Zimmer einrichten für Parkinson Patienten: Tipps für mehr Komfort und Sicherheit

Neurologische Erkrankungen wie das Parkinson-Syndrom stellen pflegende Angehörige vor besondere Herausforderungen. Obwohl es derzeit keine Heilung für Morbus Parkinson gibt, existieren zahlreiche Hilfsmittel und Anpassungen, die das Leben mit der Erkrankung komfortabler und sicherer gestalten können. Dieser Artikel bietet praktische Tipps zur Einrichtung eines Zimmers für Parkinson-Patienten, um den Alltag zu erleichtern und die Lebensqualität zu verbessern.

Einführung in das Parkinson-Syndrom

Morbus Parkinson, auch bekannt als idiopathisches Parkinson-Syndrom, entsteht durch das Absterben von Neuronen im Hirnstamm, die den Botenstoff Dopamin produzieren. Symptomatisches Parkinson-Syndrom hingegen kann auf Verkalkungen, Entzündungen, Verletzungen oder schädliche Einflüsse wie Drogen und Medikamente zurückgeführt werden. Typische Symptome sind Rückenschmerzen, Schlafstörungen und unerklärliche Ermüdungserscheinungen.

Mobilität und Sturzprävention

Gangunsicherheiten und Bewegungsblockaden sind häufige Probleme bei Parkinson-Patienten. Hilfsmittel wie Rollatoren, Gehstöcke und spezielle Anti-Freezing-Stöcke können die Mobilität verbessern und Stürze verhindern.

  • Rollatoren und Gehstöcke: Diese Hilfsmittel bieten Unterstützung und Sicherheit beim Gehen.
  • Anti-Freezing-Stock: Dieses Hilfsmittel, entwickelt vom Sanitätshaus Beuthel, hilft, das sogenannte "Einfrieren" zu überwinden, indem es einen optischen Reiz setzt.
  • Anti-Freezing-Stepper: Dieser Stepper, der am Rollator befestigt wird, überwindet Blockaden und dient als Trainingsgerät.

Es ist ratsam, eine Checkliste zur Sturzprävention zu verwenden, um die Wohnung sicherer zu gestalten. Im Sanitätshaus sind Hilfsmittel erhältlich, die vor Stürzen schützen oder Verletzungen minimieren.

Schlafumgebung optimieren

Schlafstörungen sind ein häufiges Problem bei Parkinson-Patienten, wobei 70 bis 90 % der Betroffenen unter unbefriedigendem Schlaf leiden. Dies kann durch Symptome der Krankheit, Medikamente oder andere Faktoren verursacht werden.

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Ursachen von Schlafstörungen

  • Steifigkeit und Zittern: Diese Symptome können das Umdrehen im Schlaf erschweren und zu häufigem Aufwachen führen.
  • Restless-Legs-Syndrom (RLS): Unangenehme Missempfindungen in den Beinen, die sich durch Bewegung bessern, können das Einschlafen erschweren.
  • REM-Schlaf-Verhaltensstörung: Das Ausleben von Trauminhalten während des REM-Schlafs kann zu nächtlichen Bewegungen und Unruhe führen.
  • Tagesschlaf: Längere Mittagsschläfchen können den Nachtschlaf beeinträchtigen.
  • Nebenwirkungen von Medikamenten: Einige Parkinson-Medikamente können aktivierend wirken oder innere Unruhe verursachen.
  • Negative Gedanken: Sorgen und Ängste können das Einschlafen verhindern.
  • Probleme mit der Blasenentleerung: Häufige Toilettengänge in der Nacht stören den Schlaf.

Tipps für besseren Schlaf

  • Schlafplan: Jeden Tag zur gleichen Zeit ins Bett gehen und aufwachen.
  • Bewegung: Ausreichend Bewegung am Tag, z.B. Spaziergänge oder Radfahren.
  • Entspannung: Vor dem Schlafengehen entspannen und Ablenkungen vermeiden.
  • Schlafzimmer: Für die richtige Temperatur im Schlafzimmer sorgen.
  • Verdunkelung: Verdunkelnde Vorhänge oder Ohrstöpsel verwenden, um Störungen zu minimieren.

Schlafhygiene

  • Einschlafroutine: Die Stunde vor dem Schlafengehen zur Ruhe kommen, Fernsehen und Computer vermeiden.
  • Schlafzimmer: Das Schlafzimmer sollte ein Ort der Entspannung sein, Temperatur idealerweise zwischen 16 und 18 Grad.
  • Ernährung: Kaffee, schwarzer Tee und Alkohol vor dem Schlafengehen vermeiden.
  • Sport: Regelmäßige sportliche Aktivität im Tagesverlauf kann die Schlafqualität verbessern.

Hilfsmittel für den Alltag

Es gibt zahlreiche Hilfsmittel, die den Alltag für Parkinson-Patienten erleichtern können.

