Augenmigräne mit Aura: Ursachen, Symptome und Behandlung

Die Augenmigräne, auch als ophthalmologische Migräne bekannt, ist eine spezielle Form der Migräne, die durch visuelle Störungen gekennzeichnet ist. Obwohl sie weniger häufig vorkommt als die klassische Migräne, kann sie für Betroffene sehr belastend sein und die Lebensqualität erheblich beeinträchtigen. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Ursachen, Symptome, Behandlungsmöglichkeiten und Präventionsstrategien der Augenmigräne mit Aura.

Was ist Augenmigräne?

Die Augenmigräne wird medizinisch auch als ophthalmologische Migräne bezeichnet. Da die Symptome der Augenmigräne besonders das Sehen beeinträchtigen, spricht man auch von einer visuellen Migräne.

Die Augenmigräne geht mit einer Aura einher. Die Aura-Symptomatik kündigt die Migräne-Attacke an. In seltenen Fällen treten die Symptome der Aura ohne nachfolgende Kopfschmerzen auf. Die Augenmigräne (ophthalmische oder retinale Migräne) ist eine seltene Form der Migräne, die ein oder beide Augen betrifft. Betroffene haben vorübergehende Sehstörungen, die nicht zusammen mit Kopfschmerzen auftreten müssen.

Es ist wichtig zu beachten, dass die Augenmigräne nicht mit der retinalen Migräne (Netzhautmigräne) zu verwechseln ist. Die retinale Migräne betrifft nur ein Auge, während die Augenmigräne in der Regel beide Augen beeinträchtigt.

Sonderform: Retinale Migräne

Die retinale Migräne (Netzhautmigräne) ist keine Augenmigräne. Es handelt sich um zwei verschiedene Arten der Migräne, auch wenn sie immer die Augen betreffen. Die Augenmigräne beeinträchtigt jedoch beide Augen, die retinale Migräne tritt nur einseitig auf.

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Symptome der Augenmigräne

Die Symptome der Augenmigräne betreffen vor allem die Aura. Während der Migräne-Attacke, die auf die Aura folgt, treten hauptsächlich allgemeine Symptome auf, die sich nicht spezifisch der Augenmigräne zuordnen lassen. Die Augenmigräne zeichnet sich durch die Präsenz visueller Störungen aus, die normalerweise ein- oder beidseitig auftreten und etwa 10-30 Minuten dauern.

Die typischen Symptome der Augenmigräne betreffen vor allem die Augen (z. B. Augenmotorik) oder die Sicht (z. B. Flimmern, Lichtblitze, Skotome).

Hier sind einige der häufigsten Symptome, die während einer Augenmigräne-Episode auftreten können:

  • Skotom: Bei einem Skotom kommt es zu einem teilweisen oder vollständigen Ausfall von Gesichtsfeldern. Die Betroffenen sehen dann im Bereich des Skotoms schlechter.
  • Flimmerskotom: Das Flimmerskotom geht ebenfalls mit Gesichtsfeldausfällen einher. Flimmern oder Blitze in den betroffenen Bereichen des Gesichtsfeldes beeinträchtigen das Sehen.
  • Szintillationen: Szintillationen sind Flimmererscheinungen. Manchmal tritt das Flimmern auch bei geschlossenen Augen auf. Das macht dieses Symptom besonders belastend für die Betroffenen.
  • Farbige Girlanden: Einige Betroffene berichten von Girlanden, die sich fadenartig und in verschiedenen Farben quer durch das Sichtfeld ziehen.
  • Lichtblitze: Viele Patienten und Patientinnen leiden unter Lichtblitzen. Diese hellen, nur kurz aufflackernden Blitze durchzucken ohne äußeren Grund das Sichtfeld. Man kann sich diese Lichtblitze so vorstellen, als würde man direkt in die Sonne schauen.
  • Kopfschmerzen: Die Kopfschmerzen müssen nicht erst nach der Aura-Phase auftreten, manche Patienten leiden bereits unter Kopfschmerzen, während die Aura noch anhält. Dieses Symptom ist sehr individuell. Auch die Intensität der Kopfschmerzen unterscheidet sich im Einzelfall.
  • Schwindel: Auch Schwindel kann nicht nur während der eigentlichen Migräne-Attacke auftreten, sondern vorher schon in Zusammenhang mit der Aura. Eine Ursache können die verwirrenden visuellen Signale sein, zum Beispiel Lichtblitze, die das Gehirn herausfordern. Der Schwindel kann aber auch als eigenständiges Symptom auftreten.
  • Motorische Störungen der Augenmuskeln: In seltenen Fällen leiden Betroffene unter einer motorischen Störung der Augenmuskeln. Die Patienten können ihre Augen nicht mehr willkürlich in alle Richtungen bewegen; vor allem Kinder sind davon oft betroffen.

