Die Suche nach wirksamen Therapien gegen Hirntumore ist ein zentrales Anliegen der medizinischen Forschung. Angesichts der oft schwierigen Behandlung und der damit verbundenen Belastung für Patienten und Angehörige werden kontinuierlich neue Ansätze und Technologien entwickelt. Dieser Artikel beleuchtet einige vielversprechende Forschungsansätze und Therapieoptionen im Kampf gegen Hirntumore, von der Protonentherapie bis hin zu potenziellen neuen Wirkstoffen wie Methadon und den überraschenden Eigenschaften des Axolotl.
Protonentherapie: Neue Hoffnung für Patienten mit Hirntumoren
In Dresden wurde am Uniklinikum ein Forschungszentrum namens Oncoray gegründet, das einen etwa 300 Tonnen schweren Protonen-Beschleunigerkomplex in Betrieb genommen hat. Diese Anlage, die erste ihrer Art in Ostdeutschland, bietet neue Hoffnung für Patienten mit bisher unheilbaren Hirntumoren. Ab Sommer 2014 sollten dort bis zu 500 Patienten mit besonders heimtückischen Tumoren pro Jahr behandelt werden.
Die Protonentherapie zielt darauf ab, Tumore im Gehirn oder Rückenmark präziser zu bestrahlen als herkömmliche Methoden. Dadurch soll das umliegende gesunde Gewebe und Nerven geschont werden, was insbesondere bei Tumoren in kritischen Bereichen von großer Bedeutung ist. Die Dresdner Onkologen sehen in der Protonentherapie auch das Potenzial, die Heilungschancen für Krebsarten jenseits des Nervensystems zu erhöhen.
Die hohen Kosten und der große Platzbedarf solcher Anlagen sind Gründe, warum nicht jedes Krankenhaus über einen Protonen-Beschleuniger verfügt. Das Land Sachsen hat 32 Millionen Euro für den Neubau des Oncoray-Zentrums beigesteuert, in das 12.000 Kubikmeter Beton und 1150 Tonnen Stahl verbaut wurden, um den schweren Beschleuniger zu stützen und strahlungstechnisch abzuschirmen.
Der Fall Mats: Ein persönliches Schicksal
Ein Beispiel für die Dringlichkeit der Suche nach neuen Therapien ist der Fall des kleinen Mats aus Sebnitz. Bei dem zweijährigen Jungen wurde ein faustgroßer Gehirntumor diagnostiziert. Trotz einer Not-OP und zwei Chemotherapien in der Dresdner Uniklinik konnte keine Heilung erzielt werden. Die Eltern starteten eine Online-Spendenaktion, um neue Therapieansätze ausprobieren zu können.
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Methadon: Ein Schmerzmittel als Hoffnungsträger?
Seit einiger Zeit erregt Methadon, eine Substanz, die aus der Drogenersatztherapie bekannt ist, die Aufmerksamkeit der Krebsmedizin. Ursprünglich wollte Claudia Friesen nur die molekularen Mechanismen von Opioiden erforschen. Dafür brauchte sie Zellen, die dafür empfänglich sind. In Ulm wurde zufällig entdeckt, dass Methadon im Reagenzglas Leukämiezellen zerstören kann. Folgeexperimente ergaben, dass nicht alle Leukämiezellen im Reagenzglas durch Methadon starben. Friesen erprobte Methadon daraufhin als Wirkverstärker in Kombination mit dem Chemotherapeutikum Doxorubicin.
Diese Beobachtung führte zu der Annahme, dass Methadon eine "Wunderwaffe" gegen Krebs sein könnte. Nahezu jedes Medium hat im letzten Jahr berichtet über das Schmerzmittel aus der Gruppe der Opioide, das vielen auch aus der Drogenersatztherapie bekannt ist. Schwerstkranke bestürmen ihre Onkologen. Viele beschaffen sich das Mittel ohne Wissen des behandelnden Arztes. Es gibt verzweifelte Krebspatienten oder deren Angehörige, die die Botschaft der Berichte aufsaugen, sie in den sozialen Medien verbreiten. Und es sind Fälle wie der von Sabine Kloske, die selbst austherapierte Krebspatienten wieder hoffen lassen. In Plusminus schildert Kloske, ein Arzt habe ihr nach der Operation noch zwölf bis 15 Monate Lebenszeit gegeben. Zum Zeitpunkt der Sendung hat sie diese Prognose bereits um ein Jahr überlebt. Und auch heute, mehr als drei Jahre nach der Diagnose, geht es ihr gut.
