Spinalkanalstenose: Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlung

Die Spinalkanalstenose, eine Verengung des Wirbelkanals, ist eine Erkrankung, die vor allem ältere Menschen betrifft und zu erheblichen Beschwerden und Einschränkungen der Lebensqualität führen kann. Rückenschmerzen, die in das Gesäß, die Beine oder Arme ausstrahlen und sich beim Gehen verschlimmern, können auf eine Spinalkanalstenose hindeuten. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Ursachen, Symptome, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten der Spinalkanalstenose, um Betroffenen und Interessierten ein besseres Verständnis dieser Erkrankung zu ermöglichen.

Die Wirbelsäule: Stützgerüst und flexible Achse

Die Wirbelsäule ist das knöcherne Zentrum des Körpers und erfüllt wichtige Aufgaben. Sie dient als Stützgerüst und ermöglicht einen aufrechten Stand und Gang. Gleichzeitig ist sie eine flexible Achse, die zahlreiche Bewegungen ermöglicht. Die Wirbelsäule besteht aus 24 Wirbelkörpern sowie dem Kreuzbein und dem Steißbein. In den Wirbeln gibt es ein Loch, alle diese Wirbellöcher zusammen bilden den Wirbelkanal, der auch als Spinalkanal bezeichnet wird. Der Spinalkanal umschließt und schützt das sehr empfindliche Rückenmark und die von diesem abgehenden Rückenmarksnerven, die zudem von Wasser umgeben sind.

Was ist eine Spinalkanalstenose?

In manchen Fällen werden die sensiblen Strukturen von innen heraus belastet, zum Beispiel durch einen Bandscheibenvorfall oder durch eine Verengung des Spinalkanals - einer sogenannten Spinalkanalstenose. Betrifft die Spinalkanalstenose die Halswirbelsäule, kann dabei das Rückenmark Schaden nehmen. Im Bereich der Lendenwirbelsäule kommt es zu Funktionsbeeinträchtigungen der Rückenmarksnerven. Grundsätzlich kann sich der Wirbelkanal an jeder Stelle verengen. Da die Brustwirbelsäule durch den Brustkorb gestützt wird, treten solche Veränderungen dort seltener auf. Oft betrifft eine Spinalkanalstenose den Bereich des unteren Rückens, die Lendenwirbelsäule (LWS). Mediziner und Medizinerinnen sprechen dann von einer lumbalen Spinalkanalstenose. Die Verengung kann aber auch auf Höhe des Nackens an der Halswirbelsäule (HWS) auftreten. Diese Form heißt zervikale Spinalkanalstenose.

Wie häufig ist die Spinalkanalstenose?

Wie oft eine Spinalkanalstenose in Deutschland vorkommt, dazu gibt es keine verlässlichen Zahlen. Schätzungen zufolge sind etwa 11 bis 39 Prozent der Erwachsenen von einer lumbalen Spinalkanalstenose betroffen, wobei die Häufigkeit mit dem Alter ansteigt. Die lumbale Spinalkanalstenose ist viel häufiger als die zervikale Wirbelkanalstenose . Kernspintomographien finden jedoch auch bei vielen Menschen, die keine Symptome haben, eine Spinalkanalstenose. So zeigen bereits 21 Prozent der über 60-Jährigen Anzeichen einer lumbalen Spinalkanalstenose.

Ursachen der Spinalkanalstenose

Der Spinalkanal verengt sich bei Betroffenen meist im Laufe des Lebens. Verschleißerscheinungen oder degenerative Prozesse der Wirbelsäule sind die häufigsten Ursachen. Mit zunehmendem Alter und Belastungen verdicken die Wirbelgelenke und Bänder zwischen den Wirbelkörpern, manchmal bilden sich auch Verknöcherungen an den Wirbelkörpern oder es kommt vielleicht noch ein Bandscheibenvorfall dazu. Alles zusammen führt dann dazu, dass der Wirbelkanal sich über ein kurze oder längere Strecke verengt. Ist die Lendenwirbelsäule betroffen, werden die Rückenmarksnevern eingeengt, im Bereich der Halswirbelsäule das empfindliche Rückenmark.

