Die Alzheimer-Krankheit, auch Alzheimer-Demenz oder Morbus Alzheimer genannt, ist die häufigste Form der Demenz. Sie ist durch einen fortschreitenden Verlust von Gedächtnis, Sprache, Orientierung und anderen kognitiven Fähigkeiten gekennzeichnet. Im Laufe der Zeit sterben immer mehr Gehirnzellen ab, was zu zunehmenden geistigen Einschränkungen führt. Obwohl die Erkrankung bisher nicht heilbar ist, gibt es Behandlungen, die den Verlauf positiv beeinflussen und die Lebensqualität der Betroffenen fördern können.
Was ist Alzheimer-Demenz?
Bei der Alzheimer-Demenz nehmen wichtige Hirnleistungen nach und nach ab. Das Gedächtnis und die Konzentrationsfähigkeit sind in der Regel zuerst betroffen. Menschen mit Demenz fällt es zunehmend schwerer, sich zurechtzufinden und ein selbstständiges Leben zu führen. Die Alzheimer-Demenz ist ein klinisches Syndrom, dem eine primär degenerative zerebrale Krankheit mit charakteristischen neuropathologischen und neurochemischen Merkmalen zu Grunde liegt. Sie beginnt meist schleichend und entwickelt sich langsam, aber stetig über einen Zeitraum von mehreren Jahren. Bei der Alzheimer-Demenz handelt es sich mit einem Anteil von 50-70% an allen Demenzen um die häufigste Demenzform.
Symptome der Alzheimer-Demenz
Mit dem Älterwerden lassen bei den meisten Menschen geistige Fähigkeiten wie das Gedächtnis und die Lernfähigkeit nach: Es ist normal, sich im Alter auf neue Umstände und Situationen nicht mehr so schnell einstellen zu können wie früher. Es ist aber auch im höheren Alter noch möglich, auf das erworbene Wissen zuzugreifen. Man bleibt orientiert, eigenständig und urteilsfähig. Die Symptomatik der Alzheimer-Demenz beginnt langsam schleichend und besteht vor allem aus zunehmender Vergesslichkeit. Während der Zugriff auf alte Gedächtnisinhalte vor allem in der frühen Phase der Erkrankung noch lange bestehen bleibt, haben Erkrankte ab Beginn Schwierigkeiten, neue Inhalte aufzunehmen (Neugedächtnisstörung). Zudem leiden Patientinnen und Patienten an einer Desorientierung in Ort und Zeit sowie an Aufmerksamkeitsstörungen. Nicht-kognitive Symptome sind schon zu früh eine Hyposmie, d. h. eine Geruchsminderung, und die Abnahme von Aktivität und Motorik. Vor allem zu Beginn der Erkrankung wirken oder sind Betroffene häufig depressiv, was eine Diagnosestellung erschweren kann. Bei der Alzheimer-Erkrankung ist es zudem sehr typisch, dass Betroffene für eine lange Zeit eine glaubwürdige „Fassade“ aufrechterhalten und ihre Symptome bagatellisieren. Im späteren Verlauf der Erkrankung kommt die Schwierigkeit für Betroffene hinzu, auch auf alte Gedächtnisinhalte zuzugreifen. Des Weiteren bestehen „Werkzeugstörungen“, d. h. eine Verminderung von höheren Hirnleistungen, die sich in Apraxie (Störung zielgerichteter Bewegungen), Alexie (Verlust der Lesefähigkeit), Agnosie (Störung des Erkennens verschiedener Sinneseindrücke) oder Akalkulie (Unfähigkeit im Umgang mit Zahlen) äußern können. Häufig verwechseln Patientinnen und Patienten zudem naheliegende Wörter (semantische Paraphrasien). Auf nicht-kognitiver Ebene leiden Patientinnen und Patienten an neurovegetativen Symptomen wie Inkontinenz und Störungen des Schlaf-/Wachrhythmus, neuropsychiatrischen Symptomen wie Halluzinationen oder Apathie und ggf. auch neurologisch-motorischen Symptomen wie dem Parkinson-Syndrom. Im Endstadium der Erkrankung sind Patientinnen und Patienten bei der Abnahme ihrer Aktivität und häufig sogar Mutismus vollständig pflegebedürftig.