Die bundesweit ausgestrahlte Sendung Plusminus vom 12. April 2017 bildet den Auftakt vieler Berichte, vor allem im öffentlich-rechtlichen und privaten Fernsehen. "Und damit ist der Rahmen gesetzt: Die Pharmafirmen sind diejenigen, die arbeiten aus Profitgründen. Der Diplombiologe hat den Plusminusbeitrag vom April 2017 für die Medienkonferenz Wissenswerte analysiert. Weil er den Beginn des beispiellosen Interesses an Methadon als Krebsmedikament markiert.
Die Chemikerin Claudia Friesen vom Institut für Rechtsmedizin der Universitätsklinik Ulm beobachtete, dass Methadon in der Lage ist, Krebszellen zu zerstören. Sie arbeitet am Institut für Rechtsmedizin der Universitätsklinik Ulm. Es ist ihre Beobachtung, die Krebspatienten seit vergangenem Jahr elektrisiert. Ein YouTube-Video der Veranstalter zeigt Claudia Friesen am Rande eines Kongresses für Biologische Krebsabwehr: "Das sind Pankreaspatienten, die eigentlich, zum - ja zum Sterben entlassen wurden und die jetzt Methadon genommen haben. Die wurden nur in der Schmerztherapie umgestellt. Es gibt Patienten, die mit Methadon behandelt wurden, leben.
Diese Ergebnisse sind jedoch noch experimentell und zählen zur Grundlagenforschung. Von diesem Stadium der wissenschaftlichen Erkundung erfährt die Öffentlichkeit normalerweise nichts. Gegen Krebs werden derzeit 2.440 Substanzen in Zellkultur oder im Tierversuch getestet. Rund ein Drittel der Wirkstoffe wird in diesem frühen Forschungsstadium nach systematischen Sicherheitsprüfungen aussortiert - bei bereits bekannten Medikamenten wie Methadon dürfte die Quote besser sein. Nur eine von neun Substanzen, die erfolgreich im Labor getestet wurden, bewährt sich beim Menschen.
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Trotz der vielversprechenden Ergebnisse warnen Experten vor einer unkritischen Anwendung von Methadon in der Krebstherapie. Jutta Hübner, Professorin für Integrative Onkologie an der Universität Jena, lehnt den Einsatz von Methadon derzeit ab, da ein Nutzen noch nicht belegt sei und Neben- oder Wechselwirkungen zu befürchten seien. Es gibt sehr viele Patienten, die sich Methadon besorgt haben.
Methadon wird seit dem Zweiten Weltkrieg weltweit als Schmerzmittel vertrieben. In der Palliativmedizin wird es in Deutschland als Reserve-Medikament bei mittleren oder schweren Tumorschmerzen empfohlen. Da Methadon in zwei Schritten abgebaut wird und die Wirkung verzögert eintritt, kann es leicht überdosiert werden.
Zudem warnen fünf Medizinische Fachgesellschaften oder deren Arbeitsgruppen in Deutschland und drei Fachgesellschaften in Österreich vor dem Einsatz von Methadon in der Krebstherapie, da ein Nutzen noch nicht belegt, Neben- oder Wechselwirkungen aber zu befürchten seien.
Es ist wichtig zu betonen, dass die Forschungsergebnisse von Claudia Friesen noch experimentell sind und weitere Studien erforderlich sind, um die Wirksamkeit und Sicherheit von Methadon in der Krebstherapie zu belegen.
Aspirin: Ein altbekanntes Mittel im Visier der Krebsforschung
Auch der Wirkstoff Acetylsalicylsäure, besser bekannt als Aspirin, wird in der Krebsforschung untersucht. Aspirin hat bereits in zahlreichen Studien bewiesen, dass es Krebs vorbeugen kann. Der Wirkstoff Acetylsalicylsäure beeinflusst Stoffwechselprozesse im Körper und hat eine entzündungs- und gerinnungshemmende Wirkung.
