40 Grad Fieber bei Parkinson: Ursachen, Risiken und Prävention

Fieber kann viele Ursachen haben, und bei Menschen mit Parkinson können zusätzliche Faktoren eine Rolle spielen. Dieser Artikel beleuchtet die potenziellen Ursachen für hohes Fieber bei Parkinson-Patienten, die besonderen Risiken, denen sie ausgesetzt sind, und die Maßnahmen, die zur Vorbeugung und Behandlung ergriffen werden können.

Einführung

Parkinson-Patienten sind im Sommer anfälliger für Hitzeerschöpfung, da eine Reihe Medikamente, die zur Behandlung dieser Krankheit eingesetzt werden, die Funktion der Schweißdrüsen beeinträchtigen können. Im Allgemeinen treten Infektionskrankheiten im Erwachsenenalter mit steigendem Alter häufiger auf. Pneumonien und Harnwegsinfektionen sind die häufigsten Infektionskrankheiten im höheren Lebensalter, gefolgt von Haut- und Weichteilinfektionen und gastrointestinalen Infektionen.

Ursachen für Fieber bei Parkinson

Fieber ist ein Symptom, das auf eine zugrunde liegende Ursache hinweist. Bei Parkinson-Patienten können folgende Faktoren zu Fieber beitragen:

  • Infektionen: Bakterielle Infektionen verlaufen bei älteren Menschen oft schwerer und komplikationsreicher als bei jüngeren Menschen, Bakteriämie und septische Verläufe sind häufiger. Infektionen sind häufige Auslöser eines Delirs. Infektionen können das Risiko für verschiedene Akuterkrankungen erhöhen, insbesondere für kardiovaskuläre Erkrankungen.

  • Beeinträchtigte Wärmeregulation: Parkinson beeinträchtigt das autonome Nervensystem, welches für die Regulierung der Körpertemperatur verantwortlich ist.

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  • Medikamente: Achtung, insbesondere Parkinson-Patienten sind im Sommer anfällig für eine Hitzeerschöpfung, da eine Reihe Medikamente, die zur Behandlung dieser Krankheit eingesetzt werden, die Funktion der Schweißdrüsen beeinträchtigen können. Auch Beruhigungsmittel oder Psychopharmaka können die körpereigene Wärmeregulation negativ beeinträchtigen.

  • Hitzeerschöpfung und Hitzschlag: Bei Hitze und damit einhergehende erhöhte Körpertemperatur, eine unzureichende Versorgung mit Flüssigkeit und fehlende Salze sind eine Kombination, die zu einer Überforderung des körpereigenen Kühlsystems führen und die Körpertemperatur zu stark steigt. Eine Überforderung deswegen, weil sich der Körper nicht durch Transpiration abkühlen kann.

  • Rigor: Als Rigor bezeichnet man durchgehend unwillkürlich angespannte Muskeln. Er ist eines der Hauptsymptome bei Parkinson und entsteht aufgrund der damit einhergehenden Nervenschäden im Gehirn. Muskelsteifigkeit kann jedoch auch im Zusammenhang mit verschiedenen Erkrankungen, Verletzungen oder Nebenwirkungen von Arzneimitteln auftreten.

Hitzeerschöpfung, Sonnenstich und Hitzschlag

Hitze kann unterschiedliche Krankheitsbilder auslösen, die sich in ihrem Schweregrad deutlich unterscheiden:

  • Kollaps: Akuter Blutdruckabfall durch Flüssigkeitsmangel. Symptome sind Schwindel, Blässe und Ohnmacht. Maßnahmen: Beine hochlagern, Flüssigkeit geben.

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  • Hitzeerschöpfung: Flüssigkeits- und Salzverlust durch Schwitzen. Symptome sind Müdigkeit, Übelkeit, Kopfschmerzen und Kreislaufprobleme. Maßnahmen: Schatten, Flüssigkeit & Elektrolyte, Ruhe.

  • Sonnenstich: Direkte Sonneneinstrahlung auf Kopf/Nacken. Symptome sind Kopfschmerzen, Nackensteifigkeit, Übelkeit, evtl. Bewusstseinsstörungen. Maßnahmen: Kühlung des Kopfes, Schatten, Hochlagerung.

  • Hitzschlag: Körperkerntemperatur über 40 °C. Symptome sind Verwirrtheit, Krämpfe, heiße trockene Haut, Bewusstlosigkeit. Dies ist ein Notfall!