Hier sind einige der häufigsten Symptome im Überblick:
- Gedächtnisprobleme: Vergesslichkeit ist oft eines der ersten und auffälligsten Anzeichen. Betroffene vergessen gerade Erlebtes, während sie sich an länger zurückliegende Ereignisse mitunter noch gut erinnern. Mit der Zeit verschlechtert sich auch das Langzeitgedächtnis.
- Schwierigkeiten beim Planen und Problemlösen: Den Betroffenen fällt es schwer, sich über einen längeren Zeitraum zu konzentrieren oder etwas vorausschauend zu planen und umzusetzen. Sie brauchen für vieles mehr Zeit als zuvor. Probleme tauchen beispielsweise beim Kochen oder Backen nach bekannten Rezepten, beim Umgang mit Zahlen oder beim Bezahlen von Rechnungen auf.
- Probleme mit gewohnten Tätigkeiten: Alltägliche Handlungen werden plötzlich als große Herausforderung empfunden. Im fortgeschrittenen Stadium haben viele Patienten auch Schwierigkeiten bei alltäglichen Ritualen wie Essen und Trinken oder der Körperpflege.
- Orientierungslosigkeit: Alzheimer-Patienten können außerdem die örtliche und zeitliche Orientierung verlieren. Sie vergessen, wo sie sind und wie sie dorthin gekommen sind. Typisch sind auch Schwierigkeiten mit der Uhrzeit, der Jahreszeit oder der zeitlichen Einordnung in Kategorien wie „gestern“, „heute“ und „morgen“.
- Sprachprobleme: Bei einer Alzheimererkrankung sind Störungen der Kommunikation und der Sprache ein charakteristisches Symptom. Die Medizin spricht dann von einer sogenannten Aphasie. Wortfindungsstörungen sind klassische Alzheimer-Anzeichen im Bereich Kommunikation und Sprache. Demenzerkrankte benennen Dinge plötzlich anders und sagen zum Beispiel „Hand-Uhr“ statt „Armbanduhr“.
- Verlegen von Gegenständen: Menschen, die an Alzheimer erkrankt sind, verlieren oft Dinge oder legen sie an ungewöhnliche Orte. Sie können gedanklich nicht mehr zurückverfolgen, wo sie etwas hingelegt haben.
- Veränderungen im Verhalten, der Stimmung und der Persönlichkeit: Starke Stimmungsschwankungen ohne erkennbaren Grund können eine Folge einer Alzheimer-Erkrankung sein. Für die Betroffenen wird es immer schwieriger, ihre Gefühle zu kontrollieren. Starke Gefühlsausbrüche, beispielsweise in Form von Wut und Aggression, können im Pflegealltag sehr herausfordernd sein.
- Verminderte Eigeninitiative: Viele Menschen mit Alzheimer verlieren ihre Eigeninitiative und gehen immer weniger ihren Hobbys, sozialen oder sportlichen Aktivitäten nach.
Wichtig: Wenn eines oder mehrere dieser Anzeichen bei Ihnen oder einem Familienmitglied wiederholt auftreten, sollten Sie ärztlichen Rat einholen. So können Sie frühzeitig Hilfe bekommen, wenn es sich um eine beginnende Alzheimer-Krankheit oder eine andere Form der Demenz handelt.