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Weitere Ursachen

Neben den alterbedingten Abnutzungen gibt es auch andere seltene Ursachen für eine Spinalkanalstenoste:

  • Unfälle oder Stürze, die mit Wirbelsäulenverletzungen einhergehen
  • infektionsbedingte Entzündungen an den Knochen, des Knochenmarks oder der Bandscheiben
  • Stoffwechselerkrankungen, die beispielsweise die Stabilität der Wirbelkörper beeinflussen
  • chronisch-entzündliche Gelenkerkrankungen
  • Knochenerkrankungen, die die Knochen instabiler werden lassen
  • anlagebedingt enger Wirbelkanal
  • angeborenes Wirbelgleiten (isthmische Spondylolisthese)
  • Operationen oder Verletzungen der Wirbelsäule

Die Verschleißkaskade

Mit zunehmendem Lebensalter kommt es zu einer fortschreitenden Dehydrierung der Bandscheibe eines Bewegungssegments. Dadurch können die Belastungen der Wirbelsäule nicht mehr ausreichend abgefedert werden. Die Bandscheibe verliert an Höhe und wölbt sich nach hinten in den Spinalkanal. Der Höhenverlust der Bandscheibe und die damit veränderte Biomechanik führen dazu, dass die paarig angelegten Facettengelenke ineinander gleiten wie ein Teleskop. Die Belastung der Wirbelgelenke erhöht sich und die Gelenkkapseln verlieren ihre Spannung. Gleichzeitig nimmt die Querschnittsfläche der Neuroforamen ab, sodass die abgehende Nervenwurzel eingeengt wird. Schreitet der Höhenverlust der Bandscheibe weiter fort, erschlaffen auch die stabilisierenden Bänder der Wirbelsäule. Durch die Annäherung der benachbarten Wirbelbögen wölbt sich das gelbe Band in den Wirbelkanal vor und engt ihn weiter ein. Die Kombination dieser Veränderungen führt im Bewegungssegment aus zwei Wirbeln und der dazwischen liegenden Bandscheibe letztendlich zu einer Instabilität. Der Körper macht nun etwas sehr Sinnvolles: Er reagiert auf die Segmentinstabilität mit dem Anbau von Knochen. So werden knöcherne Spangen zwischen den benachbarten Wirbeln ausgebildet, welche schließlich dazu führen, dass das Segment versteift und der Instabilitätsschmerz nachlässt. Man spricht auch von der „segensreichen Versteifung des Alters“. Der Knochenanbau erfolgt allerdings nicht nur auf der Außen-, sondern auch auf der Innenseite des Wirbelkanals - so entsteht hier eine knöcherne Einengung (s.g. Retrospondylophyten). Gelingt es nicht, mithilfe der knöchernen Anbauten das Segment zu stabilisieren, können die Bandscheibendegeneration und der Spannungsverlust von Kapseln und Bändern weiter fortschreiten und in eine manifeste Makroinstabilität (Spondylolisthesis) münden.

Symptome der Spinalkanalstenose

Eine leichte Verengung des Wirbelkanals verursacht in der Regel keine Symptome. Erst wenn die Verengung weit fortgeschritten ist, kommt es zu Beschwerden. Die Art der Beschwerden bei einer Spinalkanalstenose hängt davon ab, ob die Verengung in der Lendenwirbelsäule oder der Halswirbelsäule vorliegt. Die klassische Symptomatik der Spinalkanalstenose ist eine zunehmende Ermüdung im Bereich der Beine und ein ausstrahlender Schmerz in den Beinen, der in der Regel seinen Ursprung im Bereich der Gesäßmuskulatur nimmt. Häufig werden auch Symptome wie Taubheitsgefühle, eine zunehmende Buckelbildung mit Vorneigung des Oberkörpers oder Gangunsicherheiten insbesondere in unwegsamem Gelände oder bei schlechten Lichtverhältnissen geklagt.

