Parkinson ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die vor allem ältere Menschen betrifft und derzeit nicht heilbar ist. Sie ist durch den Verlust von Dopamin-produzierenden Zellen im Gehirn gekennzeichnet. Die Pflege von Parkinson-Patienten erfordert besondere Aufmerksamkeit und eine individuell zugeschnittene Betreuung, da die Krankheit den Bewegungsapparat und andere Körperfunktionen beeinträchtigt. Mit fortschreitender Erkrankung sind die Betroffenen zunehmend auf tägliche Unterstützung angewiesen. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die verschiedenen Aspekte von Parkinson, einschließlich der Symptome, Pflegemaßnahmen und des Pflegegeldes.
Was ist Parkinson?
Bei der Parkinson-Krankheit handelt es sich um eine langsam fortschreitende Erkrankung des Gehirns, bei der eine kleine Gruppe von Zellen im Gehirn (in der Substantia nigra) beschädigt wird und abstirbt. Diese Zellen sind für die Produktion des chemischen Stoffes Dopamin zuständig und können demzufolge nur mehr in verringertem Maß oder gar kein Dopamin mehr produzieren. Dopamin ist ein wichtiger Botenstoff, der für die reibungslose und koordinierte Funktion der Muskulatur verantwortlich ist und Signale zwischen einzelnen Nervenzellen weiterleitet. Tritt Morbus Parkinson auf, wird im Verlauf der Erkrankung immer weniger Dopamin produziert. Bei sinkendem Dopamin-Level tritt vermehrt das eher dämpfende Serotonin in den Vordergrund. Der Mangel an Dopamin wirkt sich neben der körperlichen Motorik also auch psychisch aus und kann zu Antriebslosigkeit und Depression führen. In den meisten Fällen dauert es Jahre, bis die Symptome zu Tage treten und die Krankheit diagnostiziert wird. Die “echte” Parkinson-Krankheit, auch idiopathisches Parkinson-Syndrom genannt, zeigt sich bei jedem Patienten anders.
Formen von Parkinson
Es gibt verschiedene Formen von Parkinson-Erkrankungen, die sich in ihren Ursachen und Symptomen unterscheiden:
- Idiopathisches Parkinson-Syndrom (IPS): Dies ist die häufigste Form von Parkinson und ist meist gemeint, wenn von der „Parkinson-Krankheit“ gesprochen wird. Die Ursache ist größtenteils unbekannt und wird daher als „idiopathisch“ bezeichnet. Der Begriff stammt aus dem Griechischen und bedeutet etwa „individuelles Leiden“. Bei dieser Form treten vor allen Dingen die ganz typischen Symptome wie Zittern, Steifheit und Haltungsinstabilität auf.
- Atypische Parkinson-Syndrome: Die Formen von Parkinson, die in diese Kategorie fallen, ähneln der IPS in vielen Punkten, weisen jedoch Unterschiede in den Symptomen und Ursachen auf. Beispiele für atypisches Parkinson-Syndrom sind folgende Krankheiten: Multisystematrophie (MSA), progressive supranukleäre Blickparese (PSP) und kortikobasale Degeneration (CBD). Allen gemein ist die Beeinträchtigung des Bewegungsapparates. Atypische Parkinson-Syndrome sind meist schwerwiegender und haben in der Regel weniger erfolgversprechende Möglichkeiten zur Therapie als die IPS.
- Familiäres Parkinson-Syndrom: Diese seltene Form von Parkinson tritt bei jungen Menschen auf, normalerweise vor dem 40. Lebensjahr. Sie kann genetisch bedingt sein und schreitet oft schneller voran als die typische IPS.
- Medikamenteninduzierter Parkinsonismus: Einige Medikamente, insbesondere Antipsychotika, können Parkinson-ähnliche Symptome verursachen. Die Symptome können nach dem Absetzen des Medikaments verschwinden oder sich verbessern.
- Vaskulärer Parkinsonismus: Diese Form tritt aufgrund von Durchblutungsstörungen im Gehirn auf, die die Basalganglien, die für die Bewegungskoordination verantwortlich sind, beeinflussen. Die Auswirkungen sind ähnlich wie bei der IPS, können jedoch variieren und auch Schlaganfall-ähnliche Symptome einschließen.
