Die Schwangerschaft neigt sich dem Ende zu, und die werdende Mutter befindet sich in der 40. Schwangerschaftswoche (SSW). Die Freude auf das Baby ist riesig, doch gleichzeitig können verschiedene Beschwerden auftreten. Eine davon ist, dass das Baby auf einen Nerv drückt, was unangenehme Schmerzen verursachen kann. Dieser Artikel beleuchtet die Ursachen, Symptome und möglichen Linderungsmaßnahmen, um diese letzte Phase der Schwangerschaft so angenehm wie möglich zu gestalten.
Einführung in die Endphase der Schwangerschaft
Die letzten Wochen der Schwangerschaft sind oft von Ungeduld und dem Wunsch geprägt, das Baby endlich in den Armen zu halten. Der Körper bereitet sich intensiv auf die Geburt vor, und es kommt zu einer Reihe von Veränderungen, die sowohl körperlich als auch psychisch belastend sein können. Es ist wichtig, die Signale des Körpers richtig zu deuten und zu wissen, welche Maßnahmen helfen können, um die Beschwerden zu lindern.
Geburtsanzeichen und Vorboten
Obwohl der errechnete Geburtstermin ein Richtwert ist, kommen nur wenige Babys genau an diesem Tag zur Welt. Es ist daher hilfreich, die ersten Anzeichen und Vorboten der Geburt zu kennen:
- Das Baby begibt sich in Startposition: Einige Wochen vor der Geburt drehen sich die meisten Babys mit dem Kopf nach unten in die sogenannte vordere Hinterhauptslage und sinken tief ins Becken.
- Innere Unruhe und Schlaflosigkeit: Viele Frauen verspüren kurz vor der Geburt eine innere Unruhe und können trotz Erschöpfung nicht richtig schlafen.
- Veränderung der Kindsbewegungen: Das Baby wird ruhiger, da es in der Gebärmutter eng wird.
- Abgang des Schleimpfropfs: Der Schleimpfropf, der die Gebärmutter vor Keimen geschützt hat, löst sich.
- Blasensprung: Die Fruchtblase platzt, was ein deutliches Zeichen für den Geburtsbeginn ist.
- Eröffnungswehen: Regelmäßige Wehen, die im Laufe der Zeit stärker und schmerzhafter werden.
Ursachen für Nervenschmerzen in der 40. SSW
In der 40. SSW kann das Baby aufgrund seiner Größe und Lage auf verschiedene Nerven drücken, was zu Schmerzen führen kann. Häufig betroffen sind der Ischiasnerv und Nerven im Beckenbereich.
- Druck auf den Ischiasnerv: Der Ischiasnerv verläuft von der Lendenwirbelsäule abwärts über den Gesäßmuskel und das Kniegelenk bis hin zum Fuß. Wenn das Baby auf diesen Nerv drückt oder ihn einklemmt, kann dies zu ziehenden oder brennenden Schmerzen vom Po bis ins Bein führen.
- Gewichtszunahme und veränderte Körperhaltung: Die zusätzlichen Kilos und die Verlagerung des Körperschwerpunkts können zu einer stärkeren Belastung der Wirbelsäule und des Beckens führen, was wiederum Nerven reizen kann.
- Hormonelle Veränderungen: Die Schwangerschaftshormone lockern die Bänder und Sehnen im Beckenbereich auf, was zu einer Instabilität führen und Nervenschmerzen begünstigen kann.
- Symphysenlockerung: Die Symphyse, die vordere Verbindung der beiden Beckenhälften, kann sich durch die hormonelle Auflockerung erweitern, was zu Schmerzen im Beckenbereich führen kann, die bis in die Hüften und Beine ausstrahlen.
Symptome von Nervenschmerzen in der 40. SSW
Die Symptome können je nach betroffenem Nerv variieren:
Lesen Sie auch: Leistenschmerzen in der Schwangerschaft: Was Sie wissen müssen
- Ischiasschmerzen: Ziehende, brennende Schmerzen vom unteren Rücken über das Gesäß bis ins Bein. Die Schmerzen können sich bei Bewegung verstärken.
- Beckenschmerzen: Schmerzen im Bereich der Symphyse, die bis in die Hüften und Beine ausstrahlen können. Die Schmerzen können sich beim Gehen, Treppensteigen oder bei ruckartigen Bewegungen verstärken.
- Rückenschmerzen: Allgemeine Rückenschmerzen, die durch die Belastung der Wirbelsäule und die veränderte Körperhaltung verursacht werden.
- Taubheitsgefühl oder Kribbeln: In einigen Fällen können Nervenschmerzen auch mit Taubheitsgefühl oder Kribbeln in den betroffenen Bereichen einhergehen.
- Schmerzen im Oberschenkel: Ziehende Schmerzen im Oberschenkel, die durch Druck auf Nerven im Beckenbereich verursacht werden können.
