Es wird angenommen, dass bis zu 65 % aller Erwachsenen in Deutschland erhöhte Blutfettwerte aufweisen. Es gibt genetische Komponenten, die uns eine Fettstoffwechselstörung in die Wiege legen. Es gibt aber auch sekundäre Fettstoffwechselstörungen, die durch Lebensweise oder Vorerkrankungen begünstigt werden. Dazu gehören übermäßiger Alkoholkonsum, Diabetes, Schilddrüsenstoffwechselstörungen, Lebererkrankungen und Übergewicht, das sogenannte metabolische Syndrom und weitere Faktoren, die unsere Gesundheit beeinflussen.
Der Einfluss der Ernährung auf die kognitive Gesundheit
Die Ernährung spielt eine entscheidende Rolle für die Gesundheit unseres Gehirns. Studien haben gezeigt, dass eine gesunde Ernährung das Risiko kognitiver Beeinträchtigungen und Demenz im Alter verringern kann. Eine aktuelle Studie, die in der Fachzeitschrift Neurology veröffentlicht wurde, ergab, dass Teilnehmer, die sich am gesündesten ernährten, ein um 24 Prozent geringeres Risiko für geistigen Abbau hatten als diejenigen, die sich besonders ungesund ernährten.
Eine gesunde Ernährung umfasst viel Obst, Gemüse, Nüsse oder Eiweiß aus Soja sowie mehr Fisch als Fleisch. Im Gegensatz dazu sollte man den Konsum von frittiertem Essen oder Alkohol einschränken.
Welche Nährstoffe sind wichtig?
Die Forschung sucht intensiv nach den spezifischen Nährstoffen, die für den positiven Effekt verantwortlich sind. Mögliche Kandidaten sind Omega-3-Fettsäuren, B-Vitamine und Nährstoffe, die eine Kalorienrestriktion imitieren und positive Auswirkungen auf den Glukose-Stoffwechsel haben.
Kalorienrestriktion und Gedächtnisleistung
Eine Studie hat gezeigt, dass eine dreimonatige verringerte Kalorienzufuhr die Lernleistung älterer Versuchspersonen um 20 Prozent steigerte. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass der unterschiedliche Energiegehalt der Nahrung in der oben genannten Studie nicht berücksichtigt wurde. Stattdessen wurde untersucht, wie viele Portionen Obst, Gemüse, Nüsse, frittiertes Essen oder Alkohol täglich konsumiert wurden und wie das Verhältnis von Fisch zu Fleischprodukten und Eiern war.
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Fettstoffwechselstörungen und ihre Auswirkungen
Erhöhte Blutfettwerte können das Risiko für Herzkreislauferkrankungen wie Herzinfarkt und Schlaganfall deutlich erhöhen. Zu den Risikofaktoren gehören neben erhöhten Blutfetten auch eine Zuckererkrankung oder Rauchen. Das Lipoprotein A kann dieses Risiko weiter ansteigen lassen.
Was kann man im Alltag tun?
Wenn eine Fettstoffwechselstörung diagnostiziert wird, ist es wichtig, Stellschrauben im Alltag zu verändern. Dazu gehört, Stress zu vermeiden, auf Nikotin oder andere Drogen zu verzichten, die Menge an Bewegung im Alltag zu steigern und vor allem eine Umstellung der Ernährung einzuleiten.
Ernährungsempfehlungen
- Verstecktes und sichtbares Fett vermeiden: Bevorzugen Sie bei Wurstwaren Sorten, bei denen man das schiere Fleisch erkennen kann, also Bratenaufschnitt, Kassler oder Schinken. Keine Leberwurst oder Mettwurst, weil da die Menge an Fett nicht mehr nachvollziehbar ist.
- Mediterrane Kost: Nutzen Sie gute Öle mit einfachen ungesättigten Fettsäuren wie beispielsweise Olivenöl oder Rapsöl.
- Pflanzliche Lebensmittel: Steigern Sie die Menge an pflanzlichen Lebensmitteln, essen Sie ausreichend frisches Obst und Gemüse, nehmen Sie ballaststoffreiche Hülsenfrüchte zu sich.
- Tierische Lebensmittel: Reduzieren Sie die Menge an tierischen Lebensmitteln, denn damit wird die Aufnahme von gesättigten Fettsäuren und Cholesterin vermindert. Wenn Sie Fleisch essen, dann verzichten Sie auf Schwein und essen lieber Geflügel, keine Innereien.
- Milch und Käse: Beim Genuss von Milch und Käse nutzen Sie die fettreduzierten Produkte. Es gibt durchaus fettreduzierte Käsesorten, die dennoch gut schmecken. Fermentierte Sauermilchprodukte wie Kefir, Joghurt und Buttermilch sind zu empfehlen.
- Fisch: Setzen Sie auf fettarmen Fisch wie Forelle, Kabeljau, Scholle oder Seelachs. Vermeiden sollten Sie Schalentiere, Aal, Fischrogen und panierten Fisch.
- Ballaststoffe: Bevorzugen Sie eine ballaststoffreiche Kost, also Vollkornprodukte.
- Körpergewicht: Normalisieren oder senken Sie Ihr Körpergewicht.