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Neurowissenschaftler haben eine neue Therapie-Methode gegen Tumore im Gehirn erforscht - und zumindest an Zellen im Labor beeindruckende Ergebnisse erzielt. Grundlage ist ein Stoff, den wir alle Zuhause haben: Acetylsalicylsäure, besser bekannt als Aspirin.
Bislang zeigte die Tumorprävention jedoch nur an Krebsarten wie Darmkrebs oder Speiseröhrenkrebs Erfolg. Forschern ist es nicht gelungen, den Stoff so flüssig zu bekommen, dass er in genügend hoher Dosis ins Gehirn wandert und dort ebenfalls wirken kann. Denn auch lösliches Aspirin ist nicht komplett flüssig, sondern enthält immer noch Moleküle, die zu groß sind, um die Blut-Hirn-Schranke zu durchdringen.
Eine neue Rezeptur soll dieses Problem umgehen. Das erste „wirklich flüssige“ Aspirin durchdringt die Blut-Hirn-Schranke, die normalerweise wie ein Schutzschild funktioniert. Sie schützt das Gehirn vor Giftstoffen, doch sie verhindert auch die medikamentöse Behandlung von Hirntumoren.Die Kombination der Wirkstoffe zeigte sich im Laborversuch als zehnmal effektiver gegen die Tumorzellen als die heute gebräuchlichen Medikamente.
Axolotl: Ein Hoffnungsträger aus dem Tierreich?
Der Axolotl, eine bedrohte Molchart aus Mexiko, könnte ebenfalls ein wirksames Mittel im Kampf gegen Krebs liefern. Axolotl sind bekannt für ihre Fähigkeit, Gliedmaßen, Organe und sogar Teile des Gehirns und Herzens nachwachsen zu lassen.
Biologin Sarah Strauß vermutet, dass die antimikrobiellen Peptide im Hautschleim des Axolotls Tumorzellen und den gefürchteten Krankenhauskeim MRSA bekämpfen können. Bei Versuchen auf Zellebene lösten einige der Peptide bei Brustkrebszellen einen sogenannten programmierten Zelltod aus.
Die Forscher beobachteten, dass die Peptide ganz gezielt Krebszellen töten, ohne gesunde Brustgewebszellen anzugreifen. Auch die Wirkung bei Krankenhauskeimen sei interessant. Bis zu einer möglichen klinischen Anwendung könnten gut 15 Jahre vergehen.
Immunonkologie: Das körpereigene Abwehrsystem als Waffe gegen Krebs
Die Immunonkologie ist ein sich rasant entwickelndes Feld mit großen Zukunftsaussichten. Sie nutzt die natürlichen Fähigkeiten des körpereigenen Abwehrsystems (Immunsystem), um Krebszellen zu bekämpfen.
Im Unterschied zu Operation, Strahlentherapie und Chemotherapie greift die Immunonkologie nicht den Tumor selbst an, sondern nutzt die natürlichen Fähigkeiten des körpereigenen Abwehrsystems (Immunsystem), um Krebszellen zu bekämpfen. Bei der Immunonkologie werden insbesondere sogenannte T-Lymphozyten so stimuliert, dass sie Tumorzellen identifizieren und zerstören können.
Eine wichtige Rolle spielen dabei Checkpoint-Inhibitoren (CPI) oder Checkpoint-Hemmer. Diese Klasse von Medikamenten wird bereits bei zahlreichen Tumorarten eingesetzt wie schwarzem Hautkrebs, Harnblasen- und Nierenkrebs, bestimmten Formen von Lungenkrebs oder auch Gebärmutterkrebs und Lymphdrüsenkrebs.
Neben Checkpoint-Hemmern gibt es auch andere immunonkologische Methoden wie die Behandlung mit sogenannten bispezifischen Antikörpern. Die derzeit aufwendigste und zugleich teuerste immunonkologischen Therapie ist die Behandlung mit sogenannten CAR-T-Zellen.
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