Multiple Sklerose (MS) und Parkinson sind zwei unterschiedliche neurologische Erkrankungen, die das zentrale Nervensystem betreffen. Obwohl beide Erkrankungen neurologische Störungen verursachen, unterscheiden sie sich in ihren Ursachen, Symptomen und ihrem Verlauf. Dieser Artikel beleuchtet die Unterschiede und Gemeinsamkeiten von MS und Parkinson, ihre Symptome, Diagnose und Behandlungsmöglichkeiten.
Einführung
Neurologische Erkrankungen, die das zentrale Nervensystem (ZNS) beeinträchtigen, sind komplex und oft schwer zu verstehen. Die Ursachen vieler dieser Krankheiten, einschließlich MS und Parkinson, sind noch nicht vollständig geklärt. Die Forschung konzentriert sich darauf, die Krankheitsmechanismen auf molekularer Ebene zu entschlüsseln, um neue Medikamente und Therapieansätze zu entwickeln.
Multiple Sklerose (MS)
Was ist Multiple Sklerose?
Multiple Sklerose (MS) ist eine chronisch-entzündliche Autoimmunerkrankung, die das zentrale Nervensystem betrifft. Bei MS greift das Immunsystem fälschlicherweise die Myelinscheiden der Nervenzellen an. Myelin ist eine weiße Substanz im Gehirn, die für Nervenzellen von großer funktioneller Bedeutung ist. Diese Angriffe führen zu Entzündungen und Schädigungen der Myelinscheiden, was die Kommunikation zwischen Gehirn und Körper stört. Die Erkrankung ist durch multiple Verhärtungen (Sklerosen) im Nervengewebe gekennzeichnet. In Deutschland sind etwa 130.000 Menschen von MS betroffen.
Ursachen und Risikofaktoren
Die genauen Ursachen von MS sind bis heute nicht vollständig geklärt. Es wird angenommen, dass sowohl genetische als auch Umweltfaktoren eine Rolle spielen. Zu den Risikofaktoren gehören:
- Genetische Veranlagung: MS tritt häufiger bei Menschen auf, in deren Familie bereits Fälle von MS bekannt sind.
- Umweltfaktoren: Vitamin-D-Mangel, Rauchen und bestimmte Virusinfektionen (wie das Epstein-Barr-Virus) werden als mögliche Auslöser diskutiert.
- Geografische Lage: MS tritt häufiger in Regionen auf, die weiter vom Äquator entfernt liegen.
Symptome der Multiplen Sklerose
Die Symptome der MS sind vielfältig und hängen davon ab, welche Bereiche des Nervensystems betroffen sind. Die Erkrankung wird auch die "Krankheit mit 1000 Gesichtern" genannt, da die Symptome und Einschränkungen je nachdem, welche Nervenstrukturen betroffen sind, individuell ausfallen. Häufige Symptome sind:
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- Sehstörungen: Doppeltsehen, verschwommenes Sehen oder Entzündung des Sehnervs (Neuritis nervi optici).
- Gefühlsstörungen: Taubheitsgefühle, Kribbeln oder Schmerzen in verschiedenen Körperteilen.
- Koordinationsprobleme: Gleichgewichtsstörungen, Schwindel und Schwierigkeiten beim Gehen.
- Muskelschwäche und Spastik: Steifheit und Krämpfe in den Muskeln.
- Fatigue: Extreme Müdigkeit und Erschöpfung.
- Kognitive Beeinträchtigungen: Gedächtnisprobleme, Konzentrationsschwierigkeiten und Sprachstörungen.
Interessanterweise trete bei MS-Patienten eher eine Trigeminusneuropathie als eine -neuralgie auf: Insbesondere ist ein Dauerschmerz zwischen Paroxysmen zu beobachten sowie eine fehlende Refraktärperiode nach einer Schmerzattacke. Es liege zudem eine Demyelinisierung des zentralen Abschnitts des N. trigeminus vor. Ein überraschender Aspekt ist die Häufigkeit des Restless-Legs-Syndroms (RLS) bei MS. Hier ergab eine Metaanalyse von 19 Studien eine Prävalenz von 27,5 % und eine Odds Ratio von 4,535 (95% Cl, 3,043 - 6,759). „Das ist ein wichtiger Punkt vor allem beim Thema Schlafstörungen.
