver Supplementierung
Unter Vitalstoffen versteht man allgemein Mikronährstoffe und organische Verbindungen, die der menschliche Körper nicht oder nur unzureichend selbst synthetisieren kann. Sie erfüllen im Organismus wichtige physiologische Funktionen, sind essenziell und müssen daher mit der Nahrung zugeführt werden. Auch wenn NEM in der heutigen Zeit häufig und gerne eingesetzt werden, um dem Körper Vitalstoffe zuzuführen, sind sie für einen gesunden Menschen bei abwechslungsreicher, obst- und gemüsereicher Mischkost aus ernährungsphysiologischer Sicht nicht notwendig. NEM seien in erster Linie sinnvoll, wenn nachweislich Nährstoffdefizite bestünden, bzw. bei Risikogruppen und in bestimmten Lebensphasen mit erhöhtem Nährstoffbedarf (Schwangerschaft und Stillzeit, ältere Personen, chronische Erkrankungen etc.). Von einer Selbstmedikation - die auch bei älteren Personen weit verbreitet ist - und unselektiven Supplementierung ohne detaillierte Diagnostik sei auf jeden Fall abzuraten. Eine Langzeitstudie aus dem Jahr 2011 zeigte, dass eine Supplementierung nicht immer nur positive Auswirkungen hat und es damit verbunden auch zu einer Erhöhung der Gesamtmortalität kommen kann.
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