- Symptomatisches Parkinson-Syndrom: Dieses Syndrom kann als Ergebnis von Hirnverletzungen, Infektionen, Vergiftungen oder anderen schädlichen Einflüssen auftreten, die das Nervensystem schädigen. Boxer können zum Beispiel durch Sportverletzungen diese Form erleiden. Die Symptome können Parkinson-ähnlich sein, sind aber oft komplexer und schwerer zu behandeln.
Es ist wichtig, dass die Diagnose von einem erfahrenen Neurologen gestellt wird, um die genaue Form von Parkinson zu identifizieren und die bestmögliche Behandlung zu gewährleisten.
Ursachen von Parkinson
Die Ursachen der Parkinson-Krankheit sind bisher nicht vollständig geklärt. Es wird vermutet, dass eine Kombination aus genetischen und umweltbedingten Faktoren eine Rolle spielt. Die genauen Ursachen von Morbus Parkinson sind (noch) nicht bekannt, aber Forscher haben einige Faktoren identifiziert, die den Ausbruch der Krankheit begünstigen können. Dazu gehört die genetische Veranlagung, denn eine familiäre Vorbelastung kann das Risiko erhöhen. Es wurden einige Gene identifiziert, die mit der Parkinson-Krankheit in Verbindung stehen. Auch das Alter ist ein entscheidender Risikofaktor. Die Krankheit tritt am häufigsten bei Menschen über 60 Jahren auf, wobei Männer nochmals etwas öfter erkranken als Frauen.
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Symptome von Parkinson
Die Symptome der Parkinson-Krankheit entwickeln sich allmählich und werden mit der Zeit schlimmer. Die tatsächlich auftretenden Symptome sind sehr unterschiedlich und können auch in ihrer Intensität schwanken. Deswegen ist eine individuelle Auseinandersetzung der Pflegeperson mit der jeweiligen Form der Parkinson-Krankheit unbedingt notwendig.
Zu den häufigsten Symptomen gehören:
- Zittern (Tremor): typisches Zittern der Hände (sog. Ruhetremor), wenn z.B.
- Muskelsteifheit (Rigor):
- Verlangsamung der Bewegungen (Bradykinese): Hierbei handelt es sich um eine Verlangsamung, die sich bis zur Bewegungsunfähigkeit steigern kann.
- Haltungsinstabilität:
- Gangunsicherheiten: Sie neigen zum Schlurfen oder Tippelschritten, manche gar zum unkontrollierbaren Rennen.
- Sprachstörungen: Zuletzt sind Betroffene unfähig zu sprechen oder zu schlucken.
- Schluckbeschwerden: zunehmender Speichelflusszurückgehende Schluckbewegung
- Depressionen und Angstzustände:
- Schlafstörungen:
- Verdauungsprobleme:
- Geruchsstörungen: Auch Stimmungsschwankungen und depressive Phasen, Verdauungsprobleme und Schlafstörungen aufgrund heftiger Bewegungen können dazu gehören.
- Schreibstörungen (Mikrografie): Die Handschrift kann kleiner und unleserlicher werden, ein Symptom, das als Mikrografie bezeichnet wird.
In seltenen Fällen kann eine akinetische Krise auftreten, d.h. totale Bewegungsunfähigkeit, die plötzlich oder innerhalb weniger Tage auftritt.
Diagnose von Parkinson
Die Diagnose von Parkinson erfolgt überwiegend klinisch, also basierend auf Anamnese und neurologischem Untersuchungsbefund. Es gibt keinen definitiven Test für Parkinson, aber bildgebende Verfahren wie ein MRT des Gehirns oder spezielle Szintigrafien können zur Diagnose herangezogen werden, hauptsächlich um andere Krankheiten auszuschließen. Um Anomalien auszuschließen wird meist ein MRT oder ein CT-Scan des Gehirns vorgenommen. Da Parkinson auch durch einen Dopaminmangel ausgelöst werden kann, gehört ein entsprechender Test ebenso zum Standardverfahren.
Behandlung von Parkinson
Aktuell gibt es keine Heilung für Parkinson, aber es gibt eine Reihe von Behandlungsoptionen, die dazu beitragen können, die Symptome zu lindern und die Lebensqualität der Patienten zu verbessern.
