Zitronenmelisse, Epilepsie und Wechselwirkungen: Ein umfassender Überblick

Die Zitronenmelisse (Melissa officinalis), auch bekannt als Melisse, ist eine vielseitige Heilpflanze, die traditionell zur Linderung verschiedener Beschwerden eingesetzt wird. Ihre beruhigenden, blähungstreibenden und antiviralen Eigenschaften machen sie zu einem beliebten Hausmittel. Allerdings ist es wichtig, die potenziellen Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten, insbesondere bei bestimmten Vorerkrankungen wie Epilepsie, zu berücksichtigen.

Die Heilkraft der Zitronenmelisse

Die Zitronenmelisse verdankt ihre Wirkung einer komplexen Mischung aus Inhaltsstoffen, darunter ätherische Öle wie Citral und Citronellal, sowie Gerbstoffe und Flavonoide. Diese Stoffe wirken synergetisch und entfalten folgende Effekte:

  • Beruhigend und schlaffördernd: Besonders der hydroalkoholische Extrakt der Melisse kann bei leichten Stresssymptomen und Einschlafstörungen helfen.
  • Blähungstreibend: Bei leichten krampfartigen Magen-Darm-Beschwerden kann Melisse Linderung verschaffen.
  • Antiviral: Klinisch belegt ist die äußerliche Anwendung von Melisse bei Lippenherpes.
  • Gallenflussfördernd (choleretisch): Melisse kann die Produktion und den Fluss der Gallenflüssigkeit anregen.

Weitere mögliche Anwendungen umfassen die Linderung von Übelkeit, Kopf- und Zahnschmerzen, Menstruationsbeschwerden und die unterstützende Behandlung von Bluthochdruck. In der Aromatherapie wird Melisse auch bei Autoimmunerkrankungen der Schilddrüse (Morbus Basedow) und bei Alzheimer und Demenz eingesetzt.

Anwendungsformen der Zitronenmelisse

Melisse kann auf verschiedene Arten angewendet werden, sowohl innerlich als auch äußerlich:

  • Melissentee: Ein beliebter Klassiker bei Unruhe und Einschlafstörungen. Für die Zubereitung übergießt man einen Teelöffel fein geschnittene Melissenblätter mit einer Tasse heißem Wasser, lässt den Aufguss etwa sieben Minuten ziehen und seiht ihn dann ab.
  • Vollbad: Ein beruhigendes Vollbad kann mit einem Sud aus 50 bis 60 Gramm Melissenblätter in einem Liter Wasser zubereitet werden.
  • Aromatherapie: Melissenöl kann in verschiedenen Mischungen zur Einreibung bei nervös bedingten Herzbeschwerden oder zur Massage bei Roemheld-Syndrom verwendet werden. Bei Lippenherpes kann reines Melissenöl direkt auf die betroffene Stelle aufgetragen werden.
  • Fertigpräparate: Es gibt eine Vielzahl von Fertigpräparaten mit Melisse, wie alkoholische Auszüge (Melissengeist), Tabletten, Dragees, Salben und Cremes.

Mögliche Nebenwirkungen und Risiken

Obwohl Melisse im Allgemeinen als sicher gilt, können bei manchen Menschen Nebenwirkungen auftreten:

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  • Allergische Reaktionen: Bei einer Allergie gegen Melisse sollten Zubereitungen mit dieser Pflanze gemieden werden.
  • Weitere Nebenwirkungen: Vereinzelt wurden Kopfschmerzen, Magenschmerzen, Brechreiz, Erbrechen, Schwindel und Hautreizungen beobachtet. Die Einnahme von Melisse-Zubereitungen zusammen mit Nahrung kann möglicherweise helfen, diese Nebenwirkungen zu reduzieren.
  • Pyrrolizidinalkaloide: Melisse kann geringe Mengen an Pyrrolizidinalkaloiden enthalten, die in höheren Dosen leberschädigend und möglicherweise krebserregend wirken können. Daher sollte Melisse, insbesondere in Form von Melissentee, nicht in großen Mengen über einen längeren Zeitraum eingenommen werden. Schwangere, Stillende und Kinder sollten Melissentee nur in Maßen trinken.

Wechselwirkungen mit Medikamenten

Besondere Vorsicht ist bei der Einnahme von Melisse zusammen mit bestimmten Medikamenten geboten, da es zu Wechselwirkungen kommen kann. Dazu gehören:

  • Medikamente für die Schilddrüse: Melisse kann die Wirkung von Schilddrüsenmedikamenten beeinflussen.
  • Beruhigungsmittel: Die beruhigende Wirkung der Melisse kann sich mit der Wirkung von Beruhigungsmitteln verstärken.
  • Medikamente, die Einfluss auf das Hormon Serotonin haben: Melisse kann die Wirkung dieser Medikamente beeinflussen.
  • Barbiturate: Die Wirkung von Barbituraten kann durch Melisse verstärkt werden.
  • Glaukom-Medikamente: Melisse kann die Wirkung von Glaukom-Medikamenten beeinflussen.

