Zitteranfall bei Parkinson: Ursachen und Behandlung

Parkinson, im deutschsprachigen Raum auch als Schüttellähmung bekannt, ist eine der häufigsten neurologischen Erkrankungen neben Demenz. Ein charakteristisches Symptom ist der Tremor, ein unwillkürliches Zittern, das die Lebensqualität der Betroffenen erheblich einschränken kann. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen des Zitterns bei Parkinson, die verschiedenen Tremor-Formen und die verfügbaren Behandlungsansätze.

Was ist ein Tremor?

"Tremor" ist der medizinische Fachbegriff für Muskelzittern. Zittern ist eine natürliche Reaktion des Körpers auf Kälte, Schmerzen, Angst oder Schüttelfrost. Allerdings kann ein verstärktes Muskelzittern auch auf verschiedene Erkrankungen zurückzuführen sein.

Tremor bei Parkinson

Der Tremor ist ein bekanntes Parkinson-Symptom und Teil der Parkinson-Trias, die aus Rigor, Akinese und Tremor besteht. Viele Menschen verbinden mit Parkinson das Zittern von Muskeln im Ruhezustand, wie z. B. zitternde Hände oder Beine.

Unterscheidung verschiedener Tremor-Formen

Beim Tremor werden verschiedene Formen unterschieden, die sich im Zeitpunkt ihres Auftretens unterscheiden:

  • Ruhetremor: Tritt in Ruhephasen auf, z. B. wenn der Arm auf dem Tisch abgelegt ist. Er ist typisch für Morbus Parkinson. Wenn sich die betroffene Person bewegt, stoppt das Muskelzittern.
  • Aktionstremor: Das Muskelzittern tritt bei willkürlich ausgeführten Bewegungen auf, z. B. während Betroffene die Gabel zum Mund führen oder eine Buchseite umblättern.
  • Haltetremor: Der Tremor tritt auf, wenn die betroffene Muskelgruppe aktiviert wird, um z. B. den Arm gegen die Schwerkraft in einer bestimmten Position zu halten.
  • Intentionstremor: Das Zittern beginnt, wenn eine Bewegung eines ganz bestimmten Ziels ausgeführt wird, z. B. um einen Türgriff zu nutzen.

Ursachen des Tremors bei Parkinson

Ursache für die Parkinson-Symptome ist ein Nervenzellsterben im Hirnstamm, genauer gesagt, in der Substantia Nigra ("Schwarze Substanz"). Die Zellen der Substantia Nigra setzen den Botenstoff Dopamin frei. Dieser Botenstoff ist entscheidend für die Feinabstimmung der Muskelbewegung, aber auch, um Bewegungen überhaupt zu starten. Durch das Absterben der Nervenzellen entsteht ein Dopamin-Mangel.

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Abgrenzung zum essentiellen Tremor

Der essenzielle Tremor ist die häufigste Form des Tremors. Etwa 1 % der Bevölkerung ist betroffen, vor allem ab einem Alter von 60 Jahren steigt die Häufigkeit. Doch auch jüngere Menschen können betroffen sein. Der essenzielle Tremor tritt in zwei Altersgipfeln auf: zwischen dem 11. und 20. Lebensjahr, sowie zwischen dem 51. und 60. Bei dem essenziellen Tremor handelt es sich um ein unwillkürliches Zittern, das meist die Hände betrifft und feinmotorische Aufgaben wie das Schreiben erschwert. Ebenso sind häufig grobmotorische Haltetätigkeiten betroffen, zum Beispiel das Essen mit Besteck oder das Halten eines Glases. Diese Form des Muskelzitterns ist ein eigenständiges neurologisches Krankheitsbild, dessen genaue Ursachen, ähnlich wie bei Parkinson, bisher nicht vollständig erforscht sind. Die gute Nachricht ist, dass das Zittern für Betroffene zwar oft unangenehm ist, aber meist keine ernsten gesundheitlichen Folgen hat. Die Behandlung mit Medikamenten wie Propanolol und Primidon ist möglich, erfolgt aber größtenteils nur, wenn die Lebensqualität durch gestörte Bewegungsabläufe erheblich beeinträchtigt ist. Denn sie haben teils erhebliche Nebenwirkungen, weshalb die Dosierung langsam erhöht wird, um etwa Müdigkeit und andere Nebenwirkungen zu vermeiden. Schlagen die Medikamente nicht an, so kann auch, genau wie bei Parkinson, ein Hirnschrittmacher zum Einsatz kommen. Typisches Symptom des essenziellen Tremors sind rhythmisch zitternde Körperteile. Der Tremor beginnt unauffällig und wird dann mit der Zeit immer stärker. Am häufigsten sind die Hände betroffen, doch auch Arme, Beine, Kopf und sogar die Stimme bzw. die an der Stimmbildung beteiligten Muskelgruppen können betroffen sein. Doch anders als der Ruhe-Tremor, die häufigste Form des Tremors bei Parkinson, entsteht das Muskelzittern hier nicht (ausschließlich) durch das Absterben dopaminproduzierender Neuronen. Beim essenziellen Tremor ist die Kommunikation zwischen Rückenmark und bestimmten Hirnregionen wie dem Kleinhirn, Thalamus und Hirnstamm gestört.