Lesen Sie auch: Behinderungsgrad bei Parkinson
Ursachen und Risikofaktoren
Wodurch Alzheimer-Demenz verursacht wird, ist noch weitgehend ungeklärt. Sehr wahrscheinlich kommen bei der Entstehung mehrere Ursachen zusammen. Im Lauf der Erkrankung sterben immer mehr Gehirnzellen ab. Warum das passiert, darüber gibt es bis heute lediglich Vermutungen. Die Forschung hat festgestellt, dass im Gehirn betroffener Menschen zu wenig Acetylcholin vorhanden ist. Dabei handelt es sich um einen wichtigen Botenstoff. Darüber hinaus ist inzwischen bekannt, dass sich bei Alzheimer-Demenz im Gehirn kleine Eiweißpartikel in Form von Beta-Amyloid-Plaques oder Tau-Fibrillen ablagern. Durch spezielle Veränderungen im Gehirn kommt es bei der Alzheimer-Demenz zu einem fortschreitenden Verlust von geistigen Funktionen. An dem Krankheitsgeschehen beteiligt sind hauptsächlich zwei Proteine: das sogenannte Beta-Amyloid und Tau-Protein. Bei Alzheimer kommt zum Absterben von Nervenzellen im Gehirn, wodurch auch die Hirnmasse abnimmt (fachsprachlich Hirnatrophie). Durch diese speziellen Veränderungen verlieren Alzheimer-Patienten nach und nach ihre kognitiven Fähigkeiten. An diesem Krankheitsgeschehen beteiligt sind hauptsächlich zwei Proteine: das sogenannte Beta-Amyloid und Tau-Protein. Bei Alzheimer gehen Nervenzellen vor allem in der Hirnrinde (Cortex) verloren - also in jenen Bereichen, die für das Gedächtnis, die Sprache und die räumliche Orientierung zuständig sind.
Sicher ist aber, dass Alzheimer eine neurodegenerative Erkrankung ist. Durch spezielle Veränderungen im Gehirn kommt es bei der Alzheimer-Demenz zu einem fortschreitenden Verlust von geistigen Funktionen. pflege.de erklärt Ihnen vereinfacht die Entstehung von Alzheimer im Gehirn. Beta-Amyloid ist ein Protein, das normalerweise im Gehirn vorkommt. Bei der Alzheimer-Krankheit wird dieses Protein jedoch fehlerhaft verarbeitet und bildet Klumpen oder Ablagerungen. Diese sogenannten Plaques sind wie Straßensperren auf den Informationswegen des Gehirns. Im Inneren der Gehirnzellen gibt es Strukturen, die wie Schienen für den Transport von Nährstoffen und anderen wichtigen Substanzen vorgesehen sind. Diese Strukturen werden durch das Tau-Protein stabilisiert. Bei Alzheimer verändert sich das Tau-Protein und bildet knäuelhafte Fasern, sogenannte Fibrillen.
Die Wahrscheinlichkeit für eine Alzheimer-Demenz erhöht sich mit dem Alter: Ab ungefähr 65 Jahren erkranken Menschen häufiger daran. In zahlreichen Studien ist bereits untersucht worden, ob bestimmte Erkrankungen oder auch gewisse Verhaltensweisen und Lebensumstände Einfluss auf das Demenzrisiko nehmen. Eindeutige Antworten haben diese Untersuchungen noch nicht liefern können. Sie geben aber Hinweise darauf, dass folgende Faktoren die Entstehung einer Alzheimer-Demenz beeinflussen:
- Diabetes mellitus („Zuckerkrankheit“)
- erhöhter Cholesterinspiegel
- Rauchen
- Depressionen
- Bluthochdruck
- Übergewicht
- wenig soziale Kontakte
- Schwerhörigkeit
- geringe Bildung
- Alkoholmissbrauch
- Schlaganfall
- Vitamin-D-Mangel
- Herzerkrankung
- soziale Isolation
Auch die Vererbung spielt eine Rolle. Bisher sind einige wenige Gene bekannt, die die Wahrscheinlichkeit für die Entstehung einer Alzheimer-Demenz erhöhen. So tritt in manchen Familien die Erkrankung bei mehreren Familienmitgliedern bereits in einem mittleren Lebensalter auf. Durch spezielle Genuntersuchungen lässt sich feststellen, ob eine solche präsenile Alzheimer-Demenz vorliegt.
