"Emma" oder "XTC" ist für viele ein Mittel, um nächtelang im Club feiern oder auf Raves tanzen zu können. Der Hauptwirkstoff MDMA (3,4-Methylendioxymethylamphetamin) macht euphorisch. Wer konsumiert, fühlt sich mit seinen Mitmenschen oft emotional besonders verbunden. Doch wie wirkt MDMA auf die serotonergen Synapsen im Gehirn und welche Konsequenzen hat dies? Dieser Artikel beleuchtet die Wirkungsweise von MDMA, seine Auswirkungen auf den Serotoninstoffwechsel und die damit verbundenen Risiken und langfristigen Folgen.
Was ist MDMA?
MDMA, auch bekannt als Ecstasy, ist ein Amphetamin-Derivat mit stimulierender und leicht halluzinogener Wirkung. Es gehört zur Gruppe der Entaktogene, psychoaktive Substanzen, die die Wahrnehmung eigener Emotionen intensivieren und verändern. MDMA wurde erstmals 1912 von Merck synthetisiert und ab Mitte der 1970er Jahre in der Psychotherapie eingesetzt. In den 1980er Jahren verbreitete sich MDMA unter dem Namen „ADAM“ zunehmend auch außerhalb von Praxen, bevor es in den 1990ern eng mit der Techno- und Rave-Kultur assoziiert wurde.
Ecstasy hat zumeist die Form von bunten Pillen mit unterschiedlichen Logos. Seltener wird es in kristalliner Form, als Pulver oder in Kapseln abgefüllt gehandelt. Als Ecstasy verkaufte Pillen enthalten teils andere psychoaktiv wirksame Substanzen, zum Beispiel das Halluzinogen 2C-B. Der Wirkstoffgehalt der Pillen schwankt zudem stark. Der MDMA-Gehalt liegt in der Regel zwischen 118 mg und 210 mg. Seit 2009 ist er im Durchschnitt um 149 Prozent gestiegen. Meist enthält Ecstasy zusätzlich Koffein, Speed oder Ephedrin. Auch Ketamin und Metaamphetamine fanden Forscherinnen und Forscher bereits in der Droge. Die Zusammensetzung der Wirkstoffe in einer Tablette kann stark schwanken. Neben MDMA können auch andere Substanzen der Ecstasy-Gruppe enthalten sein, wie MDA (3,4-Methylendioxyamphetamin), MDEA (3,4-Methylendioxyethylamphetamin) und MBDB (3,4-Methylendioxy-alpha-ethyl-N-Methylphenethylamin).
Die Wirkung von MDMA auf das Gehirn
MDMA durchdringt leicht die Blut-Hirn-Schranke und flutet etwa 30 Minuten nach der Einnahme ins zentrale Nervensystem. Die übliche Dosis liegt bei etwa 80 bis 150 Milligramm. Im zentralen Nervensystem führt MDMA zur Freisetzung von Botenstoffen aus den Nervenzellendigungen in den synaptischen Spalt, hauptsächlich von Serotonin, aber auch Noradrenalin und Dopamin. Dies geschieht im Gegensatz zu anderen psychoaktiven Substanzen auch ohne vorangegangenen Nervenimpuls. Zusätzlich zur Freisetzung blockiert MDMA die Wiederaufnahme der ausgeschütteten Botenstoffe in die Zelle und reduziert die für die Wiederaufnahme verantwortlichen Transportstrukturen. So kommt es innerhalb der Zellen zu einem starken Serotoninmangel. MDMA steigert die Ausschüttung von Serotonin und blockiert dessen Wiederaufnahme in die Synapsen. Das führt zu einem intensiven Glücksgefühl, stärkerer Empathie und einer verstärkten Wahrnehmung von Musik. Menschen fühlen sich miteinander verbunden, können sehr kuschelbedürftig sein und genießen häufig die körperliche Nähe von anderen.
MDMA bewirkt, dass Nervenzellen im Gehirn vor allem das sogenannte Glückshormon Serotonin ausschütten. Außerdem setzen sie Noradrenalin und Dopamin frei. Der Hauptwirkstoff blockiert zudem die Wiederaufnahme dieser Glücksbotenstoffe in die Zellen. Serotonin wird aus den Speichern der Nervenendigungen in den präsynaptischen Spalt frei gesetzt. Nach der Signalübertragung wird Serotonin normalerweise sofort wieder in seine Speicher aufgenommen. Ecstasy hemmt jedoch die Wiederaufnahme. Es ist somit besonders viel Serotonin besonders lange verfügbar. Die „Gegenstelle“, also die Nervenzelle, die das Serotoninsignal empfängt, feuert besonders intensiv.
