Zeckenbiss-Hirnhautentzündung: Behandlung, Vorbeugung und Wichtiges

Ein Zeckenbiss kann verschiedene Krankheiten übertragen, darunter die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) und die Borreliose. Während gegen FSME eine Impfung existiert, wird die Borreliose durch Bakterien ausgelöst und mit Antibiotika behandelt. Dieser Artikel beleuchtet die Behandlung und Vorbeugung von Hirnhautentzündungen, die durch Zeckenbisse verursacht werden können, und gibt wichtige Informationen für verschiedene Zielgruppen.

Zecken als Überträger von Krankheiten

Zecken können durch ihren Stich verschiedene Krankheiten übertragen. Zu den bekanntesten gehören die FSME und die Borreliose.

Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME)

Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) ist eine Virusinfektion, die durch Zeckenstiche übertragen wird und Gehirn, Hirnhäute und Rückenmark befallen kann. Das FSME-Virus gehört zur Familie der Flaviviren. Es gibt drei relevante Virussubtypen, die impfpräventabel sind. In Deutschland kommt der europäische Subtyp vor, der hauptsächlich durch die Zecke Ixodes ricinus übertragen wird.

Die FSME verläuft typischerweise in zwei Phasen. Die ersten Symptome ähneln einer Grippe, etwa mit Fieber und Kopfschmerzen. Bei schweren Verläufen kann es zu Hirnhaut- und Gehirnentzündungen kommen. Eine ursächliche FSME-Behandlung gibt es nicht, daher konzentriert sich die Therapie darauf, die Symptome zu lindern.

Borreliose

Die Borreliose wird durch Bakterien (Borrelien) verursacht, die nach einem Zeckenstich in den Blutkreislauf geraten können. Gegen sie gibt es keine Impfung, aber sie lässt sich gut mit Antibiotika behandeln.

Lesen Sie auch: Behandlungsmöglichkeiten bei Zeckenbiss-Lähmung

Borreliose: Symptome, Diagnose und Behandlung

Die Borreliose wird von einer bestimmten Bakteriengattung, den sogenannten Borrelien, verursacht. Diese sind nur etwa in jeder zehnten Zecke vorhanden. Selbst wenn die Borrelien durch den Stich ins Blut geraten sollten, wird die Körperabwehr meist mit ihnen fertig. Wenn die Infektion die Körpergewebe befällt, ist meistens die Haut betroffen. Bei einem Befall des Nervensystems können die Wurzeln der Nerven am Rückenmark und selten auch das Gehirn angegriffen werden. Es kommt zu einer Entzündung, die in der Akutphase zu Nervenschmerzen, Sensibilitätsstörungen, Lähmungen im Gesicht oder an Armen oder Beinen führen kann.

Nach einem Zeckenstich dauert es in der Regel mindestens einen Tag, bis die krankmachenden Bakterien übertragen werden. Das Infektionsrisiko steigt, je länger die Zecke in der Haut verbleibt. Bis zu 12 Stunden nach dem Stich ist die Wahrscheinlichkeit, dass Borrelien übertragen werden, noch sehr gering. Wer also in diesem Zeitraum den Zeckenstich entdeckt und die Zecke vollständig entfernt, muss in der Regel keine Borreliose befürchten.

Wenn ein Stich übersehen wurde oder man nicht weiß, wie lange die Zecke da schon saß, sollte man die Einstichstelle gut beobachten. Nur wenn sich nach einigen Tagen um die Einstichstelle herum eine große runde Hautrötung bildet, die sich ausbreitet, sollte man ärztlichen Rat einholen. Je früher dann eine Behandlung mit einem Antibiotikum erfolgt, desto weniger Schäden kann die Infektion anrichten.

FSME: Symptome, Diagnose und Behandlung

Die Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) ist eine Virusinfektion, die hauptsächlich durch Zeckenstiche übertragen wird. Sie kann Gehirn, Hirnhäute und Rückenmark befallen. Die ersten FSME-Symptome ähneln einer Grippe, etwa mit Fieber und Kopfschmerzen. Bei schweren Verläufen kann es zu Hirnhaut- und Gehirnentzündungen kommen. In Deutschland erkranken jährlich etwa 300 bis 600 Menschen an FSME. Eine ursächliche FSME-Behandlung gibt es nicht.

Die FSME verläuft typischerweise in zwei Phasen, wobei die Inkubationszeit durchschnittlich 7 bis 14 Tage beträgt.