Stadien der Alzheimer-Demenz
Die Alzheimer-Demenz ist eine chronische Erkrankung, die über mehrere Jahre fortschreitet. Die meisten Menschen sind älter als 65 Jahre, wenn sich die ersten Symptome zeigen. Wie lange die einzelnen Krankheitsstadien bei Alzheimer andauern, variiert je nach Einzelfall.
Lesen Sie auch: Nachteilsausgleiche bei Schlaganfall
- Frühstadium: Menschen mit Demenz im Frühstadium fällt es immer schwerer, ein komplett selbstständiges Leben zu führen. Sie werden vergesslicher und haben Probleme, sich zu konzentrieren. Komplexere Aufgaben des Alltags können bereits eine große Herausforderung darstellen. Die zunehmende Vergesslichkeit kann zu Ängsten, Stressgefühl, Aggressionen und auch Scham führen. Einige Menschen erleben depressive Verstimmungen und sind oft reizbar. Im frühen Stadium von Alzheimer, auch als Stadium 2 bekannt, sind die Störungen noch relativ gering. Allerdings ist das Kurzzeitgedächtnis bereits beeinträchtigt, und es fällt den Betroffenen schwer, sich zu konzentrieren und Gesprächen zu folgen. Sie benötigen Unterstützung bei finanziellen Angelegenheiten oder Behördengängen. Dinge werden verlegt, Informationen nicht behalten.
- Mittleres Stadium: Im mittleren Stadium können Menschen mit Demenz kein selbstständiges Leben mehr führen. Eigenständige Nahrungsaufnahme, Körperhygiene und eventuell auch einfache Tätigkeiten zu Hause sind noch möglich, bedürfen aber einer Erinnerung. Komplexere Aufgaben wie Einkaufen, Kochen, Putzen oder auch Spazierengehen sind nur mit Unterstützung anderer möglich. Insgesamt ist jetzt das Risiko höher, sich zu verirren und den Heimweg nicht mehr zu finden, den Herd oder das Bügeleisen angeschaltet zu lassen und dadurch sich und andere zu gefährden. Häufig ist auch der Tag-Nacht-Rhythmus gestört. Das Sprachverständnis und die Sprechfähigkeit nehmen ab. Vergangenheit und Gegenwart zu unterscheiden fällt immer schwerer. Ebenso nehmen Sprach- und Orientierungsprobleme sowie Vergesslichkeit zu und der Tag-Nacht-Rhythmus kann gestört sein. Häufig stellt sich im mittleren Stadium auch eine massive Unruhe ein. Viele Betroffene neigen dazu, aus der Wohnung zu laufen, eine sogenannte Hinlauftendenz. Für viele Angehörige ist es besonders schwierig, wenn der Erkrankte ihren Namen nicht mehr weiß oder sie für eine andere Person hält. Manchmal sogar für jemanden, den er nicht mag oder sogar fürchtet. Außerdem kann es zu aggressivem Verhalten und Wutausbrüchen kommen.
- Fortgeschrittenes Stadium: In diesem Stadium sind Menschen mit Demenz durchgehend auf die Hilfe anderer angewiesen. Sprechen und Verstehen kann sich als so schwierig erweisen, dass Gespräche kaum noch möglich sind. Selbst einfache Tätigkeiten sind nicht mehr selbstständig ausführbar. Beim Essen und Trinken ist Hilfe nötig. Menschen mit fortgeschrittener Demenz erkennen selbst nahestehende Personen häufig nicht mehr. Essen und Trinken ist nicht mehr selbstständig möglich. Die Betroffenen erkennen meist vertraute Personen nicht mehr, verlieren die Fähigkeit zu sprechen und ihre Bewegungen zu koordinieren. Im Endstadium von Alzheimer sind die meisten Patienten teilnahmslos. Verschiedene Faktoren im Endstadium von Alzheimer schwächen zudem das Immunsystem der Patienten. In der Folge sind sie anfälliger für Infektionskrankheiten, die dann oftmals tödlich enden.