Symptome bei Spinalkanalstenose LWS (Lendenwirbelsäule)

Patienten und Patientinnen verspüren oft chronische Schmerzen im unteren Rücken, die in das Gesäß oder die Beine ausstrahlen. Die Beschwerden treten in der Regel unter Belastung auf, zum Beispiel beim Gehen. Besserung tritt ein, wenn Betroffene stehen bleiben und sich nach vorne beugen oder setzen. Unter Belastung können auch Gefühlsstörungen und Lähmungen in den Beinen auftreten. Weil die Gehstrecke, die ohne Schmerzen bewältigt werden kann, durch das Auftreten der Beschwerden deutlich verkürzt ist, spricht man auch von der spinalen Schaufensterkrankheit. Hintergrund ist, dass das Rückenmark in der Regel nur bis zum ersten Lendenwirbelkörper reicht, sodass im Bereich der Lendenwirbelsäulel in der Regel „nur“ die Rückenmarksnerven eingeengt werden, die unter anderem zu den Beinen ziehen. Durch die Einengung sind in den Nerven die Versorgungungswege eingeschnürt. Müssen sie arbeiten, kommt es zu einem Mangel. Durch das Vorbeugen wird der Raum im Wirbelkanal etwas weiter und die Nährstoffe können wieder durch die Nerven fließen. Typische Symptome einer Spinalkanalstenose der LWS sind Schmerzen im unteren Rücken, im Gesäß, in den Oberschenkeln oder Waden bis zu den Zehen. Diese Symptome verschlimmern sich in der Regel beim Stehen und Gehen, da die Nervenwurzellöcher während dieser Aktivitäten enger werden. Die Patienten berichten, dass sie beim Gehen immer öfter eine Pause einlegen müssen, da die Beine schwer, schmerzhaft oder taub werden. Eine Entlastung der Beschwerden erreichen die Betroffenen durch eine nach vorne geneigte Haltung, beispielsweise durch das Aufstützen auf den Einkaufswagen. Dadurch kommt es zu einer Kyphosierung des betroffenen Bewegungssegments, einer Straffung des Ligamentum flavum und damit zu einer Erweiterung des Spinalkanals. In den meisten Fällen ist das Fahrradfahren unbeeinträchtigt, da der Oberkörper dabei üblicherweise leicht nach vorne gebeugt ist. Liegt außerdem eine durch den Verschleißprozess entstandene Instabilität vor, kommt es zu einem ausgeprägten belastungsabhängigen Rückenschmerz. Vor allem der Wechsel zwischen Sitzen, Stehen und Gehen wird als sehr schmerzhaft empfunden.

Fahrradfahren bei Spinalkanalstenose

Typischerweise klagen Patienten mit einer Spinalkanalstenose über eine eingeschränkte Gehstrecke. Nach einigen wenigen Metern müssen sie sich zum Beispiel auf eine Parkbank setzen. In nach vorne gebeugter Haltung wird eine Linderung der Symptome erfahren. So ist das Fahrradfahren über mehrere Kilometer schmerzfrei möglich. Aber wie kommt das? Durch das Vornüberbeugen erweitern sich die Nervenwurzellöcher und die Nervenwurzeln erfahren deutlich weniger Druck! In der Konsequenz nehmenauch die Schmerzen in den Beinen ab.

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Symptome bei Spinalkanalstenose HWS (Halswirbelsäule)

Bei der Halswirbelsäule kann eine Wirbelkanalenge dazu führen, dass die Nervenwurzeln, die aus dem Rückenmark herausgehen, eingeengt werden. Dann kommt es zu Schmerzen in Schulter oder Arm. Drücken Knochenvorsprünge auf das empfindliche Rückenmark, wird dieses geschädigt. Weil die Lageinformationen der Beine nicht mehr zum Gehirn gelangt, wird das Gehen unsicher, was sich erst einmal besonders bei Dunkelheit bemerkbar macht. Zudem kann man zunehmend schlechter das Gleichgewicht halten. Die Hände werden ungeschickt, was sich zum Beispiel beim Knöpfen von Hemden zeigt. Die Beeinträchtigungen können irgendwann so weit gehen, dass Arme und Beine kaum mehr bewegt werden kann.

