Die Gesundheit unserer Zähne ist essenziell für unser Wohlbefinden. Ein abgebrochener Zahn kann nicht nur ästhetische Beeinträchtigungen verursachen, sondern auch zu ernsthaften gesundheitlichen Problemen führen, insbesondere wenn eine Nervenentzündung (Pulpitis) entsteht. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome, Behandlungsoptionen und Präventionsmaßnahmen im Zusammenhang mit abgebrochenen Zähnen und Nervenentzündungen.
Die Anatomie des Zahns und die Rolle der Pulpa
Um die Problematik einer Nervenentzündung nach einem Zahnbruch zu verstehen, ist es wichtig, die Anatomie des Zahns zu kennen. Der Zahn besteht hauptsächlich aus drei Schichten:
- Zahnschmelz: Die härteste Substanz im menschlichen Körper, die den Zahn vor äußeren Einflüssen schützt.
- Dentin (Zahnbein): Liegt unter dem Zahnschmelz und ist weniger hart, enthält feine Kanäle, die zu den Zahnnerven führen.
- Pulpa (Zahnmark): Das weiche Gewebe im Inneren des Zahns, das Bindegewebe, Blut- und Lymphgefäße sowie Nerven enthält. Die Pulpa reicht von der Zahnkrone bis zur Spitze der Zahnwurzeln.
Die Pulpa spielt eine entscheidende Rolle für die Vitalität des Zahns, da sie für die Versorgung mit Nährstoffen und die Schmerzempfindung verantwortlich ist.
Ursachen für einen abgebrochenen Zahn
Ein Zahn kann aus verschiedenen Gründen abbrechen:
- Karies: Eine unbehandelte Kariesinfektion kann den Zahnschmelz und das Dentin so stark schädigen, dass Defekte oder Risse entstehen, die bis ins Zahninnere reichen.
- Trauma: Unfälle, Stürze oder Schläge können zu Zahnfrakturen führen.
- Biss auf harte Gegenstände: Das Beißen auf harte Gegenstände wie Eis, Nüsse oder Knochen kann einen Zahn beschädigen.
- Zähneknirschen (Bruxismus): Nächtliches Zähneknirschen kann zu Spannungen und Rissen im Zahnschmelz führen.
- Vorhandene Füllungen: Große oder alte Füllungen können die Stabilität des Zahns beeinträchtigen.
- Zahnfleischrückgang (Parodontitis): Eine nicht oder unzureichend behandelte Parodontitis kann ebenfalls die Ursache für die Entzündung des Zahnmarks sein.
Ursachen und Entstehung einer Nervenentzündung (Pulpitis)
Wenn ein Zahn abbricht, kann dies den Weg für Bakterien in das Zahninnere ebnen und eine Entzündung des Zahnnervs (Pulpitis) auslösen. Weitere Ursachen für eine Pulpitis sind:
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- Bakterien: Das Eindringen von Bakterien durch Karies oder Frakturen.
- Mechanische Reize: Übermäßige Belastung durch Knirschen oder Pressen.
- Chemische Reize: Säuren oder aggressive Substanzen.
- Thermische Reize: Extreme Temperaturen, die bei Zahnbehandlungen entstehen können.
- Erkrankungen der Kieferhöhle
Der Zahnnerv reagiert auf diese Reize mit einer natürlichen Abwehrreaktion - der Entzündung.
Symptome einer Nervenentzündung
Die Symptome einer Nervenentzündung können je nach Stadium variieren:
- Reversible Pulpitis:
- Intervallartige, kurzzeitige Schmerzen.
- Schmerzfreie Phasen wechseln sich ab.
- Auslösung der Schmerzen durch äußere Reize wie zuckerhaltige Lebensmittel, Hitze oder Kälte.
- Irreversible Pulpitis:
- Lang anhaltende, starke Schmerzen im Zahn, die in den Kiefer ausstrahlen.
- Nächtliche Schmerzen, die sich durch Bettwärme verschlimmern.
- Erhöhter Druck im Zahninneren.
- Pulpa-Nekrose (Absterben des Nervs):
- Nachlassen der Schmerzen, da Nerven und Gefäße absterben.
- Zersetzung des Gewebes im Zahn, Fäulnis entsteht.
- Ausbreitung der Bakterien in das umliegende Gewebe und den Knochen.
- Schwellung der Lymphknoten und der Wange ("dicke Backe").
- Eiterbildung im Zahnmark, die in den Mundraum durchbrechen kann (fauliger Geschmack und Mundgeruch).
Diagnose einer Nervenentzündung
Um eine Nervenentzündung zu diagnostizieren, führt der Zahnarzt eine gründliche Untersuchung durch:
- Anamnese: Erhebung der Krankengeschichte und der aktuellen Beschwerden.
- Klinische Untersuchung: Inspektion des Zahns und des umliegenden Gewebes.
- Sensibilitätsprüfung: Testen der Reaktion des Zahns auf Kälte oder Wärme.
- Perkussionstest: Abklopfen des Zahns zur Feststellung von Schmerzempfindlichkeit.
- Röntgenaufnahme: Beurteilung des Zustands der Zahnwurzel und des umliegenden Knochens.
Behandlungsmöglichkeiten einer Nervenentzündung
Die Behandlung einer Nervenentzündung hängt vom Stadium der Entzündung ab:
- Reversible Pulpitis:
- Entfernung der Ursache (z.B. Karies).
- Antibakterielle Einlage zur Bekämpfung der Entzündung.