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Etwa 30 bis 45 Minuten nach der Einnahme von MDMA setzt die Wirkung ein. Das Herz schlägt schneller, Blutdruck und Körpertemperatur steigen. Gleichzeitig kommt es zu Euphorie, gesteigertem Selbstvertrauen und einem intensiven Mitteilungsbedürfnis. Die körperliche Leistungsfähigkeit steigt, weshalb Ecstasy-Konsumenten auf Partys häufig ausdauernd tanzen. Es kann zu veränderter Wahrnehmung von Tönen und Farben, bei sehr hohen Dosen auch zu leichten Halluzinationen kommen. Ecstasy wirkt als so genanntes Entaktogen, das heißt, es lässt die eigenen Emotionen intensiver erscheinen. Das fördert die Bereitschaft und die Fähigkeit, sich mit den eigenen Problemen zu beschäftigen, aber auch das Gefühl von Nähe zu anderen („Empathogen“). MDMA schränkt zugleich die Wahrnehmung von körperlichen Alarmsignalen wie Durst, Hunger, Müdigkeit und Schmerzen stark ein.
Kurzfristige und langfristige Auswirkungen
MDMA kann unterschiedliche kurzfristige Wirkungen hervorrufen, die von mild bis belastend reichen. Häufig treten Konzentrationsstörungen, optische Wahrnehmungsveränderungen und verschwommenes Sehen auf. Zudem berichten Konsumierende oft von einem Juckreiz oder Kribbeln auf der Haut sowie von verstärktem Schwitzen oder Übelkeit. Besonders bei sehr hohen Dosierungen können Halluzinationen oder Paranoia auftreten, was den Rausch schnell unangenehm machen kann.
Lässt die Wirkung nach, folgen eine allgemeine Erschöpfung und bisweilen auch depressive Phasen von mehreren Tagen Dauer - der so genannte Ecstasy-Kater. Ursache hierfür sind die entleerten Serotoninspeicher im Gehirn. Nimmt man in diesem Zeitraum erneut Ecstasy, wirkt es deutlich schlechter, man braucht also höhere Dosierungen. Es dauert mehrere Tage, bis der Körper die Serotoninspeicher wieder aufgefüllt hat und diese funktionstüchtig sind. Neben Depression kann MDMA auch schwere Angststörungen auslösen. Wegen der gesteigerten Offenheit und Sensibilität unter der Wirkung von MDMA wurde es kurzfristig psychotherapeutisch verwendet; in der Schweiz bis 1994.
Nach dem Abklingen der Wirkung sind depressive Verstimmungen, Müdigkeit, Kopfschmerzen und eine angespannte Kiefermuskulatur typische Nachwirkungen, die die Regeneration des Körpers zusätzlich belasten können. Nach dem Konsum kann es außerdem zu einem “Emo-Kater” kommen, der wenige Tage bis zwei Wochen anhalten kann und sich durch depressive Verstimmungen charakterisiert. Langfristiger oder häufiger Konsum kann zu neurotoxischen Schäden führen, wobei die Rezeptoren im Gehirn dauerhaft beeinträchtigt werden können. Ein andauernder Konsum kann außerdem zu Angst- und Depressionssymptomatiken, Gedächtnisprobleme und kognitive Impulsivität führen.
Studien haben gezeigt, dass es bei häufigem Ecstasykonsum schnell zu einer Toleranzentwicklung kommt. Berichten zufolge erhöhen manche Konsumentinnen und Konsumenten ihre Ecstasydosis teilweise auf mehr als 20 Pillen bei einer Konsumgelegenheit.
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Risiken und Gefahren
Der Konsum von Ecstasy kann tödliche Folgen haben. Bei manchen Konsumenten und Konsumentinnen kann schon eine einzige Tablette zu einer Leberschädigung führen. Der Grund dafür scheint angeboren zu sein. MDMA kann die Körpertemperatur auch im Ruhezustand stark erhöhen. Forscher und Forscherinnen vermuten, dass die Hormone Serotonin und Noradrenalin Stoffwechselprozesse anstoßen, die den Körper aufheizen. Noradrenalin verengt zudem die Blutgefäße - der Körper kann sich nicht mehr dadurch abkühlen, dass sie sich weiten. Eine Überhitzung (Hyperthermie) kann bewirken, dass Muskelfasern zerfallen (Rhabdomyolyse). Das kann zu einem akuten Nierenversagen führen. Wenn die Muskelzellen absterben, gelangen außerdem große Mengen Kalium ins Blut. Herzrhythmusstörungen und sogar ein Herzstillstand können die Folge sein.