Abgrenzung zur peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK)

Im Unterschied zu Patienten, die an einer peripheren arteriellen Verschlusskrankheit (pAVK) leiden, können Betroffene mit einer Einengung des Wirbelkanals zwar nur kurze Strecken gehen, aber längere Strecken mit dem Fahrrad zurücklegen. Die Schmerzen in den Beinen verbessern sich erst, wenn sich der Betroffene hinsetzt oder sich nach vorne überbeugt, um eine Entlordosierung der Wirbelsäule zu erreichen. Bei der pAVK hingegen reichen bereits kurze Pausen im Stehen, um eine deutliche Beschwerdelinderung zu erreichen.

Differenzialdiagnosen

Häufige Differenzialdiagnosen in der täglichen Praxis sind:

  • Periphere arterielle Verschlusskrankheit (pAVK)
  • Lumbaler Bandscheibenvorfall
  • Arthrose des Hüftgelenks
  • Fraktur durch Osteoporose
  • Spinale Infektionen oder Tumoren
  • Metabolische oder inflammatorische Neuropathien

Diagnose der Spinalkanalstenose

Betroffene sollten ihre Beschwerden ihrer Hausärztin oder ihrem Hausarzt schildern. Da die Beschwerden nicht immer ganz spezifisch für eine Wirbelkanalseinengung sind, muss diese beziehungsweise dieser genauer nachfragen, wann die Beschwerden auftreten und wann sie sich bessern. Es folgt eine körperliche Untersuchung, bei der unter anderem die Muskelkraft, die Gefühlswahrnehmung, die Reflexe, die Geschicklichkeit der Hände und das Gleichgewicht untersucht werden. Gegebenenfalls werden Betroffene auch zur weiteren Abklärung zu anderen Fachärzten und Fachärztinnen (Neurologie, Orthopädie, Neurochirurgie) überwiesen. Falls notwendig, erfolgt dann die Überweisung in eine radiologische Praxis, um dort zum Beispiel eine Kernspintomographie durchzuführen. Manchmal ist diese nicht möglich, zum Beispiel bei Patientinnen oder Patienten mit Herzschrittmacher, dann kann auf eine Computertomographie ausgewichen werden. Die Kernspintomographie gaukelt manchmal auch durch sogenannte Teilvolumenartefakte eine größere Einengung vor, sodass zusätzlich zur Kernspintomographie eine Computertomographie erfolgt. In der können Knochen besser untersucht werden. Bildgebende Untersuchungen machen aber nur dann Sinn, wenn auch typische Beschwerden bestehen. Denn bei vielen Menschen vor allem im höheren Lebensalter sieht man auch Verengungen im Wirbelkanal, ohne dass sie Beschwerden haben.

Anamnese

Die ausführliche Befragung des Patienten lässt häufig schon erste Rückschlüsse auf das Vorliegen einer lumbalen Spinalkanalstenose zu. Hierbei fragt der Arzt nach Beginn, Dauer und Lokalisation der Schmerzen, nach Abhängigkeit der Beschwerden von der Art der Belastung sowie nach einer möglichen Beeinträchtigung der Gehstrecke. Angaben zu Lähmungen und Sensibilitätsstörungen oder vegetativen Symptomen (v. a. Blasen- und Mastdarmstörungen) führen zum Verdacht einer Wirbelkanaleinengung. Gerade bei älteren Patienten müssen zusätzlich Vorerkrankungen wie Tumoren, Gefäßleiden, Diabetes und Osteoporose abgeklärt werden, um eine andere Erkrankung mit ähnlicher Symptomatik auszuschließen.

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Körperliche Untersuchung

Die körperliche Untersuchung schließt sowohl eine generelle Untersuchung u. a. mit Prüfung des Gangbildes, der Hüftgelenksbeweglichkeit, des Lasègue-Zeichens sowie des Zehenspitzen- und Fersenstands als auch eine ausführliche neurologische Untersuchung ein. Gerade im fortgeschrittenen Stadium der Erkrankung geben außerdem elektrophysiologische Untersuchungen Aufschluss über das Vorliegen einer Nervenwurzelkompression.