  • Badezimmer: Haltegriffe, Sitze und rutschfeste Unterlagen in Badewanne und Dusche, höhenverstellbarer Hocker, Toilettensitzerhöhung.
  • Körperpflege: Längenverstellbare Bürsten, Schwämme mit dicken Griffen, ergonomisch geformte Auftrag- und Eincremehilfen.
  • Ankleiden: Weite Kleidung mit großen Knöpfen, Druckknöpfen, Reiß- und Klettverschlüssen, Knöpfhilfen, Strumpfanzieher, elastische Schnürsenkel, Slipper.
  • Alltag: Schraubverschlussöffner, spezielle Schlüsselgriffe, ergonomisch geformtes Besteck mit breiten Griffen, Tellerranderhöhung, rutschfeste Unterlagen für Teller, Tassen und Gläser, Trinkbecher mit Aussparung für die Nase.
  • Mobilität: Tragbare Aufstehhilfen, Gehstöcke, Rollatoren.

Raumgestaltung für mehr Sicherheit und Komfort

Die Gestaltung des Wohnraums spielt eine entscheidende Rolle für das Wohlbefinden und die Sicherheit von Parkinson-Patienten.

  • Sturzprophylaxe: Vermeiden Sie Stolperfallen wie Läufer, Teppiche, Telefon- und Lampenkabel.
  • Möbel: Sorgen Sie für standsichere Möbel und Tische.
  • Beleuchtung: Installieren Sie eine gute Beleuchtung, besonders nachts.
  • Kontraste: Verwenden Sie Kontraste, um Details besser erkennbar zu machen.
  • Farben: Helle und freundliche Farben sind angenehm. Vermeiden Sie dunkle Töne und großflächige Muster.

Umgang mit Inkontinenz

Inkontinenz betrifft viele Menschen, und es gibt verschiedene Hilfsmittel, die zu Hause und in der Pflege eingesetzt werden können. Es ist wichtig, die Trinkmenge nicht zu reduzieren, um den Körper nicht zusätzlich zu schwächen.

Pflegebedarf und Pflegestufen

Das Parkinson-Syndrom erfordert oft Pflege. Es ist möglich, eine Pflegestufe zu beantragen und Leistungen der Pflegeversicherung zu erhalten. Der Pflegebedarf wird anhand der benötigten Hilfen im Alltag (Ernährung, Körperpflege, Mobilität, Haushaltsführung) ermittelt.

Selbsthilfe und Unterstützung

Der Austausch mit anderen Betroffenen und deren Angehörigen kann sehr hilfreich sein. Selbsthilfegruppen bieten die Möglichkeit, Erfahrungen auszutauschen und Anregungen für den Alltag zu erhalten.

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Überregionale Selbsthilfegruppen

  • Deutsche Parkinson Vereinigung e.V. (dPV): Bietet Informationen, stärkt das Selbstbewusstsein und unterstützt Betroffene bei der Wahl des besten Behandlungsweges.
  • Jung & Parkinson: Richtet sich speziell an junge Menschen mit Parkinson und bietet Kontakte zu lokalen Selbsthilfegruppen, Chat- und Forum-Möglichkeiten sowie Online-Kurse.
  • Parkinson Pate e. V.: Steht Erkrankten und Angehörigen in jeder Krankheitsphase unterstützend zur Seite und bietet eine virtuelle Selbsthilfegruppe an.

Tipps für Betroffene und Angehörige

  • Offen sprechen: Reden Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt über den Verdacht auf Parkinson.
  • Vorbereitung auf Arztbesuche: Notieren Sie regelmäßig Ihre Beobachtungen und Auffälligkeiten.
  • Parkinson-Selbsttest: Nutzen Sie den Selbsttest, um Hinweise auf eine mögliche Therapieanpassung zu erhalten.
  • Partnerschaft: Lassen Sie die Erkrankung nicht Ihre Beziehung beherrschen. Sprechen Sie offen über Unsicherheiten und Zweifel.
  • Gelassenheit und Verständnis: Zeigen Sie Verständnis für mögliche psychische Veränderungen.

Anpassungen für Menschen mit Demenz und Parkinson

Einige Parkinson-Patienten entwickeln im Laufe der Zeit auch eine Demenz. In diesem Fall sind zusätzliche Anpassungen erforderlich.

  • Übersichtliche Einrichtung: Vermeiden Sie zu viele Sinneseindrücke.
  • Klare Orientierung: Kennzeichnen Sie Türen mit Schildern.
  • Gute Beleuchtung: Verwenden Sie kaltweißes Licht und LED-Nachtlichter.
  • Vermeiden Sie Spiegelungen: Spiegelndes Licht kann verwirrend sein.
  • Zeitliche Orientierung: Verwenden Sie Kalender mit großen Zahlen und Symbolen für die Jahreszeit.
  • Farben und Kontraste: Setzen Sie Farbakzente behutsam ein und vermeiden Sie dunkle Töne.
  • Sicherheit: Entfernen Sie Stolperfallen und installieren Sie Rauchmelder.
  • Erinnerungen: Bewahren Sie Gegenstände auf, die wertvolle Erinnerungen wecken.

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