Spezifische Risiken bei Parkinson

Parkinson-Patienten haben aufgrund ihrer Erkrankung und der damit verbundenen Begleitumstände ein erhöhtes Risiko für Komplikationen im Zusammenhang mit Fieber:

  • Eingeschränkte Mobilität: Körperliche Belastung sorgt für eine Aufheizung des menschlichen Körpers. Für eine schnelle Verbesserung der belastenden Situation sollte dicke Kleidung abgelegt und große Menschenmengen gemieden werden.

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  • Schluckstörungen (Dysphagie): Eine Dysphagie im höheren Lebensalter geht mit einem erhöhten Risiko für Aspirationspneumonien, Malnutrition, Exsikkose, schwerwiegende Komplikationen und Mortalität einher.

  • Kognitive Beeinträchtigungen: Halluzinationen kommen auch im normalen Alltag vor, im Halbschlaf zum Beispiel.

  • Kommunikationsprobleme: Die Sprache wird oft undeutlicher und verwaschener.

  • Erhöhtes Sturzrisiko: Im Zuge der MSA-Krankheit treten meist Gangunsicherheiten auf, die mit Stolpern und Stürzen einhergehen können.

Prävention von Fieber und Hitzebedingten Erkrankungen

Die Vorbeugung von Fieber und hitzebedingten Erkrankungen ist für Parkinson-Patienten von entscheidender Bedeutung:

  • Ausreichende Flüssigkeitszufuhr: Um eine Hitzeerschöpfung vorzubeugen, sollte die Pflegekraft darauf achten, dass der Patient ausreichend trinkt. Auch dann, wenn der geriatrische Patient keinen Durst hat, denn die Trinkmenge ist wichtig, um einem Hitzschlag vorzubeugen. Gerade bei lang aufgeheizten Räumen ist das eigene Durstgefühl kein verlässlicher Anzeiger mehr, ob ein Flüssigkeitsmangel besteht oder nicht.

  • Kühle Umgebung: Die Pflegekraft hat dafür zu sorgen, dass die Zimmer des Patienten auch im Sommer regelmäßig gelüftet werden. Klimaanlage und/oder ein Ventilator können für ein angenehmes Raumklima sorgen.

  • Vermeidung von Überanstrengung: Gerade bei sehr hohen Temperaturen im Sommer sollte die körperliche Aktivität an die Temperaturen angepasst werden.

  • Geeignete Kleidung: Auch das Tragen weiter und lockerer Kleidung ist Pflicht.

  • Sonnenschutz: Der Bewohner ist von einer dauerhaften direkten Sonneneinstrahlung zu schützen (z. B. Sonnendach, Sonnenhut usw.), damit es nicht zu einem Sonnenstich kommt. Genauso wie das Auftragen von Sonnencreme.

  • Medikamentenüberprüfung: Medikamente an Hitzetagen prüfen (z. B. Diuretika, Psychopharmaka).

  • Frühzeitiges Erkennen von Symptomen: Unser Warn-Aufkleber lässt sich gut im Sichtbereich platzieren und wird deutlich erkennbar rot, wenn die Temperatur 28° erreicht, um so daran zu erinnern, zu trinken und ggf. das Pflegepersonal um Hilfe zu bitten.

Maßnahmen bei Fieber und Hitzeerschöpfung

Wenn ein Parkinson-Patient Fieber entwickelt oder Anzeichen einer Hitzeerschöpfung zeigt, sind folgende Maßnahmen erforderlich:

  • Arzt konsultieren: Ist die Körpertemperatur des Patienten zu hoch, ist sofort ein Arzt zu verständigen.

  • Kühlung: Aktive KühlungEs sollte für eine aktive Kühlung gesorgt werden. In welcher Form hängt davon ab, was für den Senioren zumutbar ist bzw. was er verträgt (z. B. Coolpacks, kalte Umschläge usw.)Insbesondere die Leisten, der Nacken, die Füße und die Hände sollten aktiv gekühlt werden. Ist das „Fieber bei Hitzeerschöpfung“ relativ hoch, sollten abkühlende Maßnahmen getroffen werden, wie z. B. unter die Dusche stellen. Der Patient sollte maximal mit einer sehr dünnen Decke bzw. dem Betttuch abgedeckt werden.

  • Flüssigkeitszufuhr: Solange der Betroffene nicht erbricht und bei Bewusstsein ist, sollte ihm reichlich zu trinken gegeben werden. Am besten sind elektrolythaltige Getränke. Alternativ wären auch eine Bouillon, eine Fruchtschorle, alkoholfreies Bier, Mineralwasser oder Wasser, das minimal gesalzen wurde, geeignet.

  • Ruhe: Von einer Hitzeerschöpfung betroffene Patienten sollten sich flach hinlegen und die Beine leicht erhöht ablegen.