Bildgebende Verfahren

Um die Verdachtsdiagnose zu bestätigen und eine gezielte Therapie einzuleiten, sind Bildaufnahmen der Wirbelsäule unverzichtbar. Goldstandard ist dabei die Magnet-Resonanz- Tomografie (MRT), deren Sensitivität bei bis zu 96 Prozent liegt und es ermöglicht, den Spinalkanal und die darin verlaufenden Neurostrukturen wie Rückenmark und Nervenwurzeln hervorragend darzustellen. Bei Patienten, die einen Herzschrittmacher tragen oder an Platzangst leiden, kann alternativ die Computer-Tomografie (CT) eingesetzt werden. Besteht der Verdacht auf eine zusätzliche Instabilität des Bewegungssegments im Sinne eines Wirbelgleitens, ist außerdem eine seitliche Röntgenfunktionsaufnahme in Flexion und Extension indiziert. Im Fall einer angestrebten Operation ist in Einzelfällen ergänzend die lumbale Myelografie sinnvoll, um eine exakte Aussage über das Ausmaß der Stenose zu treffen.

Behandlungsmöglichkeiten der Spinalkanalstenose

Bei einer Spinalkanalstenose im Bereich der Lendenwirbelsäule sollte, sofern keine höhergradige Lähmung oder eine Störung der Blasenentleerung oder Mastdarmentleerung besteht, immer zuerst der Versuch einer konservativen Behandlung mit Krankengymnastik und Medikamenten erfolgen. Im Bereich der Halswirbelsäule ist eine konservative Behandlung sinnvoll, wenn keine Störung des Rückenmarks besteht. Treten Gefühlsstörungen im Bereich des Afters auf, eine Blasenentleerungsstörung oder eine höhergradige Lähmung, muss sehr schnell operiert werden. Ebenso ist eine Operation notwendig, wenn eine Schädigung des Rückenmarks besteht. Die Entscheidung, ob operativ oder konservativ behandelt wird, hängt immer von der Ausprägung der Verengung und den auftretenden Beschwerden ab. Um dies sicher zu beurteilen, bedarf es eines umfassenden Anamnesegespräches, einer klinischen und bildgebenden Untersuchung, einer Einschätzung des Rücken- und Beinschmerzes sowie des damit verbundenen Leidensdrucks.

Konservative Therapie

Sofern keine akuten sensomotorischen Defizite bzw. neurologischen Ausfälle vorliegen, kann die Spinalkanalstenose der Lendenwirbelsäule wie viele andere Wirbelsäulenerkrankungen zunächst konservativ behandelt werden. Insbesondere stellt bei geringer oder moderater Symptomatik die konservative Therapie durchaus eine sinnvolle Option dar. Die konservative Behandlung sollte eine Kombination aus medikamentöser Therapie mit dem Einsatz schmerzlindernder und entzündungshemmender Präparate, Krankengymnastik zur Stärkung der stabilisierenden Muskulatur sowie physikalischer Anwendungen enthalten. Die konservative Therapie einer Einengung des Spinalkanals kann nicht die Ursache beheben, sondern hat das Ziel, die Beschwerden zu lindern.

Medikamentöse Therapie

Je nach Stärke der Beschwerden kommen nicht steroidale Antirheumatika (NSAR) wie Ibuprofen oder Diclofenac, ggf. in Kombination mit Muskelrelaxantien zum Einsatz. Sie zielen darauf ab, mögliche Entzündungen zu lindern und die verkrampfte Muskulatur zu entspannen. Dabei sollte auf einen ausreichenden Schutz der Magenschleimhaut durch die zusätzliche Gabe eines Protonenpumpenhemmers geachtet werden. Je nach klinischem Bild werden auch niedrig dosierte Antidepressiva zur Unterstützung der Schmerzmittel gegeben.

Physiotherapie

Prinzipiell zielt die physiotherapeutische Behandlung darauf ab, eine Entlastung und Stabilisierung der betroffenen Segmente zu erreichen und gleichzeitig die allgemeine körperliche Leistungsfähigkeit der Patienten zu fördern. Zu einer effektiven Physiotherapie gehören daher in erster Linie gezielte krankengymnastische Übungen zur Stärkung der stabilisierenden Bauch- und Rückenmuskulatur, Muskelaufbautraining am Gerät sowie Laufband- und Ergometertraining. Zudem empfiehlt sich ein spezielles Rückentraining, in dem die Betroffenen lernen, wie sie sich im Alltag, beispielsweise beim Sitzen und Heben, rückenfreundlich verhalten. Als passive Maßnahmen werden im individuellen Fall auch entlordosierende Orthesen verordnet.

