Zucker und Migräne: Ein Zusammenhang

Migräne ist eine neurologische Erkrankung des Gehirns, die genetisch bedingt und vererbbar sein kann. Betroffene leiden unter teilweise tagelangen hämmernden Kopfschmerzen, Übelkeit und Erbrechen sowie Geräusch- und Lichtempfindlichkeit und müssen sich häufig in einen dunklen Raum zurückziehen. Eine erzwungene Auszeit sozusagen. Dieser Artikel untersucht den Zusammenhang zwischen Zucker und Migräne, wobei der Fokus auf Blutzuckerschwankungen und deren Auswirkungen liegt. Neuere Studien zeigen, dass der Zuckerstoffwechsel eine bedeutende Rolle bei der Entstehung von Migräne-Attacken spielt. Es wurden Zusammenhänge zwischen Insulinresistenz, hohen Blutzucker- und Insulinspiegeln und Migräne festgestellt. Besonders stark schwankende Blutzuckerreaktionen nach dem Essen können auf mehreren Ebenen Migräneanfälle fördern.

Die Rolle des Blutzuckers bei Migräne

Untersuchungen zeigen, dass Blutzucker bei Migräne eine wichtige Rolle spielt. Es konnte gezeigt werden, dass eine niedrig-glykämische Ernährung, die den Blutzucker eher niedrig und stabil hält, eine effektive Migräneprophylaxe sein kann. Starke Blutzuckerschwankungen können Migräneattacken beeinflussen. Wissenschaftliche Studien deuten darauf hin, dass eine niedrig-glykämische Ernährung eine effektive Migräneprophylaxe sein kann. Sie hält deinen Blutzucker eher niedrig und stabil und sorgt somit dafür, dass dein Gehirn durchgängig und regelmäßig mit Energie versorgt wird und keine großen Blutzucker- und Insulinspitzen auftreten.

Zu viel oder zu wenig Zucker?

Tatsächlich sind die potentiellen Blutzucker-bedingten Einflussfaktoren auf Migräne relativ komplex. Starke Blutzuckerschwankungen mit sehr hohen und sehr niedrigen Blutzuckerspiegeln wirken höchstwahrscheinlich auf drei unterschiedlichen Ebenen Migräne-fördernd:

  1. Unterzuckerung: Energiedefizit im Gehirn kann Migräneanfälle auslösen. Nach bestimmten Lebensmitteln und Mahlzeiten kann es zu einem besonders starken Anstieg des Blutzuckers kommen. Infolgedessen schüttet die Bauchspeicheldrüse eine große Menge Insulin aus, um den Zucker (Glukose) in die Zellen zu schleusen. Durch die großen Mengen Insulin im Blut kann es im Anschluss zu einer reaktiven Unterzuckerung, d.h. zu einem Blutzuckerabfall kommen. Diese reaktive Unterzuckerung kann zu einem Glukose- bzw. Energiedefizit im Gehirn führen, welches eine Migräneattacke auslösen kann. Die Attacke wirkt in dem Moment wie ein Schutzmechanismus des Gehirns, welcher den Körper in einen Energiesparmodus zwingt und Rückzug und Ruhe einfordert. Wie hoch der Blutzucker steigt und anschließend fällt, ist abhängig von mehreren Faktoren und kann individuell ganz unterschiedlich sein. Migräne-Betroffene kennen daher auch das Phänomen, dass sie vor einem Anfall Heißhunger auf Süßes oder Hochkalorisches verspüren. Eine Zeitlang stand deshalb sogar Schokolade im Verdacht, Migräne auszulösen. Doch neuere Forschungen konnten zeigen, dass wahrscheinlich nicht die Schokolade an sich den Schmerz auslöst, sondern dass dieser Heißhunger eher sowas wie ein Warnsignal für einen bevorstehenden Migräneanfall ist. Der Körper verlangt als letzte, verzweifelte Schutzreaktion vor dem Energiedefizit im Gehirn nach Energie in Form von Einfachzucker. Auch in unserer Studie zur Wirksamkeit von sinCephalea konnten wir nachweisen, dass sich Migräne-Betroffene ungefähr 24h vor einer Attacke in einem niedrigeren Blutzuckerbereich befinden.

  2. Hohe Blutzucker- bzw. Insulinspiegel: Können Entzündungsprozesse im Körper fördern. Bei einem Migräneanfall weiten sich die Blutgefäße im Gehirn, Entzündungsprozesse werden in Gang gesetzt und bilden Stoffe, die einen Schmerzreiz auslösen können. Ab einem gewissen Schwellenwert kann sich der Schmerzreiz als Migräneattacke äußern. Durch die erweiterten Blutgefäße im Gehirn ist die Verschlimmerung des Schmerzes bei Bewegung ein typisches Migränesymptom, dass du sicherlich kennst. Durch Aktivität wird mehr Blut durch den Körper und durch die schmerzende Hirnregion gepumpt. Dein Kopf scheint zu explodieren. Wichtig ist für dich zu wissen, dass es sich bei der Migräneattacke um entzündliche Prozesse im Gehirn handelt. Und stark schwankende Blutzuckerreaktionen nach dem Essen können nachweislich auf komplexe Weise entzündliche Prozesse im Körper fördern.