Diagnose der Alzheimer-Demenz
Eine Alzheimer-Demenz lässt sich mit den aktuell verfügbaren Tests und Untersuchungsverfahren wie einer Computertomographie (CT) des Gehirns oder speziellen Laboruntersuchungen des Blutes nicht sicher erkennen. Daher ist eine umfassende Diagnostik nötig, um einen Verdacht auf Demenz bestätigen oder verwerfen zu können. Die erste Anlaufstelle ist meist die hausärztliche Praxis. In der weiteren Diagnostik arbeiten oftmals verschiedene Fachärztinnen und Fachärzte zusammen, vor allem aus den Bereichen Neurologie, Psychiatrie und Radiologie.
Für eine gesicherte Diagnose ist es wichtig, auch andere Erkrankungen als mögliche Auslöser bestehender Symptome im Blick zu haben: Denn Beschwerden wie zunehmende Vergesslichkeit, Orientierungsprobleme und Änderungen im Verhalten können ganz unterschiedliche Ursachen haben.
Die Diagnostik bei einer Alzheimer-Krankheit umfasst in der Regel mehrere Untersuchungen und spezielle Tests. Das ist wichtig, denn die Symptome des Patienten müssen gründlich bewertet und abgeklärt werden.
- Anamnese: Zu Beginn des Diagnoseprozesses steht eine ausführliche Eigen-, Fremd-, Familien- und Sozialanamnese unter Einschluss der vegetativen und Medikamentenanamnese. Da viele Erkrankungen zu dem klinischen Syndrom einer Demenz führen können, ist eine ausführliche internistische, psychiatrische und neurologische Untersuchung sehr wichtig.
- Kognitive Tests und psychometrische Tests: Im Rahmen von verschiedenen Demenz-Tests wird die geistige Leistungsfähigkeit untersucht. Dabei absolvieren Patienten kleinere Aufgaben und beantworten Fragen. Zur orientierenden Einschätzung kognitiver Störungen dient z. B. der Mini-Mental-Status-Test (MMST), der DemTect oder der Monteal Cognitive Assessment Test (MoCA). Der Uhrentest kann in Kombination mit anderen Kurztestverfahren eingesetzt werden, hat allein aber keine große diagnostische Wertigkeit. Insgesamt sind die Sensitivität und Spezifität der Tests vor allem bei beginnender Demenz begrenzt. Der Mini-Mental-Status-Test hat nach Abschluss des Diagnostikprozesses jedoch einen Stellenwert bzgl. der Schweregradeinteilung einer Alzheimer-Demenz:
- MMST 20 - 26 Punkte: leichte Alzheimer-Erkrankung
- MMST 10-19 Punkte: mittelschwere Alzheimer-Erkrankung
- MMST < 10 Punkte: schwere Alzheimer-Erkrankung
- Neuropsychologische Diagnostik: Bei klinisch nicht eindeutigem Befund, im frühen Stadium einer Alzheimer-Demenz oder bei noch unklarer Ätiologie einer Demenz sollte der kognitive Status der Betroffenen im Rahmen neuropsychologischer Diagnostik ausführlich untersucht werden.
- Blutuntersuchungen: Um reversible Demenzursachen auszuschließen, sollten als Standardparameter im Rahmen der Demenzdiagnostik Blutbild, Elektrolyte, Blutzucker und TSH bestimmt werden. Zudem ist die Erhebung der Parameter CRP, Leber- und Nierenfunktionswerte, Vitamin B12 und Folsäure sinnvoll.
