Winterliche Informationen und Arbeitsblätter für Parkinson-Patienten

Der Winter kann für Menschen mit Parkinson eine besondere Herausforderung darstellen. Die Kälte, das Dunkelwerden und die veränderten Alltagsroutinen können sich negativ auf die Symptome und das Wohlbefinden auswirken. Dieser Artikel bietet Informationen und praktische Tipps, wie Parkinson-Patienten die Wintermonate aktiv und gesund gestalten können.

Einführung

Die Idee hinter diesem Artikel ist es, Parkinson-Patienten Übungsmaterial für das Sprechtraining zur Verfügung zu stellen, damit sie möglichst lange, selbstständig und individuell trainieren können. Darüber hinaus werden Strategien und Informationen vorgestellt, die speziell auf die Herausforderungen des Winters zugeschnitten sind, um die Lebensqualität und Selbstständigkeit der Betroffenen zu fördern.

Sprechtraining und Übungsmaterialien

Um das Sprechen zu trainieren, bietet dieses Buch unterschiedliche Übungsvarianten an:

  • Individueller "Fahrplan": Übungsplan mit selbst zusammengestellten Übungen.
  • "Kurzprogramm".
  • "Stimmtraining".
  • Übungs-CD.

Zusätzlich enthält das Buch ein Kapitel mit einem Test zur Selbstkontrolle des Schluckverhaltens und hilfreiche Tipps für den Alltag. Das Kapitel Konzentration stellt die wissenschaftliche Methode des Mentalen AktivierungsTrainings (MAT® ) nach Dr. Fischer/Dr. Lehrl vor. Die einzelnen Inhalte der Kapitel sind durch ein Stichwortverzeichnis leicht auffindbar, was einen schnellen Zugriff auf die gewünschten Informationen und Übungen ermöglicht.

Entspannungsübungen für den Winter

Die letzten Monate des Jahres laden zur Besinnung und Entschleunigung ein. Die Natur bereitet sich auf die Winterruhe vor, und auch Menschen können diesen Übergang nutzen, um sich auf das Wesentliche zu konzentrieren und neue Kraft zu schöpfen. Gezielte Entspannungsübungen können in dieser Phase helfen, Körper und Geist zu stärken.

Lesen Sie auch: Ideen zur Beschäftigung bei Demenz im Winter

Progressive Muskelentspannung (PMR)

Die Progressive Muskelentspannung nach Edmund Jacobson ist eine Technik, die durch gezieltes Anspannen und Entspannen der Muskeln tiefe Entspannung fördert. Parkinson geht oft mit erhöhter Muskelspannung einher. Die regelmäßige Anwendung von PMR kann helfen, diese Spannungen abzubauen und dadurch Beweglichkeit sowie körperliche Entspannung zu fördern. Man beginnt mit einer Muskelgruppe, zum Beispiel den Händen, spannt diese für etwa 5-10 Sekunden an und lässt sie dann bewusst locker. Dieses Prinzip wird dann auf andere Körperbereiche wie Arme, Schultern, Gesicht, Rumpf und Beine angewendet.

Autogenes Training

Das Autogene Training ist eine Selbstentspannungstechnik, die mithilfe von formelhaften Sätzen wie "Mein Arm ist schwer" oder "Mein Atem ist ruhig und gleichmäßig" arbeitet. Autogenes Training hilft, den Körper bewusst zu entspannen und das vegetative Nervensystem positiv zu beeinflussen. Es kann Ängste, innere Unruhe und Schlafstörungen lindern, die oft mit Parkinson einhergehen. Die Übung beginnt im Liegen oder Sitzen in einer bequemen Position. Mit Sätzen wie "Mein rechter Arm ist warm" oder "Ich atme ruhig und gleichmäßig" lenkt man seine Aufmerksamkeit auf den Körper und signalisiert ihm, sich zu entspannen.

Fantasiereisen

Fantasiereisen lassen einen in entspannende Orte wie einen Strand oder Wald eintauchen. Fantasiereisen lenken Körper und Geist von Alltagsbelastungen ab und fördern Entspannung. Sie helfen, den Fokus auf positive und angenehme Empfindungen zu legen, was Ängste und innere Anspannung bei Menschen mit Parkinson reduzieren kann. Man begibt sich an einen ruhigen Ort, schließt die Augen und folgt der Stimme eines Erzählers oder einer Audioaufnahme.