  • Überwachung: Zeigt der Betroffene die Symptome eines Schocks, sollte er so lange wie möglich wachgehalten werden. Währenddessen ist dessen Atmung und Puls zu überwachen. Wird der Patient bewusstlos, ist er in eine stabile Seitenlage zu bringen. Bei einem Atem- oder Kreislaufstillstand muss sofort eine Herz-Lungen-Wiederbelebung erfolgen.

  • Schocklage: Ist der Patient bei Bewusstsein, ist er in Schocklage zu bringen. Das bedeutet, der Oberkörper sollte möglichst ebenerdig liegen, während die Beine in einer erhöhten Position gelagert werden.

Parkinson und Begleiterkrankungen

Die Prävalenz chronischer und degenerativer, aber auch akuter Erkrankungen steigt mit zunehmendem Alter. Multimorbidität ist ein Kennzeichen des geriatrischen Patienten. Jede einzelne Erkrankung für sich kann Auswirkungen auf die Infektionsanfälligkeit und den Verlauf von Infektionskrankheiten haben. Beispielsweise haben Patienten mit einer chronisch-obstruktiven Lungenerkrankung (COPD) oder einer pulmonalen Stauung im Rahmen einer kardialen Dekompensation ein erhöhtes Risiko, an einer Pneumonie zu erkranken. Haut- und Weichteilinfektionen treten bei Patienten mit Diabetes mellitus oder peripherer arterieller Verschlusskrankheit (pAVK) gehäuft auf. Bei Patienten mit rheumatoider Arthritis, Arthrose oder einliegenden Gelenkprothesen ist das Risiko für Gelenkinfektionen erhöht. Autoimmunerkrankungen, hämatoonkologische Erkrankungen und dialysepflichtige Niereninsuffizienz sind mit einem generell erhöhten Risiko für Infektionen assoziiert.

Medikamente und ihre Auswirkungen

Der verbreitete Gebrauch von Medikamenten, die Abwehrmechanismen des Organismus und andere Funktionen des Immunsystems beeinflussen können, macht ältere Menschen anfälliger für Infektionen [15]. Neuroleptika können beispielsweise durch die unerwünschte Nebenwirkung Dysphagie und durch sedierende Effekte zum vermehrten Auftreten von Pneumonien führen. Der Gebrauch von Anticholinergika ist mit einem erhöhten Risiko für Harnwegsinfektionen und Pneumonien assoziiert, der Gebrauch von Protonenpumpenhemmern mit dem vermehrten Auftreten von gastrointestinalen Infektionen und insbesondere C. difficile-Enteritiden. Glukokortikoide und andere Immunsuppressiva gehen mit einem generell erhöhten Risiko für Infektionskrankheiten verschiedener Organsysteme und für Septitiden einher.

Geriatrische Syndrome

Geriatrische Syndrome beeinflussen die Infektionsanfälligkeit und den Verlauf von Infektionskrankheiten, hierbei sind insbesondere die Mangelernährung (Malnutrition) und die Sarkopenie hervorzuheben. Malnutrition trägt zur Dysregulation des Immunsystems bei, u. a. zur Reduktion von zirkulierendem IgA und zirkulierender T-Zellen [16] sowie zur Verminderung von Zytokinproduktion und Phagozytose [17]. Sie führt zu einer erhöhten Anfälligkeit für Infektionen [9] und ist mit einem erhöhten Risiko für schwere bzw. tödliche Verläufe von Infektionskrankheiten assoziiert [18]. Die Sarkopenie, d. h. der Verlust von Muskelmasse und Muskelkraft, geht mit einer Beeinträchtigung von Alltagsfunktionen, körperlicher Aktivität, Mobilität und Lebensqualität einher. Metabolische Veränderungen bei der Sarkopenie begünstigen einen proinflammatorischen Zustand, durch den die Entstehung verschiedener Erkrankungen gefördert wird und der Auswirkungen auf die Infektionsresistenz und -bewältigung hat. Sarkopenie der Zwerchfell- und Atemmuskulatur führt zu Einschränkungen bei der Atmung [19]. Ist die Muskulatur der Zunge, des Pharyx und Ösophagus betroffen, kommt es zur „sarkopenen Dysphagie“. Eine Dysphagie im höheren Lebensalter geht mit einem erhöhten Risiko für Aspirationspneumonien, Malnutrition, Exsikkose, schwerwiegende Komplikationen und Mortalität einher [20, 21]. Bei selbstständig lebenden Personen ≥ 70 Jahre verdoppelt sich das Risiko für eine Pneumonie bei Vorhandensein einer Dysphagie [22].

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