Lesen Sie auch: Symptome und Behandlung von Meningitis durch Zecken

Erste Krankheitsphase

Nach der Inkubationszeit treten zunächst unspezifische, grippeähnliche Beschwerden auf, etwa:

  • Fieber
  • Kopfschmerzen
  • Abgeschlagenheit
  • Gliederschmerzen
  • Manchmal auch Erbrechen

Diese erste Phase dauert einige Tage bis eine Woche. Bei vielen Betroffenen (etwa 70 bis 95 %) ist die Erkrankung damit überstanden und heilt folgenlos aus. Oft wird die Infektion in diesem Stadium gar nicht als FSME erkannt, sondern für eine harmlose „Sommergrippe" gehalten. Oder sie verursacht gar keine Beschwerden.

Beschwerdefreies Intervall

Nach der ersten Krankheitsphase folgt bei einigen Erkrankten ein beschwerdefreies Intervall von einigen Tagen.

Zweite Krankheitsphase

Bei etwa 10 bis 30 % der Infizierten kommt es zu einer zweiten Krankheitsphase. Nun gelangt das Virus ins zentrale Nervensystem und kann verschiedene Bereiche befallen und verschiedene Symptome hervorrufen:

  • Hirnhautentzündung (Meningitis): Hohes Fieber, starke Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit, Lichtempfindlichkeit, Übelkeit und Erbrechen
  • Gehirnentzündung (Enzephalitis): Bewusstseinsstörungen bis hin zum Koma, Gleichgewichtsstörungen, Zittern in Armen und Beinen, Sprachstörungen, Verhaltens- und Wesensveränderungen, Krampfanfälle
  • Rückenmarksentzündung (Myelitis): Lähmungen der Arme und Beine, Lähmungen im Schulterbereich, Schluck- und Sprechstörungen, im schlimmsten Fall Atemlähmung

Je nach Schweregrad der Erkrankung können die Symptome Wochen bis Monate anhalten. Bei älteren Menschen über 60 Jahre verläuft die Erkrankung häufig schwerer als bei jüngeren Erwachsenen und Kindern.

Lesen Sie auch: Ursachen und Diagnose: Epilepsie nach Zeckenbiss

Diagnose von FSME

Wenn der Verdacht auf FSME besteht, wird der Arzt zunächst nach den Symptomen fragen und ob man sich in einem FSME-Risikogebiet aufgehalten hat oder sich an einen Zeckenstich erinnern kann. Zur Diagnosesicherung sind folgende Untersuchungen wichtig:

  • Blutuntersuchung: Im Blut werden spezifische Antikörper gegen das FSME-Virus nachgewiesen.
  • Liquoruntersuchung: In schweren Fällen wird eine Lumbalpunktion durchgeführt, bei der Nervenwasser entnommen wird.
  • Bildgebende Verfahren: Bei schweren Verläufen kann eine Magnetresonanztomografie (MRT) des Gehirns durchgeführt werden.

Behandlung von FSME

Leider gibt es keine spezifische Therapie gegen das FSME-Virus. Die Behandlung konzentriert sich darauf, die Symptome zu lindern:

  • Bettruhe in der akuten Phase
  • Schmerzmedikamente bei schweren Verläufen
  • Ggf. Behandlung auf der Intensivstation
  • Bei Bedarf: Krankengymnastik, Ergotherapie und Logopädie
  • Bei anhaltenden Beschwerden gegebenenfalls Rehabilitationsmaßnahmen

Die Prognose hängt vom Schweregrad der Erkrankung ab. Die meisten Fälle mit isolierter Hirnhautentzündung heilen folgenlos aus. Bei Gehirn- oder Rückenmarksbeteiligung können jedoch bei etwa 20 bis 30 % der Patienten neurologische Defizite zurückbleiben. Etwa ein Prozent der Erkrankten verstirbt.

Vorbeugung von FSME und Borreliose

Da keine ursächliche Behandlung für FSME verfügbar ist, ist die Vorbeugung umso wichtiger.