Qi Gong

Qi Gong ist eine alte chinesische Bewegungskunst, die sich durch langsame, fließende Bewegungen und eine bewusste Atmung auszeichnet. Die langsamen, fließenden Bewegungen des Qi Gong fördern Beweglichkeit, Gleichgewicht und Koordination - Fähigkeiten, die bei Parkinson oft eingeschränkt sind. Qi Gong hilft, die Muskeln zu stärken, Verspannungen zu lösen und die Körperhaltung zu verbessern. Beim Qi Gong konzentriert man sich auf sanfte Bewegungsabläufe, die im Rhythmus des Atems ausgeführt werden. Diese können im Stehen, Sitzen oder sogar im Liegen durchgeführt werden.

Die vorgestellten Entspannungsübungen können die Parkinson-Symptome zwar nicht heilen, doch sie steigern die Lebensqualität und fördern das Gefühl der Selbstwirksamkeit. Sie helfen, Stress und Muskelverspannungen zu reduzieren, Ängste zu lindern und das körperliche sowie mentale Wohlbefinden zu fördern. Durch regelmäßiges Üben schaffen es viele Patienten, mehr Gelassenheit in ihren Alltag zu integrieren und sich aktiv gegen die Belastungen der Erkrankung zu wappnen. Es lohnt sich, verschiedene Techniken auszuprobieren und die passende Methode für die eigenen Bedürfnisse zu finden.

Lesen Sie auch: Dr. Winter's Neuropraxis

Falls Sie sich vorab für eine dieser Entspannungstechniken interessieren, gibt es vielerorts auch die Möglichkeit, sie in einem ambulanten Rahmen auszuprobieren. Viele Kliniken, Rehazentren, Sportstudios, Physiotherapie- und Parkinson-Selbsthilfegruppen bieten Kurse und Workshops an, in denen Sie PMR, Autogenes Training, Fantasiereisen oder Qi Gong unter professioneller Anleitung kennenlernen können. Verschiedene Apps oder Audioaufnahmen bieten geführte Meditationen, Anleitungen für PMR oder Autogenes Training, die Sie jederzeit und überall nutzen können. Einige Parkinson-Patienten berichten, dass ihnen auch Videoanleitungen für Qi Gong helfen, da sie die Bewegungsabläufe in Ruhe nachvollziehen können.

Auswirkungen des Winters auf Parkinson-Symptome

Das vegetative Nervensystem, das unter anderem für die Thermoregulation verantwortlich ist, ist bei Parkinson-Patienten oft in seiner Funktion gestört. Dies kann zu einer Reihe von Problemen führen:

  • Fehlende Wärme- und Kälteempfindung: Patienten kleiden sich trotz extremer Kälte oft zu spärlich, was zu einer Auskühlung der Haut und Muskulatur führt.
  • Zunahme von Muskelsteifheit (Rigor): Durch die Auskühlung verschlechtert sich die Durchblutung der Muskulatur, was den Rigor verstärkt.
  • Erhöhte Erschöpfung und Müdigkeit: Der Körper muss viel Energie aufbringen, um gegen die Auskühlung "anzuheizen", was zu Erschöpfung führt.
  • Zunahme des Tremors (Zittern): Einige Patienten berichten über eine Zunahme des Tremors bei Kälte.
  • Bewegungsverlangsamung: Infolge der Zunahme der Steifheit kommt es zu einer Bewegungsverlangsamung.
  • Limitierung der Bewegungsübungen: Aufgrund der Steifheit und widriger Wetterverhältnisse werden die täglich notwendigen Bewegungsübungen limitiert.
  • Verschlechterung der Stimmungslage ("Winterblues"): Das rasche Dunkelwerden kann zu einer Verschlechterung der Stimmungslage führen.
  • Vitamin-D-Mangel: Fehlen Sonne und Vitamin D, leidet das Immunsystem, was die Anfälligkeit für Infekte erhöht.
  • Starkes Schwitzen: In Verbindung mit einer gestörten Wärme- und Kälteempfindung kann es zu starkem Schwitzen kommen, was die Infektanfälligkeit im Winter zusätzlich erhöht.