Physikalische Therapie

Darüber hinaus dienen Wärme- und Kältebehandlungen und die Elektrotherapie wie die transkutane elektrische Nervenstimulation (TENS) zur Schmerzreduktion, Entzündungshemmung und Entspannung der reflektorisch angespannten Muskulatur. Ergänzend kann auch die Ultraschalltherapie eingesetzt werden. Hierbei wird durch die Vibration der Schallwellen Wärme erzeugt und das Gewebe gelockert.

Entspannungsübungen

Bei einer Spinalkanalstenose ist es wichtig, die Wirbelsäule zu entlasten. Dies können Betroffene mit einer Stufenlagerung der Beine erreichen. Dabei legen sie sich flach auf den Rücken, ohne dass ein Hohlkreuz entsteht und platzieren die Beine auf eine Erhöhung, sodass sie einen rechten Winkel bilden. Halten Sie diese Position für 30 bis 60 Sekunden und wiederholen Sie diese Übung drei Mal.

Operative Therapie

Da die meisten Patienten unter chronischen, stagnierenden oder langsam fortschreitenden Beschwerden leiden, die sich durch konservative Maßnahmen nur unbefriedigend kontrollieren lassen, ist oft eine kausale Therapie im Hinblick auf die Einengung des Spinalkanals erforderlich. Dabei gilt: Sprechen die Schmerzen auf die konservative Therapie in einem Zeitraum von zwölf Wochen nicht an, bei gleichzeitig progredienter Verkürzung der Gehstrecke und somit signifikant eingeschränkter Lebensqualität, ist eine operative Behandlung der Spinalkanalstenose unbedingt anzustreben. Eine Reihe internationaler Studien deutet auf eine Überlegenheit der OP bei lumbaler Spinalkanalstenose hin, insbesondere dann, wenn die Einengung des Wirbelkanals bereits weit fortgeschritten ist. Denn im Gegensatz zum Bandscheibenvorfall, der zur spontanen Rückbildung neigt, ist bei der Spinalkanalstenose eine chronische, langsame Progredienz der ursächlichen degenerativen Veränderungen zu erwarten.

Ziele der Operation

Ziel der Operation ist die Dekompression, also eine Erweiterung des Wirbelkanals. Im Bereich der Lendenwirbelsäule kann dabei von hinten zwischen den Wirbelbögen das verdickte gelbe Band entfernt werden und über diesen Weg von innen Verdickungen der Wirbelgelenke mit einer feinen Stanze entfernt werden. Besteht zusätzlich ein Bandscheibenvorfall, wird dieser entfernt. Im Bereich der Halswirbelsäule wird in der Regel von vorn die Bandscheibe zwischen den betroffenen Wirbelkörpern entfernt und dann die Knochenausziehungen mit einer kleinen Stanze vorsichtig entfernt. Anschließend wird die Bandscheibe in der Regel mit einem kleinen Titan-Cage ersetzt. Wenn es gelingt, mit diesem kleinen Eingriff wieder genügend Platz zu schaffen, erholen sich Patientinnen und Patienten in der Regel sehr schnell. Muss zu viel von den Wirbelgelenken abgetragen werden oder besteht schon vorher eine Instabilität der Wirbelsäule, die zu der Einengung geführt hat, so wird die Wirbelsäule zusätzlich durch Schrauben und Stäbe beziehungsweise Implantate zwischen den Wirbelkörpern stabilisiert. Am besten ist es aber immer, wenn es ohne solch umfangreiche Stabilisierungen geht. So wie bei allen medizinischen Eingriffen gibt es gewisse Risiken, über die Patientinnen und Patienten vor dem Eingriff aufgeklärt werden müssen.

Operative Techniken bei lumbaler Spinalkanalstenose

Die operative Therapie zielt darauf ab, die Einengung des Wirbelkanals dauerhaft zu beheben und die Beschwerden zu lindern bzw. zu beseitigen. Es gibt verschiedene Operationsmethoden, die individuell für jeden Patienten gewählt werden. Hierbei spielen das Ausmaß der Einengung, das Vorliegen eines zusätzlichen Wirbelgleitens und/oder einer Skoliose der Lendenwirbelsäule eine maßgebliche Rolle.