- Liquoruntersuchung: Als nächsten Schritt bei der Alzheimer-Diagnostik steht die Liquorpunktion, bei der Zellzahl, das Gesamtprotein, die Laktatkonzentration, die Glukose, der Albuminquotient, die intrathekale IgG-Produktion und oligoklonale Banden bestimmt werden. Neben dem Ausschluss entzündlicher Demenzursachen können im Liquor auch Korrelate der neuropathologischen Veränderungen einer Alzheimer-Erkrankung gefunden werden. Es empfiehlt sich daher die Bestimmung der Parameter ß-Amyloid-1-42 und Gesamt-Tau oder Phospho-Tau.
- Bildgebende Verfahren: Besteht ein Demenzsyndrom, sollte eine zerebrale Bildgebung, als erste Wahl ein cMRT, durchgeführt werden. Bei Kontraindikationen wie z. B. einem Herzschrittmacher, kann stattdessen ein cCT angefordert werden. In der Bildgebung können einige potenziell reversible Ursachen wie ein Tumor, ein subdurales Hämatom oder ein Normaldruckhydrozephalus aufgedeckt werden und z. B. anhand des Atrophiemusters zwischen ätiologisch verschiedenen primären Demenzerkrankungen unterschieden werden. Bei klinisch unklarer Konstellation gibt es nuklearmedizinische Verfahren wie funktionelle Messungen des Glukosemetabolismus (18F-FDG-PET), Messungen der zerebralen Perfusion (HMPAO-SPECT) und die Darstellung des zerebralen Amyloids im PET, die die Diagnostik ergänzen können. Ein regelhafter Einsatz in der Diagnostik wird jedoch nicht empfohlen. Eine Sonographie der gehirnversorgenden Gefäße (Doppler- und Duplex) kann bei der Differentialdiagnose einer vaskulären Demenz relevant werden. In speziellen Fällen wie beim Verdacht auf eine Epilepsie, ein Delir oder eine Creutzfeld-Jakob-Erkrankung kann ein ergänzendes EEG sinnvoll sein, welches allerdings im regelhaften Einsatz bei der Demenz-Diagnostik ebenfalls nicht eingesetzt werden sollte.
- Genetische Beratung: Bei Verdacht auf die seltene, monogen vererbte Demenzerkrankung, z. B. bei frühem Beginn oder deutlicher Familienanamnese, sollte eine genetische Beratung angeboten werden. Im Rahmen der Aufklärung sei hier jedoch zu erwähnen, dass sich keine kausale Therapie aus dem Befund ergibt.
Behandlung der Alzheimer-Demenz
An Alzheimer-Demenz erkrankte Menschen benötigen eine langfristige Therapie und Begleitung. Abhängig von den persönlichen Bedürfnissen, der konkreten Lebenssituation und dem Erkrankungsstadium kann ein Betreuungsteam mit Fachkräften aus Medizin, Psychologie, Pflege und Sozialarbeit notwendig werden. Der Verlauf einer Alzheimer-Demenz lässt sich mit verschiedenen medikamentösen und nicht medikamentösen Behandlungsmaßnahmen positiv beeinflussen. Aufhalten oder heilen kann man die Erkrankung bislang jedoch nicht. Die familiäre Unterstützung ist meist ein wesentlicher Stützpfeiler der Betreuung. Ehrenamtliche Helferinnen und Helfer können hinzukommen.
Das Ziel der Demenz-Behandlung ist:
Lesen Sie auch: Umfassende Neurologie in Hof
- die Selbstständigkeit und die Alltagskompetenzen möglichst lange zu bewahren
- psychische Beschwerden abzumildern
- insgesamt die Lebensqualität zu fördern
- die tägliche Belastung von Angehörigen zu reduzieren
Nicht-medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten
Alle primären Demenzformen verlangen nach psychosozialer Intervention im Sinne von kognitiver Stimulation, Ergotherapie und ab dem mittleren Schweregrad auch multisensorischen Verfahren. Es ist wichtig, Angehöre in die Therapie mit einzubeziehen. Körperliche Aktivität verbessert das physische und psychische Funktionsniveau und ist in allen Stadien sinnvoll.