11 hilfreiche Hinweise gegen Parkinson im Winter

  1. Kurbeln Sie Ihre Durchblutung an: Gehen Sie täglich an die frische Luft, auch bei Kälte. Nutzen Sie Sauna und Kneipp-Wechselduschen. Nach dem Duschen können Trockenbürstenmassagen helfen. Härten Sie sich ab!
  2. Bewegen Sie sich täglich: Sofern es zu kalt oder glatt ist, sollten die täglichen nötigen Bewegungsübungen in der Wohnung stattfinden. Morgengymnastik ist unabhängig vom Wetter, jedoch sollte die Zimmertemperatur angenehm warm sein. Üben Sie nicht in einem zu kalten Raum! Wer kein Heimfahrrad oder Stepper zur Verfügung hat, kann auch das Thera-Band zu Hilfe nehmen. Viele Übungen sind völlig unabhängig von externen Hilfsmitteln. Alternativen: Übungen auf YouTube (Stichworte "Parkinson" und "Gymnastik") oder mit der Nintendo Wii Sport Konsole.
  3. Aufwärmen von innen: Trinken Sie heißen Tee oder genießen Sie eine heiße Suppe. Würzen Sie mit Chili oder Ingwer. Für unterwegs gibt es Isolierbehälter (Foodcontainer).
  4. Warm anziehen: Ziehen Sie sich der Umgebungstemperatur angepasst an. Nutzen Sie das Zwiebelschalenprinzip. Mehrere leichtere Kleidungsstücke übereinander sind besser als zwei dicke! Unterwäsche (Unterhemd, lange Unterhosen) hält besonders gut warm.
  5. Vermeiden Sie Eisfüße: Tragen Sie warmes und nässedichtes Schuhwerk. Die Schuhe sollten nicht zu eng sein, damit die Luft im Fußbereich zirkulieren kann. Im Winter sollte man bequem dicke Socken tragen können. Wer unter kalten Füßen leidet, sollte Thermosohlen einlegen können. Falls sie Schnürschuhe tragen, binden Sie diese nicht zu fest, um die Blutzirkulation nicht zu hindern.
  6. Handschuhe tragen: Finger frieren schnell und einige Parkinson-Patienten bekommen bei Kälte schnell ganz weiße oder blaue Finger (M. Raynaud). Tragen Sie bereits ab Herbst Handschuhe, bei starker Kälte dicke Fausthandschuhe über leichten Fingerhandschuhen. Pulswärmer sind ebenfalls sehr effektiv. Patienten mit M. Raynaud sollten neben den Pulswärmern auch warme Stulpen über den Fußknöcheln tragen.
  7. Nicht ins Schwitzen kommen: Beim Wandern oder Spazierengehen unbedingt Unterwäsche tragen, welche den Schweiß aufnimmt und schnell trocknet. Die überliegenden Schichten sollten atmungsaktiv und leicht sein und ausreichend Wind- und Nässeschutz bieten.
  8. Richtiges Atmen: Beim Einatmen kalter Luft muss diese auf dem Weg zur Lunge vom Körper erwärmt werden. Versuchen Sie deshalb, durch die Nase zu atmen. Ein Schal vor Mund und Nase ist ebenfalls hilfreich, da die Einatmungsluft bereits vorgewärmt wird.
  9. Vermeiden Sie "Frostbeulen": Wind und Wetter treffen direkt auf Ihr Gesicht. Die Haut sollte deshalb im Winter mit fetthaltiger Kälteschutzcreme gepflegt werden. Beim Wandern oder Skifahren in der glitzernden Wintersonne Kombipflege mit Kälte- und Sonnenschutz! Pflegeprodukte mit hoher Feuchtigkeit sind eher für den Sommer geeignet, im Winter kann sich die Feuchtigkeit schnell in Eiskristalle verwandeln und Hautschäden verursachen. Und vergessen Sie die Sonnenbrille nicht - auch im Winter. Bei trockenen Augen ist bei Kälte und Wind eine Sonnenbrille mit Kantenschutz ein Segen.
  10. Licht für die Seele: Sparen Sie nicht mit Licht in Ihrer Wohnung. Die Dunkelheit lockt die Depression hervor. Also alle Schalter an und Lichter in den Fenstern. Für Patienten mit Winterdepression gibt es mehrere Studien über eine Besserung durch Lichttherapie. Entsprechende Lichtduschen bzw. Tageslicht-Lampen sind im Fachhandel erhältlich.
  11. Sorgen Sie für das Sonnenhormon: In den Wintermonaten fällt es schwer, genügend Sonne für eine ausreichende Versorgung mit Vitamin D (Fisch, Ei, Käse, Avocados, Champignons…) zu tanken. Parkinson-Patienten leiden jedoch ohnehin oft an einem Vitamin-D-Mangel. Ernähren Sie sich deshalb bewusst Vitamin-D-reich und nehmen Sie über den Winter zusätzlich Vitamin D in Kapselform ein.