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Zu den wichtigsten Behandlungsansätzen gehören:
- Medikamentöse Therapie: Medikamente, die Dopamin ersetzen oder dessen Wirkung im Gehirn verlängern (z.B. Die wichtigsten Medikamente sind:
- Levodopa (L-Dopa): Das am häufigsten verschriebene Medikament. Es wird im Gehirn zu Dopamin umgewandelt und hilft, die Bewegungsprobleme zu reduzieren.
- Dopamin-Agonisten: Diese Medikamente ahmen die Wirkung von Dopamin nach und können entweder allein oder in Kombination mit Levodopa verwendet werden. Beispiele sind Pramipexol, Ropinirol und Rotigotin.
- MAO-B-Hemmer: Diese Medikamente verlangsamen den Abbau von Dopamin im Gehirn und können die Wirkung von Levodopa verlängern. Beispiele sind Selegilin und Rasagilin.
- COMT-Hemmer: Diese Medikamente verlängern die Wirkung von Levodopa, indem sie den Abbau von Dopamin blockieren. Beispiele sind Entacapon und Tolcapon.
- Anticholinergika: Diese können helfen, Tremor und Muskelsteifheit zu reduzieren, werden aber wegen ihrer Nebenwirkungen seltener verwendet.
- Physiotherapie:
- Ergotherapie: Zudem ermöglicht er auch den frühzeitigen Einsatz von Physio- und Ergotherapie, was die Mobilität und Selbstständigkeit der Patienten länger erhalten kann.
- Logopädie:
- Tiefe Hirnstimulation (THS):
- Neuroprotektive Medikamente:
- Stammzelltherapie:
Ein gesunder Lebensstil kann das Wohlbefinden verbessern und möglicherweise das Fortschreiten von Parkinson verlangsamen.
Stadien von Parkinson
Parkinson verläuft in der Regel nicht schubartig. Die Schwere der Erkrankung und auch die Entwicklung können von Person zu Person variieren, und nicht alle Menschen mit Parkinson erleben die gleichen Symptome oder den gleichen Schweregrad der Erkrankung.
Die Parkinson-Krankheit wird üblicherweise in verschiedene Stadien unterteilt:
- Frühstadium: In diesem Stadium sind die Symptome oft mild und möglicherweise schwer zu erkennen. Häufige Symptome sind Zittern (Tremor), Muskelsteifigkeit, verlangsamte Bewegungen (Bradykinese) und Haltungsinstabilität. Diese Symptome können auf eine Seite des Körpers beschränkt sein und stellen unter Umständen noch gar keine allzu große Belastung dar. Im frühen Stadium können Betroffene weiterhin die meisten täglichen Aktivitäten durchführen.
- Mittleres Stadium: In diesem Stadium verschlimmern sich die Symptome und können sich auf beide Seiten des Körpers ausbreiten. Alltagsaktivitäten wie Ankleiden, Essen und Schreiben werden für die Betroffenen schwieriger. Ein gleichmäßiger Gang, das Halten der Balance und ein stabiler Stand sind für Erkrankte jetzt eine Herausforderung und das Verletzungsrisiko, beispielsweise durch einen Sturz, steigt.
- Fortgeschrittenes Stadium: Im fortgeschrittenen Stadium sind die Symptome schwerwiegender und beeinträchtigen die Lebensqualität leider erheblich: Betroffene können Schwierigkeiten beim Sprechen und Schlucken erfahren, die Steifheit der Muskeln und die Verlangsamung der Bewegungen nehmen zu und die Haltungsinstabilität kann zu häufigen Stürzen führen. Im späten Stadium der Krankheit können Betroffene stark eingeschränkt sein, was Mobilität, Unabhängigkeit und Pflegebedarf betrifft. Jetzt ist meist spätestens der Zeitpunkt erreicht, an dem eine erkrankte Person Hilfe, Unterstützung und Pflege benötigt.
- Spätstadium: Manche Parkinson-Patienten entwickeln eine Form von Demenz, bei der vor allem Orientierung und Gedächtnisleistung beeinträchtigt werden. Oft bedingt die Krankheit Depressionen und manchmal auch Isolation, die den Gemütszustand des Patienten zusätzlich belasten. Hinzu kommt eine deutliche Einschränkung in der Kommunikationsfähigkeit und der Motorik. Das späte Stadium der Parkinson-Krankheit ist daher oft durch eine gesteigerte Abhängigkeit von Pflege und Unterstützung gekennzeichnet.
