Zahnschmerzen ohne Nerv: Ursachen, Behandlung und Prävention

Nach einer Wurzelbehandlung, bei der der Zahnnerv entfernt wurde, ist es nicht ungewöhnlich, dass Patienten erleichtert sind. Die Schmerzen, die oft mit einer Pulpitis einhergehen, sollten der Vergangenheit angehören. Umso überraschender ist es, wenn ein solcher "toter" Zahn plötzlich wieder schmerzt. Dieser Artikel beleuchtet die möglichen Ursachen für Zahnschmerzen in Zähnen ohne Nerv, erklärt, wie man mit diesen Schmerzen umgeht und wann eine Nachbehandlung notwendig ist.

Was passiert, wenn der Nerv entfernt wurde?

Die Entfernung des Nervs (Pulpa) führt dazu, dass der Zahn seine Innervation und Nährstoffversorgung verliert. In der Folge reagiert er nicht mehr auf äußere Reize wie Wärme, Kälte oder den Kontakt mit Lebensmitteln und Getränken.

Mögliche Ursachen für Schmerzen in einem Zahn ohne Nerv

Auch nach einer erfolgreichen Wurzelbehandlung können verschiedene Faktoren zu Schmerzen im betroffenen Zahn führen. Es ist wichtig, die Ursachen zu kennen, um die richtige Behandlung zu wählen.

Postfüllungsbedingte Schmerzen

Nach dem Öffnen, Reinigen und Füllen der Wurzelkanäle können vorübergehende Schmerzen auftreten. Dies ist eine normale Reaktion auf den Eingriff und wird als postfüllungsbedingter Schmerz bezeichnet.

Fehler bei der Wurzelkanalbehandlung

  • Unvollständige Füllung der Wurzelkanäle: Wenn die Kanäle nicht bis zur Wurzelspitze (Apex) gefüllt werden, können Bakterien verbleiben und Entzündungen verursachen.
  • Überfüllung der Wurzelkanäle: Das Füllmaterial wird über den Apex hinausgeführt, was zu Reizungen und Schmerzen führen kann.
  • Übersehene Kanäle: Nicht alle Kanäle werden gefunden und behandelt, was zu persistierenden Entzündungen führen kann.
  • Perforation der Kanalwand: Das Durchbohren der Kanalwand mit einem endodontischen Instrument kann ein unnatürliches Loch verursachen, das starke Schmerzen verursacht, insbesondere bei engen, stark gebogenen Kanälen. Dies kann durch übermäßigen Druck auf die Nadel beim Öffnen der Wurzelkanäle entstehen.
  • Teilweise Entfernung der Pulpa: Eine unvollständige Entfernung der Pulpa kann zu Schmerzen führen, insbesondere wenn bestimmte Depulpationsprotokolle nicht korrekt angewendet werden oder der Arzt unaufmerksam ist.
  • Verwendung devitalisierender Pasten: Diese Pasten mumifizieren das vaskulär-nervale Bündel, was die vollständige Entfernung erschwert und die Obturation der Wurzelkanäle verhindern kann.

Fehler bei der Wiederherstellung der Zahnkrone

  • Zu hohe Füllung: Wenn die Füllung den Biss beeinträchtigt, wird die Kaukraft ungleichmäßig verteilt, was zu Schmerzen führen kann.
  • Spalten zwischen Füllung und Zahnwänden: Speisereste und Speichel können in diese Spalten eindringen und Entzündungen verursachen.

Verbliebene Instrumente im Wurzelkanal

Starke, pulsierende Schmerzen, die beim Drücken zunehmen, können darauf hindeuten, dass ein Teil des endodontischen Instruments im Wurzelsystem verblieben ist, beispielsweise bei der Reinigung der Kanäle mit einem Bohrer oder Endodontiegerät.

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Verkalkung der Wurzelkanäle

Verkalkte Wurzelkanäle sind schwer zu öffnen, zu reinigen und gründlich zu desinfizieren, was zu Entzündungen führen kann.

Entzündlich-infektiöse Prozesse trotz korrekter Füllung

Auch bei perfekt gefüllten Wurzelkanälen können Entzündungen auftreten, beispielsweise aufgrund unzureichender Desinfektion oder übermäßiger Verwendung von Antiseptika.

Schlechte Isolierung der Pulpakammer

Die Verwendung eines Kofferdams ist unerlässlich, um die Pulpakammer während des Öffnens, Reinigens und Füllens der Wurzelkanäle ausreichend zu isolieren.