Diagnose von Parkinson und Tremor

Um die Diagnose Parkinson zu stellen, betrachtet der Arzt die klassischen erkennbaren Symptome wie Zittern, verlangsamte Bewegungen, steife Muskeln und Gleichgewichtsstörungen. Verschiedene Untersuchungen können bereits in der frühen Phase der Erkrankung dazu beitragen, die Diagnose zu sichern. Dazu zählt insbesondere das bildgebende Verfahren DAT-Scan. Damit lassen sich Störungen im Dopamin-Stoffwechsel zeigen. Weiterführende Untersuchungen sind:

  • Geruchstest
  • Ergänzende neuropsychologische Untersuchungen wie Hirnleistungstests
  • Schlafdiagnostik
  • Elektrophysiologische Messungen der Nervenfunktion
  • Laboruntersuchungen
  • Zusätzliche bildgebende Verfahren
  • L-Dopa-Test

Behandlungsmöglichkeiten bei Parkinson-bedingtem Tremor

Bislang ist die Parkinson-Krankheit nicht grundsätzlich heilbar. Verschiedene Behandlungsmöglichkeiten können aber den Krankheitsverlauf beeinflussen. Bei der Therapie unterscheidet man zwischen den motorischen Symptomen, also der Anzeichen, welche die Bewegung betreffen und den nicht-motorischen Symptomen.

Medikamentöse Behandlung

Die motorischen Symptome lassen sich vor allem mit Medikamenten beeinflussen. Dabei wird der Dopaminmangel im Gehirn ausgeglichen. Dazu setzt man fünf Substanzgruppen ein:

  • Levodopa (kurz L-Dopa) (ersetzt den Botenstoff Dopamin)
  • COMT-Hemmer (hemmen das Enzym Catechol-O-Methyl-Transferase und damit den Abbau von Dopamin)
  • MAO-Hemmer (hemmen das Enzym Monoamin-Oxidase und verlangsamen damit den Abbau von Dopamin)
  • NMDA-Antagonisten (blockieren sogenannte NMDA-Rezeptoren und beeinflussen so die Beweglichkeit)
  • Dopamin-Agonisten (wirken wie Dopamin)

Man verwendet diese Wirkstoffe meist kombiniert. Der Patient muss die Medikamente zu festgelegten Uhrzeiten einnehmen, damit diese richtig wirken können.

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Tiefe Hirnstimulation

In den letzten Jahren wird neben der medikamentösen Behandlung immer häufiger ein operatives Therapieverfahren namens Tiefe Hirnstimulation eingesetzt. Hierbei regt man drei ausgewählte Hirnregionen über Elektroden an. Dazu kommt ein Schrittmacher, der unter die Haut implantiert wird und den der Patient von außen steuern kann. Die Tiefe Hirnstimulation bei Parkinson zeigt eine gute bis sehr gute Wirksamkeit mit vertretbaren Nebenwirkungen.

Weitere Behandlungselemente

Ergänzend zur Behandlung mit Medikamenten sind Krankengymnastik und Physiotherapie die wichtigsten Bestandteile der Parkinson-Behandlung. Dabei sollen Beschwerden gelindert werden, die Bewegungsverhalten und die Haltung der Betroffenen beeinträchtigen wie Steifheit (Rigor) Zittern (Tremor) Bewegungsarmut (Hypokinese).

Ergotherapie unterstützt Parkinson-Patienten dabei, Alltagsfunktionen zu erhalten und zu verbessern. Ergotherapeuten beraten Betroffene auch in Bezug auf ihr Wohn- und Arbeitsumfeld und überdenken zusammen mit den Patienten tägliche Abläufe neu.

Leben mit Parkinson

Auch wenn Parkinson nicht heilbar ist, können geeignete Therapien zu einer hohen Lebensqualität auch im Alter beitragen. Mit einer optimalen Behandlung haben Parkinson-Patienten heute annähernd die gleiche Lebenserwartung wie nicht-erkrankte Personen.

Tipps für den Alltag

  • Bewegung und Sport: Regelmäßige körperliche Aktivität kann den Krankheitsverlauf verlangsamen.
  • Ausreichend Schlaf: Ein gesunder Schlafrhythmus ist wichtig für das Wohlbefinden.
  • Mediterrane Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung kann sich positiv auf den Körper auswirken.
  • Soziale Kontakte: Ein aktives Sozialleben kann der Entwicklung einer Demenz entgegenwirken.

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