Wenn im Volksmund von einer Migräne mit Sehstörungen die Rede ist, ist damit jedoch nicht unbedingt die Augenmigräne gemeint. Auch andere Migräneformen führen zu Sehstörungen. Die einzelnen Formen der Migräne können daher nicht immer eindeutig voneinander abgegrenzt werden. Das gilt auch für eine „Migräne mit Augenflimmern“. Das Flimmern ist kein spezifisches Symptom der Augenmigräne.

Ursachen der Augenmigräne

Zu den Ursachen der Augenmigräne gehören genetische Faktoren (familiäre Prädisposition), individuelle Umstände wie Stress oder andere Umweltfaktoren. Die Aura-Symptome bei der Augenmigräne haben eine andere Ursache als die Symptome der eigentlichen Migräne-Attacke, die sich bei den verschiedenen Migräneformen nicht unterscheiden.

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Die genaue Ursache von Augenmigräne ist nicht vollständig verstanden. Die Ursache der Augenmigräne ist individuell verschieden und reicht von Wetterumschwung über Lebensmittel bis zu Stress. Die speziellen Symptome der Augenmigräne entstehen durch eine reduzierte Versorgung der Sehrinde im Gehirn.

Experten gehen davon aus, dass die allgemeinen Risikofaktoren für eine Aura auch auf die Aura der Augenmigräne zutreffen. Im Moment geht man davon aus, dass besonders Käse, Nüsse und Natriumglutamat in Lebensmitteln eine Augenmigräne begünstigen. Man nimmt außerdem an, dass ein Magnesiummangel Augenmigräne verursachen kann.

Die Symptome entstehen durch eine verminderte Durchblutung der Sehrinde, vermutlich aufgrund einer kurzzeitigen Störung der Blutversorgung in diesem Bereich. Das führt zu einem Sauerstoffmangel an der Sehrinde im Gehirn. Bei den Betroffenen äußert sich das in Form der entsprechenden Symptome.

Einige mögliche Ursachen und Auslöser sind:

  • Veränderungen in der Durchblutung: Eine unregelmäßige Durchblutung im Gehirn und den Blutgefäßen der Augen kann zur Entwicklung von Augenmigräne beitragen. Vasokonstriktion (Verengung der Blutgefäße) und Vasodilatation (Erweiterung der Blutgefäße) können eine Rolle spielen.
  • Neurologische Veränderungen: Es wird vermutet, dass eine gestörte neuronale Aktivität im Gehirn, insbesondere im Bereich der Sehbahn, zu den visuellen Symptomen der Augenmigräne führen kann.
  • Genetische Veranlagung: Es gibt Hinweise darauf, dass eine genetische Veranlagung für Migräne auch das Risiko für Augenmigräne erhöhen kann. Eine familiäre Häufung von Migräneerkrankungen deutet darauf hin, dass genetische Faktoren eine Rolle spielen könnten.
  • Hormonelle Veränderungen: Hormonelle Veränderungen, insbesondere bei Frauen, können Auslöser für Augenmigräne sein. Beispielsweise können hormonelle Schwankungen während des Menstruationszyklus, der Schwangerschaft oder der Menopause Augenmigräneepisoden auslösen.
  • Auslösende Faktoren: Es gibt bestimmte Auslöser, die bei manchen Menschen Augenmigräne auslösen können. Dazu gehören Stress, Schlafmangel, bestimmte Lebensmittel oder Getränke (z. B. Koffein, Alkohol), grelles Licht, starke Gerüche oder Umweltreize.

Es ist wichtig zu beachten, dass nicht alle Menschen auf dieselben Auslöser reagieren. Jeder Mensch kann unterschiedliche individuelle Auslöser haben. Es kann hilfreich sein, ein Migränetagebuch zu führen, um potenzielle Auslöser zu identifizieren und zu vermeiden.

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Behandlung der Augenmigräne

Die Augenmigräne wird genauso behandelt wie andere Migräneformen. Die Behandlung der Augenmigräne unterscheidet sich nicht von der Behandlung anderer Migräneformen. Die Behandlung kann auf die Linderung der Symptome abzielen.

Das bedeutet, dass sich Medikamente wie Schmerzmittel oder Triptane meist positiv auswirken. Auch das Vermeiden von Auslösern, sogenannten Triggern, ist hilfreich: Stress zu reduzieren oder bestimmte Lebensmittel zu meiden, falls sie einen Migräne-Anfall auslösen, ist also sinnvoll.