Weitere Aspekte der Parkinson-Erkrankung

Neben den spezifischen Herausforderungen des Winters gibt es eine Reihe weiterer Aspekte der Parkinson-Erkrankung, die im Alltag berücksichtigt werden sollten:

  • Motorische Symptome: Parkinson beeinträchtigt unwillkürliche Bewegungsabläufe. Typische Symptome sind nach vorn gebeugte Haltung, angewinkelte Fingergelenke, kleinschrittiger schlurfender Gang, Schwierigkeiten, die Bewegung abzubrechen, verminderte Mimik und Gestik (maskenhaftes Gesicht) und gestörte Feinmotorik (z. B. Schreibstörung).
  • Nicht-motorische Symptome: Neben den motorischen Symptomen können auch nicht-motorische Symptome auftreten, wie z. B. depressive Zustände, erhöhter Speichelfluss, erhöhte Talgsekretion (sog. "Salbengesicht").
  • Medikamentöse Therapie: Die medikamentöse Therapie zielt darauf ab, den Mangel an Botenstoffen im Gehirn (Überträgerstoffe im Gehirn) auszugleichen. Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass die Wirksamkeit der Medikamente mit der Zeit nachlassen kann.
  • Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung ist wichtig, um die Resorption der Medikamente nicht zu beeinträchtigen. Alkohol sollte vermieden werden. Eiweißreiche Mahlzeiten können die Wirkung von Medikamenten verzögern oder minimieren.
  • Schluckstörungen: Viele Parkinson-Patienten leiden unter Schluckstörungen. In diesem Fall ist eine logopädische Behandlung sinnvoll. Es ist wichtig, kleine Bissen zu sich zu nehmen, sorgfältig zu kauen und auf die Konsistenz der Nahrung zu achten.
  • Sturzgefahr: Aufgrund von Gangunsicherheit und Gleichgewichtsstörungen besteht eine erhöhte Sturzgefahr. Stolperfallen sollten beseitigt und Hilfsmittel wie Rollatoren oder Spezialstöcke eingesetzt werden.
  • Hautpflege: Aufgrund von verminderter Hitzetoleranz und Kreislaufregulationsstörungen kann es zu starkem Schwitzen und Hautproblemen kommen. Eine gute Hautpflege und Intimhygiene sind daher wichtig.
  • Psychosoziale Aspekte: Parkinson kann zu Antriebsarmut, sozialem Rückzug und depressiven Verstimmungen führen. Es ist wichtig, Interessen und Aktivitäten aufrechtzuerhalten und den Kontakt zu anderen Menschen zu pflegen.

Unterstützung und Hilfsmittel

Es gibt eine Vielzahl von Unterstützungsangeboten und Hilfsmitteln, die Parkinson-Patienten und ihren Angehörigen zur Verfügung stehen:

  • Parkinson-Broschüren: Diese Broschüren unterstützen Betroffene und Angehörige dabei, die Parkinson-Symptome besser zu verstehen, Behandlungsmöglichkeiten einzuordnen und den Alltag mit der Erkrankung leichter zu gestalten.
  • Übungsanleitungen: Spezielle Übungsanleitungen mit leicht umsetzbaren Bewegungsübungen für den Alltag helfen, Symptome zu lindern, die Beweglichkeit zu fördern und das Wohlbefinden zu stärken.
  • Logopädie: Bei Schluckstörungen ist eine logopädische Behandlung sinnvoll.
  • Krankengymnastik: Krankengymnastische Übungen helfen, die Beweglichkeit zu erhalten und zu verbessern.
  • Hilfsmittel: Rollatoren, Spezialstöcke, Elektrozahnbürsten und andere Hilfsmittel können den Alltag erleichtern.
  • Selbsthilfegruppen: Der Austausch mit anderen Betroffenen in Selbsthilfegruppen kann sehr hilfreich sein.
  • Ambulante und stationäre Angebote: Viele Kliniken, Rehazentren, Sportstudios und Physiotherapiepraxen bieten spezielle Angebote für Parkinson-Patienten an.

Tipps für die Pflege von Parkinson-Patienten

Die Pflege von Parkinson-Patienten erfordert Geduld, Verständnis und Einfühlungsvermögen. Hier einige Tipps:

Lesen Sie auch: Demenz: Aktiv im Winter

  • Selbstständigkeit fördern: Ermutigen Sie den Patienten, so viel wie möglich selbstständig zu tun.
  • Hilfe anbieten: Bieten Sie Hilfe an, wenn der Patient Schwierigkeiten hat, aber drängen Sie sich nicht auf.
  • Zeit nehmen: Planen Sie ausreichend Zeit für die Pflege ein, da viele Aufgaben länger dauern können.
  • Routinen schaffen: Feste Routinen können den Alltag erleichtern und Sicherheit geben.
  • Kommunikation: Sprechen Sie langsam und deutlich und geben Sie dem Patienten Zeit, zu antworten.
  • Geduld haben: Seien Sie geduldig und verständnisvoll, auch wenn der Patient frustriert oder gereizt ist.
  • Unterstützung suchen: Nehmen Sie professionelle Hilfe in Anspruch, wenn Sie sich überfordert fühlen.

tags: #winter #information #und #arbeitsblater #zum #thema