Verlauf und Prognose
MS verläuft typischerweise in Schüben, bei denen die Symptome plötzlich auftreten oder sich verschlimmern, gefolgt von Phasen der Remission, in denen sich die Symptome verbessern oder vollständig verschwinden. Im Krankheitsverlauf werden die Schübe typischerweise seltener, während die neurologischen Symptome progressiv zunehmen können. Die Multiple Sklerose Lebenserwartung hat sich dank moderner Therapiemöglichkeiten deutlich verbessert.
Diagnose von MS
Die Diagnose von MS basiert auf einer Kombination von klinischen Untersuchungen, neurologischen Tests und bildgebenden Verfahren wie der Magnetresonanztomographie (MRT). Die MRT kann Läsionen (Entzündungsherde) im Gehirn und Rückenmark sichtbar machen, die typisch für MS sind. Weitere Tests umfassen die Untersuchung der Nervenleitgeschwindigkeit und die Analyse des Liquors (Gehirn-Rückenmark-Flüssigkeit).
Behandlung von MS
Die Behandlung der MS zielt darauf ab, die Symptome zu lindern, den Krankheitsverlauf zu verlangsamen und die Lebensqualität der Patienten zu verbessern. Die Behandlung erfordert einen ganzheitlichen Ansatz, der sowohl medikamentöse als auch alternative Therapiemöglichkeiten umfasst. Zu den gängigen Behandlungsoptionen gehören:
- Immunmodulatorische Therapien: Medikamente, die das Immunsystem beeinflussen und die Entzündungsreaktionen reduzieren. Dazu gehören Interferone, Glatirameracetat und monoklonale Antikörper.
- Kortikosteroide: Entzündungshemmende Medikamente, die bei akuten MS-Schüben eingesetzt werden, um die Symptome schnell zu lindern.
- Symptomatische Behandlung: Medikamente zur Linderung spezifischer Symptome wie Spastik, Schmerzen, Fatigue und Depressionen.
- Physiotherapie und Ergotherapie: Übungen und Therapien zur Verbesserung der Muskelkraft, Koordination und Beweglichkeit.
- Alternative Therapien: Einige Patienten berichten von positiven Erfahrungen mit alternativen Therapien wie Akupunktur, Yoga und Meditation. Ein wesentlicher Bestandteil der Behandlung ist die Vermeidung von Stressfaktoren, da diese nachweislich Schübe auslösen können. Ergänzend kommen spezielle Kühlwesten zum Einsatz, die bei wärmebedingten MS-Symptomen Linderung verschaffen.
Eine innovative Behandlungsmethode stellt die Stammzellentherapie dar. Bei diesem Verfahren werden zunächst Stammzellen aus dem Blut des Patienten gewonnen. Nach einer aggressiven Chemotherapie, die das bestehende Immunsystem ausschaltet, werden die zuvor entnommenen Blutstammzellen wieder transplantiert. Diese Phase birgt erhebliche Risiken und erfordert eine intensive medizinische Überwachung.
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Trotz modernster Therapieansätze ist Multiple Sklerose bis heute nicht heilbar.
Parkinson-Krankheit
Was ist die Parkinson-Krankheit?
Die Parkinson-Krankheit ist eine fortschreitende neurodegenerative Erkrankung, die das zentrale Nervensystem betrifft. Sie ist durch den Verlust von Dopamin produzierenden Nervenzellen in der Substantia nigra, einem Bereich im Gehirn, gekennzeichnet. Dopamin ist ein Neurotransmitter, der für die Steuerung von Bewegungen, die Koordination und das Gleichgewicht unerlässlich ist. Der Mangel an Dopamin führt zu den charakteristischen Symptomen der Parkinson-Krankheit. In Deutschland wird die Gesamtzahl der Parkinson-Patienten derzeit auf ca. 400.000 geschätzt mit sehr hohen Prävalenzen in der Altersgruppe zwischen 70 und 80 Jahren.