- Füllung des Zahns.
- Irreversible Pulpitis:
- Wurzelkanalbehandlung:
- Öffnung des Zahns und Entfernung des entzündeten Zahnmarks aus dem Inneren des Wurzelkanals.
- Reinigung und Spülung der Wurzelkanäle, um sie keimfrei zu machen.
- Füllung der Hohlräume mit einem speziellen Material, um Keimen keinen Raum mehr zu geben.
- Hermetischer Verschluss des Zahns.
- Überkronung:
- Bei starkem Substanzverlust kann eine Überkronung des Zahns erforderlich sein, um die Stabilität wiederherzustellen.
- Wurzelspitzenresektion:
- Operative Entfernung eines Teils der Zahnwurzel bei chronischer Entzündung oder weiter bestehenden Beschwerden.
- Extraktion:
- Als letzte Option, wenn andere Behandlungen nicht erfolgreich sind.
- Wurzelkanalbehandlung:
Schmerzlinderung bei einer Nervenentzündung
In der Wartezeit bis zum Zahnarztbesuch können rezeptfreie Schmerzmittel aus der Apotheke die pochenden Schmerzen einer Zahnnerventzündung lindern. Geeignet sind entzündungshemmende Mittel wie Ibuprofen und Paracetamol. Acetylsalicylsäure (Aspirin) sollte vermieden werden, da es die Blutgerinnung hemmt und zu stärkeren Blutungen bei der Zahnbehandlung führen kann.
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Kostenübernahme durch die Krankenkasse
Die gesetzliche Krankenkasse übernimmt die Kosten für eine Wurzelkanalbehandlung nur, wenn der Zahn als erhaltungswürdig eingestuft wird. Dies ist der Fall, wenn:
- Bei Backenzähnen eine geschlossene Zahnreihe erhalten bleiben muss (von der Mitte des Kiefers bis zum betroffenen Zahn).
- Eine einseitige Verkürzung der Reihe nach hinten vermieden werden sollte.
Moderne Methoden zur elektrometrischen Längenbestimmung der Wurzeln und elektrophysikalisch-chemische Verfahren zur Reinigung und Desinfektion der Kanäle sind in der Regel nicht in den Leistungen der Krankenkasse enthalten und müssen privat bezahlt werden.
Prävention von Zahnbruch und Nervenentzündung
Vorbeugung ist der beste Schutz vor Zahnbruch und Nervenentzündung:
- Gute Mundhygiene: Regelmäßiges Zähneputzen (mit eher weichen Zahnbürsten, kreisenden Bewegungen vom Zahnfleisch zum Zahn hin und einer Kraft, die dem Gewicht von maximal 150 Gramm auf die Zahnbürstenfläche entspricht), Zahnseide und Mundspülungen.
- Regelmäßige Kontrolluntersuchungen beim Zahnarzt: Frühzeitige Erkennung von Karies und anderen Problemen.
- Professionelle Zahnreinigung: Entfernung von Zahnbelag und Zahnstein, auch in Zahnfleischtaschen.
- Vermeidung von säurehaltigen Lebensmitteln und Getränken: Diese können den Zahnschmelz angreifen.
- Vorsicht beim Kauen auf harten Gegenständen: Vermeidung von unnötigem Druck auf die Zähne.
- Behandlung von Zähneknirschen: Tragen einer Aufbissschiene.
- Schutz bei sportlichen Aktivitäten: Tragen eines Mundschutzes bei Sportarten mit Verletzungsrisiko.
- Ausgewogene Ernährung: Stärkung des Zahnschmelzes durch ausreichende Zufuhr von Kalzium und Fluorid.
Was tun bei einem abgebrochenen Zahn?
Wenn ein Stück vom Zahn abbricht oder der Zahn bei einem Unfall vollständig ausgeschlagen wird, ist es wichtig, Ruhe zu bewahren und gezielt zu handeln:
- Zahnstück oder Zahn suchen: Finden Sie das abgebrochene Zahnstück oder den ausgeschlagenen Zahn.
- Richtige Aufbewahrung:
- Zahnrettungsbox: Ideal zur Aufbewahrung, um die Wurzelzellen am Leben zu erhalten.
- Alternative: Sterile Kochsalzlösung oder H-Milch.
- Zahn nur an der Krone anfassen: Vermeiden Sie Berührung der Wurzel.
- Nicht reinigen: Reinigen Sie den Zahn nicht, um die empfindlichen Zellen nicht zu schädigen.
- Schnell zum Zahnarzt: Suchen Sie umgehend einen Zahnarzt oder den zahnärztlichen Notdienst auf.
Zusätzliche Tipps und Ratschläge
- Beruhigung des Zahnnervs: Kühlen Sie den Bereich von außen (Eisbeutel), spülen Sie mit lauwarmem Salzwasser oder Kräutertees (Kamille, Salbei) und verzichten Sie auf extreme Temperaturen und Druck.
- Zahnpasta für empfindliche Zähne: Verwenden Sie eine Zahnpasta für empfindliche Zähne, die Arginin und Calciumcarbonat enthält, um die Dentinkanälchen zu blockieren und den Nerv zu schützen.
- Vorsicht bei Hausmitteln: Vermeiden Sie unbewiesene Hausmittel, die den Zustand verschlimmern könnten.
- Professionelle Beratung: Holen Sie sich professionellen Rat von Ihrem Zahnarzt, um die beste Vorgehensweise für Ihre individuelle Situation zu ermitteln.
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