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  3. Niedriger Blutzuckerspiegel: Stimuliert CGRP und kann Migräneattacken begünstigen. Ein niedriger Blutzuckerspiegel stimuliert zudem das Neuropeptid CGRP (Calcitonin gene-related peptide). CGRP hemmt die Energieversorgung des Gehirns und ist somit wesentlich an der Entstehung eines Energiedefizits und somit von Migräneattacken beteiligt. Ein stabiler Blutzuckerspiegel hemmt hingegen die CGRP-Produktion. Diese Wirkweise machen sich übrigens auch einige, eigens für Migräne entwickelten Medikamente zu Nutze. Die CGRP-Injektionen (auch allgemein als monoklonale Antikörper oder Migräne Spritze bekannt) und das neue Migränemedikament „Gepant“ hemmen CGRP und werden so als Migräneprophylaxe wirksam. Sie werden jedoch hauptsächlich bei Patient*innen mit chronischer Migräne eingesetzt.

Insulinresistenz und ihre Auswirkungen

Insulin ist ein körpereigenes Hormon, das blutzuckersenkend wirkt, indem es den über die Nahrung aufgenommenen Zucker (Glukose) aus dem Blut in die Körperzellen schleust, wo er zur Energiegewinnung benötigt wird. Sind alle Körperzellen ausreichend versorgt, wird die Glukose erst als Depotzucker (Glykogen) in Leber und Muskeln und anschließend in Form von Fett im Fettgewebe gespeichert und kann bei Bedarf z.B. bei sportlicher Betätigung wieder abgerufen werden. Die Gehirnzellen können Glukose übrigens unabhängig vom Insulin aufnehmen.

Bei einer Insulinresistenz reagieren die Körperzellen weniger empfindlich auf Insulin (sie sind resistent geworden), d.h. sie nehmen weniger Glukose aus dem Blut auf. Folge: Der Blutzucker bleibt hoch und die Bauchspeicheldrüse schüttet vermehrt Insulin aus, um den Blutzucker zu regulieren. Insulinresistenz geht also mit hohen Blutzucker- und Insulinwerten einher.

Wie vermeide ich starke Blutzuckerschwankungen?

Natürlich gibt es ein paar wertvolle, generell geltende Tipps, um Blutzuckerschwankungen zu vermeiden: Eine regelmäßige Nahrungsaufnahme (alle 3 bis 4 Stunden), das Vermeiden von einfachen Kohlenhydraten wie sie in Weißbrot oder Süßigkeiten zu finden sind und das Bevorzugen von komplexen, langkettigen Kohlenhydraten, wie sie etwa in Vollkornprodukten, Naturreis, Linsen und Gemüse und in gewissem Maße auch in Obst zu finden sind.

Doch tatsächlich reagiert der Blutzuckerspiegel bei jedem von uns ganz unterschiedlich auf gewisse Lebensmittel und Mahlzeiten. Migräne ist nicht „nur“ Kopfschmerz sondern so viel mehr. Wir wollen eine Plattform bieten, auf der Betroffene sich austauschen können.

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Ernährung als Migräneprophylaxe

Die Bedeutung der Ernährung in der Entstehung und Behandlung von Migräne und Kopfschmerzerkrankungen ist umstritten. Nach derzeitigem Wissensstand lassen sich jedoch keine allgemeingültigen Ernährungsempfehlungen für Migränepatienten begründen. Die aktuelle Studienlage hat eine Reihe von möglichen Mechanismen identifiziert, die die kopfschmerzauslösende Wirkung der Ernährung erklären könnten. Diese beziehen sich insbesondere auf die Auswirkung bestimmter Nahrungsbestandteile und Substanzen, auf Neuropeptide, Ionenkanäle und Rezeptoren sowie der Freisetzung von Stickstoffmonoxid, der Aktivierung des sympathischen Nervensystems, Gefäßerweiterungen und Veränderungen im zerebralen Glukosestoffwechsel. Der direkte Einfluss von Nahrungskomponenten lässt sich jedoch nur schwer abgrenzen.

