Kurkuma, ein Gewürz, das aus der gleichnamigen Pflanze gewonnen wird, hat in den letzten Jahren aufgrund seines Inhaltsstoffs Curcumin viel Aufmerksamkeit erregt. Curcumin wird eine Vielzahl von gesundheitsfördernden Eigenschaften zugeschrieben, darunter entzündungshemmende, antioxidative und neuroprotektive Wirkungen. Insbesondere im Zusammenhang mit der Alzheimer-Krankheit gibt es zunehmend Hinweise darauf, dass Kurkuma bzw. Curcumin eine positive Rolle spielen könnte.
Kurkuma: Eine kleine Warenkunde
Die ursprünglich aus Indien stammende Pflanze gehört zur Gattung der Ingwergewächse. Kurkuma ist eine wichtige Zutat in Curry-Mischungen. Für die gelbe Farbe ist der Farbstoff Curcumin verantwortlich. Der Wurzelstock wird frisch oder getrocknet und gemahlen als Gewürz sowie als Farbstoff etwa für Senf, Butterzubereitungen oder Wurst verwendet. Kurkuma-Pulver schmeckt leicht würzig und ein bisschen erdig-bitter.
Alzheimer: Eine wachsende Herausforderung
Die Alzheimer-Krankheit ist die häufigste Form der Demenz und eine der größten gesundheitlichen Herausforderungen unserer Zeit. In Deutschland sind bereits über eine Million Menschen betroffen, und die Zahlen steigen stetig. Da es derzeit keine Heilung gibt, konzentriert sich die Forschung zunehmend auf präventive Maßnahmen und Therapien, die das Fortschreiten der Krankheit verlangsamen können.
Die potenziellen Wirkmechanismen von Kurkuma bei Alzheimer
Die Alzheimer-Krankheit ist durch komplexe pathologische Veränderungen im Gehirn gekennzeichnet, darunter die Bildung von Beta-Amyloid-Plaques und Tau-Fibrillen, chronische Entzündungen, oxidativer Stress und Störungen im Energiestoffwechsel. Curcumin, der Hauptwirkstoff in Kurkuma, könnte an verschiedenen Stellen dieser Krankheitsentwicklung ansetzen:
Reduktion von Neurotoxizität und Plaquebildung
Bei Durchblutungsstörungen im Gehirn, etwa im Rahmen eines Schlaganfalles, sinkt die Sauerstoffversorgung im Gehirngewebe (Ischämie). Als Langzeitfolge entstehen neurotoxische Verbindungen, wie sie auch im Rahmen einer Alzheimererkrankung auftreten. Zu den wichtigsten zählen Beta-Amyloid und Tau-Protein. Curcumin kann die Neurotoxizität von Beta-Amyloiden und Tau-Proteinen senken und deren gefährliche Aggregation zu unlöslichen Plaques verhindern. Einzelne Studien deuten sogar darauf hin, dass bereits bestehende Plaques durch Curcumin aufgelöst werden.
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Entzündungshemmende Wirkung
Bei Alzheimer sind im Gehirn entzündliche Prozesse aktiv. Curcumin wirkt entzündungshemmend und kann dazu beitragen, diese Prozesse zu modulieren. Omega-3-Fettsäuren (DHA, EPA) aus Fischöl, Vitamin D und bestimmte Pflanzenstoffe (z.B. Resveratrol aus Trauben) haben antientzündliche Effekte im Nervensystem gezeigt.
Antioxidative Wirkung
Bei Alzheimer kommt es im Gehirn zu massivem oxidativem Stress. Curcumin wirkt antioxidativ und kann dazu beitragen, freie Radikale zu neutralisieren und die Zellen zu schützen. Antioxidantien wie Vitamin C, Vitamin E, Carotinoide und Selen neutralisieren freie Radikale und schützen die Zellen. In Alzheimer-Studien fand man tatsächlich oft niedrige Spiegel dieser Antioxidantien bei Patienten.
Neuroprotektive Eigenschaften
Curcumin gilt als neuroprotektiver Stoff, der das Nervensystem vor Schäden schützt. Bei Alzheimer kommt es zu Schäden der Myelinscheide, jener Schicht, die schützend die Nervenzellen des Gehirns umhüllt.
Förderung der Amyloid-Clearance
Vitamin D moduliert die Immunabwehr und fördert in Laborversuchen die Aufnahme und den Abbau von Amyloid-β durch Immunzellen . Ein guter Vitamin-D-Status könnte somit helfen, Amyloid-Ablagerungen vorzubeugen oder zu vermindern. Zusätzlich wird diskutiert, dass Curcumin (Gelbwurz) an Amyloid binden und dessen Verklumpung hemmen kann (zumindest im Tierversuch). Pflanzliche Polyphenole generell unterstützen zelluläre Reinigungs- und Reparaturprozesse.