Pflege bei Parkinson
Je weiter die Krankheit fortschreitet, desto mehr sind Menschen mit Parkinson auf tägliche Unterstützung angewiesen. Eine individuell auf die persönlichen Bedürfnisse der Betroffenen zugeschnittene Pflege ist daher unabdingbar.
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Zu den wichtigsten Pflegemaßnahmen gehören:
- Unterstützung bei der Körperpflege: Bei Patienten, die weniger selbstständig sind, können Angehörige bei der bei der Körperpflege, dem Anziehen und der Nahrungsaufnahme unterstützen.
- Hilfe bei der Mobilität: Sei es Rollator, Rollstuhl oder Gehstock - diese Hilfen halten Sie aufrecht auf Ihren Füßen und geben Ihnen Sicherheit. Sie neigen zum Schlurfen oder Tippelschritten, manche gar zum unkontrollierbaren Rennen.
- Ernährung:
- Medikamentengabe: Morbus Parkinson erfordert oft die Einnahme verschiedener Medikamente, denn meist wird versucht, das fehlende Dopamin im Gehirn durch Arzneimittel zu ersetzen, beziehungsweise die Produktion anzustoßen oder zu erhöhen. Pflegepersonen können die Kontrolle der Einnahme und die Verwaltung dieser Medikamente übernehmen, um sicherzustellen, dass sie richtig eingenommen werden und ihre Wirkung optimal entfalten.
- Hauswirtschaftliche Versorgung:
- Psychosoziale Betreuung: Parkinson bringt oft auch emotionale Herausforderungen mit sich. Eine solche Diagnose ist in der Regel ein schwerer Schlag und der Kontrollverlust über den eigenen Körper eine große Belastung. Hinzu kommt der Mangel an Dopamin und das häufige Auftreten von Depressionen. Verständnis, die Bereitschaft, zuzuhören und einfach da zu sein, kann dabei schon eine große Unterstützung bedeuten.
- Anpassung des Wohnraums: Damit sich die Patienten auch ohne fremde Hilfe zurechtfinden, sollte der Wohnraum an die individuellen Gegebenheiten angepasst werden. Wir empfehlen Ihnen unsere Checkliste zur Sturzprävention, um Wohnung und Umfeld sicherer zu machen. Im Sanitätshaus erhalten Sie eine Reihe von Hilfen, die Sie vorm Fallen bewahren und oder Verletzungen minimieren, falls es doch dazu kommt.
Um die Arbeit an den eigenen Fähigkeiten zu fördern und um das oftmals bereits reduzierte Selbstbewusstsein des Pflegebedürftigen nicht weiter zu schwächen, sollten Pflegepersonen daher nicht mehr helfen und unterstützen als wirklich notwendig ist. Auch wenn es manchmal recht lange dauert, sind Pflegebedürftige mit Parkinson nämlich noch in der Lage, vergleichsweise viele Alltagstätigkeiten selbstständig auszuführen.
Pflegegeld bei Parkinson
Das Pflegegeld für Parkinson ist an den Pflegegrad gekoppelt. Dieser regelt die Höhe der zu beziehenden Leistungen und muss von der Pflegeversicherung bewilligt werden.
Beantragung eines Pflegegrades
Wenn Sie einen Pflegegrad beantragen möchten, stellen Sie diesen bei der Pflegekasse der/des Pflegebedürftigen. Diese ist an die jeweilige Krankenkasse angegliedert und beauftragt im nächsten Schritt einen Gutachter, wie zum Beispiel den Medizinischen Dienst (MD), der die Begutachtung der Pflegebedürftigkeit übernimmt. Dafür wird ein Fragebogen genutzt, mithilfe dessen die Un-/Selbstständigkeit einer Person in sechs verschiedenen Lebensbereichen bestimmt werden soll. Der MD, oder andere Gutachter, ermitteln mit diesem Fragebogen, welcher Pflegegrad einer Person zusteht. Das Gutachten, das der MD erstellt hat, erhält die Pflegekasse, die wiederum anhand dessen über den Pflegegrad entscheidet. Wird einem Pflegebedürftigen erstmalig ein Pflegegrad zugesprochen, kann er im Anschluss bestimmte, ihm zustehende Beträge auf Leistungen der Pflegeversicherung beantragen und erhalten.
