Durchfall und Bauchkrämpfe sind unangenehme Beschwerden, die viele Ursachen haben können. Wenn diese Symptome jedoch länger als zwei Wochen anhalten, ist es wichtig, die möglichen Ursachen zu ermitteln und eine angemessene Behandlung zu beginnen. Dieser Artikel bietet einen umfassenden Überblick über die Ursachen von Durchfall und Krämpfen, die diagnostischen Verfahren und die verschiedenen Behandlungsansätze.
Was ist Durchfall?
Von Durchfall spricht man, wenn jemand innerhalb von 24 Stunden mindestens dreimal sehr weichen oder flüssigen Stuhlgang hat. Durchfall kann von Bauchschmerzen, -krämpfen und Blähungen begleitet sein. In manchen Fällen treten auch Übelkeit, Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen auf. Schwindel und Kreislaufprobleme können ein Zeichen für einen erheblichen Flüssigkeits- und Elektrolytverlust sein.
Ursachen von Durchfall und Krämpfen
Die Ursachen für Durchfall und Krämpfe sind vielfältig. Akuter Durchfall, der kürzer als zwei Wochen andauert, wird häufig durch eine Infektion ausgelöst. Chronischer Durchfall, der länger als vier Wochen andauert, kann auf verschiedene Erkrankungen hinweisen. Zu den häufigsten Ursachen gehören:
Infektionen
- Virale Infektionen: Noroviren und Rotaviren sind häufige Auslöser von Magen-Darm-Infektionen, die Durchfall verursachen.
- Bakterielle Infektionen: Salmonellen, Campylobacter und bestimmte Kolibakterien können ebenfalls Durchfall verursachen.
- Parasitäre Infektionen: Auf Reisen können Infektionen mit Shigellen oder Parasiten zu Durchfall führen.
Nahrungsmittelunverträglichkeiten und Allergien
- Laktoseintoleranz: Ein Mangel an Laktase, dem Enzym zur Spaltung von Milchzucker, kann zu Durchfall, Krämpfen und Blähungen nach dem Verzehr von Milchprodukten führen.
- Fruktosemalabsorption: Eine Fruktosemalabsorption kann ähnliche Symptome wie Laktoseintoleranz verursachen.
- Zöliakie: Eine Reaktion des Dünndarms auf Gluten, das in vielen Getreidesorten vorkommt, kann zu Durchfall, Blähungen und Gewichtsverlust führen.
- Histaminintoleranz: Eine Unverträglichkeit gegenüber Histamin kann ebenfalls Durchfall auslösen.
- Nahrungsmittelallergien: Allergien gegen bestimmte Lebensmittel können Durchfall, Bauchschmerzen und andere Symptome verursachen.
Medikamente
- Antibiotika: Antibiotika können die natürliche Darmflora aus dem Gleichgewicht bringen und Durchfall verursachen.
- Abführmittel: Übermäßiger Gebrauch von Abführmitteln kann zu chronischem Durchfall führen.
- Protonenpumpenhemmer und Antazida: Diese Medikamente können ebenfalls Durchfall als Nebenwirkung haben.
- Antidepressiva: Einige Antidepressiva können Durchfall verursachen.
- Nichtsteroidale Antirheumatika (NSAR): Diese Schmerzmittel können die Darmschleimhaut reizen und Durchfall verursachen.
- Antidiabetika: Einige Antidiabetika können Durchfall verursachen.
- Schleimlöser: Bestimmte Schleimlöser können Durchfall verursachen.
Andere Ursachen
- Reizdarmsyndrom (IBS): IBS ist eine funktionelle Magen-Darm-Störung, die mit Bauchschmerzen, Blähungen, Durchfall und Verstopfung einhergeht.
- Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen (CED): Morbus Crohn und Colitis ulcerosa sind chronische Entzündungen des Darms, die zu Durchfall, Bauchschmerzen und anderen Symptomen führen können.
- Colitis ulcerosa: Betrifft hauptsächlich den Dickdarm und verursacht häufigen Stuhlgang mit Blut- und Schleimbeimischungen.
- Morbus Crohn: Kann den gesamten Magen-Darm-Trakt betreffen und verursacht vielfältige Symptome wie Bauchschmerzen, Fieber und Fistelbildung.
- Schilddrüsenüberfunktion (Hyperthyreose): Eine Überfunktion der Schilddrüse kann zu Durchfall, Gewichtsverlust und anderen Symptomen führen.
- Mikroskopische Kolitis: Eine chronische Durchfallerkrankung mit spezifischen Veränderungen der Darmschleimhaut.
- Ischämische Kolitis: Eine Durchblutungsstörung des Darms, die zu plötzlichen Bauchschmerzen, Erbrechen und Durchfall führen kann.
- Dickdarmkrebs (Kolonkarzinom) oder Enddarmkrebs (Rektumkarzinom): Diese Erkrankungen können zu Veränderungen des Stuhlgangs, Verstopfung oder Durchfall führen.
- Chronische Bauchspeicheldrüsenentzündung (chronische Pankreatitis): Kann zu fettigem Durchfall, Bauchschmerzen und Gewichtsverlust führen.
- Karzinoidsyndrom: Neuroendokrine Tumore des Magen-Darm-Trakts können Durchfall, Hautrötungen und Schweißausbrüche verursachen.
- Angst und Stress: Psychischer Stress kann sich auf den Magen-Darm-Trakt auswirken und Durchfall verursachen.
- Verstopfung: Paradoxer Durchfall kann bei Verstopfung auftreten, wenn sich flüssiger Stuhl um den blockierenden harten Stuhl herum bewegt.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
Es ist ratsam, einen Arzt aufzusuchen, wenn:
- Der Durchfall länger als zwei Wochen anhält.