Ursachen und Risikofaktoren
Die genauen Ursachen der Parkinson-Krankheit sind noch nicht vollständig bekannt. Es wird angenommen, dass eine Kombination aus genetischen und Umweltfaktoren eine Rolle spielt. Zu den Risikofaktoren gehören:
- Alter: Das Risiko, an Parkinson zu erkranken, steigt mit zunehmendem Alter. Die meisten Menschen entwickeln die Krankheit nach dem 60. Lebensjahr.
- Genetische Veranlagung: In einigen Fällen kann Parkinson durch Mutationen in bestimmten Genen verursacht werden.
- Umweltfaktoren: Exposition gegenüber Pestiziden, Herbiziden und bestimmten Chemikalien wird als möglicher Risikofaktor diskutiert.
- Kopfverletzungen: Wiederholte oder schwere Kopfverletzungen können das Risiko erhöhen.
Symptome der Parkinson-Krankheit
Die Parkinson-Krankheit ist eine fortschreitende neurologische Erkrankung, die sich durch charakteristische Parkinson-Symptome auszeichnet. Die Symptome der Parkinson-Krankheit entwickeln sich in der Regel langsam über Jahre hinweg. Die häufigsten Symptome sind:
- Tremor: Zittern, meist in Ruhe, das typischerweise in den Händen beginnt.
- Rigor: Muskelsteifheit und erhöhter Muskeltonus, die die Bewegungen erschweren.
- Bradykinese: Verlangsamung der Bewegungen, die das Ausführen alltäglicher Aufgaben erschwert.
- Posturale Instabilität: Gleichgewichtsstörungen und erhöhte Sturzgefahr.
- Weitere Symptome:
- Nicht-motorische Symptome: Depressionen, Angstzustände, Schlafstörungen, Riechstörungen und kognitive Beeinträchtigungen.
- Schlafstörungen: Insbesondere das Restless-Legs-Syndrom (RLS) kann häufig auftreten.
- Schmerzen: Parkinson-assoziierte Schmerzen können nozizeptiv, neuropathisch oder neuroplastisch sein.
- Sprachstörungen: Leise oder monotone Sprache, Schwierigkeiten beim Sprechen.
- Schluckstörungen: Schwierigkeiten beim Schlucken, was zu Husten oder Würgen führen kann.
- Verstopfung: Häufiges Problem aufgrund der verlangsamten Darmbewegung.
Vor Beginn der motorischen Symptome können bereits verschiedene Vorboten von Parkinson auftreten. Meist sind die Vorboten allerdings so unspezifisch, dass der Verdacht nicht sofort bei Parkinson liegt. Diese Vorläuferphase bezeichnet die Medizin als Prodromalphase. Mit dem fortlaufenden Verlust an Nervenzellen nehmen die Krankheitssymptome in der Regel zu. Kurz vor der Parkinson-Diagnose beginnen oftmals die Parkinson-typischen motorischen Symptome wie Muskelzittern (Tremor), Muskelsteifheit (Rigor) und verlangsamte Bewegungen (Bradykinese).
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Verlauf und Prognose
Der Parkinson Verlauf nach 10 Jahren ist individuell sehr unterschiedlich. Während einige Patienten mit entsprechender Therapie noch lange ein weitgehend selbstständiges Leben führen können, entwickeln andere schneller Einschränkungen. Der Parkinson Verlauf ist langsam fortschreitend, aber nicht in Schüben, wie bei MS. Jede Parkinson-Erkrankung verläuft individuell. Ein Parkinson-Syndrom verläuft bei jedem Patienten unterschiedlich. Dasselbe gilt für die Symptome. Grundsätzlich verstärken sich die Parkinson-Symptome über die Zeit, weil nach und nach immer mehr Nervenzellen absterben. Bei vielen Patienten schwanken die Symptome auch täglich. Anders als bei Multiple Sklerose (MS) verläuft Parkinson nicht in Schüben. Es handelt sich um eine neurodegenerative Erkrankung, bei der im Krankheitsverlauf von Zeit zu Zeit Gehirnzellen absterben. Nichtsdestotrotz kann es zeitweise zu plötzlichen Verschlechterungen kommen, die sich wie ein akuter Parkinson-Schub anfühlen.
