Der Schlaganfall ist in Deutschland nach Herz- und Krebserkrankungen die dritthäufigste Todesursache und die häufigste Ursache für bleibende Behinderungen im Erwachsenenalter. Jährlich sind rund 270.000 Menschen in Deutschland von einem Schlaganfall betroffen. Knapp 200.000 davon sind erstmalige Schlaganfälle, etwa 66.000 erleiden zum wiederholten Mal einen Schlaganfall. Angesichts dieser Zahlen ist es wichtig, sich mit den Faktoren auseinanderzusetzen, die die Lebenserwartung nach einem Schlaganfall beeinflussen, insbesondere nach einem zweiten Schlaganfall.
Schlaganfall: Ursachen und Folgen
Ein Schlaganfall ist eine plötzlich einsetzende Funktionsstörung des Gehirns. Man unterscheidet zwischen zwei Hauptursachen:
- Ischämischer Schlaganfall: Ein Blutgerinnsel verschließt ein gehirnversorgendes Gefäß und führt zu einer Durchblutungsstörung (80 Prozent aller Fälle).
- Hämorrhagischer Schlaganfall: Ein Blutgefäß im Gehirn reißt plötzlich und es kommt zu einer Blutansammlung (20 Prozent aller Fälle).
In beiden Fällen werden die Nervenzellen des Gehirns an der betroffenen Stelle nicht mehr ausreichend mit Sauerstoff versorgt und beginnen abzusterben. Dieser Schaden kann zu dauerhaften Lähmungen, Sensibilitäts- oder Sprachstörungen bis hin zur Bewusstlosigkeit führen.
Lebenserwartung nach einem Schlaganfall
Die Lebenserwartung nach einem Schlaganfall wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst. Studien zeigen, dass fast jeder zweite Patient bzw. jede zweite Patientin innerhalb von fünf Jahren nach dem ersten Schlaganfall stirbt. Jeder fünfte bzw. jede fünfte erleidet einen erneuten Schlaganfall innerhalb von fünf Jahren. Die Schlaganfall-Sterblichkeit stieg ab 45 Jahren mit zunehmendem Alter deutlich an: In der Altersgruppe der 45- bis 64-Jährigen belief sie sich auf 11,4 pro 100.000 Personen, bei den 65- bis 79-Jährigen auf 75,9 und bei den über 80-Jährigen auf 432.
Eine Studie des Robert Koch-Instituts hat eine Lebenszeitprävalenz von 2,9 % ermittelt, mit großen Unterschieden nach Geschlecht und Sozialstatus (5).
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Faktoren, die die Lebenserwartung beeinflussen:
- Art und Schwere des Schlaganfalls: Die Lebenserwartung hängt erheblich vom Ausmaß und Typ des Schlaganfalls ab. Die Wahrscheinlichkeit, dass sich die eingetretenen Behinderungen weitgehend zurückbilden, ist umso größer, je jünger die Patienten sind und je geringer die Ausfallserscheinungen sind.
- Ursache des Schlaganfalls: Das Langzeitüberleben und die Wiederholungsrate unterscheiden sich erheblich je nach Ursache des ersten Schlaganfalls. So haben Patientinnen und Patienten, deren Schlaganfall durch den Verschluss kleiner Arterien ausgelöst wurde, die höchste Überlebenswahrscheinlichkeit nach fünf Jahren.
- Alter: Von einem Schlaganfall sind vornehmlich ältere Menschen betroffen. Die Altersgruppe ab 60 Lebensjahren erleidet fast 80 Prozent aller Schlaganfälle.
- Begleiterkrankungen: Je älter Patienten sind, und je schwerer die Beeinträchtigungen durch den Schlaganfall, desto schlechter ist ihre Prognose. Wenn sich bei den Patienten im Verlauf der Rehabilitation die abhanden gekommenen Fähigkeiten nicht verbessern, Verwirrungszustände oder Apathie andauern sowie Stuhlgang und Wasserlassen nicht mehr kontrolliert werden können, verschlechtert das die Prognose.
- Rehabilitation: Die Chancen auf eine vollständige oder zumindest teilweise Rückbildung der Folgen eines Schlaganfalls sind umso größer, je schneller der Patient im Krankenhaus behandelt wird. Die Motivation des Patienten kommt dabei eine nicht zu unterschätzende Bedeutung zu. Je aktiver er bei den Übungen mitwirkt und sich anstrengt, umso größer sind die Chancen, dass sich Fortschritte einstellen. Dazu gehört auch die Behandlung einer nach Schlaganfällen häufigen Depression.
- Sozioökonomischer Status: In Regionen mit hoher sozioökonomischer Deprivation lagen die Schlaganfall-Sterberaten im Jahr 2023 altersstandardisiert bei Männern mit 40,8 pro 100.000 Personen um 12 % höher als in Regionen mit niedriger Deprivation (36,5). Bei Frauen ergaben sich hingegen keine Unterschiede in der Schlaganfall-Sterblichkeit nach sozioökonomischer Deprivation.
- Lebensstil: Wichtigster beeinflussbarer - also behandelbarer - Risikofaktor ist der Bluthochdruck (Hypertonie). Man geht heute davon aus, dass ein Blutdruck, der dauerhaft bei oder über 140/90 mmHg liegt, behandlungsbedürftig ist. Andere wichtige beeinflussbare Risikofaktoren sind die Zuckerkrankheit (Diabetes mellitus Typ 2), Herzrhythmusstörungen (z.B. Ferner erhöhen übermäßiger Alkoholkonsum, starkes Übergewicht und Bewegungsmangel das Risiko eines Schlaganfalls.