Weitere Ernährungsempfehlungen

  • Migräne-Attacken können durch Fastenperioden ausgelöst oder auch verstärkt werden.
  • Die ketogene Diät (KD) wird bereits seit den 1930er Jahren intensiv erforscht und stellt eine etablierte Maßnahme in der Therapie der Epilepsie bei Kindern dar. Klinische Daten weisen darauf hin, dass die fettreiche und extrem kohlenhydratreduzierte Ernährungsform sich in vielerlei Hinsicht positiv auf das Krankheitsgeschehen der Migräne auswirkt.
  • Die oligoantigene Diät hat sich in einigen Studien als hilfreicher Behandlungsansatz in der Therapie von Migräne, ADHS und Epilepsie erwiesen.

Mikronährstoffe und Migräne

Menschen, die an Migräne leiden nehmen im Vergleich zu Nicht-Migränikern weniger Folat über die Nahrung auf. Zudem zeigen Studien, dass Migränepatienten verminderte Konzentrationen der Mikronährstoffe Riboflavin (Vitamin B2), Magnesium und Coenzym Q10 aufweisen. Die Mikronährstoffe spielen eine wichtige Rolle bei der Energieerzeugung in den Mitochondrien und sind an zahlreichen physiologischen Prozessen beteiligt, die das Krankheitsgeschehen der Migräne beeinflussen.

Nahrungsmittel als Trigger

Etwa 12-60 % der Migränepatienten berichten, dass bestimmte Nahrungsmittel, Inhaltsstoffe und Getränke einen Migräneanfall auslösen können. Es ist zudem bekannt, dass durch den Konsum oder den plötzlichen Entzug bestimmter Substanzen wie beispielsweise Koffein oder Alkohol ebenfalls Kopfschmerzen ausgelöst werden können.

Der in zahlreichen Fertigprodukten, Fertigsaucen und -dressings sowie Gewürzsalzen und Konserven zum Einsatz kommende Geschmacksverstärker gilt als möglicher Auslöser für Kopfschmerzen und einer Reihe anderer Beschwerden. Zahlreiche Publikationen belegen, dass Alkohol den bedeutendsten alimentären Kopfschmerztrigger darstellt.

Fettarme Diät

Die Wirksamkeit einer fettarmen Diät in der Behandlung einer Migräne wurde bisher jedoch nicht durch doppelblinde kontrollierte Studien überprüft. In einer Studie mit 54 Migränepatienten wurde gezeigt, dass sich die Häufigkeit, die Intensität sowie die Dauer der Attacken im Rahmen einer 12-wöchigen fettarmen Diät signifikant verbesserten.

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Unverträglichkeiten

Durch Nahrungsmittel ausgelöste Unverträglichkeiten können auf einer allergischen Überempfindlichkeit (Immunoglobin E-vermittelte Nahrungsmittelallergie) oder einer nicht allergischen Überempfindlichkeit (z.B. Nahrungsmittelintoleranz) beruhen.

Künstliche Süßstoffe

Die Studienlage zu Aspartam und Migräne ist nicht eindeutig. Anders als Aspartam gilt Sucralose nicht als Migräne-Trigger.

Nitrate und Nitrite

Nitrate und Nitrite kommen als Konservierungsmittel vor allem in verarbeiteten Fleischwaren wie Speck, Salami, Wurst oder Schinken sowie Fertigprodukten und geräuchertem Fisch zum Einsatz.

Koffein

Koffein wird vor allem über Kaffee, Tee und koffeinhaltige Limonaden sowie Erfrischungsgetränke aufgenommen. Bekannt ist zudem, dass eine unregelmäßige Koffeinzufuhr - nicht nur bei Migränepatienten - Kopfschmerzen verursachen kann.

Digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) sinCephalea

Unsere digitale Gesundheitsanwendung (DiGA) sinCephalea Migräneprophylaxe möchte dir bei dieser Form der nicht-medikamentösen Migränevorbeugung helfen.

Wie funktioniert die DiGA sinCephalea?