Hier sind die Schritte zur Beantragung eines Pflegegrades:
- Informieren Sie die Pflegekasse: Die Pflegekassen sind an die Krankenkassen angegliedert. Rufen Sie dort an und bitten Sie um den „Antrag auf Leistungen der Pflegeversicherung“. Alternativ können Sie den Antrag online herunterladen und ausdrucken.
- Geben Sie Ihre Daten an: Die Pflegekasse benötigt Informationen wie persönliche Daten und den Grund der Pflegebedürftigkeit. Machen Sie auch Angaben zur Pflegeperson. Überprüfen Sie, ob Sie nichts vergessen haben, und unterschreiben Sie das Formular. Senden Sie das ausgefüllte Formular an die Krankenkasse.
- Warten Sie auf den MD-Anruf: Nachdem Ihr Formular bei der Pflegekasse eingegangen ist, verständigt diese den Medizinischen Dienst (MD). Der Medizinische Dienst hat die Aufgabe, die Einschränkung der Selbstständigkeit festzustellen. Dafür kommt ein Gutachter in Ihr häusliches Umfeld. Vorher vereinbart er jedoch einen Termin mit Ihnen.
- Überprüfen Sie den Postkasten: Nach spätestens 25 Arbeitstagen erhalten Sie Post von der Pflegekasse. Sie teilt Ihnen nach Sichtung der Gutachterunterlagen einen Pflegegrad zu. Den Bescheid erhalten Sie schriftlich.
- Ziehen Sie einen Widerspruch in Betracht (optional): Sind Sie mit der Einstufung nicht einverstanden, haben Sie beispielsweise das Gefühl, der Pflegegrad bildet die Pflegesituation nicht richtig ab, sollten Sie einen Widerspruch in Betracht ziehen.
Begutachtung durch den Medizinischen Dienst (MD)
Der wichtigste Abschnitt Ihres Pflegegradantrags ist die MDK Begutachtung. Das Ergebnis des Gutachtens ist ausschlaggebend für die konkrete Einstufung in einen Pflegegrad (vormals Pflegestufe). Die Gutachter (m/w) des Medizinischen Dienstes der Krankenversicherung (MDK) oder MEDICPROOF sind bei der Diagnose Parkinson-Krankheit gefordert, nicht nur die gerade bestehenden Schädigungen und Beeinträchtigungen der somatischen (körperlichen) Fähigkeiten, sondern auch die nicht sichtbaren Beeinträchtigungen der mentalen Fähigkeiten sensibel zu ermitteln, wie z. B. Die Gutachter (m/w) sind somit auf die Aussagen der Betroffenen, der Angehörigen und Pflegepersonen angewiesen. Die persönliche Einschätzung der Betroffenen zu ihren derzeitigen gesundheitlichen und pflegerischen Problemen, Bedürfnissen und Veränderungswünschen ist zu erfassen. Es ist nach den pflegerelevanten Erkrankungen und Beschwerden zu fragen. Auch Tagesformschwankungen oder besondere Belastungen für die Pflegenden sind aufzunehmen. Anamnestische Angaben zu kognitiven Fähigkeiten oder herausforderndem Verhalten sind im Hinblick auf die Bewertung der Module 2 und 3 zu erfragen und hier aufzunehmen.
Um sich bestmöglich auf die Begutachtung vorzubereiten, empfiehlt es sich, ein Pflegetagebuch zu führen. Hier halten Sie alle wichtigen Aspekte der Pflegesituation fest. Während der Begutachtung sollte der Pflegebedürftige nicht allein mit dem Pflegegutachter sein. Es sollte immer ein Angehöriger anwesend sein, der die Pflegesituation beschreiben und auf Aspekte hinweisen kann, die im Gespräch andernfalls vielleicht übersehen werden.
Pflegegrade bei Parkinson
Abhängig von der Beeinträchtigung der Selbstständigkeit und somit vom Pflegegrad können Pflegebedürftige verschiedene Leistungen der Pflegeversicherung erhalten. Ab Pflegegrad 2 steht Pflegebedürftigen das sogenannte Pflegegeld zu. Da die Krankheit bei den Betroffenen in der Regel unterschiedlich verläuft und sich somit die benötigte Pflege bei Parkinson unterscheidet, kann kein Pflegegrad pauschal genannt werden. Außerdem macht das Vorliegen von weiteren Erkrankungen, wie beispielsweise Demenz oder Arthrose einen großen Unterschied in der Beeinträchtigung der Selbstständigkeit von Parkinson-Patienten.