Eine spezielle Therapie, die nur bei der Augenmigräne zur Anwendung kommt, gibt es nicht. Während der Aura-Phase, wenn die typischen Symptome der Augenmigräne auftreten, hilft es vielen Betroffenen, bestimmte Trigger zu meiden: In einem abgedunkelten Raum zur Ruhe zu kommen, ohne die Augen durch Handy, TV und andere Bildschirme zu belasten, tut den Patienten und Patientinnen in dieser Phase erfahrungsgemäß gut.

Hier sind einige der gängigen Behandlungsansätze:

  • Medikamentöse Behandlung: In einigen Fällen können verschreibungspflichtige Medikamente zur Vorbeugung oder Behandlung von Augenmigräneepisoden verschrieben werden. Dies kann Triptane, Ergotamine oder andere Medikamente umfassen, die die Durchblutung oder neuronale Aktivität beeinflussen.
  • Schmerzlinderung: Bei Kopfschmerzen oder Migränesymptomen können rezeptfreie Schmerzmittel wie Acetaminophen, Ibuprofen oder Aspirin hilfreich sein. In einigen Fällen können auch verschreibungspflichtige Migränemedikamente verschrieben werden.

Selbsthilfemaßnahmen und Lebensstiländerungen

Zusätzlich zur medikamentösen Behandlung und ärztlichen Betreuung können Selbsthilfemaßnahmen und Lebensstiländerungen dazu beitragen, die Häufigkeit und Schwere von Augenmigräne-Episoden zu reduzieren.

Einige empfohlene Maßnahmen sind:

  • Ruhe und Entspannung: Während einer Augenmigräne-Episode ist es wichtig, sich an einen ruhigen Ort zurückzuziehen und sich zu entspannen. Eine ruhige Umgebung ohne grelles Licht oder starke Gerüche kann helfen, die Symptome zu lindern.
  • Dunkelheit: Das Aufsuchen eines abgedunkelten Raums oder das Tragen einer Sonnenbrille kann dabei helfen, empfindliche Augen vor hellem Licht zu schützen und die visuellen Symptome zu reduzieren.
  • Auslöser vermeiden: Identifizieren Sie mögliche Auslöser für Ihre Augenmigräne und versuchen Sie, diese so konsequent wie möglich zu vermeiden. Dazu gehören Stress, bestimmte Lebensmittel (wie koffeinhaltige Getränke, Schokolade, Käse oder Lebensmittel mit hohem Histamingehalt), Schlafmangel, grelles Licht, starke Gerüche oder bestimmte Umweltfaktoren.
  • Stressmanagement: Stress ist ein bekannter Auslöser für Migräne und kann auch Augenmigräneepisoden auslösen. Stressmanagementtechniken wie Entspannungsübungen, Meditation, Yoga oder Atemübungen können helfen, Stress abzubauen und die Häufigkeit von Episoden zu reduzieren.
  • Regelmäßiger Schlaf: Stellen Sie sicher, dass Sie ausreichend Schlaf bekommen und einen regelmäßigen Schlaf-Wach-Rhythmus einhalten. Schlafmangel kann die Wahrscheinlichkeit von Migräne-Episoden erhöhen.
  • Regelmäßige Mahlzeiten: Überspringen Sie keine Mahlzeiten und halten Sie regelmäßige Essenszeiten ein. Niedriger Blutzucker kann Migräne-Episoden auslösen.
  • Ausreichende Flüssigkeitsmenge: Stellen Sie sicher, dass Sie ausreichend Flüssigkeit trinken, insbesondere Wasser. Dehydration kann Migräne-Symptome verstärken.
  • Augenschutz: Schützen Sie Ihre Augen vor grellem Licht, indem Sie eine Sonnenbrille tragen, insbesondere bei hellem Sonnenlicht oder grellem Kunstlicht.
  • Entspannungstechniken für die Augen: Übungen zur Augenentspannung können helfen, die Belastung der Augen zu verringern. Dies kann das Schließen der Augen, regelmäßiges Blinzeln oder das Ausführen von Blickbewegungen umfassen.
  • Regelmäßige Pausen bei Bildschirmarbeit: Wenn Sie viel Zeit vor Bildschirmen verbringen, nehmen Sie regelmäßige Pausen, um Ihre Augen zu entlasten. Blicken Sie in die Ferne, um Ihre Augenmuskeln zu entspannen.

Verlauf und Prognose der Augenmigräne

Die Augenmigräne unterscheidet sich nur im Hinblick auf ihre spezifischen Aura-Symptome von anderen Migräneformen. Dauer und Ablauf des Migräne-Anfalls sind ansonsten gleich. Meist hält die Aura nicht länger als 60 Minuten an, ganz oft sogar nur fünf Minuten.

