Ernährung bei Migräne: Was wirklich hilft

Migräneanfälle verursachen heftige, andauernde Kopfschmerzen und können den Alltag der Betroffenen stark beeinträchtigen. Die Frage, ob eine spezielle Ernährung Migräne beeinflussen kann, ist daher von großem Interesse. Ein Neurologe gibt in der "Apotheken Umschau" eine klare Meinung dazu und erklärt, welchen Einfluss die Ernährung auf die Erkrankung haben kann.

Regelmäßige Mahlzeiten sind entscheidend

Menschen, die unter Migräne leiden, sollten besonders auf regelmäßige Mahlzeiten achten. Anstatt drei großer Mahlzeiten empfiehlt es sich, lieber fünf kleinere über den Tag verteilt zu sich zu nehmen. Professor Hartmut Göbel, Chefarzt der Schmerzklinik Kiel und Spezialist für Schmerztherapie, erklärt, dass das Gehirn von Migränepatienten mehr Energie benötigt, die es aus der Nahrung bezieht. Ein reichhaltiges Frühstück sei beispielsweise ein guter Start in den Tag. Von Intervallfasten und Low-Carb-Diäten rät Göbel Betroffenen jedoch ab.

Lebensmittelverbote mit Vorsicht genießen

Der Mediziner hält wenig von selbst auferlegten Lebensmittelverboten. Zwar könne es vorkommen, dass bestimmte Nahrungsmittel wie glutamathaltige Speisen, Gepökeltes oder sehr kalte Speisen Kopfschmerzen auslösen. Diese Schmerzen seien jedoch nicht mit einer Migräne zu verwechseln, sondern würden direkt von den Nahrungsmitteln verursacht.

Heißhunger als Zeichen von Energiemangel

Auch der Heißhunger auf Süßes oder kalorienreiche Speisen, der oft vor einer Migräneattacke auftritt, hat eine Erklärung: Das Gehirn versucht, ein Energiedefizit auszugleichen. Regelmäßige Mahlzeiten sind daher so wichtig, um diesen Schwankungen entgegenzuwirken.

Der Unterschied zwischen Migräne und Spannungskopfschmerzen

Es ist wichtig, Migräne von anderen Kopfschmerzarten zu unterscheiden, insbesondere von Spannungskopfschmerzen.

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Migräne:

  • Häufig pulsierend, pochend
  • Typischerweise halbseitig
  • Oft Licht- und Geräuschempfindlichkeit
  • Häufig Übelkeit, teils mit Erbrechen
  • Körperliche Aktivität verstärkt die Schmerzen
  • Teils mit vorausgehenden Symptomen wie Lichtblitzen, Sehstörungen, Schwindel

Spannungskopfschmerzen:

  • Eher dumpf, drückend, ziehend
  • Größter Teil oder ganzer Schädel betroffen
  • Selten Übelkeit
  • Bewegung wirkt sich meist positiv aus

Spannungskopfschmerzen: Ursachen und Behandlung

Spannungskopfschmerzen sind die häufigste Art von Kopfschmerzen. Die Ursachen sind noch nicht vollständig geklärt, Stress und erbliche Faktoren scheinen eine Rolle zu spielen. Oft sind Muskeln im Schädel- und Nackenbereich verspannt.

Behandlung von Spannungskopfschmerzen:

  • Akut: Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure, Paracetamol, Ibuprofen, Naproxen oder Metamizol können helfen. Auch Pfefferminzöl auf Schläfen und Nacken kann lindernd wirken.
  • Vorbeugend: Entspannungsübungen, Ausdauertraining und Stressbewältigung können die Anzahl der Kopfschmerzepisoden reduzieren. Medikamente wie Antidepressiva können ebenfalls eingesetzt werden.

Ernährung bei Spannungskopfschmerzen

Auch bei Spannungskopfschmerzen kann die Ernährung eine Rolle spielen. Eine Ernährung mit viel Fleisch, Fett und Zucker kann Stress für den Körper bedeuten und die Entstehung von Spannungskopfschmerzen begünstigen. Eine gesündere Ernährung kann dem Gehirn helfen, die Schmerzempfindlichkeit zu senken. Studien dazu sind jedoch noch nicht eindeutig. Übergewicht sollte vermieden werden, und es ist ratsam, langsam und in Ruhe zu essen. Ausreichend Flüssigkeit ist ebenfalls wichtig, da ein Flüssigkeitsmangel Kopfschmerzen begünstigen kann.