Die Einstufung in einen der fünf Pflegegrade basiert auf sechs Modulen nach dem NBA. Dabei geht es z. B. um die Selbstversorgung, die kognitiven und kommunikativen Fähigkeiten sowie das Verhalten und die psychische Verfassung des Patienten.
Mögliche Pflegegrade in verschiedenen Stadien
- Frühes Stadium: Personen, die am Beginn der Krankheit bzw. der Diagnose stehen und oder einen leichten Verlauf haben, könnten zum Beispiel Einschränkungen in der Mobilität, wie leichte Schwierigkeiten beim Gehen (langsameres Gehtempo, gelegentliches Zittern) und kaum Einschränkungen der geistigen und kommunikativen Fähigkeiten haben. Eventuell gibt es leichte Anzeichen von Depressionen oder Angst, die aber gut kontrollierbar sind (Modul: Vorliegen von psychischen oder physischen Beeinträchtigungen und Verhaltensweisen). Bei den Modulen „Umgang mit der Krankheit und medizinischer Versorgung“, sowie „Gestaltung des Alltags und sozialer Kontakte“ könnten ebenfalls leichte Einschränkungen vorliegen. So zum Beispiel, dass der Patient gelegentlich zu einem Arzt gefahren werden muss und manchmal Unterstützung bei der Kommunikation im direkten Kontakt benötigt. Hier ist oft ein Pflegegrad 1 oder 2 möglich.
- Mittleres Stadium: Parkinson-Patienten die erhebliche Schwierigkeiten beim Gehen und Stehen haben, oft Hilfsmittel wie Gehstöcke oder Rollatoren benötigen und sturzgefährdet sind, könnten Pflegegrad 3 haben. Neben den Einschränkungen der Mobilität, könnten ihre kognitiven Fähigkeiten leicht bis mäßig beeinträchtigt sein, was zu Problemen beim Erinnern und bei der Orientierung sowie zu leichten Kommunikationsschwierigkeiten führen könnte. Sie könnten unter Depressionen, Angstzuständen und Stimmungsschwankungen leiden und sich zeitweise zurückziehen. Einige Tätigkeiten könnten sie aber gegebenenfalls noch selbst ausführen. Im Modul ‚Umgang mit der Krankheit und medizinischer Versorgung‘ könnten sie beispielsweise Hilfe bei der Einnahme und Organisation von Medikamenten sowie bei regelmäßigen ärztlichen Untersuchungen und der Terminplanung benötigen.
- Fortgeschrittenes Stadium: In diesem Stadium ist oft ein Pflegegrad 4 oder 5 erforderlich. In unserem Beispiel gehen wir von einer Person aus, die vollständig immobil und entweder auf einen Rollstuhl angewiesen oder komplett bettlägerig ist. Sie würde umfassende Unterstützung bei der Fortbewegung benötigen. Ihre kognitiven Fähigkeiten könnten schwer beeinträchtigt sein, oft bis hin zu Demenz, und sie würden große Schwierigkeiten bei der Kommunikation und Orientierung haben. Sie könnten unter schweren psychischen Beeinträchtigungen und Verhaltensänderungen wie Aggressivität oder Apathie leiden, was eine intensive Betreuung erfordern würde. Bei der Selbstversorgung könnten sie nahezu vollständig unselbstständig sein und würden umfassende Hilfe bei der Körperpflege, beim Essen und bei der Hygiene benötigen. Die Organisation und Durchführung ihrer medizinischen Versorgung könnten sie nicht mehr selbst übernehmen und bräuchten ständige Überwachung und Betreuung.
Es ist wichtig zu beachten, dass dies nur Beispiele sind und der tatsächliche Pflegegrad von den individuellen Bedürfnissen und dem Grad der Selbstständigkeit des Patienten abhängt.
Widerspruch gegen den Pflegegradbescheid
Sind Sie der Meinung, dass Ihr Pflegegradbescheid (früher Pflegestufenbescheid) nicht Ihrer Pflegesituation entspricht? Im folgenden Abschnitt informieren wir Sie über Ihre Möglichkeiten, einen Widerspruch gegen den Pflegegradbescheid einzureichen.