- Starke Bauchschmerzen oder Krämpfe auftreten.
- Fieber, Übelkeit oder Erbrechen hinzukommen.
- Blut oder Schleim im Stuhl ist.
- Anzeichen von Dehydration auftreten (z. B. Schwindel, verminderte Harnausscheidung).
- Chronische Erkrankungen wie Diabetes bestehen.
- Medikamente eingenommen werden, die Durchfall verursachen können.
- Der Verdacht auf eine Lebensmittelvergiftung besteht.
- Kürzlich eine Reise in ein Risikogebiet unternommen wurde.
- Bei Säuglingen, Kleinkindern und älteren Menschen, da diese anfälliger für Komplikationen sind.
Diagnostische Verfahren
Um die Ursache von Durchfall und Krämpfen zu ermitteln, stehen verschiedene diagnostische Verfahren zur Verfügung:
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- Anamnese: Der Arzt wird Fragen zu den Symptomen, der Krankengeschichte, eingenommenen Medikamenten und möglichen Risikofaktoren stellen.
- Körperliche Untersuchung: Der Arzt wird den Bauch abtasten und auf Anzeichen von Entzündungen oder anderen Erkrankungen achten.
- Stuhluntersuchung: Eine Stuhlprobe kann auf Bakterien, Viren, Parasiten und Entzündungszeichen untersucht werden.
- Blutuntersuchung: Eine Blutuntersuchung kann Hinweise auf Infektionen, Entzündungen oder andere Erkrankungen liefern.
- Ultraschalluntersuchung: Eine Ultraschalluntersuchung des Bauchraums kann helfen, Organe zu beurteilen und Auffälligkeiten festzustellen.
- Endoskopie: Eine Magen- oder Darmspiegelung kann durchgeführt werden, um die Schleimhaut des Magen-Darm-Trakts zu beurteilen und Gewebeproben zu entnehmen.
- Röntgen, Computertomografie (CT) und Magnetresonanztomografie (MRT): Diese bildgebenden Verfahren können eingesetzt werden, um den Magen-Darm-Trakt darzustellen und Erkrankungen zu erkennen.
- Laktose- oder Fruktoseintoleranztest: Diese Tests können durchgeführt werden, um eine Unverträglichkeit gegenüber Laktose oder Fruktose festzustellen.
- Allergietests: Bei Verdacht auf eine Nahrungsmittelallergie können Allergietests durchgeführt werden.
Behandlung von Durchfall und Krämpfen
Die Behandlung von Durchfall und Krämpfen hängt von der zugrunde liegenden Ursache ab. In vielen Fällen kann der Durchfall mit einfachen Maßnahmen selbst behandelt werden.
Allgemeine Maßnahmen
- Flüssigkeitszufuhr: Es ist wichtig, ausreichend Flüssigkeit zu trinken, um den Flüssigkeitsverlust auszugleichen. Geeignete Getränke sind Wasser, Tee und Elektrolytlösungen.
- Elektrolytersatz: Elektrolytlösungen aus der Apotheke können helfen, den Verlust von Elektrolyten auszugleichen.
- Schonkost: Leicht verdauliche Lebensmittel wie Reis, Bananen und Zwieback können den Darm beruhigen.
- Vermeidung reizender Substanzen: Kaffee, Alkohol, fettige Speisen und stark gewürzte Speisen sollten vermieden werden.
Medikamentöse Behandlung
- Loperamid und Racecadotril: Diese Medikamente können die Darmbewegung verlangsamen und die Häufigkeit des Stuhlgangs reduzieren. Sie sollten jedoch nicht ohne ärztliche Rücksprache eingenommen werden, insbesondere bei Kindern.
- Probiotika: Probiotika können helfen, die natürliche Darmflora wiederherzustellen.
- Hefetabletten (Perenterol): Diese Tabletten können die Ausscheidung von Erregern beschleunigen und die Darmflora unterstützen.
- Kohletabletten: Kohletabletten können helfen, Giftstoffe im Darm zu binden.
- Antibiotika: Antibiotika sind nur bei bakteriellen Infektionen wirksam.
Behandlung spezifischer Ursachen
- Infektionen: Bei bakteriellen Infektionen können Antibiotika erforderlich sein. Bei viralen Infektionen ist die Behandlung in der Regel symptomatisch.
- Nahrungsmittelunverträglichkeiten: Die Vermeidung der unverträglichen Lebensmittel kann die Symptome lindern.
- Reizdarmsyndrom: Die Behandlung von IBS umfasst in der Regel eine Kombination aus Ernährungsumstellung, Stressmanagement und Medikamenten.
- Chronisch-entzündliche Darmerkrankungen: CED werden in der Regel mit entzündungshemmenden Medikamenten, Immunsuppressiva und Biologika behandelt. In einigen Fällen kann eine Operation erforderlich sein.
Vorbeugung von Durchfallerkrankungen
Es gibt verschiedene Maßnahmen, um Durchfallerkrankungen vorzubeugen:
- Händehygiene: Regelmäßiges und gründliches Händewaschen mit Seife ist wichtig, um die Ausbreitung von Infektionen zu verhindern.
- Lebensmittelhygiene: Achten Sie auf eine gute Hygiene bei der Zubereitung von Speisen.
- Impfungen: Für Säuglinge unter 6 Monaten wird eine Impfung gegen Rotaviren empfohlen.
- Reisevorsorge: Informieren Sie sich vor Reisen in Risikogebiete über geeignete Hygienemaßnahmen und Impfungen. Vermeiden Sie rohe Lebensmittel und Leitungswasser.
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