Spinale Dekompression

Goldstandard ist nach wie vor die operative Dekompression mit dem Ziel, den Wirbelkanal zu erweitern, die Nervenwurzeln zu entlasten und damit vor allem die Beinschmerzen zu lindern. Während dies früher oft eine aufwendige Operation am offenen Wirbelkanal (Laminektomie) bedeutete, bei der die Wirbelbögen und Wirbelgelenke im verengten Bereich großzügig entfernt wurden, erlauben heute moderne minimalinvasive Verfahren mithilfe eines Operationsmikroskops eine gezielte millimetergenaue Abtragung der für die Verengung verantwortlichen knöchernen und ligamentären Strukturen.

Mikrochirurgische Spinalkanaldekompression

Im Gegensatz zur Laminektomie bleiben bei der mikrochirurgischen Spinalkanaldekompression Dornfortsatz, interspinöse Bänder und das kontralaterale gelbe Band erhalten. Auf diese Weise lässt sich eine sehr effektive Entlastung der neuronalen Strukturen erreichen, ohne die physiologischen und biomechanischen Verhältnisse zu gefährden. Ein weiterer Vorteil des minimalinvasiven Verfahrens besteht darin, dass durch den einseitigen und extrem verkleinerten operativen Zugang das muskuläre Gewebe um den Wirbel weitgehend erhalten bleibt. Dadurch wird eine mögliche segmentale Gefügelockerung verhindert. Zudem sind bei der mikrochirurgischen Dekompression sowohl die Operationszeit als auch die Wundheilung deutlich kürzer als bei der konventionellen Laminektomie. Aufgrund der geringen Beeinträchtigung von H…

Laminektomie

Die Laminektomie zur Dekompression des Spinalkanals wird heute glücklicherweise nur noch selten durchgeführt. Bei dieser „Entdachung“ des Spinalkanals werden Dornfortsätze, Wirbelbögen, gelbes Band und auch Anteile der Facettengelenke abgetragen. Häufig entwickeln Patienten nach dem Eingriff durch die Beschädigung der sogenannten „hinteren Zuggurtung“ (Dornfortsatz, inter- und supraspinöse Bänder, Lig. flavum und Wirbelgelenke) des Bewegungssegments eine postoperative Segmentinstabilität.

Die richtige Haltung bei Spinalkanalstenose

Wie schläft man bei Spinalkanalstenose richtig?

Die Wirbelsäule sollte beim Schlafen dieselbe Form einnehmen, wie sie es im aufrechten Stand tut. Die ideale Schlafhaltung bei Spinalkanalstenose an der Halswirbelsäule ist auf dem Rücken liegend oder auf der Seite mit durch ein Spezialkissen unterstütztem Kopf. Am schlechtesten für die Halswirbelsäule ist die Bauchlage. Denn dabei muss sie sich zwangsweise in unnatürlicher Weise verdrehen. Patienten mit Spinalkanalstenose an der Lendenwirbelsäule vermeiden Schmerzen beim Schlafen am besten in Seitenlage mit leicht gebeugten Knien. Denn so liegt die Wirbelsäule automatisch in ihrer natürlichen Krümmung.

Sport und Bewegung

Betroffene sollten sich nicht absichtlich schonen und jede sportliche Betätigung vermeiden. Es ist im Gegenteil, auf ausreichend Bewegung und Kräftigung der Rumpfmuskulatur zu achten. Günstig sind vor allem Sportarten mit gleichmäßigen, gut dosier- und kontrollierbaren Bewegungen wie eben etwa Radfahren, Walking, Rudern, Schwimmen oder auch Muskelkräftigung im Fitnessstudio. Grundsätzlich sind bei einer Spinalkanalstenose sanfte Sportarten wie Wassergymnastik, Radfahren, Stretching oder Pilates sinnvoll. Übungen für zu Hause ergänzen die Sportarten. Bei einer Spinalkanalstenose wird die Wirbelsäule bereits belastet. Daher sollten belastungsintensive Übungen wie Laufen, Springen und Klettern vermieden werden.

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