Die Trigeminusneuralgie ist eine Erkrankung, die durch heftige, einseitige Gesichtsschmerzen gekennzeichnet ist. Diese Schmerzen, die durch eine Reizung des Trigeminusnervs (auch Drillingsnerv genannt) entstehen, können durch Reize wie Niesen, Kauen oder einen kühlen Luftzug ausgelöst werden. Obwohl die Schmerzen meist nur wenige Sekunden dauern, können sie über Tage oder Wochen immer wieder auftreten und die Lebensqualität der Betroffenen erheblich beeinträchtigen.
Was ist eine Trigeminusneuralgie?
Bei einer Trigeminusneuralgie leiden die Betroffenen unter heftigen Gesichtsschmerzen, die durch eine Reizung des Trigeminusnervs verursacht werden. Dieser Nerv ist für die Weiterleitung von Berührungs- und Schmerzempfindungen in verschiedenen Gesichtspartien verantwortlich, darunter Stirn, Augen, Ober- und Unterkiefer sowie Lippe und Wange. Die Schmerzen treten in der Regel einseitig auf.
Symptome einer Trigeminusneuralgie
Die Trigeminusneuralgie äußert sich durch plötzlich einsetzende, heftige Schmerzen im Gesicht. Zwischen den Schmerzattacken liegen schmerzfreie Phasen, wobei sich die Abstände zwischen den Attacken im Laufe der Zeit verkürzen können. In manchen Fällen kann sich auch ein dumpfer Dauerschmerz einstellen. Die Gesichtsschmerzen können von Kopfschmerzen begleitet sein.
Ursachen einer Trigeminusneuralgie
In 80 bis 90 Prozent der Fälle wird eine Trigeminusneuralgie durch ein benachbartes Blutgefäß verursacht, das auf den Nerv drückt. Diese Reizung der schützenden Nervenhülle führt dazu, dass der Nerv leichter erregbar wird. Dies wird als klassische oder primäre Trigeminusneuralgie bezeichnet.
Von einer sekundären oder symptomatischen Trigeminusneuralgie spricht man, wenn der Nerv durch andere Erkrankungen gereizt wird und die Gesichtsschmerzen verursacht. Dazu gehören:
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- Multiple Sklerose
- Tumoren, die Druck ausüben
- Bindegewebserkrankungen
- Angeborene Fehlbildungen von Blutgefäßen
Wenn sich für die typischen Gesichtsschmerzen keine Ursache finden lässt, spricht man von einer idiopathischen Trigeminusneuralgie. Die Schmerzanfälle können spontan auftreten oder durch bestimmte Reize, sogenannte Trigger, ausgelöst werden. Dazu zählen bereits leichte Gesichtsberührungen, Kauen oder Zähneputzen.
Diagnose einer Trigeminusneuralgie
Die Diagnose einer Trigeminusneuralgie erfolgt in der Regel durch ein ausführliches Gespräch mit dem Arzt und eine gründliche körperliche Untersuchung. Dabei wird unter anderem erfragt, wie lange die Schmerzen anhalten und wie häufig sie auftreten. Auch die Begleitsymptome sowie die Reize, die eine Schmerzattacke auslösen können, geben Hinweise auf eine Trigeminusneuralgie.
Zusätzlich wird der Arzt das Empfindungsvermögen im Gesicht testen sowie weitere körperliche Untersuchungen durchführen. In einigen Fällen kann eine Magnetresonanztomographie (MRT) des Kopfes erforderlich sein, um andere Ursachen für die Gesichtsschmerzen auszuschließen, insbesondere bei jüngeren Patienten oder bei Verdacht auf eine sekundäre Trigeminusneuralgie.
Behandlung einer Trigeminusneuralgie
Die Behandlung einer Trigeminusneuralgie zielt darauf ab, die Schmerzen zu lindern und die Häufigkeit der Attacken zu reduzieren. Da herkömmliche Schmerzmittel wie Acetylsalicylsäure (ASS), Ibuprofen oder Paracetamol bei einer Trigeminusneuralgie nicht wirken, kommen spezielle Medikamente zum Einsatz.
Medikamentöse Therapie
Mittel der Wahl für die Behandlung der Trigeminusneuralgie sind Medikamente, die normalerweise bei epileptischen Anfällen verschrieben werden. Die beiden bekanntesten Wirkstoffe sind Carbamazepin und Oxcarbazepin. Sie verringern die Anzahl der Schmerzepisoden. Die Dosis der Mittel wird langsam gesteigert, bis sie gut wirken und möglichst wenige Nebenwirkungen verursachen.
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Bei andauernden Schmerzepisoden mit wiederholten Schmerzattacken können Infusionen mit speziellen Wirkstoffen die akuten Beschwerden lindern.
Operative Eingriffe
Eine Operation wird erst durchgeführt, wenn zuvor alle anderen Behandlungsmöglichkeiten mit verschiedenen Wirkstoffen ausgeschöpft wurden oder wegen Nebenwirkungen nicht möglich sind. Es gibt verschiedene operative Verfahren zur Behandlung der Trigeminusneuralgie:
Mikrovaskuläre Dekompression: Bei diesem Eingriff wird der Kontakt zwischen Nerv und Gefäß unterbrochen, um den Druck auf den Nerv zu lösen. Die mikrovaskuläre Dekompression gilt als wirksame Wahl, wenn ein Kontakt zwischen Trigeminusnerv und Blutgefäß besteht. Im Bereich des Gefäß-Nerven-Austritts aus dem Hirnstamm wird ein Teflonpolster zwischen Gefäß und Nerv eingelegt, um den Nerven zu schützen. Dieser Eingriff hat eine sehr gute Ansprechrate. Der Effekt tritt unmittelbar nach der Operation ein.