Nicht auf jede Aura folgen auch Kopfschmerzen. Das ist individuell verschieden, genauso wie die Dauer und Stärke einer möglichen Migräne-Attacke. Es gibt auch keine Regelmäßigkeit: Manchmal tritt beim gleichen Patienten die Aura mit einem anschließenden Migräne-Anfall auf, manchmal ohne.

Jede Attacke ist anders, selbst wenn sich bestimmte Symptome bei den Betroffenen immer wieder zeigen. Aber auch bei unterschiedlich ablaufenden Migräne-Attacken kann es sich um Augenmigräne handeln.

Wenn die Augenmigräne mehrmals am Tag auftritt, kann es sich um eine chronische Form der Migräne handeln. Das ist besonders dann wahrscheinlich, wenn diese Symptome an mehreren Tagen im Monat auftreten.

Die Augenmigräne hinterlässt normalerweise keinen bleibenden Schaden. Alle Symptome bilden sich nach einer gewissen Zeit wieder zurück. Wie lange das dauert, ist von Anfall zu Anfall und individuell verschieden.

Wie alle Formen der Migräne ist auch die Augenmigräne nicht heilbar. Es gibt Methoden und Maßnahmen, um den Attacken vorzubeugen, aber auch diese funktionieren nicht immer. Dennoch können Betroffene die Dauer, Intensität und Häufigkeit der Anfälle mindern, wenn entsprechende Vorkehrungen getroffen werden.

Bei der Augenmigräne ist auch ein Besuch beim Augenarzt sinnvoll, zusätzlich zur Behandlung durch den Hausarzt oder Neurologen. Wenn Sie das Gefühl haben, dass nach den Anfällen weiterhin Symptome bestehen, sollten auch andere Diagnosen rund um die Augengesundheit in Betracht gezogen werden.

Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?

Es ist ratsam, einen Arzt aufzusuchen, wenn Sie unter Augenmigräne leiden. Hier sind einige Situationen, in denen es besonders wichtig ist, ärztlichen Rat einzuholen:

  • Erstmalige Symptome: Wenn Sie zum ersten Mal Augenmigräne-Symptome erleben, sollten Sie einen Arzt aufsuchen, um eine genaue Diagnose zu erhalten und andere mögliche Ursachen für Ihre Symptome auszuschließen.
  • Veränderungen der Symptome: Wenn sich Ihre Augenmigräne-Symptome plötzlich verändern, intensivieren oder länger andauern als zuvor, ist es wichtig, einen Arzt aufzusuchen.
  • Beeinträchtigung der Lebensqualität: Wenn die Augenmigräne-Symptome Ihre täglichen Aktivitäten und Ihre Lebensqualität erheblich beeinträchtigen, sollten Sie ärztlichen Rat einholen.
  • Begleitende Symptome: Wenn Sie neben den visuellen Symptomen von Augenmigräne zusätzliche Symptome wie starke Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen oder neurologische Symptome (z. B. Taubheitsgefühl, Sprachstörungen) haben, sollten Sie einen Arzt aufsuchen.
  • Häufige oder schwere Episoden: Wenn Sie häufige oder schwere Episoden von Augenmigräne haben, die sich nicht ausreichend durch Selbsthilfemaßnahmen oder verschreibungspflichtige Medikamente kontrollieren lassen, sollten Sie ärztlichen Rat einholen.

Differenzialdiagnose

Entscheidend ist bei der Diagnostik zudem andere Erkrankungen auszuschließen, die ähnliche Symptome verursachen können. Hier sind einige Erkrankungen, die in Betracht gezogen werden sollten:

  • Retinale Probleme: Retinale Probleme wie Netzhautablösung, Netzhautriss oder Makuladegeneration können ähnliche visuelle Symptome wie Augenmigräne verursachen.
  • Glaukom: Glaukom, auch bekannt als grüner Star, ist eine Augenerkrankung, die den Sehnerv schädigt und zu einem progressiven Sehverlust führen kann.
  • Augenmuskelerkrankungen: Bestimmte Erkrankungen der Augenmuskeln, wie Okuläre Myasthenie oder Strabismus, können zu Sehstörungen und Augenbeschwerden führen.
  • Augeninfektionen: Augeninfektionen wie Konjunktivitis (Bindehautentzündung) können ebenfalls visuelle Symptome wie Rötung, Schwellung oder Tränenfluss verursachen.
  • Neurologische Erkrankungen: Bestimmte neurologische Erkrankungen wie Schlaganfall, Sehnerventzündung oder Migräne mit Aura können ähnliche visuelle Symptome wie Augenmigräne verursachen.

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