Einfluss auf den Homocystein-Spiegel
Hohe Homocysteinspiegel im Blut korrelieren mit einem erhöhten Alzheimer-Risiko und verstärktem Gehirnabbau. Homocystein schädigt Gefäße und fördert Neurodegeneration, hemmt sogar die Bildung neuer Nervenzellen (Neurogenese) im Hippocampus. Ursache erhöhter Homocysteinwerte ist meist ein Mangel an B-Vitaminen (B₆, B₁₂ und Folsäure), die Homocystein abbauen. Fehlen diese Vitamine, kann Homocystein sich anreichern. B-Vitamine sind daher ein wichtiger Angriffspunkt: Studien zeigen, dass eine Homocystein-Senkung durch Vitamin B6, B12 und Folsäure den Hirnabbau bei gefährdeten Personen verlangsamen kann.
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Unterstützung des Energiestoffwechsels
Das Gehirn von Alzheimer-Patienten weist Zeichen einer Insulinresistenz und mitochondrialen Dysfunktion auf. B-Vitamine, Coenzym Q10, Magnesium und L-Carnitin unterstützen den Energiestoffwechsel der Zellen.
Förderung der Neurotransmission
Gewisse Vitamine und Aminosäuren sind Bausteine für Neurotransmitter (Botenstoffe im Gehirn). Zum Beispiel benötigt die Bildung von Acetylcholin (wichtig für Gedächtnis) ausreichend Cholin und Vitamin B5. Vitamin B1 (Thiamin) ist essenziell für die Glukoseverwertung im Gehirn; Thiaminmangel (Wernicke-Korsakow-Syndrom) führt zu schweren Gedächtnisstörungen.
Studienergebnisse zur Wirkung von Curcumin auf die Kognition
Wissenschaftler der University of California untersuchten, ob eine Nahrungsergänzung mit Curcumin bei Menschen mit altersbedingter Vergesslichkeit das Erinnerungsvermögen verbessern könnte. Die 60 gesunden Erwachsenen im Alter von 60 bis 85 Jahren erhielten 400 mg eines Präparats mit ca. In Gedächtnistests konnte die Curcumin-Gruppe innerhalb der 18 Monate ihre Leistungen um 28 Prozent verbessern. Hochinteressant war außerdem, dass sich im PET-Scan ein deutlicher Abbau der Ablagerungen im Gehirn erkennen ließ. Besonders im Bereich der Amygdala und des Hypothalamus hatte das Curcumin eine Reduzierung der Plaques und Tau-Proteine bewirkt.
Eine doppelblinde placebokontrollierte Studie wurde an 40 Erwachsenen zwischen 50 und 90 Jahren durchgeführt. In der Curcumin-Gruppe zeigten sich nun signifikante Verbesserungen der Gedächtnisleistung und Konzentrationsfähigkeit.
Eine Studie verglich Curcumin mit einem Placebo in älteren Erwachsenen. Über ein Jahr hatten die Teilnehmer auf Curcumin eine stabile kognitive Funktion, während diejenigen auf Placebo signifikante Rückgänge zeigten.
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Eine Studie von Small GW et al. (2018) untersuchte die Auswirkungen einer bioverfügbaren Form von Curcumin (Theracurmin) bei älteren Menschen ohne Demenz über 18 Monate. Die Ergebnisse zeigten, dass sich das Gedächtnis und die Aufmerksamkeit bei den Probanden, die Curcumin einnahmen, verbesserten. Darüber hinaus zeigten Bildgebungsuntersuchungen, dass sowohl Amyloid-Plaques als auch Tau-Fibrillen im Laufe der Studie abnahmen.
Es ist jedoch wichtig zu beachten, dass nicht alle Humanstudien Vorteile mit Curcumin gefunden haben. Dosierungsschemata und die verwendete Form von Curcumin haben zwischen den Studien erheblich variiert. Es ist auch möglich, dass Curcumin besser als frühzeitige Intervention wirkt als als Behandlung für Patienten, bei denen bereits schwerwiegendere Gedächtnisprobleme diagnostiziert wurden.
Bioverfügbarkeit von Curcumin
Curcumin ist kaum wasserlöslich und wird vom Körper kaum aufgenommen, was auch „geringe Bioverfügbarkeit“ genannt wird. Es gelangt also nur wenig dorthin, wo es wirken soll: in die Zellen. Um die Bioverfügbarkeit zu verbessern, werben einige Curcumin-Produkte mit einer verbesserten Aufnahme (Bioverfügbarkeit). Als Zusätze sollen zum Beispiel schwarzer Pfeffer (Piperin) helfen.