Das Risiko eines zweiten Schlaganfalls
Das Risiko, nach einem ersten Schlaganfall einen zweiten zu erleiden, ist nicht unerheblich. Die Zahl der Rezidiv-Schlaganfälle liegt bei rund 50.000 bis 70.000 pro Jahr. Auch wegen dieses hohen Rezidiv-Risikos ist aber so wichtig, nach dem ersten Schlaganfall die genauen Ursachen zu erforschen, um daraus eine gute Sekundär-Prävention aufbauen zu können. Andererseits gibt es aber auch Patienten, bei denen man keine Ursache findet, obwohl man sie sorgfältig untersucht, und deren Risikopotential dennoch sehr gering ist.
Prävention: Das Schlaganfall-Risiko minimieren
Die beste Strategie, um die Lebenserwartung nach einem Schlaganfall zu erhöhen und das Risiko eines zweiten Schlaganfalls zu minimieren, ist die Prävention. Hier sind einige wichtige Maßnahmen:
- Gesunde Lebensweise: Die besten Tipps zur Prävention eines Schlaganfalls sind letztendlich immer die Vermeidung von Risikofaktoren. Das heißt: Maßnahmen, die effektiv einem Bluthochdruck, Übergewicht, Bewegungsmangel und letzten Endes auch Diabetes vorbeugen und verhindern. Dazu gehört im ersten Schritt, dass man sich vernünftig ernährt, das heißt eine balancierte, ausgewogene zum Beispiel mediterrane Diät zu sich führt. Also überwiegend Gemüse, nicht zu viel Fleisch, nicht zu viel Alkohol. Alkohol ist zwar nicht komplett verboten, aber nur in sehr geringen Mengen. Und natürlich ist ausreichende Bewegung sehr wichtig. 20 bis 30 Minuten Bewegung pro Tag, bei der man leicht schwitzt, ist ideal.
- Risikofaktoren behandeln: Wenn Risikofaktoren wie Diabetes oder Bluthochdruck vorliegen, sollte man die natürlich auch behandeln.
- Regelmäßige ärztliche Kontrollen: Es ist ratsam, regelmäßig den Hausarzt aufzusuchen, um das persönliche Schlaganfall-Risiko einschätzen zu lassen und gegebenenfalls Behandlungen einzuleiten.
- Schlaganfall-Risikotest: Die Deutsche Schlaganfall Gesellschaft bietet auf ihrer Seite einen Schlaganfall-Risikotest an. Damit sollen Personen ihr persönliches Schlaganfall-Risiko einschätzen können.
Therapie und Rehabilitation nach einem Schlaganfall
Die Erstversorgung in einer Stroke Unit ist essentiell. In Deutschland wird heutzutage auch der Großteil - ich will nicht sagen alle Schlaganfall-Patienten - auf solchen Stroke Units behandelt. Über die letzten Jahre hat sich auf diesem Gebiet eine Behandlungsexpertise entwickelt, so dass Schlaganfälle in solchen Einheiten besser behandelt werden als zum Beispiel in Krankenhäusern, die das nicht vorhalten oder in anderen Abteilungen oder internistischen Kliniken. In Stroke Units ist die diagnostische und therapeutische Expertise sehr hoch und daher können die Experten einschätzen, ob im individuellen Fall zum Beispiel eine Spezialtherapie möglich und nötig ist wie beispielweise eine Lyse-Therapie oder eine katheterbasierte sogenannte Thrombektomie. Auf diesen Stroke Units wird nicht nur die Akuttherapie gestartet, sondern es erfolgt in den folgenden Tagen auch ein Herz-Kreislauf-Monitoring. Nach der Akuttherapie wird der Fokus auf die Ursachenforschung des Schlaganfalls gelegt.
Die Rehabilitation spielt eine entscheidende Rolle bei der Verbesserung der Lebensqualität und der Wiederherstellung von Fähigkeiten nach einem Schlaganfall. Während dieser Zeit kümmert sich ein Team aus Krankengymnasten, Sprach- und Ergotherapeuten um den Patienten. Eine wichtige Aufgabe der Rehabilitation ist auch, dass die Betroffenen lernen, mit bleibenden Beeinträchtigungen zu leben und sich damit im Alltag zurechtzufinden.
Forschung und Zukunftsperspektiven
Ein Bereich der Forschung dreht sich aktuell um die Verbesserung der Akuttherapie. Da haben wir ja mit der Thrombektomie eine sensationell wirksame neue Therapiemethode hinzugewonnen. Auf dem Gebiet der Schlaganfall-Früherkennung wird natürlich auch viel an der Genetik des Schlaganfalls geforscht. Warum treten Schlaganfälle zum Beispiel in manchen Familien häufiger auf als in anderen? Woran kann man eine Art Veranlagung erkennen? An diese und ähnlichen Fragen wird stark geforscht. Zuletzt gibt es auch viele Forschungsprojekte zur Verbesserung der Regeneration und Rehabilitation nach Schlaganfall.
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Fazit
Die Lebenserwartung nach einem zweiten Schlaganfall wird von verschiedenen Faktoren beeinflusst. Durch eine gesunde Lebensweise, die Behandlung von Risikofaktoren und eine konsequente Rehabilitation können Betroffene ihre Lebenserwartung positiv beeinflussen und das Risiko eines weiteren Schlaganfalls minimieren. Es ist wichtig, sich frühzeitig über die Möglichkeiten der Prävention, Therapie und Rehabilitation zu informieren und professionelle Hilfe in Anspruch zu nehmen.
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