Zu den nicht medikamentösen Behandlungsmöglichkeiten gehören:
- Gedächtnis- und Orientierungsübungen
- gemeinsame Alltagsaktivitäten
- Kunst-, Aroma-, Tier- und Musiktherapie
- körperliche Aktivitäten
- Massagen
- Angehörigenschulungen
Medikamentöse Behandlungsmöglichkeiten
Generell ist eine Alzheimer-Erkrankung nicht heilbar und nur im Verlauf modifizierbar. Die Grundlage der spezifischen pharmakologischen Therapie von Morbus Alzheimer im Frühstadium ist die Acetylcholin-Mangelhypothese. Donepezil, Galantamin und Rivastigmin sind Acetylcholinesterasehemmer, die den Acetylcholinspiegel erhöhen sollen, um die kognitiven Funktionen zu verbessern. Eine wichtige Nebenwirkung von Donezepil sind kardiale Veränderungen wie eine QTc-Zeit-Verlängerung und ggf. ventrikuläre Tachykardien incl. Torsade de Pointes. Es wird daher eine EKG-Überwachung empfohlen. Generelle Nebenwirkungen von Acetylcholinesterasehemmern sind bradykarde Herzrhythmusstörungen, Synkopen, Übelkeit, Erbrechen und Appetitlosigkeit. Im mittleren und schweren Stadium der Alzheimer-Erkrankung können NMDA-Antagonisten (Memantine) eingesetzt werden, die Glutamat-Rezeptoren blockieren. Da bei Morbus Alzheimer erhöhte Glutamat-Spiegel festgestellt wurden, wirkt sich Memantin positiv auf die Kognition, Alltagsfunktion und den klinischen Gesamteindruck aus. Mögliche Nebenwirkungen sind QTc-Zeit-Verlängerungen, Übelkeit, Hypotonie, Unruhe und Verwirrtheit. Prinzipiell sollten die Medikamente unter Beachtung der Nebenwirkungen und Wechselwirkungen mit anderen Medikamenten möglichst langsam bis zur Maximaldosis aufdosiert werden. Neuere Forschungen setzten daran an, die Aktivität der ß-Sekretase zu beeinflussen, die an der Entstehung von Amyloid-Plaques beteiligt ist. Je nach zusätzlichen Symptomen bei der Alzheimer-Demenz können weitere Medikamente wie z.B. Antidepressiva oder Neuroleptika eingesetzt werden.
Zu den gängigsten Medikamenten zählen:
- Cholinesterasehemmer: Diese Medikamente sollen den Informationsaustausch von Nervenzellen anregen und so Demenz-Symptome lindern.
- Memantin: Der Wirkstoff soll verhindern, dass ein Überschuss an Glutamat das Gehirn schädigt. Denn bei Alzheimer-Demenz sammelt sich vermutlich zu viel Glutamat im Gehirn an, was zum Absterben von Nervenzellen führt.
- Extrakte aus den Blättern des Ginkgo-Baumes: Sie sollen die Durchblutung fördern und Nervenzellen schützen.
Wichtig zu wissen: Es gibt unterschiedliche Medikamente, die den Abbau der geistigen Fähigkeiten bei leichter und mittelschwerer Demenz etwas verzögern können. Diese Arzneimittel können auch Nebenwirkungen haben.
Lecanemab ist ein Antikörper, der die schädlichen Plaques im Gehirn erkennt und zur Beseitigung markiert. In Studien konnte der kognitive Abbau binnen 18 Monaten um 27 % verlangsamt werden. Zwar ist dies noch kein Heilmittel, aber ein wichtiger Durchbruch in der Alzheimer-Therapie. Lecanemab eignet sich nur für eine ganz bestimmte Gruppe von Menschen mit Alzheimer. Nur Menschen im Frühstadium der Alzheimer-Krankheit kommen dafür infrage. Wer das Medikament bekommt, muss medizinisch sehr aufmerksam begleitet werden, weil auch starke Nebenwirkungen möglich sind. Die Behandlung ist aufwendig: Alle 14 Tage ist eine einstündige Infusion nötig. Weitere ähnliche Medikamente sind aber bereits in der Entwicklung.