  • Testphase: Analyse deiner Blutzuckerreaktion. In der 2-wöchigen Testphase wird mittels eines leicht anzubringenden Glukosesensors auf der Haut deine Blutzuckerkonzentration im Gewebe gemessen. In dieser Zeit führst du ein in-App Ernährungstagebuch und kannst neben deinen normalen Mahlzeiten von uns extra entwickelte Testmahlzeiten auswählen, in deinen Tagesablauf einplanen und ausprobieren. Durch den Sensor kannst du direkt sehen, wie dein Blutzucker auf bestimmte Lebensmittel und bestimmte Lebensmittelkombinationen reagiert. Je mehr Testmahlzeiten du einplanst, umso genauer fallen die anschließenden, individuell auf dich zugeschnittenen Ernährungsempfehlungen aus. Damit wir die Sensordaten richtig deuten können, kannst du in der App auch weitere Daten eintragen, die den Blutzucker beeinflussen: Aktivitäten, Befinden, Medikamente und Schlaf.
  • Personalisierte Empfehlung für eine niedrig-glykämische Ernährung: In der 4. Woche erhältst du einen ausführlichen Bericht mit den Ergebnissen der Testmahlzeiten und einer ausführlichen Analyse deines Ernährungstagebuchs. Du findest in dem Bericht folgende Informationen: Mahlzeiten-Ranking, Beilagen-Ranking, Was für ein Blutzucker-Typ bist du?, Ausführliche Ernährungsanalyse mit Nährstoff-Bericht.
  • Migräneprophylaxe durch personalisierte Ernährung: Um Migräneattacken zu reduzieren, kannst du also im Anschluss an die Testphase die Lebensmittel, die für eine unerwünschte hohe glykämische Reaktion (hohe Blutzuckerantwort) verantwortlich sind, reduzieren und deine Mahlzeiten so kombinieren, dass dein Blutzucker eher niedrig und stabil bleibt.

Weitere Funktionen der App auf Rezept sinCephalea

Neben einer ausführlichen Migräneanamnese mittels Fragebögen bietet dir die MigräneApp sinCephalea die Möglichkeit im Ernährungstagebuch Trinkmenge, Schlaf, Bewegung und Befinden zu dokumentieren. Natürlich beinhaltet die App auch ein Kopfschmerz- und Migränetagebuch, indem du die Schmerzintensität, Attackendauer und -symptome sowie eingenommene Medikamente festhalten kannst. All diese Eingaben stellt dir die App in einem Arztbericht, dem sogenannten Migränereport, zusammengefasst zur Verfügung. Somit hast du selber einen guten Überblick und etwas für deinen nächsten Arztbesuch in der Hand. sinCephalea enthält darüber hinaus interessante Wissenslektionen über alle Themen rund um Migräne (wie z.B. bekannte Auslöser, alternative sowie medikamentöse Therapiemöglichkeiten) sowie einen kostenfreien Support für all deine Fragen.

Hauptfunktionen der Migräneapp sinCephalea im Überblick

  • Umfassende Migräneanamnese mittels Fragebögen
  • Ermittlung der personalisierten niedrig-glykämischen Ernährung
  • Ernährungstagebuch inkl. Erfassung von Trinkmenge, Schlaf, Bewegung und Befinden
  • Kopfschmerz- und Migränetagebuch mit Medikamentenerfassung
  • Kontinuierliche Begleitung mittels Wissenslektionen
  • Kostenfreier Support
  • Arztbericht/Migränereport

Zusätzliche Triggerfaktoren

Das Wort Trigger bedeutet Auslöser. Es ist wie bei einem Gewehr. Wenn man den Auslöser drückt, geht der Schuss los. Ein kleines Ereignis löst einen komplexen Ablauf aus. Die Kugel „wartet“ in der Pistole, aber erst wenn der Auslöser dazu kommt, wird die Bewegungsenergie freigesetzt. Das Wort leitet sich aus der früheren Vorstellung ab, dass etwas ursächlich die Migräne auslöst. So ist es aber nicht. Kausal ist ein Trigger nicht, sondern er löst nur aus, wie das Wort ja schon sagt.

Checkliste zu Auslösefaktoren für Migräne

Stress steht ganz oben. Stress wird jedoch sehr individuell erlebt. Die Überaktivierung des Nervensystems, also wenn beispielsweise etwas beunruhigt, ist ein typischer Auslöser und eine Bedingung für ein Energiedefizit im Nervensystem. Das zweite auf der Hitliste ist die Angst. Viele Patienten leiden mehr unter der Angst vor dem nächsten Anfall als unter den Schmerzen selbst. Sie nehmen mehr Dinge als bedrohlich wahr - zum Beispiel die Angst vor der nächsten Migräneattacke und dann nicht zur Arbeit gehen zu können, nicht für die Kinder oder den Partner da sein zu können, Medikamente nehmen zu müssen. Die permanente Angst führt dazu, dass der Körper ständig in einer Alarm- und Fluchtbereitschaft ist. Das erzeugt wiederum Stress und Angst. Daraus ergibt sich die Chance, durch bestimmte psychologische und verhaltensmedizinische Techniken diese Bedingungen zu verändern. Dazu gehört beispielsweise körperliche Überanstrengung. Der Körper verbraucht Energie, die nicht mehr für das Nervensystem zur Verfügung steht. Alles Unregelmäßige wie zu spät ins Bett gehen, in den Urlaub hetzen, Reisen, Jogging vor dem Frühstück, Auslassen von Mahlzeiten etc. kann Attacken auslösen. Daneben spielen physikalische Faktoren wie der berühmte Wetterumschwung eine Rolle.

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