Migräne: Ursachen, Symptome und Behandlung

Migräne ist mehr als nur Kopfschmerz. Häufig kündigt sich eine Attacke durch eine Aura an.

Ursachen und Auslöser der Migräne:

  • Stress
  • Schlafmangel
  • Flüssigkeitsmangel
  • Hormonelle Schwankungen
  • Ernährung (bestimmte Lebensmittel oder Fasten)
  • Wetter und Reizüberflutung

Symptome der Migräne:

  • Prodromalphase: Gereiztheit, Müdigkeit, Heißhunger, Lichtempfindlichkeit
  • Aura: Sehstörungen, Empfindungsstörungen, Sprachstörungen, Gleichgewichtsstörungen
  • Kopfschmerzphase: Starke, einseitige Kopfschmerzen, Übelkeit, Erbrechen, Licht- und Geräuschempfindlichkeit

Behandlung der Migräne:

  • Vorbeugung: Regelmäßiger Sport, Entspannungsübungen, Akupunktur, Medikamente (Betablocker, Krampflöser, Antidepressiva, Antikörpertherapie)
  • Akut: Schmerzmittel (Ibuprofen, Paracetamol, Acetylsalicylsäure), Triptane, Gepante, Remote Electrical Neuromodulation (REN)

Ernährungsumstellung bei Migräne

US-Wissenschaftler haben festgestellt, dass auch die Art der verzehrten Fettsäuren einen Einfluss auf Migräne haben kann. Migränepatienten sollten Fischöle pflanzlichen Ölen mit einem hohen Gehalt an Linolsäure (z.B. Sonnenblumenöl) vorziehen.

Eine Studie mit 182 Migränepatienten zeigte, dass ein herabgesetzter Linolsäureverzehr zu weniger Kopfschmerztagen führte. Auch ein höherer Fischölverzehr schien die Migräne besser in den Griff zu bekommen. Es wird angenommen, dass die im Fischöl enthaltenen Eicosapentaensäure (EPA) und Docosahexaensäure (DHA) die Bildung von schmerzlindernden Stoffwechselprodukten fördern.

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Lebensstil und Migräne

Ein Lebensstil, der die Nervenzellen überlastet, kann Migräneattacken begünstigen. Stress, Schlafmangel und unregelmäßige Mahlzeiten sind typische Auslöser.

Akut-Medikamente bei Kopfschmerzen

Bei leichten bis mittelschweren Kopfschmerzen sind Acetylsalicylsäure (ASS) und Ibuprofen wirksam. Bei Migräne hat sich ein Kombinationspräparat aus Paracetamol, ASS und Koffein als etwas wirkungsvoller erwiesen. Bei Spannungskopfschmerz wird Paracetamol als Medikament der zweiten Wahl empfohlen. Auch Pfefferminzöl kann lindernd wirken.

Bei starken Beschwerden können Triptane eingesetzt werden. Diese blockieren die Übermittlung von Schmerzsignalen im Gehirn und normalisieren die Blutgefäße in den Hirnhäuten.

Akut-Kopfschmerzmittel sollten jedoch nicht zu häufig eingenommen werden, da sonst Dauerkopfschmerzen drohen. Die "10/20-Regel" besagt: 20 Tage pro Monat ohne, höchstens 10 mit Kopfschmerzmitteln.

Wiederkehrender Schmerz: Vorbeugen

Verschiedene Auslöser, sogenannte Trigger, können Migräneattacken verursachen: Wetterwechsel, Hormonschwankungen, Alkoholgenuss, Stress oder ein Wechsel im gewohnten Tag-Nacht-Rhythmus.

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Vorbeugende Maßnahmen:

  • Ernährung: Regelmäßige Nahrungsaufnahme, um einer Fehlfunktion der Nervenzellen vorzubeugen.
  • Ruhephasen: Ausreichend Schlaf, um das Nervensystem zu erholen.
  • Ausdauersport: Hilft, die Empfindlichkeit des schmerzverarbeitenden Systems herunterzusetzen.
  • Entspannungsverfahren: Wirken beruhigend auf das gesamte Gehirn.
  • Akupunktur: Kann Migräneattacken ähnlich gut verhindern wie Medikamente.

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