Leben mit Alzheimer-Demenz
Menschen mit Alzheimer-Demenz erleben ihre Situation sehr unterschiedlich. Manche schaffen es, die Erkrankung zu akzeptieren und ein aktives, zufriedenes Leben zu führen, solange es möglich ist. Andere sind niedergeschlagen, werden depressiv und ziehen sich immer mehr zurück. Einige versuchen, ihre Erkrankung und die damit einhergehenden Beschwerden zu verdrängen. Viele aber machen gute Erfahrungen, wenn sie offen mit ihrer Situation umgehen.
Diese Hilfestellungen werden immer wichtiger, denn im Verlauf einer Demenz ändert sich der Alltag ständig - auch für die Angehörigen. Gemeinsamen Aktivitäten und Hobbys nachzugehen fällt schwerer. Rollen und Verantwortlichkeiten verschieben sich. Konflikte innerhalb der Familie und der Partnerschaft können zunehmen. Mitunter stellen die Pflege und Betreuung Angehörige vor so große Herausforderungen, dass sie selbst Unterstützung benötigen. Der Austausch mit anderen - zum Beispiel in Selbsthilfegruppen - wird oft als wertvoll und unterstützend erlebt.
Vorsorgemöglichkeiten
Menschen mit Alzheimer-Demenz verlieren im Lauf der Erkrankung verstärkt ihre Selbstständigkeit. Sie müssen dann mehr und mehr von anderen versorgt werden. Auch wichtige Entscheidungen können sie irgendwann nicht mehr eigenständig fällen. Daher ist es im Anfangsstadium einer Demenz wichtig, sich frühzeitig mit den zu erwartenden Auswirkungen auseinanderzusetzen und gezielte Vorkehrungen zu treffen.
Mit einer Vorsorgevollmacht oder einer Betreuungsverfügung lässt sich regeln, wer später Aufgaben in der Versorgung übernehmen und Entscheidungen treffen soll. Eine Patientenverfügung stellt sicher, dass Ihre medizinischen Wünsche auch in unerwarteten Situationen respektiert werden und bewahrt so Ihre Selbstbestimmung. Sie greift in Situationen, in denen Sie aufgrund von Krankheit oder Verletzung nicht in der Lage sind, sie selbst auszudrücken.
Hilfsangebote für pflegende Angehörige
Mit dem Fortschreiten einer Demenz werden die psychosoziale Betreuung, die Versorgung durch Pflegekräfte und die Entlastung pflegender Angehöriger immer wichtiger. Ein erster Schritt zu hilfreicher Unterstützung können örtliche Angebote sein: zum Beispiel Tagespflege-Einrichtungen, eine stundenweise Betreuung der zu pflegenden Person, Pflegekurse oder auch Gesprächsgruppen für Angehörige. Wenn Sie feststellen, dass sich ein Unterstützungsbedarf abzeichnet, sollten Sie den möglichen Anspruch auf einen Pflegegrad prüfen. Denn mit diesem stehen der betroffenen Person verschiedene Leistungen der Pflegeversicherung zu, die ihren Pflegealltag erleichtern sollen.
Prävention
Um einer Alzheimer-Demenz vorzubeugen, empfiehlt es sich die Prävention der oben genannten Erkrankungen, die in die Ätiologie der Erkrankung einfließen. Obwohl Alzheimer bisher nicht bei allen Menschen verhindert werden kann, deuten Studien darauf hin, dass bestimmte Faktoren das Erkrankungsrisiko senken können. Zu den wichtigsten präventiven Maßnahmen gehören regelmäßige körperliche Bewegung, gesunde Ernährung (insbesondere mediterrane Kost), geistige Aktivität und die Pflege sozialer Kontakte.