Ketogene und Low Carb Ernährungsformen
Ketogene Diäten oder sehr kohlenhydratarme Ernährungsformen werden seit den 1920er Jahren als Therapie bei Epilepsie eingesetzt. In einigen Fällen konnte die Einnahme von Medikamenten komplett gestrichen werden. Bei kindlicher Epilepsie ist sie sogar Teil der bis dato gültigen medizinischen Leitlinie, welche gerade in Überarbeitung ist. Weiterhin wurden "Low Carb" Ernährungsformen 1960 als eine Methode zur Adipositasbehandlung bekannt. In den letzten Jahren wurden viele weitere präventive und therapeutische Effekte der ketogenen Ernährung nachgewiesen.
Ketogene Ernährung (KE)
Die KE trägt das Hauptmerkmal einer Reduzierung der Kohlenhydratzufuhr auf maximal 50 g pro Tag bzw. in der strengsten Form auf unter 20 g. Die Hauptnährstoffquellen sind Fette und Ballaststoffe. Ziel ist es, den Körper dazu zu bringen, seinen Energiebedarf statt aus Glukose, vorrangig bzw. ausschließlich aus Fett und den daraus im Körper aufgebauten Ketonkörpern zu beziehen.
Low Carb Ernährung (LCE)
Low Carb Ernährungsformen schränken ebenfalls die Kohlenhydrataufnahme ein, jedoch sind im Vergleich zur ketogenen Ernährung bis zu 100 g bzw. 150 g Kohlenhydrate am Tag erlaubt. Die Hauptnährstoffquellen verteilen sich auf Fette und Eiweiße.
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Weizen und seine potenziellen Auswirkungen
In letzter Zeit steht Weizen zunehmend in schlechtem Licht da. Verschiedene Autoren behaupten, Weizen sei gefährlich und für zahlreiche Krankheiten verantwortlich. Es ist jedoch wichtig, diese Behauptungen kritisch zu hinterfragen.
Glutenunverträglichkeit, Weizenallergie und Weizensensitivität
Es gibt anerkannte Krankheitsbilder, die mit dem Getreidekonsum in Verbindung stehen. Dazu gehören Zöliakie, Weizenallergie und Weizensensitivität.
- Zöliakie: Bei dieser Autoimmunerkrankung löst die Aufnahme von Gluten eine immunologisch vermittelte Entzündung aus. Einzige Behandlungsmöglichkeit ist der komplette Verzicht auf glutenhaltige Lebensmittel.
- Weizenallergie: Hier kommt es zu einer immunologischen Reaktion gegen Weizenproteine.
- Weizensensitivität: Betroffene leiden unter Symptomen wie Bauchschmerzen, Blähungen und Durchfall, obwohl sie weder an Zöliakie noch an einer Allergie leiden.
Amylase-Trypsin-Inhibitoren (ATI)
Neuere Forschungen deuten darauf hin, dass Amylase-Trypsin-Inhibitoren (ATI) die Reaktion bei Weizensensitivität auslösen können. Diese Proteinbestandteile kommen in Getreide als natürliche Abwehrstoffe gegen Parasiten und Krankheiten vor.
Nocebo-Effekt
Einige Wissenschaftler geben zu bedenken, dass auch ein Nocebo-Effekt im Zusammenhang mit weizenhaltigen Lebensmitteln auftreten könne. Das heißt, vermeintlich Betroffene erwarten eine negative Wirkung nach dem Konsum bestimmter Lebensmittel und diese tritt daraufhin auch ein.
Mikronährstoffmängel und psychische Beeinträchtigungen
Mikronährstoffmängel und Ernährungsdefizite können wesentlich an psychischen Beeinträchtigungen beteiligt sein. Emotionale Verstimmungen können erste Hinweise auf ein Mikronährstoff-Ungleichgewicht geben.
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Mikronährstoffe, Neurotransmitter und Hormone
Die Grundlage für Neurotransmitter und Katecholamine (Adrenalin, Noradrenalin, Dopamin) bilden Aminosäuren und Mikronährstoffe. Für die Sexualhormone und Glukokortikoide bildet Cholesterin die Basis.
Basis der Mikronährstoffversorgung
Eine ausgewogene, abwechslungsreiche Ernährung sollte die Basis der Mikronährstoffversorgung sein. Gesunde Nahrungsmittel tragen wesentlich zu einer ausgeglichenen Psyche bei.
Spermidin und seine potenzielle Wirkung auf Schlaf und Gedächtnis
Spermidin ist ein natürlich vorkommendes Polyamin, das in Lebensmitteln wie Weizenkeimen und Sojabohnen enthalten ist. Es induziert die Autophagie - einen zellulären Abbau- und Recyclingprozess, der für die Aufrechterhaltung und Funktion von Nervenzellen essenziell ist.
Studie zu Spermidin bei leichter kognitiver Beeinträchtigung (MCI)
Eine Studie untersucht die Auswirkungen einer Spermidin-Supplementierung auf die Schlafqualität und die Gedächtnisfunktion bei älteren Erwachsenen mit einer leichten kognitiven Beeinträchtigung (MCI). Das primäre Ziel der Studie besteht darin, den Einfluss von Spermidin auf die schlafabhängige Gedächtniskonsolidierung zu charakterisieren und die damit verbundenen biologischen Veränderungen zu identifizieren, die für Alterungsprozesse und Neurodegeneration relevant sind.
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