FSME-Impfung

Die wirksamste Vorbeugung ist die FSME-Impfung, die von der Ständigen Impfkommission (STIKO) für Menschen empfohlen wird, die in FSME-Risikogebieten leben oder dorthin reisen und sich dort im Freien aufhalten. Der volle Impfschutz erfordert drei Impfdosen, gefolgt von Auffrischungen alle drei bis fünf Jahre (je nach Alter). Die Impfung ist gut verträglich und schützt gegen alle FSME-Virustypen. Die FSME-Impfung schützt übrigens nur vor der FSME, nicht vor anderen zeckenübertragenen Erkrankungen wie der Lyme-Borreliose.

Schutz vor Zeckenstichen

  • Tragen Sie in Risikogebieten lange, helle Kleidung. Auf heller Kleidung können Sie Zecken leichter entdecken.
  • Verwenden Sie Zeckenschutzmittel (Repellents) auf Haut und Kleidung.
  • Seinen Körper regelmäßig systematisch und gründlich nach saugenden Zecken abzusuchen, ist eine einfache, aber sehr effektive Präventionsmaßnahme.
  • Bei Wanderungen, die durch Strauchwerk oder hohes Gras führen, kann eine möglichst viel Körperoberfläche bedeckende Kleidung das Risiko eines Zeckenbefalls reduzieren (z. B. lange Hosen, langärmelige Hemden, festes Schuhwerk und in die Socken gesteckte Hosenbeine).
  • Nach naturnahem Aufenthalt in Gebieten mit Zeckenvorkommen wird ein sorgfältiges Absuchen des Körpers nach Zecken empfohlen. Insbesondere bei Kindern können die Zecken am Haaransatz sitzen.
  • Bei Zeckenbefall muss die Zecke umgehend entfernt werden. Dabei sollten möglichst alle Teile der Zecke entfernt werden, um eine Entzündung zu vermeiden. Hierzu greift man die Zecke mit einer Pinzette oder einem speziellen Zeckenentfernungsinstrument nahe der Hautoberfläche, also an ihrem Kopf (niemals am Körper!) und zieht sie langsam aus der Haut. Die Zecke sollte dabei auf keinen Fall vor dem Entfernen mit Öl oder Klebstoff beträufelt werden. Dies würde das Tier unnötig reizen und könnte dazu führen, dass es seinen Speichel und somit mögliche Infektionserreger abgibt. Nach Entfernung der Zecke ist eine sorgfältige Desinfektion der Wunde empfohlen.

FSME-Risikogebiete in Deutschland

Das RKI veröffentlicht eine jährlich aktualisierte Karte der FSME-Risikogebiete in Deutschland. Endemiegebiete liegen vor allem in Baden-Württemberg, in Bayern, im südlichen Hessen, im südöstlichen Thüringen, in Sachsen und im südöstlichen Brandenburg. Darüber hinaus sind einzelne Kreise in fünf weiteren Bundesländern betroffen.

FSME-Endemiegebiete befinden sich in Mitteleuropa in Österreich, in der Schweiz, in Polen, in Tschechien und in der Slowakei, in Nordeuropa in den baltischen Ländern, Süd- und Mittelschweden, an der Südküste Norwegens und Finnlands und in Teilen Dänemarks (sporadisch auf Seeland, endemisch auf der Insel Bornholm) und im europäischen Teil Russlands sowie in Südosteuropa in Ungarn, Kroatien, Slowenien und Albanien.

Zecken entfernen: So geht es richtig

Findet man eine Zecke, sollte man diese gleich entfernen und die Einstichstelle noch bis zu zwei Wochen nachbeobachten. Zum Entfernen der Zecke eignen sich Zeckenzangen oder Zeckenkarten mit Schlitzen im Scheckkartenformat. Es gibt einige Mythen, dass man die Zecke im Uhrzeigersinn aus der Haut entfernen sollte, oder dass es Probleme gäbe, wenn der Kopf der Zecke in der Haut verbleibt.

Klimawandel und Zeckenaktivität

Der Klimawandel fordert auch hier seinen Tribut, da sich das Gebiet immer weiter nach Norden ausweitet. Es ist längst nicht mehr so, dass man sich nur im Frühsommer vor Zeckenstichen vorsehen muss. Zecken können auch bei Temperaturen ab 8 Grad Celsius aktiv sein. Je milder die Winter werden, desto früher beginnt die Zeckensaison.

Wichtige Hinweise

Dieser Artikel enthält nur allgemeine Hinweise und darf nicht zur Selbstdiagnose oder -behandlung verwendet werden. Er kann eine ärztliche Beratung nicht ersetzen.

tags: #zeckenbiss #hirnhautentzundung #behandlung