Symptome: Wie äußern sich Schmerzen im Zahn ohne Nerv?

Die Art der Schmerzen kann auf die zugrunde liegende Ursache hinweisen:

  • Normale Schmerzen: Durch Druck auf den Apex.
  • Starke, pulsierende Schmerzen: Können auf ein verbliebenes Instrument im Wurzelsystem hindeuten.
  • Druckgefühl: Kann durch nicht optimal sitzende Füllungen oder Kronen entstehen, die den Zahn belasten.
  • Akute, stechende Schmerzen: Treten plötzlich auf und können sehr intensiv sein, was auf ein ernstes Problem wie einen Zahnbruch oder eine Verschlimmerung der Pulpitis hindeutet.
  • Dumpfe, drückende Schmerzen: Sind oft weniger intensiv, aber anhaltend und können mit chronischer Parodontitis zusammenhängen.
  • Pulsierende Schmerzen: Deuten in der Regel auf einen aktiven Entzündungsprozess hin, wie z. B. akute Periodontitis oder einen Abszess. Die Schmerzen verstärken sich oft im Liegen und werden von einem "Klopfen" im Zahn begleitet.

Diagnose: Wie findet der Zahnarzt die Ursache?

Um die Ursache der Beschwerden zu ermitteln, erhebt der Zahnarzt zunächst die Krankengeschichte, einschließlich der Intensität und Dauer der Symptome. Er differenziert den klinischen Fall: Handelt es sich um einen gesunden oder "toten" Zahn? Nach einer Füllung können Restschmerzen normal sein.

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Zur weiteren Abklärung können Röntgenaufnahmen angefertigt werden, um versteckte Schäden wie Karies unter der Füllung, Wurzelbrüche oder Entzündungen im Parodontium zu erkennen.

Behandlung: Was kann der Zahnarzt tun?

Die Behandlung hängt von der Ursache der Schmerzen ab.

Nachbehandlung der Wurzelkanäle

In fast allen Fällen muss die Krone entfernt, der Zahn nachbehandelt und eine neue Prothese angefertigt werden. Wenn das Problem nur bei schlecht gefüllten Kanälen liegt, können diese behandelt werden, ohne die Krone zu entfernen. Dazu wird ein Loch in die Krone gebohrt, um Zugang zum Wurzelsystem zu erhalten.

Eitrige Prozesse an den Wurzelspitzen entstehen in der Regel aufgrund einer unzureichenden Behandlung und Füllung der Wurzelkanäle. Daher müssen diese erneut behandelt werden: öffnen, Eiter entfernen, desinfizieren und erneut füllen.

Es wird empfohlen, den Zahn unter einem dentalen Mikroskop erneut zu behandeln.

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Behandlung von Schmerzen nach dem Setzen einer Füllung

Oft treten nach dem Setzen einer lichthärtenden Füllung postfüllungsbedingte Schmerzen auf. Im ersten Fall ist keine spezielle Behandlung erforderlich. Die Überempfindlichkeit verschwindet von selbst. Der Zahnarzt kann NSAIDs verschreiben, um die Symptome zu lindern.

Wurzelspitzenresektion

Wenn sich ein wurzelbehandelter Zahn erneut entzündet, was auch Jahre nach einer Wurzelbehandlung passieren kann, ist eine Wurzelspitzenresektion eine mögliche Behandlungsform. Dabei handelt es sich um einen operativen Eingriff, bei dem der Zahnarzt den entzündeten Teil der Zahnwurzel von außen abträgt.

Extraktion des Zahns

Wenn der Zahn nicht mehr zu retten ist, muss er gezogen werden. Die entstandene Zahnlücke lässt sich auf verschiedene Weise schließen, beispielsweise mit einer Brücke, einem Implantat oder mit herausnehmbarem Zahnersatz.

Was kann man selbst tun?

  • Schmerzlinderung: Um starke Schmerzen zu stillen und die eventuelle Wartezeit auf den Zahnarzttermin zu überbrücken, kann man ein rezeptfrei erhältliches Schmerzmittel wie Paracetamol oder Ibuprofen einnehmen. Obwohl Ibuprofen entzündungshemmend ist, wirkt es allerdings nicht gegen die Ursache der Wurzelentzündung.
  • Mundspülung: Nach der Behandlung der Zahnwurzelentzündung kann es sein, dass der Zahnarzt die Verwendung einer antibakteriellen Mundspülung mit Chlorhexidin verschreibt.
  • Regelmäßige Mundhygiene: Regelmäßige Mundhygiene, ausgewogene Ernährung, Kontrollbesuche beim Zahnarzt und professionelle Zahnreinigung sind entscheidend.