MDMA bewirkt, dass die Konsumenten und Konsumentinnen verstärkt schwitzen und weniger Durst verspüren. Mögliche Folgen eines Flüssigkeitsmangels sind: Übelkeit und Kopfschmerzen, Muskelkrämpfe, Krampfanfälle und Bewusstlosigkeit. Die Hyperthermie kann Leberzellen schädigen. Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen vermuten, dass die Zellen unter dem Einfluss von MDMA bei erhöhter Temperatur noch schneller absterben. In seltenen Fällen kann Ecstasy noch Wochen nach dem Konsum zu einer Leberschädigung bis hin zu Leberversagen führen. Manche Menschen scheinen MDMA langsam zu verstoffwechseln. Forscher und Forscherinnen vermuten, dass bei ihnen ein Enzym in der Leber (CYP2D6) von Geburt an weniger aktiv ist. Die giftigen Abbauprodukte könnten daher länger auf ihre Leberzellen einwirken und das Organ stärker schädigen.
Der Ecstasy-Rausch kann auch Psychosen mit Wahnvorstellungen und Halluzinationen auslösen. In hohen Dosen kann MDMA Nervenendigungen schädigen, die Serotonin enthalten. Die Kommunikation von Nervenzellen, die den Botenstoff verwenden, ist dann gestört. Diese Schädigung bringen Wissenschaftler und Wissenschaftlerinnen mit einer schlechteren Lern- und Gedächtnisleistung in Verbindung. Sie vermuten, dass Ecstasy auch lang anhaltende Depressionen und Schlafstörungen auslösen kann.
Bei zu hohen Dosen werden Konsumenten zunehmend unruhig. Sie schwitzen stark, der Blutdruck steigt stark an und das Herz rast. Typisch sind auch Muskelkrämpfe, besonders im Bereich des Kiefers. Die höchste Gefahr liegt in Elektrolyt- und Flüssigkeitsverlusten durch exzessive körperliche Betätigung wie zum Beispiel ausdauerndes Tanzen, die zu Körpertemperaturen über 41°C, zum Zusammenbruch und zum Tod führen können. Dies gilt besonders, wenn MDMA in Kombination mit Alkohol eingenommen wird. Menschen mit Herzschwäche, Bluthochdruck, Zuckerkrankheit, Epilepsie und Grünem Star haben hierbei ein erhöhtes Risiko. Die Elektrolytverluste können zu epileptischen Anfällen führen. Da der Effekt durch Östrogen verstärkt wird, betrifft dies häufiger Frauen als Männer. Auch Herzrhythmusstörungen können auftreten. Es kann, wenn auch seltener, zu akutem Leberversagen kommen, zur Auflösung quergestreifter Muskelfasern oder zu einer Störung der Blutgerinnung mit Neigung zu Blutungen.
Da sich mit dem akut erhöhten Serotoninspiegel die Blutgefäße verengen, kann das die Versorgung der Nervenzellen mit Nährstoffen erschweren und somit zum Niedergang der Nervenzellen führen. MDMA schädigt auch direkt Nervenzellen, die Serotonin als Botenstoff nutzen, indem es die Strukturen zur Wiederaufnahme von Serotonin verändert. In Tierexperimenten konnte gezeigt werden, dass sich durch MDMA geschädigte Nervenzellfortsätze im Hypothalamus und in der Amygdala teilweise regenerieren. Das geschah allerdings kaum im Hippocampus, einer Hirnregion, die für das Gedächtnis wichtig ist. Mehrere Studien, die das Gedächtnis untersuchten, wiesen bei MDMA-Konsumenten Störungen in der mittelfristigen Merkfähigkeit und der Lernleistung nach. Diese Beeinträchtigungen hingen mit der Dauer und der Häufigkeit des MDMA-Konsums zusammen. Allerdings könnten auch Gelegenheitskonsumenten davon betroffen sein.
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Das Serotoninsyndrom
Bei zu hohem Konsum oder ungünstigen Mischkonsum kann es bei MDMA bzw. Ecstasy (XTC) zu einem lebensbedrohlichen Serotoninsyndrom kommen. Das Serotoninsyndrom ist eine potenziell lebensgefährliche Reaktion, die durch eine übermäßige Ansammlung von Serotonin im Gehirn ausgelöst wird. Es tritt häufig beim Mischkonsum von MDMA mit Medikamenten oder Substanzen auf, die den Serotoninstoffwechsel beeinflussen, insbesondere MAO-Hemmern, die unter anderem bei Depressionen verschrieben werden.