Es ist ratsam, vor der Einnahme von Melisse-Zubereitungen immer einen Arzt oder Apotheker zu konsultieren, insbesondere wenn bereits andere Medikamente eingenommen werden oder eine Operation bevorsteht.

Zitronenmelisse und Epilepsie: Besondere Vorsicht geboten

Bei Epilepsie ist besondere Vorsicht geboten, da Melisse potenziell Wechselwirkungen mit Antiepileptika haben kann.

Ein konkretes Beispiel ist die Wechselwirkung zwischen Folsäure und Phenytoin. Folsäure kann den Blutspiegel des Antikonvulsivums Phenytoin senken und so möglicherweise die Krampfbereitschaft erhöhen. Vor allem höhere Dosen können den krampflösenden Effekt von Phenytoin umkehren. Um das Risiko einer Abschwächung der Arzneimittelwirkung zu umgehen, sollte nicht mehr als 1 mg Folsäure pro Tag eingenommen werden.

Daher sollten Epilepsie-Patienten, die Melisse einnehmen möchten, dies unbedingt mit ihrem behandelnden Arzt besprechen, um mögliche Risiken zu minimieren und die Sicherheit der Therapie zu gewährleisten.

Weitere potenzielle Wechselwirkungen

Neben den oben genannten Medikamenten gibt es noch weitere Substanzen, die Wechselwirkungen mit Medikamenten eingehen können und im Zusammenhang mit Zitronenmelisse und Epilepsie relevant sein könnten:

  • Grapefruit: Grapefruit und Grapefruitsaft können die Wirkung vieler Medikamente verstärken oder abschwächen, indem sie den Abbau der Wirkstoffe in der Leber beeinflussen. Dies kann zu gefährlichen Überdosierungen oder Wirkungsverlusten führen.
  • Johanniskraut: Johanniskraut ist eine Heilpflanze, die bei Depressionen und anderen Beschwerden eingesetzt wird. Es kann die Wirkung der Pille und anderer Medikamente abschwächen, indem es den Abbau der Wirkstoffe beschleunigt.
  • Alkohol: Alkohol kann die Wirkung einiger Arzneimittel verstärken oder abschwächen. Übermäßiger Alkoholkonsum kann zudem zu Erbrechen führen, was die Aufnahme von Medikamenten beeinträchtigen kann.

Antiepileptika und ihre Besonderheiten

Antiepileptika sind eine Gruppe von Medikamenten, die zur Behandlung von Epilepsie eingesetzt werden. Sie wirken, indem sie die unkontrollierte Weiterleitung von elektrischen Signalen in den Nervenzellen des Gehirns verringern.

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Es gibt verschiedene Arten von Antiepileptika, die sich in ihrer Wirkweise und ihren Nebenwirkungen unterscheiden. Einige Beispiele sind:

  • Phenytoin: Ein Antiepileptikum, das zur Behandlung bestimmter Krampfanfall-Formen eingesetzt wird. Es besitzt krampflösende Eigenschaften und beeinflusst die Erregungsbildung und -ausbreitung im Herzen.
  • Oxcarbazepin: Ein Antiepileptikum, das zur Behandlung von fokalen Anfällen mit oder ohne sekundäre Generalisierung und generalisierten tonisch-klonischen Anfällen eingesetzt wird. Es ist in Deutschland seit dem 1. März 2000 zugelassen und gilt als sicherer und nebenwirkungsärmer als Carbamazepin.
  • Carbamazepin: Ein Antiepileptikum, das zur Behandlung von verschiedenen Arten von Anfällen eingesetzt wird. Es kann jedoch zu einem toxikologisch bedenklichen Epoxid metabolisiert werden.
  • Valproinsäure: Ein Antiepileptikum, das zur Behandlung von verschiedenen Arten von Anfällen eingesetzt wird.
  • Lamotrigin: Ein Antiepileptikum, das zur Behandlung von verschiedenen Arten von Anfällen eingesetzt wird.

Die Wahl des geeigneten Antiepileptikums hängt von der Art der Epilepsie, dem Alter des Patienten und anderen individuellen Faktoren ab.

Wichtige Hinweise zur Einnahme von Medikamenten

Um die Wirksamkeit von Medikamenten zu gewährleisten und das Risiko von Nebenwirkungen zu minimieren, sollten folgende Hinweise beachtet werden:

  • Beipackzettel lesen: Vor der Einnahme von Medikamenten sollte immer der Beipackzettel sorgfältig gelesen werden.
  • Arzt oder Apotheker fragen: Bei Fragen zur Einnahme von Medikamenten sollte immer ein Arzt oder Apotheker konsultiert werden.
  • Einnahmehinweise beachten: Medikamente sollten immer gemäß den Anweisungen des Arztes oder Apothekers eingenommen werden.
  • Wechselwirkungen beachten: Vor der Einnahme von neuen Medikamenten sollte immer geprüft werden, ob es zu Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten oder Lebensmitteln kommen kann.
  • Aufbewahrung beachten: Medikamente sollten immer gemäß den Anweisungen auf der Packung aufbewahrt werden.

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