Im fortgeschrittenen Parkinson-Stadium kommen neben den motorischen Symptomen weitere Begleiterscheinungen hinzu, die nicht so gut auf Medikamente ansprechen. Dazu gehören beispielsweise Schluckstörungen mit einem erhöhten Risiko von Lungenentzündungen, Gleichgewichtsstörungen, Störungen beim Wasserlassen und psychische Beschwerden. Durch spezielle Therapien lassen sich viele dieser Symptome bessern, manche können sogar zeitweise verschwinden. Umso wichtiger sind die regelmäßigen Arztbesuche zur Verlaufskontrolle.
Die Lebenserwartung von Menschen mit Parkinson verkürzt sich durchschnittlich um vier bis elf Jahre. Das gilt vor allem für die sogenannte Parkinson-Krankheit, welche die häufigste Form der Parkinson-Syndrome ist. Letzten Endes verläuft jedes Parkinson-Syndrom jedoch unterschiedlich. Menschen mit Parkinson sterben meist nicht direkt an der Erkrankung selbst, sondern an den Komplikationen, die im Krankheitsverlauf auftreten können. Wie alt Parkinson-Patienten werden, hängt immer vom individuellen Gesamtbild des Patienten und der Parkinson-Form ab.
Diagnose von Parkinson
Die Diagnose von Parkinson basiert hauptsächlich auf einer klinischen Untersuchung und der Beurteilung der Symptome durch einen erfahrenen Neurologen. Es gibt keinen spezifischen Test, um Parkinson zu diagnostizieren, aber bildgebende Verfahren wie die Dopamin-Transporter-Szintigraphie (DaTscan) können helfen, den Dopaminmangel im Gehirn nachzuweisen.
Behandlung von Parkinson
Die Parkinson-Krankheit ist nicht heilbar, aber die Symptome können mit Medikamenten und anderen Therapien behandelt werden. Das oberste Ziel ist es, die bestmögliche Lebensqualität zu gewährleisten. Zwar können Parkinson-Medikamente die ursächlichen Schäden des Nervensystems nicht rückgängig machen, aber sie können den Dopamin-Mangel ausgleichen und auf diese Weise die Symptome lindern. Ziel ist eine lange Wirksamkeit und möglichst keine Nebenwirkungen. Zu den gängigen Behandlungsoptionen gehören:
- Medikamente:
- Levodopa: Ein Medikament, das im Gehirn in Dopamin umgewandelt wird und die Symptome lindert.
- Dopaminagonisten: Medikamente, die die Wirkung von Dopamin im Gehirn nachahmen.
- MAO-B-Hemmer: Medikamente, die den Abbau von Dopamin im Gehirn verlangsamen.
- COMT-Hemmer: Medikamente, die die Wirkung von Levodopa verlängern.
- Tiefe Hirnstimulation (THS): Ein chirurgisches Verfahren, bei dem Elektroden in bestimmte Bereiche des Gehirns implantiert werden, um die Symptome zu lindern.
- Physiotherapie und Ergotherapie: Übungen und Therapien zur Verbesserung der Muskelkraft, Koordination und Beweglichkeit.
- Logopädie: Sprachtherapie zur Verbesserung der Sprach- und Schluckfunktion.
- Ernährung: Eine ausgewogene Ernährung und ausreichende Flüssigkeitszufuhr sind wichtig, um die allgemeine Gesundheit zu erhalten und Verstopfung vorzubeugen.
- Medizinisches Cannabis: Kann für die Behandlung von parkinsontypischen Begleitsymptomen wie Zittern, Schmerzen, Schlafstörungen und psychischen Beschwerden in Frage kommen. Zwar kann medizinisches Cannabis nicht den Krankheitsverlauf bei Parkinson aufhalten, aber unter Umständen einige Symptome und Nebenwirkungen der Parkinson-Medikamente lindern.