Neuroablation: Bei der Neuroablation werden Nervenfasern mit Hilfe von Wärme, Druck oder einer Alkohollösung zerstört. Thermokoagulation (Erhitzung) oder Ballonkompression im Bereich des Nervenknotens (Ganglion trigeminale) sind gut wirksam. Häufig kommen die Beschwerden nach einigen Jahren aber wieder. Der Effekt tritt unmittelbar nach der Operation ein.
Bestrahlung mit dem Gamma-Knife: Bei dieser Methode wird der Trigeminusnerv mit radioaktiven Strahlen (Gamma-Knife) behandelt. Durch diese Behandlung wird häufig erst nach einigen Monaten ein Effekt erzielt, es wird jedoch keine Operation notwendig.
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Alle Eingriffe haben gewisse Risiken (z.B. Entstehung einer Taubheit im Gesicht), und die Erfolgsaussichten hängen sehr von der Erfahrung des Operateurs ab.
Alternative Behandlungsmethoden
Neben den genannten schulmedizinischen Behandlungen gibt es auch alternative Behandlungsmethoden, die zur Linderung der Beschwerden beitragen können. Dazu gehören:
Akupunktur: Einige Studien deuten darauf hin, dass Akupunktur bei der Behandlung von Trigeminusneuralgie helfen kann.
Manuelle Therapie: Massagen und andere manuelle Therapien können helfen, Muskelverspannungen im Gesichtsbereich zu lösen und die Schmerzen zu lindern.
Entspannungstechniken: Stress kann die Schmerzen bei Trigeminusneuralgie verstärken. Entspannungstechniken wie progressive Muskelrelaxation nach Jacobson oder Yoga können helfen, Stress abzubauen und die Schmerzen zu lindern.
Hausmittel
Einige Betroffene berichten von positiven Erfahrungen mit Hausmitteln zur Linderung der Schmerzen. Dazu gehören:
Hexenschuss-Tee: Dieser Tee soll bei Schmerzen verschiedener Nerven helfen.
Kampferöl: Das Einreiben der schmerzenden Areale mit Kampferöl kann Linderung verschaffen.
Johanniskrautöl: Auch das Einreiben mit Johanniskrautöl kann bei einigen Betroffenen helfen.
Es ist wichtig zu beachten, dass die Wirksamkeit dieser Hausmittel nicht wissenschaftlich belegt ist. Sie können jedoch begleitend zur schulmedizinischen Behandlung eingesetzt werden.
Differenzialdiagnose: Abgrenzung zu anderen Schmerzsyndromen im Gesichtsbereich
Gesichtsschmerzen können vielfältige Ursachen haben. Daher ist es wichtig, die Trigeminusneuralgie von anderen Schmerzsyndromen im Gesichtsbereich abzugrenzen, um eine korrekte Diagnose und Behandlung zu gewährleisten. Einige der häufigsten Differenzialdiagnosen sind:
Zahnschmerzen: Zahnschmerzen können durch Karies, Entzündungen oder andere Zahnprobleme verursacht werden. Im Gegensatz zur Trigeminusneuralgie sind Zahnschmerzen in der Regel auf einen bestimmten Zahn oder Bereich im Mund beschränkt und werden durch zahnärztliche Untersuchungen und Röntgenaufnahmen diagnostiziert.
Atypische Odontalgie (Phantomzahnschmerz): Bei dieser Erkrankung verspüren Patienten Schmerzen im Zahnbereich, obwohl keine offensichtliche zahnbezogene Ursache vorliegt. Die Schmerzen können konstant oder intermittierend auftreten und von einem leichten Druckgefühl bis zu starken Schmerzen reichen.
Craniomandibuläre Dysfunktion (CMD): CMD bezeichnet eine Funktionsstörung des Kiefergelenks oder der Kaumuskulatur. Die Symptome können Schmerzen im Gesicht, Kiefer, Nacken und Kopf umfassen.
Migräne: Migräne kann ebenfalls Gesichtsschmerzen verursachen, die jedoch in der Regel von anderen Symptomen wie Übelkeit, Erbrechen und Lichtempfindlichkeit begleitet sind.
Atypischer Gesichtsschmerz: Ein Gesichtsschmerz, der nicht dem Nervenschmerz (Neuralgie) zugeordnet werden kann, wird als „atypisch“ bezeichnet. Die Schmerzen werden häufig im Gesicht im Bereich des Oberkiefers oder unterhalb des Auges empfunden. Typisch ist, dass sie sich oft nicht genau zuordnen lassen oder die Zuordnung wechselt. Es handelt sich meist um einen dumpfen, drückenden und in der Tiefe nicht genau einzugrenzenden Schmerz.
Psychosoziale Auswirkungen der Trigeminusneuralgie
Die Trigeminusneuralgie kann nicht nur körperliche, sondern auch erhebliche psychosoziale Auswirkungen haben. Die ständigen Schmerzen und die Angst vor neuen Attacken können zu Depressionen, Angstzuständen und sozialer Isolation führen. Es ist daher wichtig, dass Betroffene auch psychologische Unterstützung erhalten, um mit den Belastungen der Erkrankung umzugehen.
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