Was tun bei Nervenschmerzen? Linderungsmaßnahmen und Tipps
Es gibt verschiedene Maßnahmen, die helfen können, die Nervenschmerzen in der 40. SSW zu lindern:
- Entlastung der Wirbelsäule:
- Knie-Ellenbogen-Lage: Mehrmals täglich in die Knie-Ellenbogen-Lage gehen (Beine dabei körperweit auseinander, Kopf auf die Hände legen, kein Hohlkreuz machen). Diese Position kann helfen, den Druck vom Ischiasnerv zu nehmen.
- Stufenlagerung: Wenn möglich, eine Stufenlagerung ausprobieren, um die Wirbelsäule zu entlasten.
- Seitliche Lage: Auf der schmerzfreien Seite schlafen und ein Kissen zwischen die Knie legen, um die Wirbelsäule zu entlasten.
- Bewegung:
- Spaziergänge: Leichte Spaziergänge können helfen, die Muskeln zu lockern und die Durchblutung zu fördern.
- Dehnübungen: Sanfte Dehnübungen für den Rücken und die Beine können helfen, Verspannungen zu lösen.
- "Katzenbuckel und Kuh": Diese Übung kann helfen, die Rückenmuskulatur zu entspannen.
- Beinschwingen: Seitlich an die Wand stellen und das äußere Bein schwingen, um die Hüftmuskulatur zu lockern.
- Dehnung im Sitzen: Einen Fuß mit dem Knöchel auf Höhe des Knies ablegen und das hochgelagerte Bein dehnen.
- Dehnung im Liegen: Fußsohlen zusammenlegen und beide Knie nach unten dehnen.
- Wärme:
- Warme Bäder: Ein warmes Bad mit entspannenden Ölen kann helfen, die Muskeln zu lockern und die Schmerzen zu lindern.
- Wärmflasche oder Kirschkernkissen: Eine Wärmflasche oder ein Kirschkernkissen auf den betroffenen Bereich legen, um die Muskeln zu entspannen.
- Massagen:
- Sanfte Massagen: Sanfte Massagen des Rückens und der Beine können helfen, Verspannungen zu lösen und die Durchblutung zu fördern.
- Massage durch den Partner: Der Partner kann den Rücken sanft massieren, während die Schwangere verkehrt herum auf einem Stuhl mit Lehne sitzt und die Arme am oberen Stuhlende verschränkt.
- Unterstützende Hilfsmittel:
- Schwangerschafts-Stützgürtel oder Beckengurt: Das Tragen eines Stützgürtels oder Beckengurts kann helfen, das Becken zu stabilisieren und den Druck auf die Symphyse zu reduzieren.
- Kissen: Kissen zwischen den Knien beim Schlafen können helfen, die Wirbelsäule zu entlasten.
- Weitere Maßnahmen:
- Akupunktur: Einige Frauen empfinden Akupunktur als hilfreich zur Linderung von Schmerzen.
- Physiotherapie oder Osteopathie: Ein Physiotherapeut oder Osteopath kann helfen, Verspannungen zu lösen und die Körperhaltung zu verbessern.
- Homöopathie: Einige Frauen haben gute Erfahrungen mit Homöopathie gemacht, jedoch ist die Wirksamkeit wissenschaftlich umstritten.
- Schmerzmittel: Schmerzmittel sollten in der Schwangerschaft nur nach Rücksprache mit dem Arzt eingenommen werden. In einigen Fällen kann Paracetamol eine Option sein.
Wann sollte man einen Arzt aufsuchen?
In den meisten Fällen sind Nervenschmerzen in der 40. SSW zwar unangenehm, aber harmlos. Es gibt jedoch Situationen, in denen ein Arzt aufgesucht werden sollte:
- Starke, unerträgliche Schmerzen: Wenn die Schmerzen so stark sind, dass sie den Alltag stark beeinträchtigen.
- Taubheitsgefühl oder Kribbeln: Wenn Taubheitsgefühl oder Kribbeln in den Beinen oder Füßen auftritt.
- Verlust der Kontrolle über Blase oder Darm: Wenn es zu einem Verlust der Kontrolle über Blase oder Darm kommt.
- Anzeichen eines Bandscheibenvorfalls: Wenn die Schmerzen plötzlich auftreten und sich bei Bewegung verschlimmern.
- Unsicherheit: Wenn Unsicherheit besteht oder die Schmerzen ungewöhnlich sind.
Bedeutung für die Geburt
Nervenschmerzen im Beckenbereich können die Wahl der Gebärposition beeinflussen. Positionen, die die Symphyse wenig belasten, wie die Seitenlage mit einem Kissen zwischen den Beinen oder der Vierfüßlerstand, können angenehmer sein.
Psychische Aspekte und Umgang mit der Situation
Die letzten Tage vor der Geburt können nervenaufreibend sein. Es ist wichtig, sich bewusst Zeit für Entspannung und positive Gedanken zu nehmen. Gespräche mit dem Partner, der Familie oder Freunden können helfen, Ängste und Sorgen abzubauen. Auch der Austausch mit anderen Schwangeren kann hilfreich sein, um sich nicht allein mit den Beschwerden zu fühlen.
Lesen Sie auch: Diagnose und Therapie von ZNS-Störungen im Säuglingsalter
Lesen Sie auch: Behandlungsmöglichkeiten bei Epilepsie im Mutterleib