Unterstützung für Parkinson-Patienten und ihre Angehörigen
Ein unterstützendes Umfeld und eine gute Betreuung spielen eine wichtige Rolle in der Pflege und Unterstützung von Personen mit Parkinson. Da Parkinson eine chronische Erkrankung ist, die physische Mobilität und Alltagsfähigkeiten beeinträchtigen kann, kann die Unterstützung von Familie, Freunden und professionellen Betreuern dabei helfen, das alltägliche Leben leichter zu bewältigen.
Es gibt vielfältige Unterstützung für Menschen mit Parkinson und ihre Angehörigen, darunter Selbsthilfegruppen, Beratungsangebote, spezialisierte Pflegedienste und Informationsquellen von Parkinson-Vereinigungen und -Stiftungen. Die Deutsche Parkinson Vereinigung e.V. schätzt, dass 1 % aller über 60-jährigen in Deutschland von dieser Diagnose betroffen sind.
Rolle der Angehörigen
Häufig sind es Angehörige, die die häusliche Pflege und Betreuung übernehmen und so das Leben mit Parkinson erleichtern. In den frühen Stadien der Parkinson-Erkrankung, haben pflegende Angehörige zumeist eine unterstützende Rolle. Sie helfen bei leichten Einschränkungen in der Mobilität, erinnern an die Einnahme von Medikamenten und unterstützen bei der Organisation von Arztbesuchen und alltäglichen Aktivitäten. Angehörige bieten emotionale Unterstützung und helfen, erste Anzeichen von Depressionen oder Angst zu erkennen und zu managen. Ihre Hilfe ist vorwiegend präventiv und beratend, um die Selbstständigkeit der betroffenen Person möglichst lange zu erhalten. Bei Patienten, die weniger selbstständig sind, können Angehörige bei der bei der Körperpflege, dem Anziehen und der Nahrungsaufnahme unterstützen. Sie können aber auch, wenn ein Pflegegrad vorliegt, einen Pflegedienst mit diesen Aufgaben betrauen und sich um dessen Organisation kümmern. Aufgrund der kognitiven Beeinträchtigungen, die mit Parkinson einhergehen können, unterstützen sie in der Regel auch bei der Kommunikation und Orientierung. Nicht selten koordinieren sie die medizinische Versorgung und stellen sicher, dass Medikamente korrekt eingenommen werden.
Insgesamt spielen (pflegende) Angehörige bei der Pflege von Parkinson-Patienten eine zentrale und entscheidende Rolle, die sich je nach Pflegegrad und Fortschreiten der Erkrankung von unterstützender bis hin zu umfassender Pflege wandeln kann.
Professionelle Hilfe
Neben der Unterstützung durch Angehörige gibt es auch professionelle Hilfe, die in Anspruch genommen werden kann. Pflegedienste bieten Kurse zur Erhaltung der Selbstständigkeit bei Parkinson an.
Professionelle Betreuung, wie sie beispielsweise von Physiotherapeuten, Ergotherapeuten, Logopäden und Psychotherapeuten geboten wird, ist ebenso wichtig.
Hilfsmittel
Da Morbus Parkinson bestimmte Symptome wie Gangunsicherheiten oder Bewegungsblockaden begünstigt, sollten Sie sich in Ihrem gut sortierten Sanitätshaus nach nützlichen Hilfsmitteln wie dem Anti-Freezing-Stock oder Rollatoren erkundigen. Der Anti-Freezing-Stock (eine Entwicklung des Sanitätshauses Beuthel in Wuppertal) hat sich bei beim Phänomen des Eingefrorenseins bewährt. Mit Hilfe eines optischen Reizes kann die Starre wieder gelöst werden und damit ein Sturz vermieden. Auch der Anti-Freezing-Stepper am Rollator überwindet solche Blockaden und kann zudem gezielt als Trainingsgerät für Morbus-Parkinson-Patienten eingesetzt werden.
Neben allgemeinen Hilfsmitteln wie Rollatoren (oft mit Lasermarkierern gegen Freezing) oder Haltegriffen zahlt die Kasse unter Umständen auch spezielle Ess- und Trinkhilfen (z. B.
Forschung und Ausblick
Ständig wird geforscht, um die Ursachen von Parkinson besser zu verstehen und neue Behandlungsansätze zu entwickeln. Zu den vielversprechenden Forschungsgebieten gehören Gentherapie, neuroprotektive Medikamente und Stammzelltherapie. Klinische Studien werden durchgeführt, um die Wirksamkeit dieser und anderer potenzieller Behandlungen zu bewerten.
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