Die Symptome lassen sich in drei Kategorien einteilen: vegetative Störungen wie Fieber, starkes Schwitzen, Übelkeit und Durchfall; motorische Beeinträchtigungen wie Zittern, Muskelzuckungen und Koordinationsprobleme; sowie psychische Symptome wie Halluzinationen, Unruhe und Aufmerksamkeitsstörungen. In schweren Fällen kann das Serotoninsyndrom zu Herzrhythmusstörungen, Krampfanfällen, Koma und letztlich zum Tod führen. Da die Symptome sehr schnell eskalieren können, ist es entscheidend, bei Verdacht sofort medizinische Hilfe in Anspruch zu nehmen.
MDMA in der Psychotherapie
Vor allem in den USA, aber auch in Europa testen Forscher und Forscherinnen MDMA als mögliches Mittel gegen die PTBS. Neuere Studien deuten darauf hin, dass MDMA in der Psychotherapie helfen könnte, verdeckte Emotionen zugänglich zu machen. Seit 1986 sind Entaktogene weltweit illegal. In der Schweiz ist ihr Einsatz zu therapeutischen Zwecken in Einzelfällen erlaubt. Australien wird MDMA und Psilocybin als erstes Land der Erde ab 1. Juli 2023 für begrenzte therapeutische Zwecke legalisieren.
MDMA ist vielen als “Partydroge” bekannt. Aber auch wenn es oft synonym gebraucht wird: MDMA ist nicht gleichbedeutend mit Ecstasy! Therapeutisch nutzt man MDMA in möglichst klinischer Reinheit. Mitchell et al. (Natur Medicine 2021) vermuten auf Basis von diversen Untersuchungen, dass MDMA durch den Neurotransmitter Serotonin und das Hormon Oxytocyn die Amygdala beeinflusst. Die Beeinflussung der Amygdala durch MDMA könnte dazu führen, dass angstbezogene Erinnerungen freigegeben und prozessiert werden können.
MDMA wirkt durch die Freisetzung von Serotonin an der Synapse, dem Bereich zwischen zwei Neuronen oder Nervenzellen. Auch Dopamin wird vermehrt ausgeschüttet, ebenso wie Oxytocin. Die Person befindet sich also an einem Ort, an dem sie aufmerksam und motiviert ist, zu sprechen (Dopamin) und sich zu verbinden und zu vertrauen (Oxytocin), und sie fühlt sich ruhig und zentriert (Serotonin), bereit und in der Lage, die schwierige Arbeit des Ausgrabens, Durchforstens und Aufarbeitens des Traumas zu leisten.
Warnzeichen einer Abhängigkeit
Auf den Rausch kann ein Ecstasy-Kater mit Erschöpfung, Kopfschmerzen, Ängstlichkeit und Verwirrtheit folgen. Dieser kann etwa zwei bis fünf Tage andauern. Oft nehmen die negativen Auswirkungen der Droge zu, während die Rauschwirkung abflacht. Körperliche und kognitive Anstrengung auf der Arbeit oder in der Ausbildung fällt den Konsumenten und Konsumentinnen immer schwerer. Erst wenn sie erneut Ecstasy nehmen, leben sie wieder auf. Den festen Vorsatz, aufzuhören, müssen die Abhängigen aber selbst fassen. Er ist die wichtigste Voraussetzung, um den Ecstasy-Kater für immer loszuwerden.
MDMA kann psychisch abhängig machen. Die Gefahr einer körperlichen Abhängigkeit ist dagegen vergleichsweise gering, wohl auch, weil es nur selten täglich eingenommen wird. Problematisch ist hingegen der Kreislauf aus mehrtägigem Konsum mit Gefühlen der Euphorie am Wochenende, der eine Woche folgt, die als zunehmend belastend empfunden und teilweise nur noch „ertragen“ wird, um am Wochenende unter der Droge wieder „aufzublühen“.
Nachweisbarkeit
MDMA ist im Blut bis zu 24 Stunden und im Urin bis zu vier Tage nachweisbar. Speicheltests, die bis zu vier Tage positiv ausfallen können, gelten in Deutschland als besonders zuverlässig und werden häufig im Straßenverkehr eingesetzt.