Dosierung und Sicherheit von Curcumin
Von der Europäischen Behörde für Lebensmittelsicherheit (EFSA) gibt es Reglementierungen für die Einnahme des Wirkstoffs Curcumin. Sie empfiehlt, täglich nicht mehr als zwei Milligramm pro Kilogramm Körpergewicht zu verzehren. Bei einem 70 Kilogramm schweren Menschen sind das 140 Milligramm Curcumin pro Tag, etwa in Form eines Nahrungsergänzungsmittels. Wird das Gewürz oder das Extrakt höher dosiert, können je nach Empfindlichkeit Nebenwirkungen wie Blähungen, Durchfall, Übelkeit oder Schmerzen im Verdauungstrakt auftreten.
Curcumin hat sich als recht sicher erwiesen und wird in klinischen Studien normalerweise gut vertragen. Es gibt jedoch einige Berichte über autoimmune Lebertoxizität, die durch Curcumin induziert wurde, wobei ein Bericht gut dokumentiert ist. Wenn Curcumin abgesetzt wurde, erholte sich der Patient.
Wer sollte Curcumin-Extrakte meiden?
- Personen mit bekannter Allergie gegen Curcumin
- Schwangere und Stillende (als Gewürz stellt es aber kein Problem dar)
- Personen mit Gallensteinen (Curcumin fördert die Bildung und Sekretion von Gallensaft, was eine Gallenkolik zur Folge haben kann)
- Kinder
Orthomolekulare Medizin zur Demenz-Prävention
Ein vielversprechender Weg liegt in der orthomolekularen Medizin. Durch gezielten Einsatz von Vitaminen, Mineralstoffen und anderen Mikronährstoffen lässt sich die Gehirngesundheit aktiv unterstützen - und das Risiko für Demenz nachweislich senken. Studien zeigen: Bestimmte Nährstoffe und Lebensstilfaktoren können nicht nur das Fortschreiten einer beginnenden Demenz verlangsamen, sondern auch präventiv wirken - vor allem, wenn sie frühzeitig und individuell abgestimmt eingesetzt werden.
Wichtige Mikronährstoffe zur Demenz-Prävention
- B-Vitamine (B₆, B₁₂, Folsäure): Schützen Nervenzellen, senken Homocystein und beugen Hirnatrophie vor. Hohe Homocysteinwerte durch B-Vitamin-Mangel steigern das Demenzrisiko.
- Omega-3-Fettsäuren (DHA/EPA): Entzündungshemmende „Brain Food“-Fette, essentiell für Hirnmembranen und Synapsen. Korrelieren mit niedrigerem Demenzrisiko (Fischesser erkranken seltener).
- Vitamin D: Hormonähnliches „Sonnenvitamin“, wichtig für Immunfunktion und Schutzmechanismen im Gehirn. Mangel erhöht laut Beobachtungsstudien das Alzheimer-Risiko deutlich.
- Antioxidantien (Vitamin C, E, Selen): Neutralisieren freie Radikale im energiehungrigen Gehirn. Bei Alzheimer häufig zu niedrige Spiegel gemessen.
- Magnesium: Wichtig für die Signalübertragung zwischen Gehirnzellen und Gedächtnisbildung.
- Zink & Selen: Spurenelemente, essentiell für Wachstum und Reparatur von Nervenzellen. Ein Mangel an Zink oder Selen stört die Bildung neuer Neuronen und erhöht das Demenzrisiko.
- Coenzym Q10 & L-Carnitin: Unterstützen die Mitochondrien (Kraftwerke der Zelle).
- Lithium (Spurenelement): In sehr kleinen Mengen essentiell fürs Gehirn.
Lebensstiländerungen zur Alzheimer-Prävention
Eine Studie der Harvard Medical School zeigt, dass intensive Lebensstiländerungen, kombiniert mit natürlichen Heilmitteln, das Fortschreiten der Krankheit nicht nur verlangsamen, sondern auch kognitive Verbesserungen bewirken können. Besonders hervorzuheben ist die pflanzenbasierte Ernährung, die reich an entzündungshemmenden Nährstoffen war. Omega-3-Fettsäuren, Kurkuma und Probiotika spielten eine zentrale Rolle im Ernährungsplan. Bewegung spielte ebenfalls eine zentrale Rolle: Die Teilnehmer absolvierten täglich 30 Minuten Aerobic-Training, ergänzt durch Kraftübungen dreimal pro Woche. Zusätzlich wurde ein großes Augenmerk auf Stressbewältigung gelegt. Yoga, Meditation und Atemübungen wurden als tägliche Maßnahmen in das Programm integriert, um den Stress der Teilnehmer zu reduzieren und das allgemeine Wohlbefinden zu fördern. Gleichzeitig spielten soziale Interaktionen eine zentrale Rolle.
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