Unterschiede und Gemeinsamkeiten zwischen MS und Parkinson
Unterschiede
| Merkmal | Multiple Sklerose (MS) | Parkinson-Krankheit |
|---|---|---|
| Ursache | Autoimmunerkrankung, die die Myelinscheiden angreift | Verlust von Dopamin produzierenden Nervenzellen im Gehirn |
| Betroffenes Alter | Typischerweise zwischen 20 und 40 Jahren | Typischerweise nach dem 60. Lebensjahr |
| Verlauf | Schübe und Remissionen, progressiver Verlauf möglich | Langsam fortschreitend, nicht in Schüben |
| Hauptsymptome | Sehstörungen, Gefühlsstörungen, Koordinationsprobleme, Fatigue, Spastik | Tremor, Rigor, Bradykinese, posturale Instabilität |
| Behandlung | Immunmodulatorische Therapien, Kortikosteroide, symptomatische Behandlung, Physiotherapie | Medikamente zur Dopamin-Ersatztherapie, tiefe Hirnstimulation, Physiotherapie, Logopädie |
Gemeinsamkeiten
- Neurodegenerative Erkrankungen: Beide Erkrankungen gehen mit einer Schädigung bzw. Verlust von Nervenzellen einher.
- Beeinträchtigung des Bewegungsapparates: Beide Erkrankungen können den Bewegungsapparat in irgendeiner Weise beeinträchtigen, was zu motorischen Störungen, Koordinationsproblemen und eingeschränkter Ausdauer führen kann.
- Multidisziplinäre Behandlung: Bei beiden Erkrankungen ist eine umfassende Betreuung durch verschiedene Therapeuten und Fachrichtungen erforderlich, um die individuellen Symptome und Einschränkungen zu behandeln.
- Rehabilitative Maßnahmen: Parkinson-therapie übungen und rehabilitative Maßnahmen spielen eine wichtige Rolle bei beiden Erkrankungen, um die Selbstständigkeit und Lebensqualität der Betroffenen zu erhalten oder wiederherzustellen.
- Psychische Belastung: Beide Erkrankungen können zu psychischen Problemen wie Depressionen und Angstzuständen führen. Eine Psychotherapie kann helfen, den Umgang mit der Erkrankung zu erlernen.
Bedeutung der Rehabilitation
Für das Erreichen der Reha-Ziele werden Menschen mit Multiple Sklerose und Parkinson abhängig von ihren individuellen Symptomen und Einschränkungen von verschiedenen Therapeuten und Fachrichtungen behandelt.
Die Reha-Erfolge werden durch die systematische Erfassung von aussagekräftigen Parametern vor und nach der Reha sichtbar gemacht. Bei Parkinsonpatient:innen konnte z. B. eine Punktwertverbesserung von mehr als 9 erreicht werden. Dabei ist bereits ein Wert ab 4 als signifikant einzustufen. Im Haus arbeiten Therapeut:innen, psychologische Fachkräfte und viele weitere Spezialist:innen eng zusammen.
Ergänzend zur Therapie der Motorik und Feinmotorik gehören neuropsychologische Behandlungsverfahren zur Verbesserung anhaltender Erschöpfung (Fatigue), von Aufmerksamkeit und Gedächtnis sowie die Optimierung der Medikation zum Behandlungsspektrum. Spezielle Ausbildungen ermöglichen Therapien, die den aktuellen wissenschaftlichen Erkenntnissen entsprechen. Ein Beispiel dafür ist die LSVT-BIG-Therapie für Parkinsonpatient:innen, bei der der Fokus auf dem Einüben großer Bewegungsumfänge liegt.
Gangtraining auf dem Laufband, roboterassistierte Therapie von Gangstörungen, Kraft-, Ausdauer- oder Gleichgewichtstraining, aber auch therapeutisches Klettern zählen hier zum mobilitätsstärkenden Angebot. Sport-, Spastik- und Physiotherapien unterstützen die medikamentöse Behandlung und die Immuntherapien.