Wie lange schmerzt ein Zahn nach der Nervenentfernung?

Wie lange ein Zahn nach der Entfernung des Nervs schmerzt, hängt von entzündlichen Prozessen, dem Schweregrad der Behandlung und der individuellen Empfindlichkeit des Patienten ab. Wenn der Zahn auch zwei Wochen nach der Nervenentfernung weiterhin schmerzt, ist eine Behandlung in der Klinik notwendig.

Pflege von Zähnen ohne Nerv

Die Einhaltung der Pflegeanweisungen für devitale Zähne kann das Risiko von Schmerzen verringern. Wenn die endodontische Therapie korrekt durchgeführt wurde und eine gute Mundhygiene beibehalten wird, kann ein depulpierter Zahn 10 Jahre oder länger halten. Die Pflege von depulpierten Zähnen unterscheidet sich im Allgemeinen nicht von der Pflege von lebenden Zähnen. Das einzige, worauf man achten sollte, ist, die Kaubelastung zu reduzieren. Zähne ohne Pulpa haben keine natürliche Nährstoffversorgung mehr, was sie anfälliger und brüchiger gegenüber mechanischen Schäden macht.

Verfärbungen von Zähnen ohne Nerv

Nach der Pulpaentfernung stoppt der Stoffwechsel in den harten Zahngeweben. Mit der Zeit verliert der Zahnschmelz unweigerlich an Glanz und wird grau.

Der einfachste Grund für Verfärbungen an einzelnen Zähnen können verfärbte, meist ältere Füllungen sein. Verfärbungen können an einzelnen Zähnen auch vom Zahninneren kommen, hierzu zählen sog. Pulpanekrosen, bei denen der Nerv abgestorben ist. Gründe hierfür können ein Sturz, Trauma, ein Schlag oder eine bakterielle Infektion durch ein tiefes Loch sein. In einigen Fällen verfärben sich Zähne auch nach einer abgeschlossenen Wurzelkanalbehandlung, aufgrund von verbliebenem Nervengewebe, oder Wurzelkanalfüllmaterialien.

Bei tiefer verfärbten Füllungsrändern und einer erneuten Kariesbildung unter einer Füllung empfiehlt sich eine neue Füllung mit Kompositmaterial. Bei den oben genannten internen Ursachen empfiehlt sich eine zahnbezogene Diagnose und Ursachenermittlung in der Sprechstunde eines Zahnarztes.

Zur Therapie bieten Zahnärzte Bleaching Verfahren an, u.a. ein sog. internes Bleaching mit zahnaufhellenden Materialien, die temporär in den Wurzelkanal eingelegt werden, oder auch ein externes Bleaching mit Hilfe eines Lasers.

Prävention: Wie kann man Schmerzen in Zähnen ohne Nerv vermeiden?

  • Sorgfältige Mundhygiene: Regelmäßiges und gründliches Zähneputzen zweimal am Tag ist entscheidend, um Zahnprobleme wie Zahnwurzelentzündungen zu vermeiden. Idealerweise putzt man die Zähne nach dem Frühstück und vor dem Schlafengehen etwa drei Minuten lang mit einer weichen Zahnbürste. Einmal am Tag sollte man zusätzlich die Zahnzwischenräume mit einer Interdentalbürste reinigen.
  • Regelmäßige Zahnarztbesuche: Regelmäßige Kontrolltermine beim Zahnarzt ermöglichen es, Zahnerkrankungen frühzeitig zu erkennen und rechtzeitig einzuschreiten, um Schlimmeres zu verhindern.
  • Zuckerarme Ernährung: Eine zuckerarme Ernährung hilft, Karies vorzubeugen, da Bakterien Zucker lieben. Statt mehrmals am Tag kleine Portionen zu naschen, sollte man die süßen Gelüste möglichst bündeln und lieber einen süßen Nachtisch nach einer Hauptmahlzeit essen.
  • Professionelle Zahnreinigung: Regelmäßige professionelle Zahnreinigungen helfen, бактериальные Ablagerungen zu entfernen, die zu Entzündungen führen können.

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