Mittels der systemischen Forced use Therapie können wir gezielt in diesen pathologischen Kreislauf eingreifen, da wir in einem ausführlichen Befund genau ihre Bewegungsmuster analysieren, Zusammenhänge zwischen Fehlbewegungen erkennen und Ressourcen zum Aufbau normaler Bewegungsmuster finden. Mit dieser Technik der Forced-use-Therapie gelingt es uns, positiv auf das Nervensystem einzuwirken und neue Verknüpfungen von Nervenzellen zu begünstigen. Auch Störungen der Koordination von Bewegungen, sogenannte Ataxien, lassen sich durch Therapien mildern. Beide Symptome erschweren den Alltag der Betroffenen und machen sie abhängig von ihren Angehörigen.
MS- oder Parkinson-Reha sorgt dafür, dass Erkrankte ihren Alltag wieder ohne fremde Hilfe und mit erhöhter Lebensqualität bewältigen können.In unserer Forced use-Therapie setzen wir spezielle Mobilisationstechniken ein, um die freie Beweglichkeit der Muskulatur und Gelenke wiederherzustellen bzw. zu erhalten, als Grundvoraussetzung für normale Bewegungsbilder. Unsere Behandlung passen wir immer gezielt auf die Bedürfnisse der jeweiligen Krankheitsbilder und auch auf die jeweilige Tagesverfassung unter Berücksichtigung evtl.
Aktuelle Forschung
Die Forschung zur Behandlung von MS und Parkinson ist sehr aktiv. Wissenschaftler arbeiten daran, die Ursachen der Krankheiten besser zu verstehen und neue Therapien zu entwickeln. Ein Schwerpunkt der Forschung liegt auf der Entwicklung von Medikamenten, die das Fortschreiten der Krankheiten verlangsamen oder aufhalten können.
Ein anderer Schwerpunkt der Oldenburger Gruppe, gefördert von der Hertie-Stiftung, richtet sich auf die Aufklärung von Vorgängen bei sog. demyelinisierenden Prozessen, die vor allem bei MS eine zentrale Rolle spielen. Myelin ist eine weiße Substanz im Gehirn, die für Nervenzellen von großer funktioneller Bedeutung sind, und für deren Ausbildung eine besondere Gruppe von Zellen, die Oligodendrocyten, zuständig sind. Auch in diesen Zellen werden Proteinablagerungen beobachtet. Die Oldenburger Molekularbiologin Prof. Dr. Die grundlegenden Forschungsarbeiten und bisherigen Befunde tragen nicht nur zum Verständnis der Mechanismen bei, die an der Krankheitsentstehung beteiligt sind, sondern werden auch in die Entwicklung von Medikamenten und geeigneten Strategien zur Krankheitsbekämpfung einmünden.
In den Gehirnen von Patienten mit neurodegenerativen Erkrankungen (wie Alzheimer, Parkinson oder PSP) bilden sich Ablagerungen von Proteinen, die unter normalen Bedingungen gut löslich sind. Diese Proteinaggregate, die nicht mehr abgebaut werden können, schädigen Transportprozesse in den Zellen und führen schließlich zum Zelltod. In aufwändigen Laborversuchen haben die Oldenburger WissenschaftlerInnen inzwischen erfolgreich Zellkultur-Systeme (Gehirn-Zellkulturen, Vermehrung von tierischen Gehirnzellen) etabliert, an denen die molekularen Mechanismen, die zur Protein-Aggregatbildung führen, genau studiert werden können. In einer Reihe von Arbeiten, die u.a. In ihrer weiteren Arbeit wollen sie nun herausfinden, ob über eine vermehrte Zufuhr von sog. Stressproteinen zur Auflösung der Proteinaggregate beigetragen werden kann. Bei Krankheiten und dem Auftreten von zellulärem Stress (der z.B. durch entzündliche Prozesse, Stress, Fieber, virale Infektionen und Umweltgifte ausgelöst wird) bildet der Körper zu zellulären Reparaturzwecken und zum Schutz Stressproteine.
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